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Sie heißen Andre, Christian, Roy, Akira, Hanno, Dennis, Konstantin. Als es am Samstag nach der Occupy Düsseldorf Demo hieß man könne auf dem Martin- Luther- Platz ein Zeltlager einrichten, waren die sieben Männer spontan dabei. Seitdem stehen etwa 15 Zelte auf dem Gelände der Johanneskirche. Dieser Standort auf dem Gelände der größten evangelischen Kirche Düsseldorfs hat nicht nur den Vorteil, dass das Camp vom Ordnungsamt nicht aufgelöst werden kann. „ Wir werden auch super von der Kirche versorgt. Sie bringen uns zu essen und zu trinken.“ erzählt mir Dennis.
Ein sicherer Standort und eine gute Verpflegungslage ist die eine Basis. Denn die Aktivisten und ihre Unterstützer wollen lange bleiben, - so lange bis sich etwas bewegt. Deshalb bringt Petra Ingwertee und Ingwerwurzeln. Das hilft wenn es nachts kalt wird und Sabine kommt, wie viele andere Menschen, regelmäßig vorbei, diskutiert und ist zur Unterstützung da. Menschen, die so wie die Aktivisten selbst aus allen Altersgruppen kommen, unterschiedliche Hintergründe, Ideen und Leidenschaften haben.
Denn die andere Basis das sind sie, sind die Menschen selbst. „Menschen“ – korrigiert mich Hanno als ich von Personen spreche. Das ist ihnen wichtig. Hier geht es um Menschen und wie und in welcher Gesellschaft Menschen zukünftig leben wollen. Wie die Reporter der BILD, von Rp-online oder Sat 1, die eine halbe Stunde vor mir da waren, will ich natürlich auch wissen, welche Vorstellungen die Aktivisten haben, worauf es ihnen ankommt und was sie erreichen wollen.
„Wir hatten hier auf unserem Teppich gerade so was wie eine Pressekonferenz.“ grinst Dennis. „Jeder will von uns wissen welche Ziele wir verfolgen, welche Antworten wir auf die vielen Probleme haben. Die Frau von der BILD auch.“ erklärt mir Christian. Dabei ist es aber genau das, was die Bewegung nicht hat – vorgefertigte Antworten, zementierte Ziele. Der Weg ist das Ziel, sonst wäre es ja keine Bewegung und würde sich in keiner Weise von der Politik der Regierenden oder der Wirtschaft unterscheiden. Die haben nicht nur Ziele und Antworten parat, sie wissen auch immer genau was richtig oder falsch ist. Zumindest tun sie so.(Anm. d. Bloggerin)
Die Menschen, die in Düsseldorf ihr Camp aufgeschlagen haben, wollen autonom, unabhängig vom herkömmlichen Politikstil agieren. Und hierarchiefrei. Sie wollen aufklären. „Es ist eben nicht so, dass die Griechen faul sind und über ihre Verhältnisse lebten!“ empört sich Konstantin, der griechische Vorfahren hat und im engen Kontakt zu seinen griechischen Freunden steht. Zum Beweis bekomme ich gleich via Internet Berichte über die Aktivitäten von Siemens und Goldman Sachs in Griechenland vorgelegt. Von wegen, erst brachten die Banken die Staaten in Not, nun sei es umgekehrt. So einfach schwarz-weiß ist das nicht und das wissen auch die Aktivisten. Sie wollen, dass mehr Menschen aufwachen, sich informieren, die neuen Medien wie das Internet nutzen und gegen ein ungerechtes System protestieren, in dem nicht etwa, wie es gern postuliert wird, die Politiker die von den Märkten Getriebenen sind, sondern die Menschen. Und das weltweit. Politiker sind Teil des Problems und nicht die Lösung. (Anm. d.Bloggerin)
Das die Presse ihre Aufgaben als aufklärende Medien zu wenig wahr nimmt, kritisieren die Aktivisten. Sie befürchten, dass die Bürger selbst sich auch zu wenig über Hintergründe informieren. Sie wünschen sich gesellschaftlichen Diskurs, herrschaftsfrei, auf basisdemokratischer Ebene. Hier soll der Konsens im Vordergrund stehen, nicht Mehrheitsverhältnisse und wird man sich zu einem Thema nicht sofort einig, vertagt man die Diskussion eben. Der Prozess als solcher ist ihnen wichtig. Es geht darum gemeinsam zu überlegen, wie man als Gesellschaft zusammen leben will. Es geht darum zu bereden wie man Solidarität, Gerechtigkeit erreichen und leben kann. „Ich übe diese Form der Kommunikation hier auch noch.“ schmunzelt Hanno, der in der freien Wirtschaft tätig war und eine andere Diskussionskultur kennt. Hanno findet es gut, wenn innerbetriebliche Strukturen von innen heraus, über die Belegschaft verändert werden. Über Facebook und Twitter läd die Gruppe zu abendlichen Versammlungen ein. Es soll diskutiert, Ideen gesammelt und über weitere Aktionen nachgedacht werden.
