Angelia

Blog von Angelia

12.06.2010 | 12:43

Boykott der SPD zu Gunsten der Linken?

 

Mit Interesse verfolge ich die Artikel von Tom Strohschneider. Teilweise finde ich mich auf seiner Linie wieder. Anderes macht mir Bauchschmerzen. So ist mir die Tendenz, “die Linke” zu unterstützen, sympathisch. Dies aber auf Kosten der SPD zu tun¹ verursacht bei mir ein Unbehagen.

Ja, die SPD hat in der Vergangenheit schwere Fehler gemacht. Durch die Ära Schröder hat sie nicht nur das Soziale und Solidarische, sondern auch demokratische Strukturen desavouiert. Dafür ist sie von ihren Wählern abgestraft und mit der Bildung “der Linken” konfrontiert worden.  

Es spielt nun keine Rolle mehr, dass und welcher Druck zur Richtungsänderung von wem auf die SPD ausgeübt wurde. Fakt ist, die SPD hat Mist gebaut. Sie hat den Weg für einen radikalen Umbau einer solidarischen und demokratischen Gesellschaft hin zu einer Diktatur der wirtschaftlichen Interessen geebnet. Doch es macht durchaus Sinn, den Faktor Druck und Erpressung von Seiten diverser Weltenlenker zur Urteilsfindung über die SPD im Hinterkopf zu behalten.

Was hätte es für mögliche Auswirkungen auf unsere Gesellschaft gehabt, hätte sich die SPD dem Druck konsequent verweigert? Man muss nicht glauben, dass zum Beispiel das Schröder´sche Nein-Basta zum Irakkrieg für unsere Gesellschaft kostenlos war. Wir bezahlten mit einem, seitens der Bush-Administration initiierten, unterschwelligen wirtschaftlichen Boykott. Folge dessen kam es reihenweise zu Insolvenzen deutscher Firmen mit amerikanischen Investoren und zum Verlust von Arbeitsplätzen. Das und wie so was geht, begreift man, wenn man u.a. die Geschichte Chiles und das Wirken der Amerikaner dort betrachtet.

Außerdem befindet sich Deutschland in einer prekären Situation. Der eingeschlagene Weg des radikalen Umbaus hin zu einer Diktatur der wirtschaftlichen Interessen wird nun mit grauenhafter Vehemenz von schwarz/gelb vorangetrieben, sodass einem angst und bange werden kann.

Es scheint sich ferner abzuzeichnen, dass Frau Merkel vor allem erst mal nur eins, machtverliebt, ist. Ebenso gelingt es ihr nicht nur nicht, ihrer eigenen Plattitüde, Kanzlerin aller Deutschen sein zu wollen, gerecht zu werden. Offensichtlich begreift sie sich selbst als eine von einem Aufsichtsrat eingesetzte Geschäftsführerin eines Wirtschaftsunternehmens, statt als eine, lt. Grundgesetz definierte und vom Volk legitimierte Volksvertreterin.

Dass sie mit diesem Selbstverständnis ihren Koalitionspartner dominieren lässt, statt ihm zu Gunsten der Gesellschaft die Stirn zu bieten, erklärt sich somit von selbst. Vor diesem Hintergrund und im Zusammenhang mit dem Boykott der SPD zu Gunsten der Linken, macht es Sinn sich zwei Dinge zu fragen:

1. Hat “die Linke” sich derart stabil und vernunftbegabt formiert, um die richtige Antwort auf die SPD und schwarz/gelb sein zu können?

2.Im Hinblick auf das Wohl der Gesellschaft und nicht hinsichtlich des Wohls “der Linken” muss man fragen, ob wir es uns überhaupt leisten können, die SPD zu Gunsten “der Linken” zu boykottieren, statt die SPD bei ihrem Neufindungsprozess zu unterstützen und zu stärken.  

Man sollte bedenken, dass wir zur Zeit kein anderes politisches Personal haben. Und sollte es in naher Zukunft zu Neuwahlen kommen, können wir nur auf das Vorhandene zurückgreifen.

Die SPD ist eine historisch gewachsene Partei, die im Kern durchaus das politische Potential hat, um zu einer vernünftigen sozialdemokratischen Politik zurück zu finden. Die Linke, deren Richtung ich tendenziell unterstütze, kann aber nur dann gut für unser Land sein, wenn sie mit der SPD kooperiert, aufhört, die SPD vor sich hertreiben zu wollen und begreift:

1. dass politisches Handeln letztendlich pragmatisch und nicht metaphysisch ist

2. dass man innerhalb einer Demokratie Mehrheiten für ein gemeinsames Ziel braucht

3. dass die Utopie von einer gerechteren Gesellschaft zwar zwingend notwendig aber nicht ein und dasselbe wie eine sozialistische Ideologie ist

und

4. dass es aus diesem Grund nicht reicht, die Schwäche des Gegners sowie Missstände aufzulisten und eine schöne neue Welt nur zu postulieren.

 

1. Link zu die Schwäche des Gegners

 www.freitag.de/politik/1023-die-schw-che-des-gegners

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
KalleWirsch schrieb am 12.06.2010 um 13:21
Mir ist die Glorifizierung der LINKEN bei aller berechtigter Kritik an der SPD auch ein Rätsel. Ähnlich passierte das mit den Grünen bis sie Regierungsbeteiligung annahmen. Das tut die LINKE unbestritten schon in einigen Ländern. Und genau hier ist der Heiligenschein auch schon gefallen.
Ich glaube auch, dass es zu einfach ist, allein die SPD für das schlechte Verhältnis der beiden Parteien verantwortlich zu machen. Arroganz gegenüber dem anderen herrscht da auf beiden Seiten.
Auch das hatten wir vor rot-grün schon.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.06.2010 um 00:16
Realpolitisch haben wir nur eine Chance, wenn wir in der Vorrunde ausscheiden und der Wählerzorn gleich den ganzen Staat abwählt und in der Folge das 1990 versäumte nachholt, nämlich ein gänzlich neues Gemeinwesen zu bauen, zusammen zu bauen. Und die Trikotfarben wären beispielsweise schwarz und rot, oder schwarz und lila, oder honiggelb und milchweiß.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.06.2010 um 00:16
Und Lena singt NICHT die neue Hymne.
B.V. schrieb am 12.06.2010 um 13:41
Für mich und für Berlin (nächstes Jahr Wahlen) stellt sich die Frage etwas anders.
Auch wenn die linken Sozialsenatorinnen der PDL durchaus meine Achtung genießen und getan haben was in ihren Möglichkeiten lag, ist das unterm Strich zu wenig. Hier muß ich die rot-rote Regierung als Ganzes sehen, und was die abgeliefert haben war sehr dürftig, das hätte auch eine schwarz-rote Regierung kaum schlechter gemacht. Sie haben so gut wie NICHTS für die Verbesserung der sozialen Situation in Berlin getan, das Einzige was heraus kam ist die sog. Berlin Card von Frau Knacke-Werner. Das war´s. Und dafür soll man sie in ihren gut bezahlten Jobs noch mal bestätigen? Ich finde nö, wenn sie bis dahin nicht gravierendes ändern.
Mindestens den Umzugszwang für Hartz IV-Empfänger auf Landesebene zurück nehmen, keinen weiteren Verkauf von landeseignen Wohnungsgesellschaften, keine weiteren Mietsteigerungen in Sozialwohnungen und Rücknahme der Mieterhöhungen der letzten 2 Jahre, seit auslaufen der Förderzuschüsse. Sollten sie das vor den nächsten Wahlen nicht hinbekommen, gibt´s von mir auch keine Stimme. Als Wahlversprechen für die nächste Legislatur können sie sich das Schenken.

