Jacob Jung

Blog: jacobjung.wordpress.com

14.10.2011 | 16:47

Brandanschläge in Berlin: RAF-Fantasien in der Hauptstadt

14.10.2011 – Die Gemüter sind zur Zeit deutlich erhitzter als das Gleisbett der Berliner Bahn. Hier tauchten seit einigen Tagen ein gutes Dutzend, mit farbigen Flüssigkeiten gefüllte, Plastikflaschen auf, die von der Bekennergruppe „Hekla Empfangskomitee“, der Bildzeitung und den Sicherheitsfanatikern unter Deutschlands Politik-Darstellern als „Brandsätze“ bezeichnet werden.

Tatsächlichen Schaden haben die Eisteeflaschen dabei nicht angerichtet, sieht man einmal davon ab, dass sie Innenminister Friedrich & Co. eine Steilvorlage bieten, dem „Linksextremismus“ in Deutschland einmal mehr den Kampf anzusagen.

Während ein paar „dumme Jungs“ der Berliner Bahn einen misslungenen Streich gespielt haben, lassen Unionspolitiker inzwischen sogar die RAF aus der fehlenden Asche auferstehen, fabulieren über eine neue Dimension des Linksterrorismus und fordern drastische Maßnahmen gegen die linksextreme Szene.

Bereits am 10.10. haben sich die „Täter“ via indymedia mit einem Bekennerschreiben an die Öffentlichkeit gewandt: Man habe die Hauptstadt entschleunigen und dabei keinen Menschen gefährden wollen, heißt es unter anderem in der langatmigen Erklärung.

Aus dem Jacob Jung Blog

Professor Chaos: Hekla will Entschleunigung der Hauptstadt

Seit einigen Tagen werden im Gleisbett und in Kabelschächten der Berliner Bahn Plastikflaschen mit farbigen Flüssigkeiten gefunden. Die Bildzeitung spricht in diesem Zusammenhang bereits von „Feuer-Terror“, „Bahn-Bombern“ und einer „neuen RAF“.

Der konkrete Schaden: Eine der Flaschen setzte in der Nähe des Bahnhofs Finkenkrug einen Kabelschacht in Brand. Signalkabel wurden hierdurch beschädigt. Weitere „Brandsätze“ zündeten unbemerkt. Der größte Teil der deponierten Flaschen ging aufgrund technischer Fehler oder wegen des Regenwetters erst gar nicht hoch. Die unmittelbare Folge: Einige Verspätungen im Bahn- und S-Bahn-Verkehr.

Das Bekennerschreiben der Gruppe „Hekla Empfangskomitee“ erschien am 10. Oktober auf einer indymedia Webseite. Es handelt sich um einen langatmigen Text, der wirkt, wie der Auszug aus dem Tagebuch eines „Kirchturmkandidaten“.

Wenn man hier Sätze liest wie: „Wir unterbrechen nur die Funktionsfähigkeit einer kriegswichtigen europäischen Hauptstadt“ oder „Jede Sekunde, die wir uns diesem System entziehen, ist eine Sekunde wiedergewonnenen Lebens“, dann fühlt man sich halb an den Versuch von Leopold „Butters“ Stotch, in Gestalt von „Professor Chaos“ South Park zu zerstören und halb an „Momos“ Kampf gegen die „grauen Herren“ erinnert.

Der politische Impetus der Erklärung beschränkt sich auf die Ablehnung des Afghanistan-Einsatz der deutschen Bundeswehr und die Forderung nach der Freilassung des Wikileaks-Informanten Bradley Manning. Hierzu soll Berlin „entschleunigt“ werden:

Die Züge kommen nicht, das Handy schweigt, auch das Internet braucht heute sehr lange. Der Chef muss warten, ob er will oder nicht. Na und? Der Ministerialbeamte aus Bonn bleibt im ICE hängen. Gut so. Der Hausmeister kann nicht aufschließen. Ausgerechnet heute, wo die Konferenz beginnt. Shoppen gehen? Geld ausgeben? Nicht heute. Mit dem Auto kommst Du auch nirgendwo hin. „Nein, ich kann leider nicht… Gut. Dann morgen.“ Vielleicht …

Gemessen an ihren eigenen Zielen ist die Aktion durchweg in die Hose gegangen. Abgesehen von einigen Verspätungen im Bahnbetrieb blieb sie folgenlos. Dielinke Szenedistanziert sich peinlich berührt von Tat und Tätern, die PIRATEN sprechen allenfalls von einerneuen Dimension von Brandstiftungund Kommentatoren in Blogs und Foren machen sich über dieAnschlägelustig.

Nur den Law & Order Politkern der Union kommt die Berliner Aktion gerade recht. Hätte sie doch in Umsetzung und Zeitpunkt nicht passender erfolgen können. Ohne, dass jemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist, bietet sie eine optimale Möglichkeit zur populistisch geprägten Forderung nach einem harten Durchgreifen gegen den Linksextremismus in Deutschland. Und dass, während die konservativen Politik-Darsteller wegen des illegalen Einsatzes des Bundestrojaners ohnehin in der Schusslinie stehen.

Die „neue RAF“ kämpft mit Eistee gegen Militarismus

Wir erleben eine Renaissance der Rote Armee Fraktion“. So kommentierte der Chef der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt die Brandanschläge in Berlin gegenüber der Bildzeitung. Und sein Kollege von der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, ergänzt: „Auch der RAF-Terror hat mit der verharmlosenden sogenannten Gewalt gegen Sachen begonnen. Später wurden Menschen ermordet.“

Der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Werner Wargel legt nach: Es seien durchaus „Parallelen zu den bis in die 1990er-Jahre aktiven Revolutionären Zelle erkennbar“. Der CSU-Innenexperte Stephan Mayer sagt der Bildzeitung hierzu: „Die zahlreichen Brandanschläge müssen uns große Sorgen machen, denn auch die RAF hat einst genau so begonnen“.

Hier wird also mit der RAF ein altbewährtes Schreckgespenst der deutschen Sicherheitspolitik aus der Schublade gezogen, das schon immer dann zum Zuge kam, wenn die Bevölkerung von der Alternativlosigkeit ordnungspolitischer Maßnahmen überzeugt werden sollte. Passend hierzu fordert die Polizeigewerkschaft auch umgehend den Einsatz zusätzlicher verdeckter Ermittler und erhält Unterstützung von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann: „Bei der Innenministerkonferenz müssen jetzt schnell Maßnahmen beschlossen werden. Ich denke zum Beispiel an den verstärkten Einsatz verdeckter Ermittler“.

Und während Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die versuchten Brandstiftungen als „verbrecherische terroristische Anschläge“ verurteilt, bekennt Deutschlands oberster Ordnungshüter, Innenminister Hans-Peter Friedrich, leutselig, dass er sich in seiner Sorge wegen des „zunehmenden Linksextremismus leider bestätigt“ sehe. Für ihn stellt sich die Aktion von Hekla als der Versuch dar: „flächendeckend und systematisch die Infrastruktur der Hauptstadt zu zerstören“.

Eine dämliche Aktion und ihre absehbaren Reaktionen

Keine Frage: Die Plan, die Berliner Infrastruktur mit benzingefüllten Plastikflaschen lahmzulegen, ist dämlich, das Bekennerschreiben ist nicht ernst zu nehmen und die politische Aussage ist nicht wahrnehmbar. Wer zündelt, um gegen Militarismus und Kriegstreiberei zu demonstrieren, der befindet sich ohne Zweifel noch vor seiner politischen Pubertät und erweist der Sache keinen guten Dienst.

Allerdings: Die Aktion hat zu keinem Zeitpunkt ernsthaft Menschen in Gefahr gebracht sondern richtete sich ausschließlich gegen die Signal- und Datenkommunikation der Bahn. Selbst Polizeiermittler müssen gegenüber der Berliner Morgenpost einräumen: Das maximale Risiko habe darin bestanden, dass Menschen durch Qualm und Rauch verletzt würden. Die konkreten Folgen: Ein paar umgeleitete Züge, ein paar Verspätungen, ein paar genervte Passagiere und insgesamt viel Rauch um nichts.

