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Meine Tochter (17) besucht ein Gymnasium in Hamburg-Altona, dessen Schüler aus allen Teilen der Welt stammen: Eine perfekte Vorbereitung aufs Leben - und auf eine globalisierte Welt.
60-70 % der Schüler, die täglich das 10o Jahre alte Kalksandsteingebäude mitten in Altona besuchen, haben mindestens einen "nicht deutschstämmigen" Elternteil. 37 Nationen sind auf dem Gymnasium Allee vertreten, das prägt auch den Freundeskreis meiner Tochter: In ihrer Clique sind Perser, Türken, Thailänder, Engländer und Mexikaner, eine ihrer besten Freundinnen ist Inderin. Durch ihre Mitschüler - Moslem, Hindi, Katholiken, Sikhs und Buddhisten - lernte meine Tochter schon in der 5. Klasse etwas über andere Religionen, Kulturen und Feste: Sie freute sich, wenn die Kinder türkischer Abstammung "Bayram" feierten und wenn sie am nächsten Tag von den Geschenken erzählten, die sie bekommen hatten. Sie war begeistert vom buddhistischen Wasserfest. Und sie bestaunte regelmäßig den Altar, den die Eltern ihrer Freundin, die zur Religion der Sikhs gehören, in ihrem Haus aufgebaut haben.
Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass in den Sommerferien Karten aus aller Welt bei uns eintreffen, wenn Freunde meiner Tochter mit ihren Eltern die Familienangehörigen besuchen, die noch "in der alten Heimat" leben. Ihr fällt auch längst nicht mehr auf, dass viele Mitschüler kein Weihnachten feiern. Für mich ist es wiederum nichts Besonderes mehr, dass Deutsch für viele Besucher der Elternabende nicht die Muttersprache ist.
Die Atmosphäre an dieser Schule ist einzigartige und anders als an vielen anderen Schulen Hamburgs: So gab es in der Grundschule, die meine Tochter vorher besuchte und die in einem wohlhbenden, sogenannten "gutbürgerlichen" Hamburger Stadtteil lag, es ein massives Gewaltproblem, das nie offen benannt wurde, weil es das nicht geben durfte ("Hier! Bei uns im reichen Westen!"), sich somit also auch niemand damit auseinandersetzte.
Am Gymnasium Allee gibt es dagegen keine gewalttätigen Auseinandersetzungen. Was zum einen an den klaren Vorgaben des Schulleiters, des feinfühligen und gleichzeitig konsequenten Rektors Herrn Mumm liegt: Wer einen Mitschüler angreift und verletzt, kann der Schule verwiesen werden. Prügeleien verbieten sich aber auch dadurch, dass Schüler wie der 17jährige Y. von ihren Erfahrungen berichten: Von Angst und Gewalt in Afghanistan, von der Flucht mit der Familie und von seinen ersten Jahren in Hamburg auf dem Schiff "Bibi Altona", einer (inzwischen stillgelegten) Unterkunft für Asylbewerber. Und nicht zuletzt liegt es vielleicht auch ein wenig daran, dass es türkische und albanische Jugendgangs in Altona-Altstadt gibt. Und dass ein Schüler, der sich mit einem anderen anlegt, nie so genau weiß, ob der nicht womöglich einen Cousin in einer dieser Gangs hat....
Natürlich gibt es auch hier nicht nur heile Welt, gibt es gelegentlich Mobbing in den Klassen oder Auseinandersetzungen unter den Schülern. Genauso wie Lehrer, die sich eher überfordert fühlen von dieser ethnischen und kulturellen Vielfalt. Aber das sind Ausnahmen.
"Die beste Schule der Welt" - das muss nicht nur diese Schule sein. Es ist für mich aber unbedingt eine, in der die Schüler, über Mathe, Geschichte und Kunst hinaus, eine Menge darüber lernen, wie man tzrotz Herkunft und Religion, und vielleicht auch unterschiedlicher Werte, miteinander auskommen kann: R., die Freundin meiner Tochter, die aus einer indischen Familie stammt, darf nur auf "indische" Partys gehen. Und sie wird einmal einen Mann heiraten, den ihre Eltern ausgesucht haben: Bei ihnen war es ja auch so! Das musste meine Tochter, die sich so eine Zukunft für sich nicht vorstellen kann, erst einmal verkraften; besonders vor dem Hintergrund , dass sie diese Eltern kennt und mag, und spürt, dass die trotz dieses scheinbaren Widerspruchs ihre Tochter lieben und das Beste für sie wollen.
Heute ist dies für sie und auch für die anderen Freundinnen von R. kein Thema mehr, weil sie in Gesprächen mit ihr gelernt haben, dass ihre Freundin damit nicht unglücklich ist. Jetzt erwähnen sie es nicht mehr, sondern leben damit, dass sie aller Voraussicht nach eine sehr unterschiedliche Zukunft haben werden,
Man kann das als "Tabuthema" bezeichnen - aber auch als gelebte Toleranz. Denn wenn die Eltern, unter dem Eindruck deutscher Einflussnahme, die sie als Einmischung in ihre Erziehung empfunden hätten, ihre Tochter womöglich vom Gymnasium nähmen - wem wäre damit geholfen?
Eins ist jedenfalls offensichtlich: Die deutschen Schüler dieser Schule fürchten keine Minarette. Und das macht Hoffnung. Mir jedenfalls.
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Sehr geehrte Anna,
wie sehr kann ich Ihre Ausführungen nachvollziehen, habe ich doch meine gesamte Schulzeit auf einer deutschen Auslandsschule verbracht. Nicht so viele Kulturen waren zu der Zeit dort vertreten, die, wie ich sie nenne, postmoderne Völkerwanderung hatte noch nicht eingesetzt. Aber weit über das hinaus, was ich bei meinen Ferienbesuchen in Deutschland als Wirklichkeit wahrnahm. Etwas sehr Sonderbares berührt mich dabei immer wieder: Wenn die exklusivsten Colleges und Privatschulen vor allem deswegen begehrt sind, weil sie die unterschiedlichsten Kulturen und Sichtweisen auf engen Raum zusammenbringen (was nicht wenig mit schon früher Anbahnung von Beziehungen zu tun hat), warum scheint es dann immer wieder so problematisch, gleiches hierzulande auf Ebene der öffentlichen Schulen zu tun? Multikulti (wie Sie Ihren Beitrag zunächst betitelt hatten) erscheint da immer nur im Zusammenhang mit sog. „sozialen Brennpunkten“. Zumindest haben Sie hier einen sichtbaren Kontrapunkt gesetzt. |
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Danke, ed2murrow, für Ihren Kommentar!
"....habe ich doch meine gesamte Schulzeit auf einer deutschen Auslandsschule verbracht." Mögen Sie sagen, welche Schule das war und wo? Mich würde das sehr interessieren! "Etwas sehr Sonderbares berührt mich dabei immer wieder: Wenn die exklusivsten Colleges und Privatschulen vor allem deswegen begehrt sind, weil sie die unterschiedlichsten Kulturen und Sichtweisen auf engen Raum zusammenbringen (was nicht wenig mit schon früher Anbahnung von Beziehungen zu tun hat)..." Diese Beobachtung, die Sie da gemacht haben und erwähnen, finde ich sehr wichtig - und richtig: Wobei vielleicht noch ergänzt werden kann, dass es da Unterschiede zwischen den Kulturen und Ländern gemacht werden. Die internationale Schule hier in Hamburg besuchen auch nicht nur Diplomatenkinder, sondern die Sprösslingen vieler Promis - wg. der "Vielfalt". Dabei könnten sie sie hier in Hamburg mit der gleichen Ambition auf eine öffenltliche Schule geben. Nur: Türkische, albanische, griechische Kinder gibts auf der Internationalen Schule weniger - bzw. kommen die dann aus einer bestimmten "Schicht"... "Multikulti (wie Sie Ihren Beitrag zunächst betitelt hatten) erscheint da immer nur im Zusammenhang mit sog. „sozialen Brennpunkten“. Zumindest haben Sie hier einen sichtbaren Kontrapunkt gesetzt." Den Begriff habe ich "rausgeworfen", weil er ja inzwischen ein Klischee ist. Aber den Kontrapunkt - danke dafür! - wollte ich auch setzen. Die Eltern dieser Schüler sind zwar nicht unbedingt reich, aber ein sozialer Brennpunkt ist Altona-Altstadt sowie das anrenzenden Ottensen auf keinen Fall. Mit herzlichem Gruß, Anna |
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Schon wieder so viele Flüchtigkeitsfehler! Ich bin immer so sicher, ich hätte alle gesehen, vor dem Posting! Entschuldigen Sie bitte, ed2murrow!
