Liebe Bundesregierung, liebe Frau Merkel Um es gleich vorweg zu sagen, ich will mich kurz fassen, um nicht zuviel Energie mit Ihnen zu vergeuden. Mich hat ihre pseudoausgewogene Sparliste nicht wirklich überrascht. Was mich nur wundert ist, dass sie offensichtlich ihre Suppe immer noch nach Anleitung eines Rezepts kochen, welches ihnen die Selbe versalzen hat. Besonders logisch und klug ist das ja wohl nicht, oder? Das heißt, eigentlich graben Sie uns, der Gesellschaft, der Sie unbedingt das Korsett einer angloamerikanischen Wirtschafts- und Lebensphilosophie aufzwingen wollen, das Wasser ab. Sehr erfolgreich übrigens, leben doch in Deutschland immerhin nur noch ca. 45% der Menschen in finanziell gesicherten Verhältnissen, während der Rest zwischen verfestigter Armut, temporärer Armut und instabilem Wohlstand hin und her zu pendeln droht. Sollte ein Mensch, der sich Tag ein Tag aus für das Kapital abrackerte, tatsächlich arbeitslos oder krank werden und durch das Netz fallen, darf er sich auf weitere Nackenschläge von Ihnen freuen. So sieht das aus. Das signalisieren Sie uns gerade brandaktuell. Und ihre Einstellung gegenüber den Menschen dieses Landes, zu denen und deren Lebenswelt Sie ohnehin seit langem jeden Bezug verloren haben. Sie können von Glück reden, dass ein großer Teil der Bevölkerung noch gar nicht richtig realisiert hat, was Sie mit unserer Gesellschaft vorhaben und was Sie deshalb wie konsequent durchziehen. Sonst würde insbesondere der Mittelschicht klar, dass es durchaus Sinn macht sich für die Ärmsten und die von Ihnen Gebeutelten einzusetzen. Immerhin kann jeder, vom Jungakademiker über den Büroangestellten bis hin zum Arbeiter wegen Ihres Reformeifers ruck zuck arm werden. Sei es durch Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter. Dank Ihnen und ihres radikalen Umbaus unserer Sozialen Marktwirtschaft und Demokratie hin zur Kapitalokratie. Jetzt tun Sie doch bitte nicht so, als verstünden Sie nicht wovon ich rede. Wenn ich Sie an dieser Stelle mal auf ihre Parteiprogramme, ihre Strategien, angefangen von Ihrer Steuerpolitik bis zur Ausweitung der Leiharbeit, Ausbau eines Niedriglohnsektors bis hin zur Destabilsierung unseres Renten- und Sozialsystems zu Gunsten ihrer Einflüsterer hinweisen dürfte. Das Sie ausgerechnet u.a. mit dieser Strategie zur Weltwirtschaftskrise beitrugen, obwohl diese ja zum Wohlstand für Alle quasi wie von selbst führen sollte, ist eine Ironie des Schicksals über die ich nicht wirklich lachen kann. Weil Sie für Ihre Fehler die Armen bluten lassen, ohne auch nur im Ansatz die Lasten auf breitere Schultern verteilen zu wollen. Wissen Sie was das einzig Gute an dieser Nummer ist? Ich habe Sie noch nie gewählt und Sie können sicher sein, ich werde es auch in Zukunft nicht tun. Ihre Bürgerin (noch Mittelstand und nicht bereit nach unten zu treten und nach oben zu buckeln)
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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