Wenn sich nun aber angesichts der zwar unsinnigen aber doch harmlosen „Brandanschläge“ Deutschlands Ordnungspolitiker und Chefermittler mit zwanghaften RAF-Vergleichen und lautstarken Aufrufen zum Kampf gegen den Linksextremismus zu Wort melden, dann ist Wachsamkeit angesagt.

Durch den Skandal um den Bundestrojaner eben noch unter verfassungsrechtlichen Aspekten argwöhnisch beäugt, haben die Sicherheitsfanatiker aus Bayern und Berlin schon jetzt wieder Oberwasser und versuchen die günstige Lage gegenüber der Bevölkerung nach Kräften für sich zu nutzen.

Innenminister Hans-Peter Friedrich, der entgegen der Faktenlage gerne davon spricht, dass der Linksextremismus in Deutschland deutlich bedrohlicher ist als der Rechtsextremismus und der sich mit fadenscheinigen Begründungen hartnäckig einem Verbotsverfahren gegen die NPD versperrt, kann sich jetzt, unterstützt von der Bildzeitung, auf die nächste Runde im Kampf gegen „linke Chaoten“ vorbereiten.

Und auch der angeschlagene bayerische Innenminister Joachim Herrmann dürfte von der Diskussion über die Brandsätze in Berlin profitieren. Der „schwarze Sheriff“, der auf der staatlich finanzierten Internetseite „Bayern gegen Linksextremismus“ vor allem die Linkspartei als extremistisch, kommunistisch unterwandert und gewaltbereit diffamiert und der als Hauptverantwortlicher für den Einsatz des verfassungswidrigen Staatstrojaners in Bayern gilt, gewinnt nun neue Argumente, um überbordende staatliche Überwachung und ein hartes Vorgehen gegen Demonstranten und Oppositionelle zu rechtfertigen.

Auch wenn man versucht ist, sich hierfür bei dem Hekla Empfangskomitee „zu bedanken“, muss man auch in diesem Zusammenhang die Bedeutungs- und Folgenlosigkeit der Berliner Aktion berücksichtigen.

Für die stetige Verschärfung staatlicher Kontrolle, die Ausweitung von Ermittlungsbefugnissen und die populistische Betonung linksextremistischer Gefahren zeichnet nämlich nicht eine unbedachte Aktion unreifer Möchtegern-Revoluzzer verantwortlich sondern ausschließlich der Wille konservativer Mandats- und Amtsträger. Denen kommt das Theater um ein paar Eisteeflaschen im Gleisbett nämlich ausgesprochen gelegen, um ihre verfassungswidrige Law & Order Politik erfolgreich ins nächste Level zu bringen.

Politik Blog von Jacob Jung, 10/2011

 
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Kommentare
Vaustein schrieb am 14.10.2011 um 17:30
Mich erinnern diese Vorgänge an das sog." Celler Loch ", einer vorgetäuschten Straftat, die von der niedersäschsischen Landesbehörde für Verfassungsschutz* (*was ein Hohn!) in Szene gesetzt wurde.
https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Celler_Loch

Nebenbei bemerkt, der Vater von Frau von der Leyen, der damalige MP Albrecht war in das Vorhaben eingeweiht, hat es vermutlich sogar veranlasst.
Jacob Jung schrieb am 14.10.2011 um 17:38
Ich musste bei der Recherche lustigerweise auch an das "Celler Loch" denken. Konkrete Anhaltspunkte für eine fingierte Aktion konnte ich allerdings nicht erkenne.

Ohne Zweifel kommen die Vorgänge in Berlin den konservativen Innenministern, dem Verfassungsschutz und anderen Behörden aber sehr gelegen und werden derzeit nach Kräften öffentlich ausgeschlachtet.
E H schrieb am 15.10.2011 um 08:54
T. Strohschneider (www.freitag.de/politik/1141-die-kommende-debatte) wies auf folgendes hin:

www.jungewelt.de/2011/10-14/045.php

"DB-Insider äußern massive Zweifel an den Darstellungen der Behörden zu angeblich geplanten Brandanschlägen auf Bahnstrecken
[...]
Die Funde seien auf die intensivierten Sicherheitskontrollen an Bahnanlagen zurückzuführen, so Polizei und DB-AG-Sprecher. Man gehe davon aus, daß in den kommenden Tagen weitere Brandsätze entdeckt würden.

