2
]
26.03.2011 - Während die Angriffe der "Koalition der Willigen" auf Libyen fortgesetzt werden, können die Demonstranten, Aufständigen und Rebellen anderer arabischer Staaten nicht mit Unterstützung aus dem Westen rechnen. Wie ist es zu erklären, dass der Westen zwar auf Anhieb bereit war die Bewegung gegen Libyens Machthaber Gaddafi mitzutragen, die Aufständigen der anderen Staaten der arabischen Welt aber weitgehend ignoriert?
Ein kurzes Update zu den aktuellen Entwickungen
Syrien:
Die Regierung eröffnete gestern das Feuer auf einen Demonstrationszug, der sich in Richtung auf die Stadt Daraa bewegte. Augenzeugen berichten über mehrere Tote auf Seiten der Demonstranten gegen Präsident Assad.
Jemen:
Gestern Massenproteste in der Hauptstadt Sanaa. Nachdem vor wenigen Tagen 53 Demonstranten getötet und 240 verletzt wurden, geht es den Sicherheitskräften aktuell darum, Anhänger und Gegner von Präsident Saleh voneinander zu trennen.
Jordanien:
In der Nacht zum Freitag (25.03.2011) wurden mindestens 30 Demonstranten in Amman verletzt, als Anhänger von Ministerpräsident Bachit die Teilnehmer einer Kundgebung mit Steinen bewarfen.
Bahrain:
Massive Demonstrationen in den letzten Wochen, bei denen Scheich Chalifa bin Salman Al Chalifa Unterstützung des Regimes durch 1000 saudische Soldaten angefordert hatte. Bei der Niederschlagung der Demonstration kamen mindestens 21 Menschen ums Leben.
Welche Interessen verfolgt der Westen in Libyen in Wahrheit?
Es kann hierbei nicht um die Unterstützung freiheitlicher und demokratischer Strukturen gehen. Diese waren den westlichen Ländern in Bezug auf Libyen während der vergangenen Jahrzehnte ebenso gleichgültig wie es ihnen die jetzigen Bewegungen in Syrien, Jordanien, Jemen und Bahrain auch sind.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin kein Zyniker. Und doch: Von sämtlichen Ländern dieser Welt, in denen Schreckliches geschieht, in denen Hunger, Durst und Krankheiten herrschen, in denen unvorstellbare Armut das Leben bestimmt, in denen Diktatoren ihre Völker unterdrücken, knechten und ermorden, von sämtlichen Ländern dieser Welt wählen die westlichen Eliten innerhalb von wenigen Tagen das Land Libyen aus, um seiner Bevölkerung mit militärischen Mitteln zu Gerechtigkeit und Demokratie zu verhelfen?
|
|
Ich versuchs noch ein letztes Mal: die Libyer haben darum gebeten. Das ist der Unterschied.
Als in Kairo demonstriert wurde, gab es für die bloße Idee jeglicher Intervention nur krasse Ablehnung, ebenso Tunesien, ebenso wohl Yemen. In Bahrain wird sich bereits zuviel eingemischt, dort fielen die ersten Schüsse nach einem Besuch von Gates. Es scheint für einige Leute unverständlich zu sein, dass Libyen ein Sonderfall ist, weil dort ein wirklich Irrer mit schweren Waffen gegen die Bevölkerung vorgeht und für den Fall der Rückeroberung der befreiten Städte mit einem Massaker droht. Gaddafi ist auch bei den arabischen Nachbarn einschlägig bekannt - daher wurde um die Intervention ersucht und gibt es weder bei den Regierenden noch auf der Straße bislang wirklich Kritik an der UN-Maßnahme. Außer natürlich von denen, die fürchten, sie könnten als nächste dran sein - wie Assad oder die Algerier. Gaddafi gewinnen zu lassen, wäre für die gesamte Region eine Riesengefahr, weil dann genau Typen wie Assad daraus schließen würden, sie könnten mit äußerster Gewalt ihre Position gegen die Bevölkerung verteidigen. Hätte man Gaddafi gewähren lassen, wären etliche Blutbäder vorprogrammiert. |
|
|
Eine Signalwirkung scheint allerdings vom Eingreifen in Libyen bislang nicht auszugehen. Oder wie erklären Sie sich die Blutbäder, die in den letzten Tagen in den erwähnten Staaten angerichtet werden?
Die Libyer haben darum gebeten? Wenn überhaupt, dann haben einzelne Rebellen darum nachgesucht, dass Gaddafi davon abgehalten wird, Luftangriffe auf seine eigene Bevölkerung durchzuführen. Gleichzeitig wurde aber ebenso deutlich darum gebeten, dass über diese Unterstützung hinaus keine Einmischung erwünscht ist. Die Flugverbotszone ist nach Aussagen der britischen und der US-Regierung bereits seit Tagen erfolgreich installiert worden. Wann würde die Mission als erfolgreich gelten und somit, abgesehen von stabilisierenden Maßnahmen, beendet werden? Von einer "Bitte der Libyer" kann man schon insofern nicht sprechen, als dass es in Libyen keine gemeinsame Stimme der Bevölkerung gibt. Hier präsentiert sich eher das Bild eines Bürgerkrieges, in dem Anhänger und Gegner des Regimes aufeinander treffen. Gaddafi hat sich darüber hinaus nicht erst in den letzten Wochen als Irrer erwiesen, der sein Volk unterdrückt, verfolgt und ermordet. Von daher erneut mein Frage: Warum entscheiden sich die westlichen Mächte genau jetzt und genau dort zum Eingreifen. Und versuchen Sie bitte nicht mir zu erklären, dass dies aus humanitären Gründen geschieht. Ich bin mir sicher, dass Millionen, vielleicht Milliarden von Menschen Tag für Tag um Hilfe in ihrer hoffnungslosen Situation bitten, ohne dass dies berücksichtigt wird. Wir sind nicht so weit auseinander, wie Sie vielleicht denken. Ich bin nur nicht der Auffassung, dass der Wahnsinn von Gaddafi in unserer Welt eine Ausnahme bildet. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen