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Eine linke Auseinandersetzung mit Popkultur gleicht für gewöhnlich einem recht simplen Schema: es wird sich ein gängiges Werk der Kulturproduktion herausgegriffen und mit den Methoden feministischer, sozialpsychologischer, materialistisch-marxistischer oder sonstwie „kritischer“ Theorie nach allen Regeln der Kunst zerlegt. Das macht Spaß, ist aber oft auch etwas besserwisserisch. Denn das, wenn wir in einer patriarchalen und kapitalistischen Gesellschaft leben, auch die Kulturprodukte dieser Gesellschaft voll von patriarchalen und kapitalistischen Fragmenten sind, das kann nicht ernsthaft verwundern.
Einen etwas anderen Weg des Umgangs mit kulturellen Erzeugnissen schlägt der Popfeminismus ein. Hier geht es nicht nur um eine reine Beschäftigung mit oder Kritik an kulturellen Phänomenen, sondern um eine kritische Einordnung resp. Übertragung eben dieser kulturellen Erzeugnisse in einen feministischen Kontext.
Die Helden in Actionfilmen etwa verkörpern klassisch machistische Stereotype, wenn sie einen auf hart machen, überall Dinge in die Luft fliegen und die ihnen beigeordneten Frauen in aller Regel blond und dumm zu sein haben. Mit einem (pop-)feministischen Blick machen die Filme jedoch trotzdem Spaß – wenn auch nicht ganz in der intendierten Art und Weise. Mit der nötigen kritischen Distanz lässt sich eben über das Modell von Männlichkeit, das uns bei Stirb Langsam präsentiert wird, durchaus auch Lachen:
„Wieso schaut man sich als Mensch mit einem feministischen Bewusstsein so etwas an? Jeder Action-Fan, unabhängig von seinem Geschlecht, kennt das: Es macht glücklich, wenn Autos in die Luft gesprengt werden und schwitzende, gestählte Männerkörper in Zeitlupe mit großen Schusswaffen um sich ballern. Das geht direkt ins Stammhirn. Ich sitze dann unwillkürlich breitbeinig auf dem Sofa, lache dreckig und lasse dieses Spektakel wie eine Welle über mich hinwegspülen.
Ich wage sogar zu behaupten: Als feministisch geschulte Zuschauerin habe ich in diesen Fällen den doppelten Kick. Denn was macht noch mehr Spaß, als „Stirb Langsam“ zu sehen? Sich darüber zu freuen, wie Bruce Willis aka John McLane sich mit vollem Körpereinsatz in den Kampf seine angeschlagene Männlichkeit wirft, um seine abtrünnige Ehefrau zurückzugewinnen? Was ihm dann natürlich auch gelinkt, allerdings erst, nachdem er durch Lüftungsschächte und über Glasscherben gerobbt ist, mit seinen bloßen Händen und einer mickrigen Baretta eine ganze Brigade von Terroristen aus dem Weg geräumt, gelitten und noch mehr gelitten und dabei eine Menge zynischer Sprüche gerissen hat. Selbst Sexismus kann Spaß machen – wenn er auf dem Silbertablett präsentiert wird und darauf wartet, von uns verlacht zu werden..
Auch „Alien“ wird noch viel besser, wenn man weiß, dass die großmäuligen Mackerkollegen von Ripley in spätestens 20 Minuten von dem Alien plattgemacht werden. Während Ripley zuletzt lacht, weil die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern im Horror-Genre das so vorsieht. Gender-Theorien und feministische Filmkritik gelesen zu haben, muss einem den Trip auf dem Highway Hollywood also keineswegs vermiesen. Es kann den Kick noch verdoppeln, weil nicht nur das limbische System, sondern auch der Intellekt stimuliert wird.“
So zumindest sieht das Chris Klöver, die das dann auch in ihrem Text aus dem Buch „Hot Topic. Popfeminismus heute“ so festgehalten hat. Und damit Stefanie Lohaus die Möglichkeit zu einem Auftakt für ihren Vortrag auf dem Antifee gegeben hat. Gemeinsam mit anderen Mitstreiterinnen beim feministischen Frauenmagazins Missy darum bemüht, die Übergänge von Kultur und Feminismus zu beleuchten. Wenn es einen Trend gibt, die 50er wieder aufleben zu lassen – warum nicht ein Special dazu machen, was zu beachten ist, wenn sich zur Mottoparty passend geschminkt werden soll. Und noch gleich erwähnen, warum sich seinerzeit genauso und nicht anders geschminkt wurde und welche gesellschaftliche Funktion dies erfüllte (Remember: nachdem die Frauen während des Krieges ein stückweit in geselschaftliche Verantwortung geraten waren – etwa als Arbeiterinnen in Fabriken – hieß es nun, nachdem die Männer aus dem Schützengraben zurückgekehrt waren, zurück an den Herd).
Über die Möglichkeiten, aber auch über die Grenzen derart subversiver Aneignung wurde nun heiß und heftig diskutiert – beim Auftaktworkshop auf dem Antifee. Nebenbei wurden beim Street-Art-Workshop Schablonen zur Stadtverschönerung erstellt und der Antifolk-Protagonist Jan von Tiger Paws beglückte die bereits Anwesenden mit den Klängen seiner akustischen Gitarre. Viel besser hätte so ein Festival einfach nicht beginnen können.
Eine Teilnehmerin
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Und war bloggst du nicht mehr beim freitag?
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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