Plötzlich qualmt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus einem Papierkorb. Andre und Sabine überlegen kurz was zu tun sei. „Wir sind ja hier für alles verantwortlich und wenn es brennt, dann sind wir es gewesen. Wir waren es aber nicht.“ erklärt mir Andre. Doch da rennen er und Roy bereits mit ihren Wasserflaschen zum Brandort und löschen. „Wir wollen keine Gewalt. Wir wollen zwar Druck auf Entscheidungsträger ausüben. Was auch eine Form von Gewalt ist, ähnlich der strukturellen Gewalt, die z.Z auf uns ausgeübt wird. Aber wir wollen keinem anderen Menschen Schaden zufügen.“ dies sei Einstellungssache philosophiert Christian und dann zitiert er Gandhi.
Ich saß insgesamt 90 Minuten mit den Menschen auf ihrem gemütlichen Teppich, auf dem Vorplatz der Kirche. Ich erlebte Menschen die nicht nur wissen warum sie gegen die Strukturen eines Systems protestieren. Sie sind intelligent, sie haben Ideen, sie wissen, wie Hanno sagte, wie die Welt besser werden könnte, da das ja eigentlich bekannt sein müsste. Wissenschaft, Philosophie.. die Informationen seien doch da. Obwohl sie müde sind, sind sie doch sofort da, wenn man ihnen Fragen stellt sprudelt es nur so aus ihnen heraus. Ob Umwelt, Börsenspekulationen, Armut, Waffenlieferungen und -geschäfte, ungerechte Verteilung des Wohlstands, sie wissen wovon sie reden.
Wenn irgend so ein Wirtschaftsvertreter in irgendeiner Talkshow von Komplexität spricht und meint man müsse diese den Bürgern erklären, dann kann ich nur sagen, meine Gesprächspartner von heute durchblicken die Komplexität nicht nur, sie können sie wunderbar auf das Wesentliche herunterbrechen. Nur stehen die Interessen der Wirtschaft und die der 99% diametral zueinander. Es geht eben nicht nur um Wachstum und Gewinn, es geht auch um das Leben, der Menschen, unseres Planeten. Klar sind die Aktivisten Idealisten ohne zementierte Ideologie. Sonst würden sie heute Nacht nicht wieder unter freiem Himmel mitten in Düsseldorf für ihre Sache ausharren. Heute Nacht werden es übrigens um die 20 Menschen sein. Aber sie haben Verstand und sind realistisch genug, um zu wissen was man wie besser machen könnte. Ich war sehr beeindruckt und kann nur empfehlen die Aktivisten zu besuchen und zu unterstützen. Man kann stundenlang mit ihnen reden, ihnen zuhören. Sie sprudeln über, wie bereits geschrieben.
Als ich am Anfang fragte, ja wofür demonstriert ihr denn nun, sagte Roy: „ Für eine bessere Welt.“
Ich finde das ist ein sinnvolles Ziel. Gute Nacht Camp.
Ich habe noch Fotos gemacht, aber die stelle ich vielleicht erst morgen ein, wenn ich das hier hinbekomme.
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Danke, großartiger Artikel.
"Dabei ist es aber genau das, was die Bewegung nicht hat – vorgefertigte Antworten, zementierte Ziele. Der Weg ist das Ziel, sonst wäre es ja keine Bewegung und würde sich in keiner Weise von der Politik der Regierenden oder der Wirtschaft unterscheiden." Genau das ist der Punkt, das ist es was diese Bewegung so interessant und spannend macht. Beim Laufen gehen lernen. Schaun wo man ankommt und dann schaun, wohin man als nächstes will. In Berlin fürchte ich, dass es unmöglich sein wird die Besetzung des Vorplatzes des Reichstages zu erreichen, da es sich ja um die Bannmeile handelt. Ich hoffe aber, dass auch hier ein geeigneter Platz gefunden wird, wie zum Beispiel der Schloßplatz. |
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Danke, großartiger Artikel.