So habe ich der derzeitigen Rot-Rot-Koalition mein Ultimatum gestellt.
Grundgütiger schrieb am 12.06.2010 um 16:58
Wenn sich Gewichtungen verschieben, so z.B. bei der SPD hin zu mehr "Marktwirtschaft" um es vorsichtig zu formulieren, kann eine Partei, und das gilt eigentlich für alle, nicht erwarten, das dies ohne Folgen geschieht.
In unserem Fall hat sich eine neue Partei etabliert, die Positionen, die einst von der SPD abgedeckt waren, als Programm vorstellt.
Da geht es uns Allen so, wenn wir uns Bilder ansehen, die vielleicht schon zwanzig Jahre alt sind. Das soll ich gewesen sein? Was sah ich damals gut aus.
Und so arbeitet die SPD schon wieder ein bisschen an ihrem Programm für die nächsten Jahre. Wessen Verdienst?
Ich sage einmal von all denen, die sozial denken und handeln.
Der Kapitalismus tritt m. E. in eine neue Phase ein. Geld, das mit Zahlen kaum noch zu begreifen ist, sucht eine Anlage, möglichst hochprofitabel.
Gewinne aus Produktion und Handel wirken auf viele nur noch lächerlich.
Sie wollen mehr. Und nehmen sich den Staat als Geisel.
Zur jetzigen Zeit, wo eine 4,9% Partei die Vorgaben ihrer Auftraggeber versucht umzusetzen, gilt es Mitkämpfer für eine soziale Politik zu finden.
Die kann es aber zur Zeit nur von Links, Grün oder Sozialdemokratie geben.
Lieber B.V. ,wählen Sie doch Andere.
Nur, die Chance, die angesprochenen Misstände zu ändern, sehe ich weder bei CDU, noch FDP.
Vielleicht täte ja auch eigenes Engagement etwas ändern.
Noch ist nix verboten.
Und bis zum anstrengungslosen Wohlstand für Alle ist es noch ein weiter Weg.
B.V. schrieb am 12.06.2010 um 18:20
"Mitkämpfer für eine soziale Politik zu finden...
Die kann es aber zur Zeit nur von Links, Grün oder Sozialdemokratie geben."

"Das ist sicher richtig. Aber bei meiner Kritik die Berliner Verhältnisse betreffend bleibe ich.

"Lieber B.V. ,wählen Sie doch Ander
Nur, die Chance, die angesprochenen Misstände zu ändern, sehe ich weder bei CDU, noch FDP."

Na, das steht für mich sowieso außer Frage, die habe ich nun überhaupt nicht im Blickfeld.

"Vielleicht täte ja auch eigenes Engagement etwas ändern.
Noch ist nix verboten."

Da habe ich parteipolitisch bereits einige Jährchen hinter mir, das betreffend: Energie, Aufwand und Ertrag stehen da leider in keinem guten Verhältnis rückblickend. Außerparteilich Mieter-und Sozialinitiativ bin ich dabei.

"Und bis zum anstrengungslosen Wohlstand für Alle ist es noch ein weiter Weg."
Stimmt wohl.
Bis dahin versuch ich es mit Poker, Lotto/Toto und Pferdewetten. ;-)
B.V. schrieb am 12.06.2010 um 18:37
P.S.
Es ist auch die Frage, ob man sich als Mensch & Wähler ernst nimmt. Dieses einfache abnicken des kleineren Übels hat für mich was unwürdiges. Es gibt so eine Mentalität des sich darauf verlassen in den Parteien, das der Wähler genau das tut.
Aber ich finde, und das gilt genau für die Parteien denen man eigentlich zuneigt, das die die Angst spüren müssen, das man sich eben nicht mehr so einfach darauf verlassen kann.
Gerade eine rot-rote Regierung, wie in Berlin, sollte man an ihren sozialpolitischen Maßnahmen und Unterlassungen messen und nicht daran das CDU/FDP noch schlimmer wären.
Ob die Grünen es besser machen ist auch fraglich, aus der Opposition heraus hören sie sich aber erst einmal gut an.

Bundespolitisch, wären demnächst Wahlen, würde ich die SPD wählen. Trotz allem.
Jakob Augstein schrieb am 12.06.2010 um 17:19
Danke für diesen Eintrag. Er stellt ein paar Fragen, die wirklich wichtig sind, politisch und journalistisch.

Als journalistisches Medium kann und darf der Freitag ohnehin keiner politischen Partei gegenüber eine klare Präferenz zum Ausdruck bringen. Wir haben eine Haltung, die an Werten orientiert ist, aber wir sind keiner Partei und keinem Programm verpflichtet. Das verträgt sich mit Journalismus nicht.

Autoren oder Redakteure können bei uns ihre politischen Standpunkte in den eigenen Blogs darlegen. Dort findet keine Redaktion statt. Im Blatt gilt eine andere Begründungs- und Sorgfaltspflicht - oder sollte wenigstens gelten.

Und noch kurz zu Ihren vier Gedankenpunkten: Ich bin Ihrer Meinung.

Koalitionsverträge heissen ja so, weil es sich um einen ausgehandelten Kompromiss handelt, der von den Verhandlungspartnern unterschrieben wird. Ein solcher Vertrag hat dann eine bestimmte Laufzeit und wird regelrecht abgearbeitet, Punkt für Punkt.

Das ist eine nüchterne Angelegenheit.
Parteien rechtfertigen den Eintritt in eine Koalition damit, dass sie wesentliche Punkte ihres Programms in einen solchen Vertrag unterbringen konnten, oder sie rechtfertigen das Scheitern solcher Verhandlungen damit, dass eben dies nicht gelungen ist.
Wie gesagt: eine nüchterne Sache.
Aber eine unvermeidliche.
Welchen Weg sollte es sonst geben, regierungsfähige Mehrheiten zu erzeugen zwischen Partner, die ja gerade nicht in allem übereinstimmen - sonst müssten sie nicht in verschiedenen Parteien sein.

Linksparteipolitiker, zumal die im Westen, neigen manchmal zu grandiosen Aussagen über sich, die Welt, die Politik und das, was getan werden muss. Politik in einer parlamentarischen Demokratie ist aber nur selten grandios.

Die These der NRW-Linksparteipolitikerin Schwabedissen, dass man sich nur an einer Regierung beteiligen sollte, wenn man im Verlaufe dieser Beteiligung die Regierung übernimmt klingt ein wenig bedrohlich. Zumal wenn sie von der Repräsentantin einer Partei kommt, die keine sechs Prozent der Stimmen hat.
Angelia schrieb am 12.06.2010 um 20:26
Hallo Herr Augstein

Vielen Dank für Ihre Anmerkungen und Ihre Einschätzung. Grundsätzlich schätze ich persönliche Einschätzungen von Journalisten in Form eines Blogs, eines Kommentars oder auch als Buch. Ohne dieses zusätzliche Engagement wäre die Meinungsbildung für uns Bürger sicher eingeschränkter. Zumal sich daraus ja auch konstruktive Diskussionen und Fragen entwickeln können.

Wie z.B die Frage, ob es sich allgemein Linksorientierte unter den gegebenen Umständen noch leisten können, ihren Groll auf die SPD zu pflegen und ob die Linke tatsächlich die besseren Antworten parat hat.

Ich muss gestehen, ich denke darüber selbst noch nach. Insofern, vielen Dank auch an Ihren Redakteur Tom Strohschneider für dessen Denkanstoß.
ebertus schrieb am 12.06.2010 um 20:14
SPDler hier unter sich? Die Linke soll sich gefälligst bewegen? Die SPD hat "Mist" gebaut, JA! Sie ist aber - augenzwinker, roller, klapper - doch nun schon genug bestraft? Sollten wir nicht endlich wieder nüchtern, sachlich, pragmatisch, objektiv, staatstragend, kompromissfähig, sach(zwang)orientiert, schlußendlich alternativlos denken?