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Deutsche Schule in Rom/Scuola Germanica di Roma
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Danke! Stimmt, Sie leben ja in Italien...
Herzlich, Anna |
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:) Ich pendle, geehrte Anna.
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Noch besser, lieber ed2murrow;
und wenn das da oben Ihr Domizil ist (im Profilfoto, aber Sie müssen dazu nichts sagen), beneide ich Sie etwas. Das mit den "zwei Welten" hatte ich in Ihrem Profil schon gelesen - so unaufmerksam bin ich nicht :), aber das mehr im übertragenen Sinne verstanden, geistig sozusagen.... |
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Wie Michael Jäger hier gestern schrieb:"(...) kein Mensch, keine Gesellschaft je mehr tun kann, als weiterzugehen - weiterzugehen um die Spanne eines nächsten Schrittes...", die Jungen gehen den nächsten Schritt. Die, die das auch auf Grund günstiger Lebensumsstände tun können, dürfen nur nicht vergessen, dass es nur klappt, wenn auch die andern mitgenommen werden.
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@ meisterfalk:
Danke für Deinen Kommentar, und das Zitat: Ja, die Jungen sind schon viel weiter, als die Generation vor ihnen. "Die, die das auch auf Grund günstiger Lebensumsstände tun können, dürfen nur nicht vergessen, dass es nur klappt, wenn auch die andern mitgenommen werden." Kannst Du das noch etwas erläutern? |
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Sehr geehrter Meister Falk,
Ihr „Die, die das auch auf Grund günstiger Lebensumsstände tun können, dürfen nur nicht vergessen, dass es nur klappt, wenn auch die andern mitgenommen werden“ ist ein Memento, das trefflicher nicht formuliert werden kann. Privilegierung, das Herausgehobensein, verpflichtet. Nicht nur in materieller Hinsicht (Sozialbindung des Eigentums), sondern vor allem in Erkenntnismöglichkeiten. Bei www.freitag.de/politik/0948-habgier-klimawandel-kapitalismus-marktwirtschaft fand ich den wunderbaren Kommentar von Lethe, der u.a. schrieb: „Dabei könnte es recht einfach sein, es ist dem Menschen nicht grundsätzlich verboten, Zusammenhänge zu erkennen, und auch nicht, ihnen gemäß zu handeln. An der schieren Intelligenz scheint es nicht wirklich zu liegen [...]“. Wo, wenn nicht in Schulen, lernt man, wie man lernt (was ja bekanntlich ein Leben lang dauert). Jede Form der Benachteiligung in dieser Hinsicht ist ein Untergriff gegen das eigene Potential. „Bildungsauftrag“ ist da vielerorts zur parteipolitischen Parole verkommen, die etwa in einem nördlichen Bundesland zu zwei schulsystematischen Veränderungen im Sinne der jeweils regierenden Couleur geführt hat. Wer es ausbaden muss, sind die Kinder, erst Recht die, die "draußen gelassen" werden. Ihr e2m |
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"Das musste meine Tochter erst einmal verkraften - wo sie die Eltern mag und weiss, dass die ihre Tochter lieben und das Beste für sie wollen. Heute ist das für sie und auch für die anderen Freundinnen von R. kein Thema mehr, weil sie sehen, dass ihre Freundin damit nicht unglücklich ist."
Man darf das auch einen Terror einer pervertierten "Toleranz" nennen. Es sind unbewältigte Konflikte. Ich finde den ganzen Text fürchterlich, weil er Konflikte paternalistisch wegblendet, und sagt, das sei auch gut so. |
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Danke, Wolkensieber, für Ihren Kommentar.