"Dabei ist es aber genau das, was die Bewegung nicht hat – vorgefertigte Antworten, zementierte Ziele. Der Weg ist das Ziel, sonst wäre es ja keine Bewegung und würde sich in keiner Weise von der Politik der Regierenden oder der Wirtschaft unterscheiden." Genau das ist der Punkt, das ist es was diese Bewegung so interessant und spannend macht. Beim Laufen gehen lernen. Schaun wo man ankommt und dann schaun, wohin man als nächstes will. In Berlin fürchte ich, dass es unmöglich sein wird die Besetzung des Vorplatzes des Reichstages zu erreichen, da es sich ja um die Bannmeile handelt. Ich hoffe aber, dass auch hier ein geeigneter Platz gefunden wird, wie zum Beispiel der Schloßplatz. |
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Beton muss auf dem Weg zum Ziel auch ständig in Bewegung gehalten werden........
Ich fürchte, es handelt sich bei dieser "Bewegung" lediglich um angesagte "Events", über Trojaner-Netzwerke wie Gesichtsbuch organisiert, zumindest beim Großteil der Teilnehmer. Das schöne Wetter tat sein Übriges. |
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schrieb am
18.10.2011 um 13:18
Der Miesepeter hat vergessen, seine Antidepressiva einzunehmen.
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schrieb am
18.10.2011 um 13:58
Dein Kommentar belegt doch eher, dass ein Zuviel davon dem Realitätssinn abträglich ist.
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#OccupyLSX initial statement
At today’s assembly of over 500 people on the steps of St Paul’s, #occupylsx collectively agreed the initial statement below. Please note, like all forms of direct democracy, the statement will always be a work in progress. 1 - The current system is unsustainable. It is undemocratic and unjust. We need alternatives; this is where we work towards them. 2 - We are of all ethnicities, backgrounds, genders, generations, sexualities dis/abilities and faiths. We stand together with occupations all over the world. 3 - We refuse to pay for the banks’ crisis. 4 - We do not accept the cuts as either necessary or inevitable. We demand an end to global tax injustice and our democracy representing corporations instead of the people. 5 We want regulators to be genuinely independent of the industries they regulate. 6 - We support the strike on the 30th November and the student action on the 9th November, and actions to defend our health services, welfare, education and employment, and to stop wars and arms dealing. 7 - We want structural change towards authentic global equality. The world’s resources must go towards caring for people and the planet, not the military, corporate profits or the rich. 8 - We stand in solidarity with the global oppressed and we call for an end to the actions of our government and others in causing this oppression. 9 - This is what democracy looks like. Come and join us! |
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Nächste Vollversammlung in D´dorf heute um 19.00 Uhr. Hier live zu verfolgen:
www.livestream.com/occupyduesseldorf Nächste Demo in D´dorf am Samstag 22.10. 2011 um 13.00 Uhr vor dem Hauptbahnhof. |
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Nächste Vollversammlung in D´dorf heute um 19.00 Uhr. Hier live zu verfolgen:
www.livestream.com/occupyduesseldorf Nächste Demo in D´dorf am Samstag 22.10. 2011 um 13.00 Uhr vor dem Hauptbahnhof. |
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Vielen Dank für den tollen Artikel. Eine schöne Beschreibung, worum es geht!
Ich habe gestern das Camp in Hamburg besucht leider war der Zeitpunkt etwas ungünstig, da die Aktivisten gerade um ihre Zelte kämpften, die vom Bezirksamt nicht mehr gestattet werden. Ich bin aber sehr gespannt auf zukünftige Gespräche in den nächsten Tagen. |
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schrieb am
18.10.2011 um 15:16
Doris Brandt schrieb am 18.10.2011 um 15:07
"Vielen Dank für den tollen Artikel. Eine schöne Beschreibung, worum es geht! Ich habe gestern das Camp in Hamburg besucht leider war der Zeitpunkt etwas ungünstig, da die Aktivisten gerade um ihre Zelte kämpften, die vom Bezirksamt nicht mehr gestattet werden. Ich bin aber sehr gespannt auf zukünftige Gespräche in den nächsten Tagen." In gewisser Hinsicht vielleicht auch ein günstiger Zeitpunkt. Da könnte doch mal fragend beim Bezirksamt angeklopft werden, aus welchen Gründen die Zelte nicht mehr gestattet werden. |
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vielen Dank für eure lieben Kommentare.
höre gerade über Internet der Vollversammlung zu. Es wurde spanische Manifest vorgelesen. Kennt ihr es? Wie findet ihr das Manifest? Kann man sich als normaler Bürger darin wiederfinden? Kann man es als allgemeines Manifest für eine Bürgerbewegung annehmen? |
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Sehr schöner Bericht! Vielen Dank! Erinnert mich alles irgendwie an 1989 in der DDR - da fing das auch so an...
Was bei OCCUPY HAMBURG los war, findet sich hier: www.hh-violette.de/2011/10/occupy-hamburg-–-wir-sind-99-oder-warum-es-sich-lohnen-konnte-aufzustehen/ |
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Hallo Tiefendenker
super Bericht aus Hamburg, auch vielen Dank :-) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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