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Der Schulungsraum für Verlagspersonal lag im Dunkeln. Der Form nach war dieser Raum ein Schiff, grauer Teppichboden, Neonleuchten an der Decke, weiße Tische, daran Menschen, die nach vorne ins Licht sahen. Es ging los. Am oberen Ende des Seminarraums stand ein glatzköpfiger Mann ohne Brauen und Wimpern. Er hatte sich wohl gerade noch den Matrix-Glibber aus dem Gesicht wischen können, um in adäquatem Zustand vor die Belegschaft zu treten, die er jetzt mit seinen schmalen Lippen anlächelte. Es ging heute darum, die Verlagsbelegschaft auf den neusten Stand zu bringen. Er sprach feierlich:
"Hey, ich sage Ihnen was: die Revolution ist längst da! Unter uns, hier, es passiert in dieser Sekunde und sie alle sind Zeugen!"
Er trug einen grau linierten Anzug und warf sich ein Smartphone von einer Hand in die andere. Dann stand er stramm und salutierte.
"Dieser gigantische Menschenapperat, der Inhalte produziert und verwaltet, wird mehr und mehr überflüssig werden. Alles und ich betone A L L E S — kann vollautomatisch erledigt werden. Die Menschen machen sich Arbeit, weil sie eine Daseinsberechtigung brauchen, um …" — der Seminarleiter lachte, sah in die andächtig lauschende Belegschaft und machte eine kleine Pause —
"… um da sein zu dürfen".
Der Seminarleiter stand vor seiner Powerpointpräsentation und hatte einen blauen Heiligenschein. Die Seminargruppe, welche auf den neusten Stand zu bringen war, folgte seinem Vortrag nur mehr nickend.
Er breitete dann die Arme aus und betete gemeinsam mit den Seminarteilnehmern:
Demokratisierungsprozess, Freier Informationszugang, aber was zählt sind die Klicks, Klicks, Klicks!
Backlink,
Clickrate,
Google,
Googlerelevant,
SEO,
Description,
Special Interest,
On Demand,
URL,
Pagerank,
Keywords,
ID,
PI' s,
Usability.
Klicks, Klicks, Klicks, was wir wollen sind Klicks, Klicks, Klicks!
Der Seminarleiter sprach immer schneller und die auf den neusten Stand zu bringende Belegschaft nickte ebenfalls schneller. Es war, als würde er von elektrischen Impulsen beschleunigt, fast war er überhaupt nicht mehr zu verstehen:
<b>Oualitätsjournalismus — pah! </b>
<b>Online ist die Zukunft </b>
<div>Print versteht nicht online</div>
<p>Das Internet gilt bei vielen Experten als eine der größten Veränderungen des Informationswesens seit der Erfindung des <a href="/wiki/Buchdruck" title="Buchdruck">Buchdruckes</a> mit großen Auswirkungen auf diverse Bereiche des alltäglichen Lebens.</p>
<div> Print ist tot!!!title=MediaWiki:Common.css&usemsgcache=yes&ctype=;maxage=2678400
Print ist tot!!! </div>"
Und die Seminarteilnehmer sagten im Chor: <b>AMEN</b>.
Als aber der Seminartleiter würgte und nur noch Einsen und Nullen auspuckte, begannen die Seminarteilnehmer, welche auf den neusten Stand gebracht werden sollten, sich Sorgen zu machen. Sie schafften es gerade noch von seinem Smartphone aus einen Notruf zu tätigen.
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Ja aber der Notruf war dann auch 110 :-))
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würdest du mir nun versichern, dass das alles wirklich passiert ist, würd ich das glauben. o_O
mfg mh |
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ich schwörte, es war genau so und es passiert so jeden tag immer wieder.
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Ich glaube mal, versichern reicht. Beim schwören haben schon Kanzler, Kanzlerinnen, Ministerpräs...und Jungpioniere versagt. Und viele andere auch.
Und vom Inhalt her war das bestimmt ein Programm von Micro$oft. |
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Jaaaaa!
Erst wenn die letzte Zeitung vernichtet ist, werdet ihr lernen, dass man Nullen und Einsen nicht essen kann. Oder so. |
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Und erst, wenn die letzte amerikanische Postkutsche als Fiaker in Wiean oder Solzbuhrg verarmte Printmagnaten kutschiert, werdet ihr es begreifen, dass eine Fahrt mit dem TransAm preiswerter, bequemer, schneller, gefahrloser und.... ist.