Fragen über Fragen mit (hier natürlich) impliziten Antworten. Dennoch, und ganz subjektiv mal eine kurze, etwas andere Sicht der Dinge: Wer viel hat, hat viel zu verlieren; das gilt auch vice versa. Und den Vielen, die wenig haben einzureden, sie hätten etwas zu verteidigen - gegen die, die nichts (mehr?) haben ist neoliberale Standardphilosophie. Aufhetzen der vielen Schwachen gegen die vielen noch Schwächeren ist keine Philosophie sondern offizielle Politik; spätestens seit Ende 1998, ebenfalls und nicht zuletzt vorangetrieben durch die (nach wie vor) Agenda-SPD. Sarrazin ist da kein Ausrutscher und die Stones warten nur, dass die FDJ-Sek. sie ruft. Gegenseitige (auch mediale) Schonung ist der angesagte Tenor, beinahe Standard; einfach mal d'rauf achten.

Als Mensch, der damals in 1972 wegen Willy Brandt beinahe in die SPD eingetreten wäre, fange ich spätestens nach meinem Tode an im Grab zu routieren; genau wie Willy - ob dem anhaltenden Zustand dieser SPD.
koslowski schrieb am 12.06.2010 um 20:28
Willy war ein Fan der Wiedervereinigung und lag, glaubt man seiner Witwe, in seinen letzten Lebensjahren auf der Couch und hörte WDR4 ( "Schönes bleibt!" ). Wenn er noch über den Zustand seiner SPD nachdachte, dann eher über die Probleme seiner Enkel mit dem Kapitalismus und der deutschen Einheit.
B.V. schrieb am 13.06.2010 um 11:38
"Willy war ein Fan der Wiedervereinigung und lag, glaubt man seiner Witwe, in seinen letzten Lebensjahren auf der Couch und hörte WDR4 ( "Schönes bleibt!" ). Wenn er noch über den Zustand seiner SPD nachdachte, dann eher über die Probleme seiner Enkel mit dem Kapitalismus und der deutschen Einheit."

Genau so ist es.
Er wollte immer die Wiedervereinigung, wie auch Herbert Wehner, Helmut Schmidt, Egon Bahr
u. a. Sozialdemokraten. Und das war und ist auch gut so.
Angelia schrieb am 12.06.2010 um 20:23
Liebe Kommentatoren

Ich freue mich über eure interessanten Hinweise, Anmerkungen und Gedanken. Das Weiterführen meiner Fragen ist hilfreich, denn es drängte sich mir ja spontan nur die Frage auf, ob all diejenigen, die sozial Denken und Handeln (Grundgütiger) sich ihren Groll auf die SPD noch länger leisten können und ob „die Linke“ auf Bundesebene tatsächlich die richtigen Wege geht.

Vielen Dank für eure Ergänzungen und Einschätzungen.
ebertus schrieb am 12.06.2010 um 20:32
Geht denn die SPD aktuell "den richtigen Weg"?
SiebzehnterJuni schrieb am 12.06.2010 um 23:13
Liebe Angelia, "Groll" scheint mir die falsche Vokabel zu sein. Durch die Hartz Gesetzgebung hat die SPD 30% ihrer MitgliederInnen verloren - ca. 200.000 Menschen. Infolge der Hartz-Gesetze gibt es jährlich ca. 50.000 Prozesse, von denen 75% von den KlägerInnen gewonnen wird. Also miserable Gesetze. Die SPD hat noch nicht einmal ein einwandfreies korrigiertes Gesetz vorgelegt, das diese Prozesse übverflüssig machen würde. Allein aus diesem Grund gibt es immer noch Grund zur Wut und Empörung.
Andrerseits scheinen jetzt langsam Korrekturen gefordert zu werden - es finden detaillierte Mitgliederbefragungen statt.

Andrerseit ist die Bundesrepublik das einzige europäische Land, das vor der Wende politisch geteilt war. Andere linke Parteien mit gleichem politischen Programm wie die LINKE sind teilweise sozialdemokratische Parteien (Rumänien, Polen etc.) - aber dort gab es keine Mauer, keine DDR. Und so haben es die Rechten - immer noch - leicht mit dem Hinweis auf die DDR linke Politik zu verhindern.
Und jetzt anlässlich der Gauck-Debatte taucht wieder das gleiche Problem auf. Es geht der LINKen nicht nur um zukünftige linke Politik, sondern auch um ein bestimmtes eher positives Geschichtsbild der DDR, das man gerne in den Köpfen der Gesellschaft verankern möchte. Und Gauck ist bei diesem Vorhaben in der Tat extrem hinderlich.

Das ist meine zugegeben sehr subjektive Einschätzung, Angelia.
B.V. schrieb am 13.06.2010 um 11:40
@ SiebzehnterJuni

Volle Zustimmung!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 22:30
"So ist mir die Tendenz, “die Linke” zu unterstützen, sympathisch. Dies aber auf Kosten der SPD zu tun¹ verursacht bei mir ein Unbehagen."

Das ist ja wohl ein Witz?

Wo sind denn die Wählerverluste der SPD hin? Auf dem Mond? Oder sind das jetzt alles CDU/FDP-Wähler, wobei - en passant - beide nur geringfügig Stimmen verloren haben, die aber - ebenso nebenbei - weder bei den Grünen, der DBU oder im Nichts gelandet wären. Das unsägliche Spiel läuft seit 2000. Wie sonst ließen sich denn 0 auf 10% erläutern? Divide et impera - und später wieder vereinigen. Und wenn die Telekom 1999 noch behauptet hat, daß nicht jeder ein Telefon bekommt, weil die "DDR schuld war", dann kann das gut und gerne auch für die SPD gelten.

Wer hat nochmal die AGENDA 2010 geschrieben und Hartz eingeführt?
Schade um die SPD, aber wundern muß es nicht! Ein Zusammenschluß von SPD und Linken tut umgehend Not, um aus den 25+10% wieder eine satte 35 zu machen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 22:32
und das hatte ich vergessen: ..., und um endlich wieder auf ein anständiges SPD-Niveau entsprechend ihrer Herkunft zu kommen.
Angelia schrieb am 13.06.2010 um 09:28
Ebertus fragt: „Geht denn die SPD aktuell "den richtigen Weg"?

Fragen wir doch mal so, warum sollte die SPD sich in die selbe Zwickmühle begeben, wie die CDU und sich von einem kleinen Partner abhängig und somit erpressbar machen? Mein Eindruck ist, dass die Linke teilweise strikt an der eigenen Agenda festhält und das Wort Kompromiss und Kooperation nur vom Hörensagen kennt. Auf dem letzten Parteitag sprach sich Lafontaine für ein Zugehen auf die SPD aus, während Frau Wagenknecht die Linke immer noch als Treiberin der SPD versteht.
Zurecht fragt sich da doch die SPD, ja was denn nun?

Ich will nicht behaupten, dass das Aufreißen der Schere zwischen Arm und Reich nicht ein wesentliches Problem darstellt, es ist aber nicht das einzige. Die Armen in diesem Land sind genauso wenig das einzige Klientel, deren Interessen es zu vertreten gilt, wie umgekehrt bei der FDP die Banken, Versicherungsanstalten und Hotelketten.

Letztendlich muss sich m.E. die Linke fragen, ob sie mit ihrer Haltung nicht diejenigen sind, die wegen ihres Absolutheitsanspruchs den Wechsel zu einer gerechteren Politik blockieren.

Wenn die Linke nicht begreift, dass demokratische Realpolitik relativ, auf Mehrheiten, Kompromiss und Kooperation und nicht absolutistisch auf einen Idealzustand ausgelegt ist, sollte sie vielleicht eine Religionsgemeinschaft werden, statt Politik zu betreiben.

Im übrigen, siebzehnter Juni, ist das Aufstellen eines eigenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zwar demokratisches Recht, m.E. aber exemplarisch für die innere Haltung der Linken, frei nach dem Motto: wenn ich eine Suppe koche, dann nur nach meinem eigenen Rezept oder gar nicht.

Auch frage ich mich, ob 10 Jahre Wut und Empörung über die Agenda 2010 und damit der bequeme Aufenthalt in der Schmollecke der Politikverdrossenheit, nicht langsam reichen.
Wenn die Macht vom Volk ausgeht, dann sollten sich m.E. gerade diejenigen konstruktiv bewegen, die genug von Ungerechtigkeiten haben. Die eigene destruktive Schmollhaltung infrage stellen, wäre da m.E. ein guter Anfang.
SiebzehnterJuni schrieb am 13.06.2010 um 09:45
"...Im übrigen, siebzehnter Juni, ist das Aufstellen eines eigenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zwar demokratisches Recht, m.E. aber exemplarisch für die innere Haltung der Linken, frei nach dem Motto: wenn ich eine Suppe koche, dann nur nach meinem eigenen Rezept oder gar nicht. ..."
Liebe Angelia, da die Schwach/Gelben doch die Mehrheit in der Bundesversammlung haben, wäre eigentlich für alle Oppositionsparteien ein/e Kandidati/n überflüssig.

Aber ich halte KandidatenInnen aller Parteien zunächst im ersten Wahlgang für völlig normal. Erst, wenn es weitere Wahlgänge gibt, ist es interessant, auf wen sich die oppositionellen Parteien einigen. Und da bin ich auf die LINKE gespannt.
ebertus schrieb am 13.06.2010 um 11:43
Danke @Angelia für die (gleichwohl erwartete) Klarstellung, auch wenn die Antwort auf meine Frage nach dem aktuell richtigen Weg der SPD vor lauter Linke, Linke, Linke schlußendlich nur implizit zu entnehmen ist.

Ich habe es gern konkret, und vordergründige Zerknirschung oder gar zelebrierte Ergebnisoffenheit reichen da einfach nicht. Sooo leicht kommt "ihr" nicht davon. Daher also von mir an Sie (und die) die SPD gerichtet:

"Not ready to make nice"
ebertus schrieb am 13.06.2010 um 13:05
Und @Angelia, ich könnte mich ja erdreisten (Sie) konkret zu fragen, ob denn der kraftvolle Weg, aktuell dort in NRW der Richtige ist. Nur, wenn der größte Teil dieser (Ihrer) Antwort dann auf die Linke, Linke, Linke fokussiert, eine Tour d'Horizon sich im Wesentlichen auf die vor rund zwanzig Jahren untergegangene DDR bezieht, so wäre auch diese Antwort bestenfalls implizit zu verstehen; dennoch eindeutig.

Eindeutig und genau das Gegenteil von dem, was Sie bezüglich der Agenda-SPD einfordern. Also was denn nu'..., und eine Zusatzfrage: Nach vorn blicken oder ältere, gar jüngere Vergangenheit aufarbeiten? Gilt ebenfalls gesamthaft, für Linke und SPD.
Angelia schrieb am 13.06.2010 um 23:53
Quid pro quo lieber Ebertus

Antwort gegen Antwort: Nun bist du dran:

Können wir uns den Groll auf die SPD unter den gegebenen Umständen überhaupt noch länger leisten? Können wir uns einen Boykott der SPD zu Gunsten der Linken leisten?

Nichts anderes als grollen machst du ja auch, wie man aus deinem Kommentar unter diesem Artikel ebenfalls herauslesen kann, dessen Autor analysiert und somit wenigstens einen Ansatz zur Fehlerbehebung und Kurskorrektur schafft.

