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Letztlich war alles nur Taktik: Der überraschende Schulterschluß der drei Ministerpräsidenten der nordwestdeutschen Bundesländer in den vergangenen Wochen und das plötzliche Kündigen der Koalition in Schleswig-Holstein, aus Gründen, die auch Tom Strohschneider in seinem Artikel beschreibt. Zurück bleibt der Bürger und potentielle Wähler, der, wenn er die wahren Absichten der Protagonisten erkannt hat, sich vermutlich mit Grausen abwendet - statt transparenter Demokratie eine Inszenierung aus Berechnung.
Auf einmal waren sie ein einig Volk von Brüdern. Die nicht enden wollenden Vorfälle um Krümmel waren es scheinbar, die Peter Harry Carstensen, Ole von Beust und Christian Wulff unisono verkündigen ließen: "Notfalls muss Krümmel für immer abgeschaltet werden". Schleswig-Holsteins Landeschef Carstensen, der sich zunehmend in seiner Rolle als großer Klarer aus dem Norden gefällt, hatte die Vorlage geliefert: Er habe den Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka energisch "herzitiert", applaudierten am Tag darauf die lokalen Blätter, und nachdem Carstensen im Gespräch deutlich gemacht habe, dass er sich beim nächsten kleinen Zwischenfall "persönlich um die Abschaltung kümmern" werde, sei der Konzernchef, so hatten es zumindest die CDU-linientreuen Medien beobachtet, sichtlich mitgenommen und ohne ein Wort an den wartenden Journalisten vorbeigeschlichen.
Was kümmerte es da, dass es tatsächlich rechtlich schwer werden dürfte, Krümmel auf Dauer lahmzulegen, und dass Carstensen dies sehr wohl weiß? Die Botschaft "Euer Landesvater kümmert sich um Euch!" kam an - und zwar nicht nur bei den Medien vor Ort.
Der Hamburger Bürgermeister brauchte etwas länger: Ole von Beust ist dafür bekannt, dass er bei Konflikten gern abtaucht und die Klärung seinem Personal überläßt. Auch diesmal sollte Umweltsenatorin Anja Hajduk von der GAL (zur Erinnerung: in Hamburg regiert Schwarz-Grün) zu Krümmel Stellung beziehen - das hätte die CDU lakonisch als weltfremden Wunschzettel des Koalitionspartners verkaufen können. Aber Hajduk schwieg ebenfalls, und so sprach von Beust schließlich ein Machtwort auf hanseatisch, unter Vermeidung von Drohungen und direkter Kritik. Es war nur oft von "Vertrauen" und "letzter Chance" die Rede. Eine andere Art von Gardinenpredigt: "Papa ist nicht böse, nur enttäuscht".
Last not least meldete sich Christian Wulff, der bisher nicht gerade als Befürworter erneuerbarer Energien in Erscheinung getreten war. Es steht zu vermuten, dass ihn seine beiden Kollegen zum Jagen getragen haben. "Krümmel muss im äußersten Fall dauerhaft vom Netz", wand sich Wulff also in der vergangenen Woche, um eilig hinzuzufügen, dass es aber ansonsten ohne Atomkraft absolut nicht ginge.
Getrieben hatte die drei, die solange zu Krümmel geschwiegen und Vor- und Störfälle sowie alarmierende Gutachten dickfellig ignoriert hatten, vermutlich die Angst um die Wähler. Denn die Hamburger, Schleswig-Holsteiner und Niedersachsen haben die Nase voll, von Krümmel und dessen skrupel- und verantwortungslosem Betreiber. Dreimal so viele Fragen zum Anbieterwechsel hätten sie in der letzten Woche erhalten, vermeldete die Hamburger Verbraucherzentrale. Krümmel könnte also Wahlkampfthema werden, und mit seinem Vorstoss nahm der passionierte Segler Carstensen seinen politischen Gegnern vorsorglich den Wind aus den Segeln.
Gleichzeitig war das Ganze auch eine Botschaft an Berlin: Hatte die Kanzlerin doch vorher lapidar verkündet, an den "längeren Laufzeiten für ältere Kernkraftwerke" werde man unbeirrt festhalten. "Das lassen wir uns nicht so einfach vorschreiben", signalisierte das Triumvirat aus dem Norden und gab sich somit eigenwillig, rechtzeitig vor der Wahl.