DB-Insider äußerten gegenüber jW massive Zweifel an dieser Darstellung. Das nach dem Brand am Montag angekündigte großflächige Absuchen von Bahnanlagen sei aufgrund der Größe des Netzes überhaupt nicht möglich und habe nach Beobachtung von Mitarbeitern auf vielen Strecken überhaupt nicht stattgefunden, wurde berichtet. Daß unter diesen Umständen 16 Brandsätze gefunden wurden, sei ein »kaum noch nachvollziehbarer Zufall«, weil es sich faktisch um die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen gehandelt habe. Da Streckenläufer der Bahn und Polizisten gezielt zu bestimmten Streckenabschnitten oder Infrastrukturanlagen geschickt würden, deuteten die Brandflaschenfunde »auf hellseherische Fähigkeiten der Einsatzleiter« in bezug auf mögliche Brandbombenfunde hin, hieß es weiter."

usw.
mcmac schrieb am 14.10.2011 um 18:43
Kommentar gestern Mittag, von parkschuetzer.de

„HALTET DEN DIEB, ER HAT MEIN MESSER IM RÜCKEN“
-Wie man mediale Säue durch die Gegend jagt, um sich selbst zu schützen-

Das „Zeter-und-Mordio“-Geschrei der CSU-Parteikollegen Ramsauer (Bundesverkehrsminister) und Friedrich (Bundesinnenminister) des Bayerischen Innenministers Herrmann angesichts der versuchten Brandanschläge gegen Signaleinrichtungen der DB in und um Berlin ist ein bisschen zu dramatisch und all zu bizarr, als dass dieser Umstand nicht auffallen würde: Von Terrorismus (linkem, logisch) a la RAF und davon, dass der liebe, total transparente Musterknabe Verfassungsschutz, bekannt als Vorreiter jeglicher demokratischen Entwicklung hierzulande, Recht habe mit seinen Vermutungen, dass dem Land eine Welle linker Gewalt bevorstehe, gegen die der Krieg am Hindukusch ein Ponyhof ist.

Auffällig ist nun, dass die versammelten Herren von „O'zapft is“ (aka Bayerntrojaner; welcher auch in B/W bis vor einigen Tagen eingesetzt wurde) gerade jetzt derartig laut lamentieren. Als bekannt wurde, dass die angeblich linksextreme Berliner Brandstiftergruppe völlig unbekannt ist und das selbst bekannte linksextreme Gruppierungen sich von den versuchten Brandanschlägen distanzierten, wurde es dann vollends abstrus.

Leuten, die verfassungs- und rechtswidrige Schnorchelsoftware wie „O'zapft is“ über ein undurchsichtiges Firmengeflecht in Auftrag geben (auf Kosten des Steuerzahlers!), dann auch noch nutzen gegen die eigenen Bürger, dies von einem Landgericht (Landshut 2011) von einem Richter auf Grund des BVG-Urteils von 2008 für rechtswidrig befunden wird, dieselben Leute aber heute noch davon faseln, dass alles völlig rechtmäßig sei, solchen Leuten darf durchaus zugetraut werden, dass sie die Brandsätze in Berlin selbst gelegt haben. Zumindest solange zugetraut werden darf, bis das Gegenteil BEWIESEN ist.

Mitten in dieser Ehrenwerten Gesellschaft: Der Innenminister Baden-Württembergs, Reinhold Gall (SPD).

