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Als Durchschnittsbürgerin habe ich mich gefragt, wie ein Manifest, welches mich zum Protest auf die Straße bewegen würde, wohl aussehen könnte: Bürgermanifest Die Ausgangssituation Die Welt brodelt. In der Krise zeigen sich die Folgen einer Wirtschaftpolitik, die ausschließlich auf Gewinn und Wachstum ausgerichtet ist. 99% der Menschen spielen in einer global eng miteinander verbunden Welt nur noch als Verfügungsmasse für die Interessen der 1% Mächtigen und Weltenlenker eine Rolle. Über Jahrtausend gewachsene Werte, Gesetze, Regeln, die die Grundlagen für ein friedliches und faires Zusammenleben der Menschen bilden sollen, gelten nicht mehr. Wussten Sie zum Beispiel, dass es bereits 2100 Jahre vor Christus erste Bestrebungen gab Menschenrechte einzuführen?
Der Codex Ur-Nammu war eine Rechtssammlung, die die Gleichheit aller Bürger beinhaltete. Es hat dann noch 3848 Jahre gedauert, bis die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 die allgemeine Erklärung der Menschenrechte hervorbrachte. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ So heißt es im Artikel 1 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
Heute jedoch dominieren nicht greifbare regellose Märkte weltweit unsere Vorstellungen von Werten und die sind materieller aber nicht ethischer Natur. So ist aus dem Homo sapiens ein Homo oeconomicus geworden. Von Vernunft und Gewissen, von Mitmenschlichkeit und Solidarität, Integrität, Vertrauen und Ehrlichkeit ist keine Rede mehr. Statt dessen haben sich Wörter wie Konkurrenz, Wettbewerbsfähigkeit, Egoismus, Geiz ist geil und Kosten - Nutzen-Relationen, oft nur zum Vorteil einiger Wenige, fest in unsere Köpfe eingebrannt. Für die Beruhigung der Märkte wird gesorgt;- das scheint das Wichtigste - die Nöte und Existenzängste der Menschen spielen keine Rolle.
Der Vermarktungsgedanke und die entsprechende materialistische Wertgrundlage bestimmt alle Bereiche unseres Zusammenlebens:
Bildung, Kultur, Medien, Gesundheitswesen, Sozialsystem, Verkehr, Nahrung, Rohstoffe, Natur- Umweltschutz, Familien- und Berufsleben bis hin zu Sinnfragen und Lebenszielen. An Millionen Hungertote in den Entwicklungsländern haben wir uns gewöhnt. Werden wir uns in den Industrienationen auch an Armut und Existenzängste gewöhnen?
Warum Protest.
Aus einem anfänglichen Unbehangen, einer lang andauernden Zeit der Resignation hat sich weltweit ein allgemeines starkes Gefühl entwickelt. Wenn wir Menschen uns gegen Diktaturen auflehnen, für mehr Gerechtigkeit innerhalb unserer politischen und gesellschaftlichen Strukturen protestieren, wenn wir uns für Umweltschutz einsetzen vereint uns trotz aller kultureller und sozialer Unterschiede Eines: -
Wir Menschen sind empört! Für uns ist die Zeit des geduldigen Hinnehmens all der politisch und wirtschaftlich gewollten Ungeheuerlichkeiten vorbei. Bis hier her und nicht weiter! Stopp! Nichts ist alternativlos! Wir erkennen, dass wir, und nur wir für uns, für unsere Kinder und auch für den Nächsten selbst verantwortlich sind - das nennt man Revolte - innerliche Auflehnung und Empörung gegen herrschende Zwänge, Einsicht in die eigene Verantwortung und Aufzeigen der klaren Grenze. Bis hier her und nicht weiter! Hier und Jetzt! Für die Gegenwart und für die Zukunft! Und genau das werden wir friedlich aber deutlich auf den Straßen demonstrieren! Bis sich was ändert.
Wir wollen die allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit Leben füllen!
Das Lesen, Verinnerlichen und Umsetzen der Menschenrechte ist für uns selbstverständlich. Wir wollen den Menschen ein Mensch sein und kein Wolf.
Deshalb dulden wir keinesfalls menschenverachtendes Verhalten.
Rassismus, Nationalismus, Sexismus, Diskriminierung und autoritäre Herrschaft hat bei uns keinen Raum.
Wir brauchen keine Feindbilder. Wir brauchen keine autoritären politischen und weltanschaulichen Ideologien oder vorgefertigte theoretische Konzepte und Utopien.
Denn wir wollen:
weltweit vernetzt gemeinsam überlegen, wie wir als Menschheit zukünftig leben wollen.
Wir verstehen uns als politische Bürger-Bewegung, die von Parteien und Institutionen unabhängig ist. Wir nehmen im Sinn des Artikels 21 der UN-Menschenrechte unser Recht wahr, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten unseres Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.
Mitbestimmung, Ideen und Kreativität ist das Salz in der Suppe einer sich stetig wandelnden Gesellschaft. Wir wollen, dass dieses menschliche gestalterische Gut sich wieder frei entfaltet und nicht durch scheinbar alternativlose Sachzwänge verkümmert oder gar unterdrückt wird.
Unsere Bitte:
Aber eine Bürgerbewegung kann nur lebendig sein, wenn Bürger mutig und beherzt die Herausforderung eines langandauernden, stetigen Wandels mit allen Höhen und Tiefen annehmen.
Wir sind noch nicht Viele, wir wollen es werden. Bitte fassen Sie sich ein Herz. Bitte machen Sie mit.
