Antifee

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05.06.2009 | 08:29

Männlichkeit, Weiblichkeit - Patriarchat. Scheiße.

Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? Diese Fragen sollten doch nicht allzu schwer zu beantworten sein.

Es gibt zwei Chromosomenpaare: XX für Frauen und XY für Männer. So steht es in jedem Biobuch. Bei näherer Betrachtung aber stellen sich diese Unterscheidungsmerkmale als nicht so eindeutig heraus. Zum einen lässt sich der Chromosomensatz nicht immer eindeutig bestimmen, zum anderen muss eine ‘richtige Frau‘ bzw. ein ‘richtiger Mann‘ gleich in fünf biologischen Kategorien der Norm entsprechen.

Menschen, die aus dem System der Zweigeschlechtlichkeit herausfallen, werden als biologische Ausnahmen gefasst und als ‘krank‘ markiert. Dies nimmt nicht selten reale Gewalt an. Babys mit ‘nicht eindeutigen‘ Geschlechtsmerkmalen werden per Zwangsoperation an das Zweigeschlechtermodell angepasst und über Jahre hinweg mit Hormonen ‘behandelt‘.

Auch transsexuelle Menschen haben sich nach einem langen, beschissenen Weg voll institutioneller juristischer und medizinisch-psychologischer Hürden einer Operation zu unterziehen, um vor dem Gesetz als dem anderen Geschlecht zugehörig zu gelten. Dabei ist gesetzlich vorgeschrieben, dass auch die Fortpflanzungsfähigkeit bei der Operation zerstört werden muss.

Eine Nicht-Einordnung in die Kategorien männlich oder weiblich ist vom Gesetz erst gar nicht vorgesehen. Dies beruht auf dem zweigeteilten Denken, das für unsere Gesellschaft prägend ist: öffentlich-privat, aktiv-passiv - und eben Mann-Frau. Problematisch an diesem Denken ist u.a., dass alles ausgeblendet wird, was sich nicht in eine der beiden Schubladen einordnen lässt und dass durch diese Zweiteilung das eine zur Norm gemacht und das andere abgewertet wird. Diese Abwertung gipfelt in physischer Gewalt gegenüber als abweichend wahrgenommenen Menschen, z.B. auch Menschen mit Behinderung.

Auch in den Sexualitäten findet sich die Hierarchisierung wieder. So gilt Homosexualität immer noch für viele als pervers. Grundlage hierfür sind heterosexistische Argumentationsmuster, die Sexualität auf ‘natürliche Fortpflanzung‘ reduzieren. Es bräuchte einen ‘gesunden‘ Mann und eine ‘gesunde‘ Frau, um Kinder zu zeugen.

Sei doch ehrlich: Dient deine Sexualität in erster Linie der Fortpflanzung?!

Geschlecht ist ganz und gar nichts Natürliches, sondern wird sozial erst hergestellt. Das geschieht sowohl durch Institutionen als auch auf die Art und Weise, wie ein*e jede*r sich selbst präsentiert, etwa durch Kleidung, Körpersprache oder Redeverhalten. Durch solche Inszenierungspraxen glauben wir, einen Menschen dem einen oder dem anderen Geschlecht zuordnen zu können. Das bedeutet aber nicht, dass die Geschlechtsidentität einfach abgestreift werden kann, denn sie ist durch jede*n einzelne*n verinnerlicht. Die Kategorie Geschlecht mit all ihren Fremdzuschreibungen fungiert in unserer Gesellschaft als zentrales Gewaltverhältnis - obwohl sozial konstruiert, ist sie (bittere) Realität.

Deshalb: deconstruct gender!!

 
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