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...und über die Frage nach dem letzten Grund, also Gott. Natürlich komme auch ich zum Heiligen Abend nicht umhin, mich der Frage nach Gott und Jesus zu stellen. Und vor allem der Frage, lässt diese sich überhaupt rational logisch beantworten. Muhabbetci, schrieb zum Beispiel in einem Kommentar: „Dialektik, rationales Denken ist das wichtigste Instrument im Islam.“ Dialektik scheint mir ein wichtiges Instrument aller monotheistischen Religionen zu sein. Hier unterscheidet man, m.W. aber zwischen der Dialektik der Theologen, also der Religions-“forscher“ mit ernsthaftem wissenschaftlichen Anspruch und der der Bloßverkünder, -Prediger, die ihre subjektive, willkürliche Wahrnehmung vom letzten Grund, also von Gott, als eine vollendete Tatsache, als die eine Wahrheit betrachten und diesen Grund deshalb absolut setzen. Somit ist dieser letzte Grund weder weiter hinterfrag- noch synthetisierbar. Das hat aber rein gar nichts mit der Dialektik als wissenschaftliche Methode, (These-Antithese-Synthese) noch mit theologischer Dialektik, z.B. im Sinne Karl Barths, zu tun. (Der im übrigen, die Trinität wieder zum Leben erweckte, indem er der Idee von der Trinität einen Sinn gab. [1] ) In der klassischen Dialektik wird die (als absolut gesetzte ) Wahrheit oder These, durch das Verfahren der Synthese immer relativiert. Die Gegensätze werden durch die Bildung einer neuen These nicht nur schlicht aufgehoben. Das Nachdenken wird im Fluss gehalten, statt, wie es die Vertreter und Verkünder vom letzten Grund wollen, zu einem nicht weiter hinterfragbarem Ende, zur Vollendung, geführt. Der Gegensatz zwischen Fluss und Stillstand lässt sich dialektisch nicht handhaben ohne, dass sich Beides relativiert, oder die Sache paradox, nicht zu beantworten, wird. (Wer es nicht glaubt, kann es versuchen. Es muss auf jeden Fall ein Drittes, eine neue These, dabei rauskommen und zwar ohne, dass sich die eigene Grundthese aufhebt. Viel Spass dabei.) Im Wesentlichen stehen sich im Fall des Gegensatzes: - Fluss und Stillstand - aber nicht zwei Dialektiker gegenüber, sondern ein Dialektiker und ein Dogmatiker. Die hohe Kunst ist es zu lernen, den Einen vom Andern zu unterscheiden. Damit man überhaupt eine Wahl treffen kann, wem man als geistigen Lehrer folgen will und vor allem warum. Immerhin geht es hier nicht um weniger, als um die eigene seelische und geistige Entwicklung. Besonders essentiell wird diese Entscheidung, wenn es um Fragen wie um die der Authentizität und Seriosität des geistigen Lehrers geht. Einfach ausgedrückt, will man einem geschulten Theologen folgen oder lieber einem Freestyle-Feld-Wald und Wiesenprediger? Beides ist im Rahmen der Freiheit nicht nur möglich, sondern durchaus legitim. Vielleicht ist die Wahl des geistigen Lehrers auch eine Frage der Geduld. Denn die Theologie gehört, wie die Philosophie, ins Feld der Geisteswissenschaft und die ist, zitiere einen meiner Lieblingsautoren C.F. v. Weizsäcker: „welche auch sonst ihre Verdienste sein mögen, berühmt als die Wissenschaft mit den ausdauerndesten und unlösbarsten Streitigkeiten.“ (ZuW S.37) Unterdessen schlagen sich die Menschen „da Draußen“ gegenseitig ans Kreuz. So stellt sich mir nicht nur Frage, ob der Versuch, die Sache mit dem letzten Grund rational, ob dialektisch oder dogmatisch, zu klären, überhaupt sinnvoll ist. Brauche ich überhaupt einen letzten Grund, um die Welt ein wenig besser, ein wenig freier von Grausamkeiten zu wollen? So, wie es Richard Rorty in seiner Idee von der liberalen Ironikerin andachte, deren letztes Anliegen nicht Wahrheit, sondern die Vermeidung von Grausamkeit ist. [2] Vielleicht braucht man gar keine Antwort. Vielleicht reicht einfach ein schlichtes Mitfühlen und ein ausgeprägter, wacher Blick auf das Leiden realexistierender Menschen und die einfache Frage nach dem, was Menschen quält und demütigt. Und vielleicht wäre das Dritte, die dialektische Überwindung des Gegensatzes Fluss und Vollendung, die Überwindung des Rationalen durch das Irrationale - dem einfachen Mitgefühl. Ein freudiges und besinnliches Weihnachtsfest wünscht Angelia [1] www.bible-only.org/german/handbuch/Dialektische_Theologie.html newsgroups.derkeiler.com/pdf/Archive/De/de.sci.theologie/2006-05/msg00348.pdf [2] www.humboldtgesellschaft.de/inhalt.php?name=rorty
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Liebe Angelia, danke für diesen sehr schönen Beitrag.
Natürlich sollte man einen Unterschied zwischen Theologen und Predigern machen. Die Letzteren können auch mal unlogisches oder auch Paradoxes predigen. Ohne das man sie dafür schelten würde. Ich bin für die logische Betrachtungsweise der Religionen. Sie müssen Sinn ergeben, daher also doch eher die Wissenschaftliche Sicht auf die Dinge. So und nu wünsche ich dir noch ein Schönes Fest :) |
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Guten Morgen Muhabbetic
Vielen Dank für deine lieben Wünsche zu Weihnachten. Ich fürchte man verkennt u.U. dass, was die Wissenschaft leisten kann. Die exakte Wissenschaft ist weder für die Sinnfindung noch -gebung zuständig. In Goethes Faust heißt es: „Es irrt der Mensch so lang er strebt.“ Bei Ernst Cassirer finden wir die These, dass wir die Welt immer schon als bereits symbolisch gedeutet und mittels Sprache abgebildet vorfinden. Wahrnehmungen (gefärbt von Gefühlen und Affekten) und das mythische Denken sollen lt. Cassirer die ursprünglichsten aller symbolischen Formen sein. Was die exakten Wissenschaften primär leisten, ist keineswegs das Herstellen von Wahrheit, sondern das Aufdecken der Irrtümer, die sich, während der Interpretation und symbolischen Darstellung der Erscheinungen, mittels Wahrnehmung und Sprache, einschlichen. einen sinnvollen Tag wünscht dir Angelia |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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