Denn wir wollen auch:
lebendige echte Demokratie
Mächtige und Herrschende haben Demokratie nie freiwillig gewährt. Demokratie lebt nur durch uns Bürgerinnen und Bürger;- von unserer Bereitschaft, uns als Individuum einzubringen, uns aber auch von Fall zu Fall der Sache und der besseren Argumente wegen zurückzunehmen. So stärken wir die Basis der Demokratie, können als Bürger_innen selbstbestimmt, frei und verantwortlich auf steile Hierarchien verzichten. Ohne uns Bürger_innen ist eine Demokratie nichts. Bitte machen Sie mit.
Denn wir wollen:
die Verkehrung der Werte, die der Schlüssel zum weltweiten Missstand ist, rückgängig machen.
Deshalb fordern wir:
Politik muss nachhaltig für konkrete Menschen stehen - nicht kurzfristig für abstrakte Märkte
Demokratie und Menschenrechte müssen das Fundament für alle politischen Entscheidungen sein.
Die Demokratie und die Gesellschaft muss per Gesetz und Regulierung von den Fesseln der Akteure des enthemmten Marktes befreit werden.
Korruption und Klientelpolitik muss unterbunden werden.
Die Verursacher der Krise müssen zur Verantwortung gezogen und haftbar gemacht werden können.
Wir fordern die Politiker zur Selbstregulation und Selbstkontrolle auf. Der politische Auftrag ist im Grundgesetz klar geregelt und muss zum Schutz unserer demokratischen Gesellschaft eingehalten werden. Ein politisches Amt dient nicht dem Selbstzweck.
Machen Sie mit. Formulieren Sie das was Sie bewegt, beunruhigt oder das, was Sie konkret geändert haben möchten. Geben Sie der Bürgerbewegung ein Gesicht!
„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ Georg Büchner 1834
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Hallo Angelia,
"Die Last der Krise muss gleichmäßig, fair und gerecht auf alle Schultern verteilt werden." Nur ein Punkt aus dem ich diesen Entwurf für verbesserungswürdig halte. Für die last der Krise müssen die BVerantwortlichen in Haft genommen werden. Die Unschuldigen müssen so gestellt werden als gäbe es keine Krise. Liebe Grüße Baphomed |
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Vielen Dank für die Korrektur, Baphomed :-)
Wenn noch mehr Verbesserungsvorschläge eingehen (hoffentlich) können wir ein ganz neues der Freitag Occupy-Bürgerbewebung-Manifest schreiben. Das fände ich eine super Sache liebe Grüße Angelika |
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Ganz großer Wurf, liebe Angelia. Gefällt mir sehr gut. Sehr schlau und doch verständlich formuliert.
Was mir noch wichtig wäre ist die Abkehr vom Diktat des Wachstums hin zu einem politischen wie wirtschaftlichen Denken der Nachhaltigkeit, und meine damit bewusst auch politsch. LG Kalle Wirsch |
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Hi Kalle
freue mich dich zu sehen :-) und erst recht freue ich mich über dein Lob. Danke. :-) Habe deine und Baphomeds Anmerkung noch eingearbeitet. Fast hätte diese Aktion mir den ganzen Text zerschlagen arghh. liebe Grüße Angelia |
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Hallo Kalle,
also nachhaltigkeit reicht mir eigentlich nicht, wenn wir statt dessen auf Kreislaufwirtschaft uns einigen könnten wäre ich auf deiner seite ? Liebe Grüße Baphomed |
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@Angelia
Ups, ich wollte auf keinen Fall den Text zerschlagen;) @baphomed Du müsstest mir zunächst erklären, was du genau mit Kreislaufwirtschaft meinst, bevor ich mich einigen kann, weil ich mir das schwer vorstellen kann als Modell einer modernen Gesellschaft. Aber trauen uns ja oft zu wenig. Deshalb hätte ich gerne eine Erklärung. Vielleicht ist ja Nachhaltigkeit der erste Schritt und darauf folgt Kreislaufwirtschaft. |
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Eine Anregung hätte ich und zwar zu:
„Wir wollen den Menschen ein Mensch sein und kein Wolf.“ Wir wären einen bedeutenden Schritt weiter, wenn wir dem Menschen ein Wolf wären (!) und eben kein Mensch. Wölfe verfügen über ein hochentwickeltes Sozialverhalten... am menschlichsten sind Wölfe wohl dann, wenn sie an Tollwut erkrankt sind. ;-( Schon Kleinkinder lernen das Märchen vom "bösen Wolf", und ein Märchen ist es wirklich, denn keine einziger Angriff auf einen Menschen durch einen frei lebenden Wolf ist belegt, in welcher das Tier weder provoziert wurde noch unter Tollwut litt. www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/hg_woelfe.pdf Das Bemerkenswerte ist, wenn man den Feindbildern zu gewissen Tierarten einmal nachgeht und diese hinterfragt, trifft man auf die selben gängigen Muster, wie man sie aus der Verteufelung von Menschgruppen anderer Ethnie, Religion etc. kennt. (Aber dies wäre ein Thema für sich.) Von daher ist aber die von Dir hier genutzte Formulierung nicht nur eine Marginale. Sie passt einfach nicht zu der Angelia und ihrem Wesen und denken, die ich kenne... ;-) ...und ebensowenig zu "Occupy". |
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Hallo herr Zorn-Bürger :)
"lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit.“ deine Einwände habe ich während des Schreibens genau so überlegt. Aber mein Satz bezieht sich auf Thomas Hobbes - der den Satz wohl von Titus Maccius Plautus mehr oder weniger übernahm. Hier steht der Wolf synonym für den Menschen im Naturzustand, der ohne Staat, Werte und Regeln quasi nach dem Recht des Stärkeren lebte und sich einfach nahm was er wollte. Insofern finde ich den Satz, eben genau dieser Mensch für andere nicht sein zu wollen ziemlich passend - für mich und die Occupy-Bewegung. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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