Die Kündigung des ungeliebten Partners SPD war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls kein Zufall und, wie auch Tom Strohschneider vermutet, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Merkel abgesprochen. Und wieder schlägt Carstensen zwei Fliegen mit einer Klappe: Neben dem Ziel, die Signale auf Schwarz-Gelb zu stellen, dient das Ganze als Ablenkungsmanöver. Wer redet jetzt noch von den drei Millionen, die der Chef der angeschlagenen HSH-Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, dafür erhielt, dass er weitermacht? "Sonst wäre er nicht zu halten gewesen", sagte Ole von Beust in der vergangenen Woche betrübt während einer Pressekonferenz, und er habe auch "Bauchschmerzen" bei dieser Entscheidung gehabt...
Dass ein Vorstandschef, der die Misswirtschaft in seiner Bank zumindest mitzuverantworten hat, danach einen üppigen Bonus verlangt, damit er den Karren wieder aus dem Dreck zieht - das ist bei Managern ein fast schon reflexhaftes Verhalten, mit dem sie sich immer wieder ihres Marktwertes versichern. Doch in Hamburg und Schleswig-Holstein drohte das Thema hochzukochen: Zu viele Millionen hatten die Landesregierungen bereits in ihre marode Hausbank gesteckt.
Carstensen hat somit sein Ziel erreicht: Angesichts der Aktionen und Spekulationen in Kiel (Stellt er die Vertrauensfrage? Gibt es vorzeitig Neuwahlen?) diskutiert keiner mehr über die Moral von Managern im Besonderen und über gute Sitten im Allgemeinen.
Zurück bleibt zumindest eine eindeutige Botschaft: Der Wahlkampf hat begonnen.
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Hallo Anna,
wäre es nicht eine lohnende Sisyphusarbeit für Journalistinnen zum Thema Atomkraft ähnlich wie bei Deregulierung mal zu recherchieren, wer was wann gesagt hat und wer wo steht? Immerhin geht es um Zukunft und Gesundheit unserer Kinder. |
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Hallo Streifzug;
eine gute Idee! Aber auch wirklich eine Sisyphosarbeit - und ich habe gerade Urlaub... Ich werde auf alle Fälle mal anfangen zu recherchieren. Übrigens geht es ja auch um UNSERE Zukunft und Gesundheit. Schon die ganze Zeit. Du weisst ja, die Kinderkrebsfälle in der Elbmarsch. Sie erkranken, aber das heisst nicht, dass es uns nicht auch beeinträchtig. Sage ich seit 1991! Herzlich, Anna |
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Eine Anregung:
Warum alleine, wenn es mit mehreren leichter geht. Wie wäre es ein Dokument zu erstellen, an dem mehrere Personen arbeiten können? |
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Hattest Du da jemanden konkreten im Sinn?
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Alle, die mitmachen wollen.
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Warum ist eigentlich immer Vorwahlkampf, Wahlkampf oder Nachwahlkampf aber nie Legislaturperiode?
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Gute Frage. Wann regieren die eigentlich WIRKLICH? könnte es anders auch heissen...
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"Wann regieren die eigentlich WIRKLICH?"
zwischendurch ;-) |
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>Wann regieren die eigentlich WIRKLICH?< - nun ja, sie regieren nicht nur zwischendurch.
Sie regieren dauernd - an uns vorbei. |
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nicht nur wann, es gibt noch mehr w-fragen, zum beispiel wo?
antwort: backstage back-slapping in pretty backwardness |
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Oder warum? - Das weiß keiner so genau, am wenigsten sie selbst.
Sie können nur auf die Frage 'wozu?' ehrlich antworten: "Um mich zu bereichern." |
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... mit grausen abwenden, ist auch eine gute idee, anna. oder nicht?