Er hat jüngst eingestanden, dass die Computerwanze ebenfalls bis vor wenigen Tagen in B/W eingesetzt wurde, um verschlüsselte Kommunikation und Emailverkehr zu belauschen. Aha. Verschlüsselten Emailverkehr kann man aber nur ausspionieren, wenn man etwas Verfassungs- und Rechtswidriges tut, z.B. screenshots beim Schreiben von Mails schießt. Dass aber ist - aus gutem Grund und im Sinne der Grundrechte – VERBOTEN. Wer dagegen verstößt, bricht geltendes Recht. Wer sich nicht daran hält, bricht die Verfassung. Und wer dann auch noch, wie Innenminister Gall, behauptet, dass all dies völlig rechtskonform und in Ordnung sei, der ist obendrein total inkompetent. Oder er lügt.
KalleWirsch schrieb am 15.10.2011 um 10:55
Im DLF hat ein Sprecher der Bahn auch noch einmal betont, dass Menschen zu keiner Zeit in Gefahr waren, da die betroffenen Züge bei solchen Vorfällen automatisch gestoppt würden.
Der Zugausfall war zwar schon umfassend, gerade für so manchen Pendler. Aber Berliner sind das von der S-Bahn doch gewohnt. Ein schlecht gewarteter Zug ist zudem gefährlicher als diese lächerlichen präpubertären Zündelaktionen.
Eine Umfrage unter Passagieren vom DLF ergab, dass sich nur vereinzelt Menschen bedroht fühlten. Vielmehr waren die Passagiere genervt von der mangelden Präsenz von Bahnmitarbeitern, die den Verspätungbetroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Trotz alledem ist für mich diese Form des Protestes unsinnig. Gewalt, gleich welcher Form kann kein Mittel sein.

Was jedoch jetzt von konservativer Seite versucht wird, ist diese Form der Gewalt durch den RAF Vergleich in Verbindung mit Gewalt gegen Menschen zu bringen. Dadurch will man das Motto linke=rechte Gewalt untermauern. Richtig ist aber vielmehr, dass rechte Gewalt bereits da angekommen ist, wo der Inneminister die linke Gewalt in Zukunft sieht: Gewalt gegen Menschen. Was die Konservativen tun ist nicht nur nichts. Mit der Demokratieerklärung unterstellen sie Projekten gegen Rechtsextremismus Demokratiefeindlichekeit und erschweren wieder einmal Aussteigerprogrammen massiv die Arbeit.

nachrichten.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/gutachten-bescheinigt-rechtliche-zweifel-an-demokratie-erklaerung/r-mitteldeutschland-a-109362.html
silvio spottiswoode schrieb am 15.10.2011 um 19:47
Brisanter Artikel, toll, danke. Auch für die guten Kommentare.

Zwischen Buchmesse und Ausstellungseröffnungen nahm ich diese Woche immer nur die vielen Fotos der Flaschen und der Tüten wahr bis ich mich irgendwann fragte, "was is da 'nu genau 'nass' geworden; vor allem, wo sind die Zünder?". (Denn kein Anzeichen eines Zünders, weder mechanisch, elektronisch nicht mal chemisch, auf keinem der Fotos, nirgends. Aber vielleicht habe ich ja auch was verpasst.) Es ergab alles jedenfalls keinen Sinn, nichts davon war richtig nachvollziehbar.

Also, wenn man die Sache ganz nüchtern betrachtet, den Ball flach hält und Wahrscheinlichkeiten abwägt, dann wäre hier zugegebenermaßen der Zufall den Herren Ramsauer, Friedrich und Konsorten ganz objektiv nun doch schon überaus gewogen. Was für Glückspilze, könnte man meinen. Ein Schelm wer da auf den Gedanken kommt, so perfektes Timing kann nicht mit rechten Dingen zugehen.

Wenn man jedoch davon ausgeht, dem Zufall ist etwas auf die Sprünge geholfen worden und die Vorfälle sind inszeniert gewesen – wir hätten hier also einen Fall von "Celler-Loch-Revisited" (!), dann wäre das wirklich perfide. Das wäre einfach nur vollkommen ungeheuerlich.

Unmöglich, so krankt sind selbst diese "grauen Herren" nicht. Es müsste in dem Fall dann auch jemand bewusst orchestriert haben, da wird es sicherlich auch irgendwelche Mitwisser geben ... Bei dieser Realisation beginnt dann alles zu wanken, man verliert den Boden unter den Füssen und urplötzlich bahnt sich die Fäulnis ihren Weg an die Oberfläche. Hilfe! (Und schon ist das Wochenende im Eimer.)
Wenn die Vermutung tatsächlich stimmt, und es spricht ja durchaus einiges dafür, dann wäre das einfach total schlimm.
Jacob Jung
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