"Man darf das auch einen Terror einer pervertierten "Toleranz" nennen. Es sind unbewältigte Konflikte. Ich finde den ganzen Text fürchterlich, weil er Konflikte paternalistisch wegblendet, und sagt, das sei auch gut so." So haben Sie den Text erlebt, und wenn Sie ihn so auffassen, als Wegblendung, dann ist er tatsächlich unerträglich. Ich habe aber nicht von mir gesprochen. Sondern von diesen Jugendlichen. Wie sollen die denn, Ihrer Meinung nach, mit diesen Konflikten umgehen? Soll meine Tochter ihrer Freundin sagen: "Du bist ja bescheuert?" Glauben Sie mir, die Mädchen haben das diskutiert. Ich habe versucht, etwas zu tun. Und ich SEHE diesen Konflikt, und ich arbeite - schulpolitisch und beruflich - an diesen Konflikten, indem ich - in anderen Zusammenhängen - darauf aufmerksam mache. Hier aber würde dieses Mädchen die Lebensweise ihrer Freundin mit der völligen Loslösung von ihrer Familie bezahlen. Sie erlebt dort aber nicht, wie z.B. türkische Mädchen, Bevormundung und Gewalt, sondern sehr viel Liebe und Fürsorge. Und sie hat für ein indisches Mädchen sehr viel Freiheit. Was schlagen Sie vor? Ist es nicht dieses absolute, dass Sie propagieren, das genau diese Ängste, wie jetzt in der Schweiz, letztlich schürt? Mit freundlichem Gruß Anna |
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Korrektur:
...das Sie propagieren... dieses Absolute... |
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und es muss heissen, unbedingt!: wie z.B. EINIGE türkische Mädchen...
Für die Flüchtigkeit, die hier wie eine Verallgemeinerung klingt, bitte ich um Entschuldigung. |
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schrieb am
01.12.2009 um 18:00
So ähnlich sehe ich das auch. Die Frage ist doch: Woher weiß die Tochter, dass die Eltern ihrer Freundin diese "lieben"? Und was ist damit gewonnen?
Lieben kann man seine Kinder auf verschiedene Art. Die Familienväter, die ihre Tochter ermorden oder von deren Brüdern ermorden lassen, weil sie die "Familienehre beschmutzt" hat, behaupten i.d.R. auch, sie - vorher - geliebt zu haben. Ich will damit nicht sagen, dass bei jeder Zwangsverheiratung gleich der Ehrenmord droht. Nur darauf hinweisen, dass es etwas anmaßend ist, zu behaupten, ein Kind sei damit glücklich, dass die Eltern später den Ehemann für es aussuchen. Solche Behauptungen sind immer höchst zweifelshaft, da Kinder nun einmal dazu neigen, die Meinung ihrer Eltern für bare Münze zu nehmen. Das Ziel einer aufgeklärten Gesellschaft - der unseren? - sollte aber sein, Kinder zum eigenständigen Denken zu erziehen. Genau so könnte man auch behaupten, Kinder, die von ihren Eltern regelmäßig verprügelt werden, seien damit glücklich. Nach dem Motto: "Das ist nun mal so bei denen". Und wenn türkische oder arabische Mädchen zum Tragen des Kopftuchs gezwungen werden und nicht am Sport- und Schwimmunterricht teilnehmen dürfen, dann sind sie bestimmt auch total glücklich damit, weil die Eltern sie ja lieben. Ein etwas einfältiges Weltbild, sorry. |
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schrieb am
01.12.2009 um 18:01
PS. Ich meinte: so ähnlich wie Wolkensieber.
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Lieber Donnerstag;
danke für Ihren Kommentar. Auch hier: Wenn Sie den Text so auslegen, wie Sie es tun, dann sind Sie mit Recht empört. Aber - Sie interpretieren ihn. Denn so habe ich es tatsächlich nicht gemeint und geschrieben. 1. Das Mödchen wird nicht "zwangsverheiratet". Aber wenn sie heiraten will, dann wird das jemand sein, mit dem ihre Eltern einverstanden sind. "Nur darauf hinweisen, dass es etwas anmaßend ist, zu behaupten, ein Kind sei damit glücklich, dass die Eltern später den Ehemann für es aussuchen." Auch steht im Text nicht - bitte lesen Sie ihn daraufhin auszugsweise noch einmal - dass das Mädchen damit glücklich ist. Aber mit der Alternative wäre sie im Moment unglücklicher. Das ist weder ideal noch optimal. Aber, noch einmal: Was schlagen SIE vor? "Solche Behauptungen sind immer höchst zweifelshaft, da Kinder nun einmal dazu neigen, die Meinung ihrer Eltern für bare Münze zu nehmen. Das Ziel einer aufgeklärten Gesellschaft - der unseren? - sollte aber sein, Kinder zum eigenständigen Denken zu erziehen." Das