ich weiß zum beispiel auch nicht, warum endlos lange schuljahre hindurch der immer gleiche zirkus der herrschaften abgehandelt werden muss. es sind doch nur die namen, die sich ändern. der rest ist schweigen oder das geschäft von herrschaft. aber weil das nicht verraten werden darf, wird daraus eine endlosschleife mit nationalem anstrich. |
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@Anna-Dorothea
Hab wieder mit Interesse und Gewinn deinen Beitrag gelesen. @Helder Das hab ich mich im Schulunterricht auch immer gefragt. Wieso muß ich wissen, wieviel Futzis im Bundestag sitzen. Und dieser ganze andere Herrschaftskram. Geschichte = Daten von Machtgierigen und ihren Ränkespielen lernen und wieder vergessen. Vom Leiden des Volkes fast nix. |
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@Titta
Hierzu fällt mir folgende Episode aus meinem Leben ein: Ein hochgelobtes Buch - Q. von Luther Blissett (2002) - habe ich angefangen zu lesen (versprochen war Spannung pur, wahrhaftige Geschichtsschreibung und die bologneser Autoren blieben unerkannt im Dunkeln). Ich mußte es aber nach etwa 40 von 800 Seiten weglegen - nicht weil das Buch nicht den Erwartungen genügte, sondern weil ich dann wußte, was kommt und dass ich das nicht ertrage: Bauernkriegsgemetzel in Nahaufnahme ohne Ende.... Eine meiner italienischen Kolleginnen sprach mich etwas später auf das Buch an - dort war es lange Wochen ein Nummer 1 Bestseller. Ob ich das Buch kennte und was ich davon halte. Ich mußte ihr "gestehen", dass ich es unmöglich hatte lesen können. Sie hatte über Bauernkriegsgemetzel und diesen Zeitabschnitt deutscher Geschichte erst aus dem Buch erfahren. Ich weiß, das ist etwas "offtopic", aber ... |
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Was ist denn "offtopic"? Das habe ich noch NIE gehört, Titta Du?
;-) Heißt es nicht: "Ein Topic ist ein Topic ist ein Topic"? oder eher: "Außen Topic, innen Geschmack" ? |
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Vielleicht fällt das ja unter Denglish, Blogbeitrag von Hans555, falls ich das noch richtig in Erinnerung habe.
So reden die hier immer, wenn sie meinen, sie reden etwas am Thema vorbei. Wobei das ja das eigentlich Spannende sein soll, laut Jakob Augstein. Sag mal merdeister, was ist eigentlich los mit dir? Hattest du gestern abend Dienst, während alle anderen zum Feiern oder in Urlaub waren? Oder hast du dich bei Magda angesteckt? Vielleicht hilft ja das: ecx.images-amazon.com/images/I/51Q3R2J4N4L._SL500_AA240_.jpg (Ich kann immer noch nicht das Bild direkt einstellen.) oder das, sehr zu empfehlen: img.webme.com/pic/g/gute-laune/gute_laune1.jpg LG Titta |
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@ Titta:
Also, manchmal bist Du ja außerordentlich geschmacklos! ;-) Un um Deine Neugier zufriedenzustellen: Gestern habenmerdeiser und ich getschettet (um das zu offensichtlich Denglische zu umgehen!!!), was das Zeug hält. Du willst das ja nicht, weil Du Angst vor demHerrn Google seier Neugier hast... ;-) Da mußte dann eben auffe Rolle gehn, wohl? |
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Hallo Idealist,
was willst du mir jetzt sagen? Daß der merdeister schlecht draufkommt, wenn ihr zusammen chattet? |
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Hallo Titta,
wieso ist der merdeister schlecht drauf? Weil er Fachbegriffe wie 'offtopic' nicht kennt? Die Bemerkung übers Tschetten war als anreiz für Dich gemeint, mal mitzutun. Aber dnn hast Du natürlich weniger Zeit für kluge Kommentare hier im reeitags-Blog!!! ;-) |
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Titta meint, meine Kommentare, weil die gerade so "anti" sind und so ernst...glaube ich. Also Dienste habe ich noch nicht, der Idealist ist auch nicht schuld, ich werde mal in mich gehen. Ich will ja nicht der Neumitgliederschreck werden.
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@h.yuren:
Wie Sie sehen, wird aber mein Beitrag noch von der Wirklichkeit überholt: Denn gestern gab Carstensen dann noch zu, dass das ja alles nicht so war, er also die Unwahrheit gesagt hat. Trotzdem wird er bei Neuwahlen wieder Chef werden.... Wer begreift das noch? Heute morgen war eine Umfrage hier in Hamburg, und nach der hat die "Politikverdrossenheit" noch ein Stück zugenommen. @Titta: Danke, über Deinen Kommentar habe ich mich heute morgen sehr gefreut. - Es gibt aber auch anderen Geschichtsunterricht. Engagierte Pädagogen, die ihre Schüler von Demokratie überzeugen wollten... |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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