Anhalter

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05.02.2009 | 10:02

Das Gespenst des Mauerfalls bei Plasberg

Das Jahr 2009 wird neben dem Superwahljahr wohl auch das Supergedenkjahr. Auf dem Kalender stehen 60 Jahre Grundgesetz, 60 Jahre BRD und eben auch 20 Jahre Mauerfall. Im Fokus des deutschen Politik-Talks werden daher Debatten über die Geschichtsaufarbeitung, über den Gegensatz zwischen Ost und West und die politischen Altlasten für die heutige Generation stehen. Wie man über solche Themen nicht reden sollte, bewies gestern mal wieder "Hart aber Fair".

"20 Jahre nach dem Mauerfall- Viel Geld, wenig Gefühl"- so lautete der Name der Sendung mit so illustren Gästen wie Jörg Schönbohm oder Michael Jürgs.
Am Anfang wurde kräftig darüber fabuliert, ob die Ossis die ewigen Nörgeler sind und ob die Wessis nicht endlich mal genügend Geld "in die Zone" geschickt hätten. Passend dazu wurden Interviews aus der Düsseldorfer Innenstadt eingeblendet, wo sich Passanten lauthalt darüber beschwerten, dass nur die Wessis den Soli bezahlen würden (als man sie darüber informierte, dass die Ossis diesen ja auch zahlen, wurden vielen ganz schnell kleinlaut).
Natürlich war mit Dietmar Bartsch von der Linkspartei auch das Feindbild der bürgerlichen Mitte vertreten. Schließlich wird der Linkspartei ja vorgeworfen das gesamte System SED verantwortet zu haben. Der CDU-General Schönbohm warf Bartsch dann auch wieder kommunistische Tendenzen vor und setzte Sozialismus bzw. Marxismus-Leninismus auf einer Stufe gleich. Gesine Schwan wollte da schon zu Hilfe eilen und Schönbohm mal erklären was Kommunismus eigentlich wirklich bedeutet, aber da unterbrach Plasberg sie ja schon. Das wäre dann doch zu viel des Guten für den abendlichen Polit-Talk gewesen. Am Ende stellt sich das Gespenst des Kommunismus als gar nicht so schlimm heraus.

Einig waren sich die meisten, dass die Ossis ja gar nicht in der BRD angekommen wären, die soziale Schieflage hätte das verhindert. Aber den Schritt weiterzudenken und sich darüber klar zu werden, dass im gesamten Land die soziale Schere auseinanderklafft und dies ein gesamtgesellschaftliches Problem ist- diesen Gedankensprung vollbrachte dann doch niemand.

Interessant wäre es gewesen wenn man eine in der Sendung präsentierte Umfrage weiterverfolgt hätte. Dieser zufolge ist es für knapp 75 Prozent der Ostdeutschen und 40 Prozent der Westdeutschen egal ob sie in einer Demokratie leben. Das wäre mal eine Gretchenfrage gewesen. Aber da war die Sendezeit ja schon vorbei.

Freuen wir uns also auf ein Jahr mit langen Diskussionen und vielen unbeantworteten Fragen.
 
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Anhalter
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