Mädchen ist 17. Glauben Sie mir, in diesem Alter nehmen Jugendliche, fast Erwachsene - um Kinder handelt es sich hier nicht mehr - die Meinung ihrer Eltern ganz bestimmt nicht mehr für bare Münze. Dieses Mädchen, das ich gut kenne, hat sich sehr wohl ihre eigene Meinung gebildet. Und für sich, vor dem, ich betone es noch einmal, nicht idealen Hintergrund entschieden, das zu aktzeptieren. Mich hat sehr oft umgetrieben, dass wir diese Jugendlichen mit ihren Konflikten hier in Deutschland sehr allein lassen. Ich kenne sehr viel krassere Fälle. Aber ich bin auch schon heftig gegen die Wand gelaufen, bei Eltern, Jugendlichen, Lehrern.... Das ist noch einmal eine ganz andere Geschichte. Ich wollte aber auch die Chance aufzeigen, die in diesem Zusammenleben steckt. Und das es manchmal nicht anders geht. Noch nicht. Herzlich, Anna |
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schrieb am
01.12.2009 um 18:34
Letztendlich läuft es auf Herrenmenschendenken hinaus. - Zumindest ist es intellektuell die Unfähigkeit, die Komplexität von metalitäts-, kultur- und sozialgeschichtlicher Entwicklung überhaupt auch nur ansatzweise zu erahnen; und was die persönliche menschliche Qualifikation angeht, die Weigerung, konkrete Menschen als solche zu achten.
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schrieb am
01.12.2009 um 18:38
Ok, ist schon klar, dass die Schüler - wie Ihre Tochter - damit irgendwie klarkommen müssen und das man nichts erzwingen kann.
Sie haben natürlich Recht: Ich kann auch kein Patentrezept anbieten. Im Text kamen mir die Vorbehalte gegen die genannte Geisteshaltung bzw. Erziehung allerdings etwas zu kurz. Meine Interpretation mag falsch gewesen sein, aber leider kann man ja nicht unbedingt davon ausgehen, dass solche Denkweisen nicht kritiklos hingenommen werden. Ich will noch nicht einmal grundsätzlich abstreiten, dass Menschen, die in eine solche Kultur hineinwachsen, wo die Eltern den künftigen Ehepartner aussuchen, damit unbedingt unglücklich sein müssen. Es dürfte aber klar sein, dass, wenn sie in einer völlig anders gearteten Gesellschaft wie der unsrigen leben, Konflikte häufig vorkommen werden. Aus der Sicht der konservativen Eltern ist das dann die verderbliche westliche Kultur, die ihre Töchter auf dumme Gedanken bringt. Ich würde eher sagen, unsere Kultur und unsere Gesellschaft bringt solche Frauen dazu, sich zu fragen, was sie selbst wollen. Es läuft also auf Individualismus versus Kollektivismus und Paternalismus hinaus. Aber ich gebe gerne zu, dass mir im Einzelfall auch nicht viel anderes einfällt als darüber zu diskutieren, die Haltung der indischen Klassenkameradin zu akzeptieren, sie allerdings im Zweifelsfall auch gegen ihre Eltern zu unterstützen, wenn sie sich denn entschließt, doch einmal auf eine nicht-indische Party zu gehen. |
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Danke, Donnerstag. So kann ich Ihnen zustimmen: Die Tochter hat zum Beispiel seit 1 1/2 Jahren heimlich einen indischen Freund, und ich habe ihr immer gesagt, dass sie sofort zu uns kommen kann, wenn es zuhause deshalb Krach gegen sollte.
Andrerseits kenne ich die Eltern, sie haben schon für uns gekocht und sind sehr liebenswert und eben gar nicht dem Klischee entsprechend. Die Mutter ist selber mit 19 hierhergekommen, kannte Land und Sprache nicht... Sie haben eben auch Angst, ihre Kinder an die deutsche Kultur - und damit ihre eigenen Wurzeln - zu verlieren. Ist das nicht letztendlich Realpolitik und eben nicht Fundamentalismus? Das Machbare zu sehen? Wenn ich diesen Eltern meine Meinung sagen würde, dann würden sie ihre Tochter vielleicht vom Gymnasium nehmen. Damit wäre ihr aber noch viel weniger geholfen - denn das ist ihre Eintrittskarte zu einem anderen Leben. Und dann: Dieses Mädchen sieht auch, dass in ihrer Stufe sehr viele Kinder - die Mehrheit - sind, bei deren Eltern die - nicht arrangierte - Ehe gescheitert ist. Die arrangierte Ehe ihrer Eltern erlebt sie aber als harmonisch. Was soll man dem entgegensetzen? Herzlich; Anna |
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Herrenmenschendenken ... ich merke schon, Vorurteile sind immer Einbahnstrassen, wo einem ein Geisterfahrer entgegenkommt ... Einer? Tausende!
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Lieber meisterfalk;
ja. Wer sind wir, dass wir anderen dauernd sagen können, was richtig ist? Damit ich mich nicht wiederhole: Vielleicht hast Du ja Lust, meinen Kommentar zu Donnerstag weiter unten zu lesen. Herzlich, Anna |
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schrieb am
01.12.2009 um 18:56
@meisterfalk
Un ich nenne es zynisches Gutmenschengehabe, wenn man sich bequem in seinem Sessel zurücklehnt und anderen Menschen Rechte, die man für sich als selbstverständlich betrachtet, einfach abspricht. Indem man einfach mal behauptet, "die kennen das ja nicht anders, die sind bestimmt glücklich so." Genau!, so wie die Menschen in Nordkorea, die von der Außenwelt abgeschottet, es bestimmt ganz prima finden, wenn alle paar Jahre eine Hungersnot ausbricht, während ihre weisen Führer an der Atombombe basteln. Sie kennen es ja nicht anders. Und die Leute in Afghanistan, deren Töchter auf dem Weg zur Schule von Taliban einfach mal abgeknallt werden, sind sicher auch ganz glücklich damit. Ist eben eine andere Kultur. Darüber dürfen WIR uns natürlich gar kein Urteil erlauben. So stellen wir uns also dumm und taub und genießen das wohlige Gefühl, es allen recht gemacht zu haben. Gerade wenn man diesem bequemen Weltbild anhängt, wird die Zweiteilung in Herrenmenschen bei uns, die in Freiheit leben dürfen und dem dummen Pack im Rest der Welt, die ruhig so bleiben dürfen wie sie angeblich wollen, erst so richtig deutlich. Nur dass bei Ihnen noch die Kinder von Zuwanderen dazukommen, die sich ruhig weiter unterdrücken lassen dürfen. Hauptsache, es gibt keinen Ärger. Wenn beispielsweise bei uns jemand von "Studenten" spricht und damit die weiblichen "Studierenden" bestimmt ganz böse diskriminieren will, dann gehen wir auf die Palme und bepöbeln das reaktionäre Schwein am besten ordentlich. Wird aber in Afghanistan mal wieder ein Mädchen auf dem Weg zur Schule erschossen, dann halten wir die Klappe. Ist eben eine andere Kultur dort unten. "Wenn hinten, weit in der Türkei, Die Völker aufeinander schlagen, Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus ..." |
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schrieb am
01.12.2009 um 18:59
Anna, ich persönlich finde es richtig, dass eine junge Frau ganz alleine ihren Partner aussucht. Spätestens die Tochter der Freundin Deiner Tochter wird dies auch tun!
Und noch dies Fundstück: "Beate Bartel Ich hatte in meiner Schulzeit (...) vor allem ein Hosenproblem. Damals gab es zwar schon Jeans. Aber wir waren in keinem freien Land wie Schweden. Wir waren in Deutschland. Und da durfte ich als Mädchen keine Hosen in die Schule anziehen. Ich musste einen Wollrock tragen (...) Die erste Hose meines Lebens habe ich dann mit 14 gekriegt. 1969. (...) Meine Eltern wollten nicht mal, dass ich Abi mache. Die sagten:'Du wirst sowieso heiraten.'" (Jürgen Teipel, Verschwende deine Jugend, suhrkamp 2001, S. 16) Willkürlich herausgegriffen, und vglw. harmlos. |
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schrieb am
01.12.2009 um 19:04
derDonnerstag, ich dachte wir reden hier über Annas Text, über die Freundin ihrer Tochter und deren Familie? Wie tritts Du denn im Alltag solchen Menschen entgegen?
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schrieb am
01.12.2009 um 20:26
@meisterfalk
Habe ich weiter oben schon gesagt. |
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Ich würde mal sagen, in dem Moment wo Heinrich Lübke mit seinem klassischen, stilbildenden "Meine Damen und Herren, liebe Neger" ohne Aufschrei zitiert werden könnte, fände eine globale Weltgemeinschaft wirklich statt.
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schrieb am
01.12.2009 um 18:44
Unter dem jungen Heinrich Lübke und seinem Führer waren wir ja schon ziemlich weit gekommen, jedenfalls mit dem neuen Europa. Wenn die Russen nicht so dickköpfig gewesen wären, ganz zu schweigen von dem Winter, dann hätten wir jetzt 'die ganze Welt'.
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Hmmmm Black sabbath 9nto the void, OZZy der alte, sag mer mal. Herr Tananarife, alder sack, mom,
li9webe NEGER !!! |
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unn jetzt, mir müssten die gleischbereschdigung zwischen alllen leusden realisieren. soford. weil wire allle nescher sind.
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ROCKET ENGIN$E BURNINGT FUEL SO FAST {OZZZY osborne0 hey schweitzer ihr seid nicht alllein. muslisch wixxer muss nict sein-.ö haut sie raus bidde.
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"hey schweitzer ihr seid nicht alllein. muslisch wixxer muss nict sein-.ö haut sie raus bidde"
Jaja und Du bist nun das andere Ende der goldrichtigen Toleranz. So sieht das in Deutschland aus. Und so witzisch. |
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Liebe Anna,
dieser Text ist Dir ja auf unvergleichliche Weise einfühlend dicht gelungen, weil Du einer fernöstlich "Inneren Haltung" ein Forum bietest, nämlich "Bringe Dein Gegenüber niemals in die Verlegenheit einer Lage, unfreundlich gegen Dich und andere zu sein!". Der Text ist Dir wahrlich gut gelungen,aber wie wird es weitergehen? Wirst du das indische Eltern- Paar ab und zu, den Kids zur Entlastung, Beispiel gebend, mit kleinen neckenden "Unfreundlichkeiten", humorvoll entschieden opponierenden Einlassungen, auf die Probe ihrer Toleranz und Lebendigkeit als Chance in Hamburg- Altona stellen? Unter dieser ausgeprägt und nachwievor prägenden Inneren Haltung leidet inbesondere bis Heute die japanische Demokratie. Das Ergebnis ist, dass die japanischen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zwanzigsten Jahrhundert bis Heute mit kaum einer Silbe öffentlich angedeutet, geschweige denn debattiert werden. tschüss JP |
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Das schillernde Gegenteil, bzw. die andere Seite der Medaille der fernöstlichen "Inneren Haltung"(s.o.)ist folgende:
"Willst Du mein Freund, meine Freundin nicht sein, schlage ich Dir den Schädel ein!" ins deutsche Namensrecht übersetzt wurde aus solchen Volks- Weisen der name "Win- Fried" Da rufe ich nur: "König Salomon hilf! mit deinen weisen Richtersprüchen"! tschüss JP |
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Mal Sachlich:
Die sog. Globalisierung und Zuwanderung dient den Interessen des Kapitals, mehr arbeitswillige Menschen in einem Nationalstaat machen Druck auf die "Löhne", also den Teil den jemand abgeben muss, wenn er ihn mit einer Erwerbsmässigen Aufgabe beschäftigt, und das ist ja ganz schön billig geworden in den letzten 20 Jahren, oder ? Der richtige, gute Witz bei dieser Entwicklung ist aber, das sie von konservativen Regierungen so ab 1980 eingeleitet wurde, und an grüne Multikultis als Einlenken in eine Art neue Denkweise verkauft wurde, "lasst doch die menschen herein ! Lasst sie ihre Moscheen bauen !". Und der absolut komische Kracher ist, das jetzt die neokonservativen Schwesterwellen und ihre Sponsoren aus der Finanz vor einem Berg von 10 Millionen Türken stehen, die zum grossen Teil halt auch ALG-2 beanspruchen, und sich kaum noch aus den regierten Bezirken raustrauen, da sonst ihr Fett-Auto abgefackelt würde. Das ist doch nur noch krank, lustig-krank aber jedenfallls KRANK. |
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seit wann können Menschen lebend Berge bilden?
Übrigens zahlen Millionen Türken in die deutschen Sozialversicherungssysteme!, was soll da ihr hoffentlich echoloses Berg- Getöse bezwecken? JP |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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