Nur erst mal so zum Überdenken. Und da gab es auch mal so Eisenbahnkönige, ich glaube, die wurden Railwaytycoons genannt. |
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Ein Link zum weiteren überdenken
www.lesen.net/ereader/creative-plant-ereadermediabooktablet-1478/ Und wenn es diese Dinger in superflacher, falt- und rollbarer Form gibt, dann führen Printmedien ein Nischendasein. Die zunehmende Verweigerung der Leser gegenüber den Printmedien hat nicht allein technische Ursachen. Von meinem Regionalblatt vom Wochenende hat mich weniger als 10% des Inhalts interessiert (einschl. Todesanzeigen). Der Rest ist rausgeschmissenes Geld. Ist bei 1,50 noch zu verschmerzen. Viele Zeitungsverlage haben es immer noch nicht verstanden, dass sich mit dem Internet neben dem riesigen Informationsaufkommen auch die Gewohnheiten des Lesens von Informationen geändert haben. Die ersten Sekunden entscheiden; bei Nichtgefallen "klick"; kein Abo abbestellen -> Lesezeichen, mit der Maus drauf und DEL oder umgekehrt mit copy & paste zum "abonieren". Die Zukunft braucht, glaube ich, mehr denn je ausgezeichneten Journalismus. Also diesen kritischen, nachfragenden, nonkonformistischen und dialektisch informierenden Journalismus. Gegenwärtig gibt es eine Umbruchphase. Aber die Zukunft bietet reale Möglichkeiten für einen anderen Journalismus. Die Bildbearbeiter von früher sind heute Photoshopisten; die Journalisten von heute werden die Visualisierer von morgen sein. Nicht alle. eben geschrieben luggi |
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Das Eisenbahnfieber - Glanz und Elend nach 1800
www.spiegel.de/spiegelgeschichte/0,1518,640127,00.html |
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@ MH...
Danke für den Link. Damals die Gleise mit den Rockets, heute die backbones mit den CPU's. Und bitte die sozialökonomische Wirkung der "Jenny" nicht vergessen de.wikipedia.org/wiki/Spinning_Jenny |
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Aber Papier?!
:) |
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Genial!
Form und Inhalt sind am Puls der Zeit. |
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Genial!
Form und Inhalt sind am Puls der Zeit. Die Megamaschine ist Null und Eins. Alptraum und Realität verschmelzen zu einer Einheit. Gibt es davon mehr? |
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schrieb am
01.11.2009 um 12:22
Man kann ja auch einen Blick auf die staatlichen Hochschulen werfen. Da passt man sich diesen fragwürdigen Vorbildern immer stärker an.
Kannst ja z.B. versuchen, Studenten heutzutage dazu zu bewegen, sich in der Bibliothek Fotokopien zu machen und die zu lesen. Keine Chance. Wenn Du denen ihr Material nicht einscannst und ins Netz stellst, lesen sie's eh nicht mehr. Von selbstständiger Literaturrecherche, die über ein paar Google-Treffer hinausgeht, einmal ganz zu schweigen. |
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Ich beobachte seit längerer Zeit mit Entsetzen, dass es immer mehr Journalisten gibt, die beinahe ausschließlich im Internet über das Internet berichten. Gleichzeitig scheint die Zahl der Auslandskorrespondenten drastisch zurückzugehen.
Aber wozu braucht man die schließlich auch, wenn es YouTube und Blogs gibt, die mit mindestens genauso großer Verlässlichkeit über das Geschehen in der Welt informieren??? (Achtung, Sarkasmus!) |
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"beinahe ausschließlich im Internet über das Internet berichten."
Fällt mir auch auf. Wie heißt das doch gleich? Selbstreferentiell oder so ähnlich. |
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zeitungen sind da noch cooler. die schreiben im print dagegen und online dafür.
mfg mh |
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ja, bei medienumbrüchen rasten die leute immer völlig aus. soll auch früher schon so gewesen sein, wie ich mal gelesen habe. das alles ist ernst, aber auch lustig.
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streich das medien raus. früher gabs den scheiterhaufen für rothaarige und veränderer. :)
seit rund 300 jahren sind solche veränderungen jedweder art auch immer mit hypes und anschliessendem verderben verbunden. das ist der zeitraum auf den sich börsliche hypes zurückführen lassen. davor dürfte es wenig anders gewesen sein ... ein grundverständnis kann ich da durchaus aufbringen und je höher die wahrungsrate, je radikaler der drang zum umbruch. im bereich medien hat aber noch nie ein neues ein altes gekillt. da könnte man es lockerer angehen und über das miteinander alles etwas verdaulicher gestalten. theoritisch natürlich, nicht praktisch. mfg mh |
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schrieb am
02.11.2009 um 07:22
Zumindest die von mir angeprangerte Veränderung der Auslandsberichterstattung lässt sich an handfesten Zahlen belegen. (Vgl. Oliver Hahn: Deutsche Auslandskorrespondenten: Ein Handbuch. Konstanz: UVK 2008.)
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deswegen stirbt sie doch aber nicht aus... sie verändert sich lediglich. z.b. so:
snipurl.com/t02os und die FAZ hat bspw. eine kooperation mit der NZZ, da spart man sich auch mal was eigenes. ansonsten wird doch über mord und totschlag im ausland berichtet wie wahrscheinlich nie zu vor. das wird bleiben, in welcher form auch immer. mfg mh |
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schrieb am
02.11.2009 um 19:16
Und diese "I-Reporter" sind obendrein auch kostenlos.
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schrieb am
03.11.2009 um 07:39
>deswegen stirbt sie doch aber nicht aus... sie >verändert sich lediglich. z.b. so:
> >snipurl.com/t02os Die Wahlen im Iran waren ein besonders erschreckendes Beispiel. Wacklige, unscharfe YouTube-Bilder, auf denen so gut wie nichts zu erkennen war, und Blogs, von denen niemand sagen konnte, wer sie wirklich geschrieben hatte und wie repräsentativ sie waren, ersetzten den Auslandskorrespondenten. >ansonsten wird doch über mord und totschlag im >ausland berichtet wie wahrscheinlich nie zu vor. das >wird bleiben, in welcher form auch immer. Du sagst es. Mord und Todschlag. Gute Auslandsberichterstattung war einmal deutlich mehr. |
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da scheinen wir das gleiche mit vollkommen anderen zu sehen. es sollte reichen, das artikuliert zu haben.
mfg mh |
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@schackerbilly und magda. Gutes Anschauungsmaterial für Ihre These der überbordenden Selbstreferentialität bietet übrigens der FREITAG respektive die Community-Seite unserer Homepage, in der sich gefühlt jeder zweite Blog-Eintrag mit sich selbst, oder vornehmer gesagt: mit dem Internet/der Blogosphäre beschäftigt.
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dieses "gefühlt" ist auch mehr selbstreferentielle bestätigung als beweis.
mfg mh |
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"die Community-Seite unserer Homepage, in der sich gefühlt jeder zweite Blog-Eintrag mit sich selbst, oder vornehmer gesagt: mit dem Internet/der Blogosphäre beschäftigt."
Ja, aber wirft dann die Oberste Heeresleitung auch immer noch ein Scheit dazu ins Feuer, wie heute? |
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@Michael Angele,
ist ja auch ein relevantes Thema ;) |
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Ich verstehe die erhöhte Gefühlsregung von JA nicht richtig (s.o.). Er arbeitet doch auch tagtäglich mit Nullen und Einsen, oder ist sein Satzprogramm für den Freitag eines mit "beweglichen Drucklettern"? Die vielen in diesen Zeiträumen freigesetzten Arbeiter in der Druckindustrie (das ist jetzt allgemein) konnten ihre Familien auch nicht mit Nullen und Einsen ernähren. Ein bekanntes Ehepaar, das wegen des Technologiesprungs entlassen wurde, betreibt seit einigen Jahren einen Hausmeisterservice. JA, man kann Nullen und Einsen nicht essen. Aber man kann ihre nahrhafte Wirkung erkennen und mehren.
bis BYTE luggi |
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Lieber luggi,
das weiß ich doch :) Manchmal packt es mich einfach und dann bricht mein altes Ich hervor - ich bin ja ein digital immigrant, sozusagen ... Und die Nostalgie und die Sehnsucht nach den alten Zeiten, die wohnt ja noch in meinem Herzen. Schnüff. (Wenn ich allein daran denke, wie einfach es war, im Sommer die Zeitung zu rebrushen - und wie ungeheuer kompliziert es ist, den Online-Auftritt überzubürsten ... Aber dafür ist Online eben auch ungeheuer viel interessanter und lebendiger und vielseitiger und berauschender. Man gewinnt, man verliert. Am Ende gewinnen wir alle mehr. Das ist meine feste Überzeugung. Hugh!) JA |
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Danke und bitte. Ich habe auch gesprochen (Hugh).
Im TV gibt es eine Serie über aussterbende Handwerke. Also ich mach mal jetzt keine Schwarzmalerei und Teufelsaustreibung. Aber so in schlappen fuffzich Jahren hätten die aus heutiger Zeit einen Haufen Content und könnten so ihre Brötchen verdienen. Man sagt, Handwerk hat goldenen Boden, aber wer kennt noch einen Zeidler als Berufsbezeichnung. Oder Mollenhauer. Ja, und Nostalgie. Hab bei mir noch kiloweise analogen Krempel (Hardware et Software). Kann mich aber irgendwie nicht trennen. Jedes Magnetband -> stundenlange Aufnahmebereitschaft bei 5,6,7 oder 8 Sendern. Heute? Pah. und jetzt mit hoffnungsvollen Grüßen luggi |
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schrieb am
02.11.2009 um 07:24
"Man gewinnt, man verliert. Am Ende gewinnen wir alle mehr. Das ist meine feste Überzeugung. Hugh!)"
Wenn der Blogger den Auslandskorrespondenten ersetzt, was beim Online-"Freitag" schon jetzt oft genug der Fall ist, wohl weniger. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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