Meine Antwort auf deine letzte Frage habe ich übrigens schon getippt. ;-))
goedzak schrieb am 13.06.2010 um 11:56
"Die SPD ist eine historisch gewachsene Partei, die im Kern durchaus das politische Potential hat, um zu einer vernünftigen sozialdemokratischen Politik zurück zu finden."

Ist sicher nicht falsch. Aber potenziell ist nicht reell und wird es möglicherweise auch nicht, kann ja auch sein. Soll ich als Wähler meine einzigartige Stimme in Vorkasse abgeben? Wie wär's folgendermaßen: Die SPD findet zu einer 'vernünftigen sozialdemokratischen Politik' zurück, damit ich sie DANN wählen kann. Ich geh da lieber auf Nummer Sicher...
Fro schrieb am 14.06.2010 um 00:25
@
Deine vier Punkte finde ich sehr zutreffend, Angelia.
Die Parteien sollten voneinander lernen und Konzepte erarbeiten, deren Verwirklichung den Bürgern im Lande bestmögliche Lebensbedingungen schaffen. Wir Bürger haben nichts davon, wenn sie sich gegenseitig beharken. Es muss konstruktiver werden – andernfalls können wir eine politische Erneuerung vergessen.
Wenn der eine auf den anderen zeigt und Zusammenarbeit für eine Politik der Erneuerung verweigert, dann ist es nicht zum Wohle der Bürger und widerspricht ihrem verfassungsmäßigen Auftrag. Dafür bezahlen wir ihnen nicht die großzügigen Diäten und stecken Unsummen in die Parteienfinanzierung.
Und Zusammenarbeit heißt nicht, den faulen Kompromiss finden, sondern die intelligenteste Lösung.
Es kann nur ein zeitgemäßes, optimales, intelligentes, gerechtes Bildungskonzept geben.
Es kann nur ein perfektes, d.h. gerechtes Krisenkostenfinanzierungsgesetz geben. Usw
Und diese Konzepte wollen die Bürger von unseren Politprofis sehen und wenn sie Qualität haben, werden sie auch unterstützt...
Angelia schrieb am 14.06.2010 um 21:38
eben lieber Fro, in diesem Punkt sind wir ganz pragmatisch ;-)
SiebzehnterJuni schrieb am 14.06.2010 um 21:48
aber man sieht doch bei der herrschenden Gurkentruppe, dass politische Übereinstimmungen nicht ausreichen, wenn die Menschen kollektiv auf dem Egotripp oder von bestimmten Verbänden gesponsert sind.
Ohne menschliche Grundsympathie wird es nie und nimmer gehen.
Steinmeier hatte z.b. schon G.Schröder lange ertragen und konnte so gut mit Merkel umgehen
Angelia schrieb am 14.06.2010 um 22:13
na ja, siebzehnter Juni, wenn man ausschließlich mit dem Monetären befasst ist, kann einem das Zwischenmenschliche schon mal abhanden kommen, das ist wohl wahr. :-)
Um so wichtiger, dass wir das Politische wieder mit dem Menschlichen befruchten.
Fro schrieb am 14.06.2010 um 23:56
Ja. Und mit dem artikulierten Bürgeranspruch an Politiker und Parteien -
natürlich auch Oppositionsparteien - auf eine gemeinwohlorientierte Politik, die stets die intelligenteste Lösung sucht. Ein ganz normaler Anspruch an leitende Angestellte und beauftragte Dienstleister.
Angelia
Ich fühle mich nicht verpflichtet meinen Irrtümern treu zu bleiben. (Frei nach Nietzsche)
Ort:
Düsseldorf
Mitglied seit:
2 Jahre 41 Wochen
Zuletzt aktiv:
20.05.2012
Status:
Bloggerin
Aktivität:
Beiträge: 39
Kommentare: 1241
Logbuch
15:59
doedelf hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:59
Heiko Zorn-Bürger hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:57
abghoul hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:56
S. Steinebach hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:56
antares56 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG