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Dieser Blog kommt aus dem Wald, 28.10.1853:
Seit ein oder zwei Jahren schreibt mein Verleger mir von Zeit zu Zeit und fragt an, was mit den noch vorhandenen Exemplaren von „A Week on the Concord an Merrimack Rivers“ geschehen sollte. Schließlich bedeutete er mir, dass er den Platz in seinem Keller, wo sie gelagert waren, anderweitig gebrauchen könnte. So ließ ich sie mir alle schicken, und sie kamen heute per Eilpost an und füllten einen ganzen Wagen – 706 Exemplare von einer Auflage von 1000 Stück, die ich vor Jahren bei Munroe in Auftrag gab, seither abbezahle und damit noch nicht fertig bin...... So bin ich jetzt im Besitz einer Bibliothek von nahezu neunhundert Bänden, von denen ich über siebenhundert selbst geschrieben habe. Ist es nicht recht und billig, dass der Autor die Früchte seiner Mühen in Augenschein nimmt? Meine „Sämtlichen Werke“ sind auf einer Seite meiner Kammer bis in Kopfhöhe gestapelt, das Werk meines Gehirns: Das ist Autorenschaft. Da sehe ich nun, wofür ich schreibe. Das ist das Ergebnis meiner Mühen.
Henry David Thoreau
Aus den Tagebüchern 1837 – 1861
herausgegeben und übersetzt von Susanne Schaup
Hier endet der 249. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:
Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.
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"Ist es nicht recht und billig, dass der Autor die Früchte seiner Mühen in Augenschein nimmt?"
Wie tragisch, hat er doch nur die Bücher, möchte man rufen. |
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Ja, lieber miauxx,
hätte Thoreau im Internet publiziert, wäre der Verlegerkeller nicht überfüllt gewesen... |
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Auf was für krude Gedanken du mich bringst, archie.
"Da sie ja jetzt das zweiundvierzigste Lebensjahr abgeschlossen haben, und ihre mentalen Reflexionen nun zu genüge beobachtet wurden, senden wir ihnen hiermit eine Ausgabe der Print Version ihres Gedankenguts zu. Bundesdeutsches Gedächtnisprotokollamt" stand auf dem Zettel zu der Lieferung vor der ich plötzlich in Gedanken stand. Die Größe irgendwie undefiniert. at least there is plenty of room in the crypt. greetings from the pit abghoul |
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"Bundesdeutsches Gedächtnisprotokollamt"....
klingt "Stasi" nicht gemütlicher? Grüße in die Krypta sendet archie |
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Lieber archie,
humorvoll, haarig, tragisch, auf solch einen Gruß vom Verleger hätte Thoreau sicher gerne verzichtet. Ich hätte ihm den vollständigen Verkauf und den Verdienst von 200 Golddollar von Herzen gegönnt. Herzliche Grüße por |
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Lieber por,
ob er 200 Golddollar vedient hätte, hat er leider nicht aufgeschrieben... aber da, wo oben die Auslassung durch Pünktchen markiert ist, steht u.a. noch: "Von den übrigen zweihundertundneunzig oder so wurden fünfundsiebzig verschenkt, der Rest verkauft." Der Tagebucheintrag vom 28.10.1853 schließt dennoch sehr versöhnlich: " Trotzdem nehme ich, neben der unbeweglichen Masse meiner Werke sitzend, heute abend die Feder zur Hand, um mit so viel Befriedigung wie je den Gedanken oder die Erfahrung niederzuschreiben, die mir zukam. Ja, ich glaube sogar, daß dieses Ergebnis mich mehr inspiriert und besser für mich ist, als wenn meine Waren tausend Käufer gefunden hätten. Es läßt meine Privatsphäre unberührt und gibt mir größere Freiheit." In diesem Sinne, lieber por, wünsche ich Dir eine schöne Woche und ebenfalls "Größere Freiheit" archie |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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