Jacob Jung

Blog: jacobjung.wordpress.com

21.12.2011 | 13:20

Die käufliche Republik

21.12.2011 – Christian Wulff steht für den Vorwurf der Bestechlichkeit am Pranger. Er soll Vorteile angenommen und hierfür vielleicht auch Gegenleistungen erbracht haben. Doch warum triff dieser Verdacht ausgerechnet den Bundespräsidenten, wo es doch in Deutschland zum guten Ton gehört, dass Politiker fast jeder Farbe intensive Verbindungen zu Wirtschafts- und Lobbyverbänden, Instituten, Organisationen und Stiftungen unterhalten, die ihre Macht und ihr Geld nutzen, um sich politischen Einfluss zu erkaufen?

Am Beispiel der Agenda 2010 klärt dieser Artikel darüber auf, wie in Deutschland Gesetze und Reformen entwickelt, mehrheitsfähig gemacht und durchgesetzt werden.

Außerdem verrate ich am Ende des Beitrags den Nachfolger von Christian Wulff.

Aus dem Jacob Jung Blog

 

Zufällig gescheitert

Bei der Affäre um den Bundespräsidenten geht es nicht hauptsächlich um die Inanspruchnahme von kostenlosen oder zumindest preiswerten Urlaubaufenthalten und Flügen. Es geht nicht um die günstigen Konditionen für einen privaten Kredit oder um die Frage, ob Carsten Maschmeyer 2007 die Werbeanzeigen für Christian Wulffs Buch „Besser die Wahrheit“ bezahlt hat.

Es geht alleine um die Frage, ob sich Wulff für solche Aufmerksamkeiten mit politischen Gegenleistungen revanchiert hat. Wenn dies der Fall war, dann muss man nicht von einer Kredit- oder Urlaubsaffäre sondern von einer Korruptionsaffäre sprechen. Bundespräsident Wulff, das muss man einmal so deutlich aussprechen, steht im Verdacht, bestechlich zu sein.

Die aktuelle Affäre um den Präsidenten ist interessant. Nicht aufgrund ihrer Hintergründe, ihrer mehr oder weniger pikanten Details oder ihrer Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit. Sie ist interessant, weil sie uns vor die Frage stellt, warum ausgerechnet er auf die Abschusslisten der Presse geraten ist.

Es sind genau die Journalisten und Blätter, die jetzt direkt oder indirekt den notwendigen Rücktritt des Präsidenten ins Spiel bringen, die ansonsten nicht den geringsten Anstoß an Korruption im deutschen Politikbetrieb nehmen. Die gezielte und direkte Einflussnahme privater Unternehmer, mächtiger Wirtschafts- und Lobbyverbände oder namhafter Institute und Organisationen auf die Politik ist in den deutschen Medien ansonsten kein häufiges Thema. Das ist kein Wunder. Schließlich gehören die meisten Publikationen hierzulande selber einem Konzern an und sind zudem auf Werbeeinnahmen der großen Wirtschaftsunternehmen angewiesen.

Wulff muss den Verantwortlichen bei Springer entweder mächtig auf die Füße getreten sein oder er ist unbeabsichtigt als strategischer Spielball in die Schusslinie geraten. Eines steht jedenfalls fest: Der konkrete Vorwurf gegen den Bundespräsidenten würde bei entsprechendem Willen zur Aufklärung annähernd jeden Politiker in Deutschland treffen.

Wie genau funktioniert Korruption in der Politik?

Korruption als Ausnahmeerscheinung?

Wenn wir an Bestechung denken, dann stellen wir uns finstere Gesellen vor, die sich im Schutz der Dunkelheit treffen, um Geld und Gegenleistungen zu tauschen. Im Prinzip stimmt dieses Bild. Es geht tatsächlich um einen – den Bestecher – der es sich leisten kann, für seine Interessen etwas zu geben. Und um den anderen – den Bestochenen – der über politischen Einfluss verfügt und bereit ist, seine eigentliche Überzeugung, seine Verantwortung und seinen Wählerauftrag gegen einen Vorteil aufzugeben. Nur der Schutz der Dunkelheit ist bei dieser Art von Geschäften nicht erforderlich. Sie spielen sich nämlich ungeniert in der Öffentlichkeit ab, ohne das jemand Anstoß daran nimmt.

Der Verdachtsfall Wulff präsentiert sich als besonders einfaches Modell dieser Praxis. Hier geht es, folgt man den Vorwürfen, tatsächlich um finanzielle Vorteile: Ein günstiger Flug für die Familie, eine Handvoll Urlaubsaufenthalte in den Häusern reicher Freunde oder ein zinsgünstiges Darlehen für den eigenen Hauskauf, ohne Eintragung im Grundbuch.

Über eventuelle Gegenleistungen wird bisher nur spekuliert. Im Raum stehen allerdings bereits Auslandsreisen des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten, auf die ihn der Unternehmer Egon Geerkens begleiten durfte. Hier bleiben Erkenntnisse über weitere Gefälligkeiten vorerst abzuwarten.

Um herauszufinden, ob es sich bei den vorgehaltenen Korruptionsvorwürfen um eine Ausnahme handelt, die nur durch das investigative Gespür der Bild-Redakteure in die Öffentlichkeit gelangt ist, oder ob vergleichbare Vorgänge in der deutschen Politik an der Tagesordnung sind, muss man die Variablen, also Leistung und Gegenleistung, nur geringfügig variieren.

Wenn es um Bestechung geht, denkt man in Bezug auf die Leistung in der Regel zunächst an Geld. Das muss allerdings nicht so sein: Gerade Politiker sind stärker an anderen Vorteilen interessiert. Hierzu zählen die persönliche Karriere innerhalb und außerhalb des Politikbetriebes ebenso, wie die wirksame Unterstützung von Partei und Mandat im Wahlkampf oder eine wohlwollende Berichterstattung durch die Medien.

Die Gegenleistung des Politikers besteht darin, Entscheidungen in einer Weise zu treffen, die den Interessen der Erbringer der Leistungen entsprechen. Lässt zum Beispiel die Automobilbranche „etwas springen“, dann freut sie sich im Gegenzug über die Einführung einer sogenannten „Abwrackprämie“. Stammt die Zuwendung von der Energiewirtschaft, dann wirkt sich das in Form einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke aus. Vergleichbares gilt für die Pharma-,  die Versicherungs- oder die Bankenbranche, um nur einige Beispiel zu nennen.

Wenn sich dagegen eine Vertretung zu Wort meldet, die, neben ihrem eigenen, das allgemeine Interesse der neoliberalen Wirtschaftseliten vertritt und die sich eine umfangreiche Umstrukturierung der Wirtschaftspolitik, der Gesundheits- und Altersvorsorge, der Lohn- und Lohnnebenkosten und der Familienpolitik zu ihrem eigenen und ausschließlichen Vorteil wünscht, dann kommt dabei die „Agenda 2010“ heraus.

Die Agenda 2010

Am 14. März 2003 stellt der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Rahmen einer Regierungserklärung die „Agenda 2010“ vor. Die offiziell verkündeten Ziele der Reform sind eine „Verbesserung für mehr Wachstum und mehr Beschäftigung“ und der „Umbau des Sozialstaates und seine Erneuerung“.

Die Agenda 2010 lockert den Kündigungsschutz, sorgt für eine Senkung der betrieblichen Lohnnebenkosten und lässt die Gründung von Handwerksbetrieben und die Ausbildung von Lehrlingen ohne Meistertitel zu. Sie enthält das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung, in dessen Rahmen viele Leistungen gestrichen, Selbstkostenbeteiligungen, Praxisgebühren und Rezept-Zuzahlungen erhoben und die Leistungsbereiche Zahnersatz und Krankengeld von der paritätischem Kostenteilung ausgenommen werden.

Sie führt in der gesetzlichen Rentenversicherung das Einfrieren der Beiträge ein, installiert den Nachhaltigkeitsfaktor, der das Rentenniveau langfristig um 14 Prozent senkt und streicht „versicherungsfremde“ Leistungen aus den Katalogen der Rentenkassen.

Unter dem Unwort „Hartz IV“ beschränkt die Agenda 2010 das Arbeitslosengeld auf 12 Monate, schafft die Arbeitslosenhilfe ab und ersetzt sie durch eine Sozialhilfe auf niedrigstem Niveau. Diese wird zudem nur dann gezahlt, wenn bestimmte Voraussetzungen in Bezug auf die Bedarfsgemeinschaft, das Vermögen von Betroffenen oder die Sparguthaben von deren Kindern erfüllt sind. Sie verschärft die Zumutbarkeit von Arbeitsangeboten und erklärt jede Arbeit, die nicht sittenwidrig ist, als zumutbar.

Weder die Qualifikation des Arbeitssuchenden noch die Frage, ob die vermittelte Beschäftigung einen existenzsichernden Lohn garantiert, spielen eine Rolle. Weigert er sich, die Arbeit anzunehmen, dann werden die ohnehin niedrigen Sozialhilfesätze zusätzlich gekürzt oder sogar gestrichen.

Wenn man sich den gesamten Katalog an Maßnahmen vor Augen führt, dann glaubt man ohne Zweifel die Handschrift eines ausgesprochen konservativen, marktliberalen und kapitalismusgläubigen Verfassers zu erkennen. Der Eindruck täuscht nicht: Die „Reform“ basiert nämlich im Wesentlichen auf der Schrift „Wirtschaftspolitischer Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung“, die von der Bertelsmann Stiftung im Vorfeld erstellt und unter anderem im konzerneigenen Wirtschaftsmagazin „Capital“ publiziert wurde.

Am 1. Juni 2003 wurde auf einem SPD Sonderparteitag über die Agenda 2010 abgestimmt. Deutlich mehr als 80 Prozent der Delegierten stimmten der Reform zu. Zwei Wochen später beriet ein Sonderparteitag von Bündnis 90/Die Grünen über die Agenda. Hier lag die Zustimmungsquote der Delegierten sogar bei rund 90 Prozent.

Am 30. November 2005 sagte Angela Merkel in ihrer ersten Regierungserklärung als Nachfolgerin von Gerhard Schröder:

Ich möchte Kanzler Schröder ganz persönlich danken, dass er mit der Agenda 2010 mutig und entschlossen eine Tür aufgestoßen hat, unsere Sozialsysteme an die neue Zeit anzupassen.“

Die Agenda 2010 hat Deutschland zum Niedriglohnland gemacht, den Kündigungsschutz gelockert, sozial Benachteiligte ihrer Existenzgrundlage und ihrer Würde beraubt, Sozialneid zwischen Geringverdienern, Rentnern und Sozialhilfeempfängern geschürt und das gesetzliche Gesundheits- und Rentensystem zu einer Karikatur seiner früheren Leistungsfähigkeit entstellt.

Gewinnorientierte Unternehmen finden in Deutschland heute ein Heer billiger Arbeitskräfte vor, die sie nach Belieben ausbeuten und jederzeit wieder loswerden können. Die Eliten konnten ihre Verpflichtungen zur Teilnahme an den sozialen Solidarsystemen drastisch reduzieren und wurden zusätzlich durch sinkende Spitzensteuersätze, fehlende Vermögens- und Reichensteuern und zahllose Vergünstigungen erheblich entlastet. In einem Wort: Paradiesische Verhältnisse für neoliberale Wirtschaftseliten.

Bertelsmann Stiftung und Bertelsmann AG

Wie gerade beschrieben stammte der Entwurf zur Agenda 2010 von der Bertelsmann-Stiftung. Um zu verstehen, um wen es sich hierbei handelt, in wessen Interesse die Organisation auftritt und über welche medialen Machtinstrumente sie verfügt, muss man sich kurz mit den Hintergründen beschäftigen.

Die Bertelsmann Stiftung wurde 1977 als wirtschaftsnahe Denkfabrik von Reinhard Mohn, dem damaligen Chef der Bertelsmann AG, gegründet.

Die Bertelsmann AG geht auf ein im Jahr 1835 gegründetes Druck- und Verlagshaus in Gütersloh zurück. Ursprünglich produzierte der Verlag christliche Lieder, Texte und Romane. Ab 1932 verweltlichte sich das Verlagsprogramm. Während des zweiten Weltkrieges lieferte Bertelsmann „Feldausgaben“ nationalsozialistischer Bücher in Millionenauflagen direkt an die Front. 1944 wurde der Verlag durch die Nationalsozialisten geschlossen. Bis in die 1990er Jahre behauptete Bertelsmann, dies sei aufgrund von Widerstand gegen das Regime erfolgt. In Wirklichkeit kam es, wie man heute wieder weiß, aufgrund von Korruptionsvorwürfen zur Schließung.

1946 erhielt Bertelsmann in der britischen Besatzungszone eine neue Verlagslizenz. Das Unternehmen eröffnete in den nächsten Jahren und Jahrzehnten den Bertelsmann Lesering und die Bertelsmann Club-Center, erwarb die mehrheitlichen Anteile an der Verlagsgruppe Gruner und Jahr, kaufte die Ufa Filmproduktionsgesellschaft sowie zahlreiche internationale Verlage und Musiklabels.

Später kamen der Kauf von Random House (größter englischsprachiger Buchverlag der Welt), die Gründung der RTL Group (größter Fernseh- und Rundfunk Veranstalter in Europa) und die Fusion mit der Musiksparte von Sony hinzu.

Heute basiert die Bertelsmann AG auf vier Unternehmensbereichen. Die RTL Group betreibt als erste Sparte im Konzern 45 Fernsehsender und 32 Radiosender in Europa. In Deutschland zählen hierzu unter anderem RTL, VOX, n-tv, RTL II und Super RTL.

Gruner und Jahr, die zweite Unternehmenssparte, ist das größte Druck- und Verlagshaus Europas. Zu den deutschsprachigen Publikationen gehören unter anderem stern, Financial Times Deutschland, GEO-Magazin, National Geographic Deutschland, Brigitte, Gala, P.M. Magazin, Eltern, Capital, Börse Online, art, Neon, schöner wohnen, essen & trinken sowie auto motor und sport.

Random Haus ist der größte englischsprachige Verlag der Welt. Zu den deutschen Verlagen, die der Konzern, der die dritte Sparte bildet, mittlerweile übernommen hat gehören unter anderem C. Bertelsmann Verlag, cbt Jugendbücher, Der Hörverlag, Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Falken-Verlag, Goldmann-Verlag, Heyne Verlag, Kösel-Verlag, Luchterhand Literaturverlag, Manesse Verlag sowie Knaus Verlag.

Der vierte Unternehmensbereich ist die arvato AG. Hierbei handelt es sich um einen international vernetzten Outsourcing Dienstleister mit 270 Tochterunternehmen, 67.000 Mitarbeitern und Niederlassungen in 30 Ländern.

arvato beschäftigt sich mit modernen Dienstleistungen in den Bereichen Logistik, Kundenbetreuung, E-Commerce, Finanzierung, Druck und Softwareentwicklung. Darüber hinaus bietet der Konzern Partner- und Kundenbindungsprogramme an und hat selber unter anderem die „Deutschland Card“ herausgegeben. Weiterhin ist arvato im Bereich der öffentlichen Verwaltung tätig. In Spanien und Großbritannien betreibt das Unternehmen bereits Bürgerbüros und behördliche Stellen per privatem Outsourcing. Ein erstes deutsches Pilotprojekt, das Bürgerbüro Würzburg, ist Anfang diesen Jahres gescheitert.

Potente Interessenvertretung

Insgesamt handelt es sich bei der Bertelsmann AG also um einen der weltweit größten Medienkonzerne, der für eine Vielzahl der deutschen Medien (TV, Rundfunk, Print, Internet) verantwortlich zeichnet und der im Wesentlichen von einer einzigen Familie gesteuert und bestimmt wird. Der Konzern beschäftigt mehr als 100.000 Mitarbeiter in 63 Ländern und erzielte im Jahr 2010 einen Jahresumsatz von 15,8 Milliarden Euro.

77,6 Prozent des Aktienkapitals befinden sich im Besitz der Bertelsmann Stiftung. 19,1 Prozent gehören der Unternehmerfamilie Mohn direkt, 3,3 Prozent der Rainhard Mohn Stiftung und einer weiteren Stiftung der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft.

Die Bertelsmann Stiftung wiederum wird von Mutter und Tochter Mohn, dem Vorstandvorsitzenden der Bertelsmann AG Gunter Thielen und dem früheren Hamburger Senator (im Kabinett Ole van Beust) Jörg Dräger geleitet.

Die erklärte Zielsetzung der Stiftung:

„Die Stiftung bewirbt, zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme, alle Lebensbereiche nach den „Grundsätzen des Unternehmertums und der Leistungsgerechtigkeit“ und dem Leitbild „so wenig Staat wie möglich“ umzugestalten. Wettbewerb und bürgerschaftliches Engagement seien eine wesentliche Basis für gesellschaftlichen Fortschritt.“

Die Stiftung berät innerhalb der bundesdeutschen Politik Vertreter sämtlicher Parteien im Parlament, mit Ausnahme der Linkspartei, die als „zu radikal“ eingestuft wird.

Gegen den Willen von 400 renommierten Wissenschaftlern, die sich am 23.05.2003 mit dem Aufruf „Sozialstaat reformieren statt abbauen – Arbeitslosigkeit bekämpfen statt Arbeitslosebestrafen“ gegen die Verabschiedung der Agenda 2010 gewandt und vor ihren Folgen gewarnt haben, wurde die Reform beschlossen und umgesetzt. In der Erklärung der Wissenschaftler heißt es unter anderem:

„Mit dem eingeschlagenen Weg werden das Sozialstaatsprinzip und die Grundlagen einer auf den sozialen Ausgleich gerichteten Gesellschaftsordnung gefährdet. Wir widersprechen der Behauptung, dass diese Einschnitte „alternativlos“ sind. Ein hohes Beschäftigungsniveau und ein ausgebauter Sozialstaat müssen – wie Beispiele aus europäischen Nachbarländern zeigen – keine Gegensätze sein. Um das zu erreichen, sind jedoch Maßnahmen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Arbeitsmarkt und Sozialpolitik notwendig, die den Namen „Reform“ tatsächlich verdienen.“

Das Beispiel zeigt, wie durch die Initiative einer einzigen vermögenden Familie und ihrem weit verzweigten Netzwerk an Stiftungen, Beteiligungsgesellschaften und internationalen Organisationen, eine Reform formuliert, entwickelt und durchgesetzt wurde, die einen erheblichen, negativen Einfluss auf die Lebensumstände eines großen Teils unserer Gesellschaft hat.

Die Folgen der Agenda 2010 münden heute in fast gleichlautenden Warnungen von UN und OECD, die in aktuellen Untersuchungen die bedenkliche Sozialsituation in Deutschland und die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich monieren und vor politischer Instabilität und sozialen Unruhen warnen.

Besonders perfide ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Bertelsmann Stiftung zur Durchsetzung dieser unsozialen und gefährlichen Reform ausgerechnet die Sozialdemokraten als Erfüllungsgehilfen ausgesucht hat. Eine vergleichbare Reform hätte man der Union in Deutschland nicht durchgehen lassen. Der SPD gelang dies problemlos, womit sie ein weiteres Mal in ihrer langen Geschichte genau diejenigen verraten hat, deren Interessen zu vertreten sie bis heute vollmundig vorgibt.

Die damaligen Exekutoren der Agenda 2010 sind bis heute von der Wirksamkeit und Alternativlosigkeit dieser absurden Reform überzeugt. Gerhard Schröder fordert in diesen Tagen bereits die Europa Agenda 2020.

Was kann man tun?

Wenn eine winzige Gruppe von unermesslich reichen Unternehmern ihren Einfluss geltend macht, um einem ganzen Land mit der Agenda 2010 eine Reform aufzubürden, die für eine kleine Elite von großem Vorteil und für den überwiegenden Teil der Bevölkerung von größtem Nachteil ist, dann muss man von oligarchischen Zuständen sprechen.

Wenn der Konzern, den diese winzige Minderheit vertritt, darüber hinaus einen großen Teil der deutschen Medien steuert, hierunter unter anderem die erfolgreichsten Fernsehsender, Radiostationen, Buch- und Zeitschriftenverlage und wenn diese Medien wiederum ihren Einfluss geltend machen, um Politiker ins Amt und Parteien an die Regierung zu bringen, dann muss man nach der Definition des Politikwissenschaftlers Harold Dwight Lasswell von Korruption sprechen.

Korruption ist die Verletzung eines allgemeinen Interesses zu Gunsten eines speziellen Vorteils.

Diese Form der Korruption bestimmt in Deutschland die politischen Verhältnisse und verhindert Demokratie, da der Mechanismus parteiübergreifend funktioniert und durch Wahlen nicht verhindert werden kann. Für die einschlägigen Lobbyverbände, Initiativen und Stiftungen spielt es keine Rolle, welche Partei gerade an der Regierung ist, da sie ihre Verbindungen zu Vertretern aller Fraktionen pflegen und ihren schädigenden Einfluss von Generation zu Generation auf Politiker vererben.

Wenn sich die Menschen in Deutschland nach mehr Demokratie, nach gerechteren Verhältnissen und einer unabhängig und sachbezogen entscheidenden Politik sehnen, dann müssen zuerst die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden, diese Form der Korruption zu unterbinden.

Hierzu zählt ein Verbot der Beratung von Politikern durch vermögende und rein wirtschaftlich orientierte Institute, Organisationen und Stiftungen ebenso, wie ein Parteispendenverbot. Nebentätigkeiten von Abgeordneten und der direkte Übergang vom politischen Mandat in eine Position in die Wirtschaft müssen untersagt werden. Die Annahme von Vorteilen durch Politiker muss auch dann strengstens verboten sein, wenn keine unmittelbaren Vorteile für den Spender erkennbar sind.

Die deutschen Universitäten und Hochschulen beschäftigen mit unzähligen Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter ein Vielzahl hochqualifizierter, kompetenter und unabhängiger Experten. Die Beauftragung privater „Denkfabriken“ aus dem direkten Umfeld von Unternehmen und Konzernen ist insofern nicht nur bedenklich und schädlich sondern vor allem auch vollkommen überflüssig.

Es liegt auf der Hand, mit welchen Erwartungen Konzerne, Unternehmen und Organisationen hohe Spenden an politische Parteien fließen lassen. Wenn die Parteien nachweislich entsprechend hohe Finanzmittel benötigen, dann müssen diese, gleichmäßig und interessenlos, durch den Staat vergeben werden. Die Ausgaben hierfür dürften bedeutend unter dem Schaden liegen, den spenderfreundliche Entscheidungen in der Gesellschaft anrichten.

Die Bezüge von Ministern und Abgeordneten sind bei Weitem ausreichend, um davon einen hochgradig komfortablen Lebensstil zu pflegen. Mehrjährige Sperrfristen nach der Beendigung von Mandaten könnten ohne Probleme mit einer Fortzahlung der Diäten verbunden werden. Auch dies wäre bei weitem preiswerter als die Verluste, die durch Entscheidungen entstehen, die Politiker mit Blick auf einen lukrativen Anschluss-Job oder eine parallele Nebentätigkeit treffen.

Ein solches Anti-Korruptionsgesetz, so wünschenswert und sinnvoll es auch ist, kann allerdings nicht durchgesetzt werden, solange die Politiker im Parlament, als Nutznießer dieses Systems, selber über die Gesetze entscheiden.

Das Referendumswesen ist in Deutschland ausgesprochen schwach ausgebaut, so dass kaum eine Situation denkbar ist, in der die Mehrheit der Bevölkerung die Politik zu einem solchen Anti-Korruptionsgesetz zwingen kann. Petitionen liegen über Jahre in entsprechenden Ausschüssen und werden, wenn überhaupt, dann nur mit erheblicher Verzögerung und in der Regel ablehnend entschieden.

In einer solchen Situation können nur Proteste helfen, die von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen werden. Angesichts der Tragweite der Korruption im politischen Betrieb könnte man sich vorstellen, dass die Occupy-Bewegung die Forderung nach einer Anti-Korruptions-Gesetzgebung zum gemeinsamen Ziel erklärt.

Vor dem Hintergrund der ungehemmten Einflussnahme elitärer Minderheiten auf die Politik wirkt die Affäre um Christian Wulff nicht wie eine Ausnahme sondern ist ein modellhaftes Abbild der politischen Wirklichkeit in Deutschland. Warum hat es aber jetzt ausgerechnet ihn getroffen? Vielleicht hat der Bundespräsident einfach keine Lust mehr auf sein Amt, vielleicht will die Presse der Kanzlerin zeigen, zu was man bei Springer fähig ist, wenn man nur will, vielleicht öffnen die Medien durch die Unmöglichmachung der Regierung auch nur den Geburtskanal für eine neue, rechte Partei unter der Führung von Karl-Theodor zu Guttenberg.

Bei den vielen Eventualitäten fällt mir ein, dass ich dem Leser noch meinen Tipp für den Nachfolger Wulffs schulde: Thomas de Maizière wird neuer Bundespräsident. Denken Sie mal darüber nach.

Politik Blog von Jacob Jung 12/2011

 
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Kommentare
cuchulainn schrieb am 21.12.2011 um 13:44
"Korruption ist die Verletzung eines allgemeinen Interesses zu Gunsten eines speziellen Vorteils."

was ist denn ein "allgemeines interesse"?
cuchulainn schrieb am 21.12.2011 um 14:28
da mich niemand aufklärt, spekuliere ich mal freihändig:

das sog. (und übrigens eu-rechtswidrige) vw-gesetz, das dem land niedersachsen ein vetorecht zusichert, wiewohl es das dafür eigentlich erforderliche quorum der gesellschaftsanteile nicht besitzt, ist korruption im lasswell'schen sinne, weil es ein allgemeines interesse (zum beispiel "freier kapitalverkehr" laut eu-binnenmarktrecht, aber auch etwa die entschädigung von ns-zwangsarbeitern, die im ehemaligen kdf-werk fallersleben, nachmals volkswagen, geschunden wurden) zugunsten eines speziellen vorteils (der industriellendynasie piëch-porsche nämlich) verletzt.
KalleWirsch schrieb am 21.12.2011 um 13:46
„Bei dem Spiel geht es nicht mit rechten Dingen zu“, begann Alice sich zu beklagen, „…und Regeln gibt es anscheinend überhaupt keine, oder wenn es welche gibt, hält sich keiner daran.“

Alice im Wunderland - Lewis Caroll 1869
Vaustein schrieb am 21.12.2011 um 14:04
Guter Beitrag. Sehr gelungen sind vor allem die Hinweise auf die faktische Macht von Bertelsmann. In dem Zusammenhang ist aber auch erwähnenswert, dass Frau Mohn sich regelmässig mit Friede Springer bespricht. Es geht immer darum, beide Häuser für dieselben Interessen einzuspannen.
apatit schrieb am 21.12.2011 um 14:57
Vor einiger Zeit las ich etwas vom “Schweizer Dialog“ - “Wirtschaft sind wir alle, Wertschätzungskrise der Wirtschaft, individuelles Fehlverhalten einzelner Manager “ usw. Zum Schluss wusste ich nicht mehr, was wollen die überhaupt? Für mich war das so, wie mache ich Ausbeutung perfekter, wie nutze ich weiche Methoden bei dem Arbeitnehmer um den zu mehr Höchstleistung zu motivieren und wie knüpfe ich legale Netzwerke. Resultat war und ist Profit. Vielleicht sollte man sich vom Begriff der Korruption verabschieden, es wird in Elitenkreisen daran vortrefflichste Arbeit geleistet. (Korruption ist auch moralische Verdorbenheit)
koslowski schrieb am 21.12.2011 um 16:30
Origineller als Ihre Überlegungen zur Käuflichkeit der deutschen Politik, die man so ähnlich schon anderswo lesen konnte, finde ich Ihre Spekulation über die Motive der enthüllenden Medien: die Vertrauenskrise der Politik verschärfen, um dann den Anti-Politiker Guttenberg als Retter zu präsentieren? Das klingt so fies und absurd, dass es der Wirklichkeit nahekommen könnte. Wie müsste sich, wenn dies so wäre, die Linke in Sachen Wulff verhalten? Aufklärung fordern und hoffen, dass Wulff bleibt? Das hätte ja den Vorteil, dass ihrer Agitation dieser Bundespräsident als Inkarnation der „käuflichen Republik“ erhalten bliebe.
Achtermann schrieb am 21.12.2011 um 17:19
@ koslowski

Wie müsste sich, wenn dies so wäre, die Linke in Sachen Wulff verhalten? Aufklärung fordern und hoffen, dass Wulff bleibt? Das hätte ja den Vorteil, dass ihrer Agitation dieser Bundespräsident als Inkarnation der „käuflichen Republik“ erhalten bliebe.

Das sind doch nur parteipolitische Optionen. Von denen müsste man doch die Nase voll haben. Solange die Bundespräsidenten aus dem Kalkül der Parlamentsmarionetten geboren werden, muss man diesen Posten nicht auf eine moralische Werte-Ebene heben. Qualifikation im Sinne ethischer Werte spielt keine Rolle. Wulff ist für die Reichen nicht qualifiziert genug. Kommt dem ersten Mann im Staat doch die Rolle zu, zu mahnen und Heilsalbe auf die Wunden der 99 Prozent zu schmieren. Nur einer, der das Volk als Salbader ruhig zu stellen vermag, ist ein guter Präsident. Doch einer, der immer anschmiegsbereit empor gekommen ist, kann nicht den unabhängigen Denker verkörpern, der in dieser Rolle sicher besser funktionierte.
Alien59 schrieb am 21.12.2011 um 17:35
Vielleicht war deshalb Herzog auch einer der besseren Bundespräsidenten. Der war zwar in einer Partei, aber doch vor allem Richter. Ich war zuerst - wegen seiner Zugehörigkeit zur CSU - gar nicht begeistert von der Idee, aber später lernte ich ihn schätzen.
Aber der salbaderte nicht.
Achtermann schrieb am 21.12.2011 um 16:56
Jacob Jung schreibt: 77,6 Prozent des Aktienkapitals befinden sich im Besitz der Bertelsmann Stiftung.

In USA, dem Vorzeigeland der sozialen Selbstbestimmung, ist eine solche Konstruktion nicht möglich. Dort dürfen aus Gründen der Interessensverflechtungen nur 20 Prozent des Aktienkapitals in eine Stiftung fließen. Das Stiftungsrecht wurde in NRW auf die Bedürfnisse des Bertelsmann-Konzerns zugeschnitten. Und wir wissen, NRW ist bis auf wenige Ausnahmejahre SPD-Land.

Wer sich mit der Bertelsmann-Stiftung und deren politische Einflüsse beschäftigt, stößt zum Kern der Machtverhältnisse dieser Republik. Dieser bleibt jedoch weitgehend im publizistischen Nebel hängen. Es gibt in Dt. so gut wie kein Presseorgan, das sich nicht auf Bertelsmann-Erkenntnisse stützen würde. Allenthalben werden irgendwelche Forschungsergebnisse aus der Stiftung zu Nachrichten und Folgeartikeln verarbeitet. Das Bildungswesen und das sog. moderne Verwaltungswissen sind durchsetzt mit Erkenntnissen aus dem Hause Bertelsmann. Nicht mal Rüstungsmaßnahmen und die damit verbundenen europäischen militärischen Optionen bleiben außen vor.

Die Affäre des Bundespräsidenten in seinem Milieu der Parvenüs wirft ein kleines Schlaglicht auf die Szene. Die Bertelsmänner sind raffinierter. Sie wähnen sich in einem langfristigen gesellschaftspolitischen Auftrag. Vergleichbar einer Mafia agieren sie im öffentlichen Raum. Sie infiltrieren zentrale Stellen. Sie finden immer wieder Wissenschaftler, die die Gewährsmänner geben. Sie haben publizistische Erfüllungsgehilfen, wie etwa den Zeit-Chefredakteur, der eng mit der Stiftung kooptiert (siehe Uni-Ranking und die Medienpartnerschaft mit CHE (= Centrum für Hochschulentwicklung). Das CHE ist ein Derivat der Bertelsmann-Stiftung. Das Schöne ist: Die Steuerzahler finanzieren indirekt dieses Konstrukt.
brefcourte schrieb am 21.12.2011 um 18:03
Ich vermisse auch dieses mal die Herzensbildung...
Ich verstehe noch nicht ganz, was Bertelsmann davon hat die untersten 10% der Gesellschaftspyramide zu pisacken.
Der Herr Hartz war ja im Saarland und in Wolfsburg recht beliebt und im Grunde waren er und der damalige Kanzler tatsächlich der Ansicht den sozial schwächeren etwas gutes zu tun. Der Sinn kann Hartz4 auch heute noch so hinstellen, dass es sich gut anhört: www.youtube.com/watch?v=oAnFY-TDbw0
Meine persönliche Verschwörungstheorie hierzu ist, dass Bertelsmann wohl eher der SPD geholfen hat, sich durch eine im Nachhinein vom wertkonservativen Flügel asozial praktizierte Reform, das eigene Grab zu schaufeln.
Jacob Jung schrieb am 21.12.2011 um 18:12
Es ist ein großer und fleißig verbreiteter Irrtum, dass die Agenda 2010 ausschließlich die "untersten 10% der Gesellschaftspyramide" betrifft.

Sie betrifft jeden, der in Deutschland angestellt arbeitet, jeden gesetzlich Krankenversicherten, jeden gesetzlich Rentenversicherten und zudem jeden, den es mit Abscheu erfüllt, in einem System zu leben, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Reichtum winziger Wirtschaftseliten auf Kosten der "normalen" Bevölkerung zu erwirtschaften.

Was Bertelsmann davon hat? Der Konzern beschäftigt mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist einer der größten Medienkonzerne der Welt. Soll ich wirklich erklären, warum ein Wirtschaftsgigant sich über wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen freut?
brefcourte schrieb am 21.12.2011 um 19:00
Ähm, ja, bitte, mich würde wirklich interessieren infwiefern Bertelsmann wirtschaftlich von der Agenda 2010 profitiert. Bitte in der Form, an Gesetz Nr. XX spart der Konzern XX Milliarden im Jahr.
tlacuache schrieb am 22.12.2011 um 12:59
Jacob Jung schrieb am 21.12.2011 um 18:12

Frach' doch mal die Liz, die weiss det...
;-)
brefcourte schrieb am 21.12.2011 um 18:04
Ich vermisse auch dieses mal die Herzensbildung...
Ich verstehe noch nicht ganz, was Bertelsmann davon hat die untersten 10% der Gesellschaftspyramide zu pisacken.
Der Herr Hartz war ja im Saarland und in Wolfsburg recht beliebt und im Grunde waren er und der damalige Kanzler tatsächlich der Ansicht den sozial schwächeren etwas gutes zu tun. Der Sinn kann Hartz4 auch heute noch so hinstellen, dass es sich gut anhört: www.youtube.com/watch?v=oAnFY-TDbw0
Meine persönliche Verschwörungstheorie hierzu ist, dass Bertelsmann wohl eher der SPD geholfen hat, sich durch eine im Nachhinein vom wertkonservativen Flügel asozial praktizierte Reform, das eigene Grab zu schaufeln.
Achtermann schrieb am 21.12.2011 um 18:26
@ brefcourte

Ich vermisse auch dieses mal die Herzensbildung...

Warum? Willst du etwa provozieren, da du unter deinem Niveau argumentierst?

Schau dir mal die Herz-Gebildeten des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung an. Lauter nette Leute, die nur das Wohl aller im Sinn haben. Frei nach dem Motto: Wir sitzen doch alle im selben Boot. Dabei sind der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL, der Generaldirektor der Nestlé AG und Leiter Innovation, Technologie, Forschung und Entwicklung oder der Vorsitzende der Geschäftsführung der UFA Film & TV Produktion.

www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-490DC80A-3E61F0D5/bst/hs.xsl/9914.htm?suchrubrik=
Vaustein schrieb am 21.12.2011 um 18:23
"Bei den vielen Eventualitäten fällt mir ein, dass ich dem Leser noch meinen Tipp für den Nachfolger Wulffs schulde: Thomas de Maizière wird neuer Bundespräsident. Denken Sie mal darüber nach."

Thomas de Maizière ist kein schlechter Tipp. Nur wird der eigentlich noch recht dringend bei der Bundeswehr gebraucht.

Ich tippe aber eher auf Ursula von der Leyen. Dies vor allem, weil diese offenbar danach strebt, Frau Merkel als Kanzlerin abzulösen.
Ist sie erst mal Präsidentin, würde diese Option entfallen.

Darüber kann man auch nachdenken.
apatit schrieb am 21.12.2011 um 18:45
Vaustein - … "Wulff-Rücktritt könnte neue Chance für Gauck sein" – kam heute in der Presse.
Da sage ich liebes Deutschland, bitte ein großes Nein zu dieser Überlegung!
Alien59 schrieb am 22.12.2011 um 06:19
Und da wundert sich noch jemand, bei diesen Drohungen, dass ich gegen Wulffs Rücktritt bin? ^^

JJ, das war ja eine größere Recherchearbeit, vielen Dank für die Zusammenstellung all dieser Punkte.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 21.12.2011 um 21:21
pedrei56 schrieb am 22.12.2011 um 06:06
Zu Deiner Prophezeiung "Thomas de Maizière wird neuer Bundespräsident.":

Eigentlich passt ein vermutlich „käuflicher“ Präsident gut zu einer bereits verkauften und verblödeten Republik.

Macht korrumpiert bekanntlich, und absolute Macht absolut.

Eine erschreckende Alternative wäre alllerdings, dass Merkel das Amt von Wulff gleich mitübernimmt. Hindenburgs direkter Nachfolger im Amt war ein Kanzler…
claudia schrieb am 22.12.2011 um 06:56
>>Eine erschreckende Alternative wäre allerdings, dass Merkel das Amt von Wulff gleich mitübernimmt.<<
Ganz abwegig finde ich das nicht, aber nicht als "Mitübernahme":
Nehmen wir mal an, in Brüssel sitzt ein Kanzlerkandidat in den Startlöchern (dessen Reinwaschungsprozess gute Fortschritte macht).
Die Grosse €urokanzlerin muss also irgendwie weggelobt werden.
Was wäre dafür besser geeignet als der Job als Bundespräsidentin?
Also wird mal der Wulff angepisst, nach der üblichen Methode: Erst ein Häppchen, dann noch mal nachlegen. Und BLÖD hat wahrscheinlich noch ein paar Meldungen der Sorte: "Neue Erkenntnisse über Wulff!!" im Kübel.

Sodann die grosse Laudatio für die derzeitige Kanzlerin:
"Wer wäre besser geeignet für dieses Höchste Amt im Staate als die Bundeskanzlerin, die sich nicht nur für das Wohlergehen Deutschlands, sondern auch der Europäischen Union so unermüdlich ins Zeug gelegt hat?" usw. usf.
"BILD Dir unsere Meinung"-Schreiber bringen das ganz routiniert so, dass es ein Skandal erster Güte wäre, wenn sie die Kandidatur ablehnen würde.
Und ausserdem: ein besserer Abgang kann ihr nicht angeboten werden. Ich denke, das würde sie einsehen.

Muss nicht so sein, kann aber.
claudia schrieb am 22.12.2011 um 07:26
>>In einer solchen Situation können nur Proteste helfen, die von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen werden.<<
Nur: Bei einfachen Protesten hören sie routiniert weg: "Ja, da schimpft ihr, wir aber entscheiden!"

Wir müssen uns also konkretere Druckmittel überlegen, wenn wir was erreichen wollen.

Ein Beispiel: Im Falle der WAA Wackersdorf waren es Blockaden der Bauarbeiten, die die Sache letztlich zu teuer werden liessen.
Man müsste also mal kucken, wie die berliner "Baustelle" ernsthaft blockiert werden könnte. Die Drohung: "Wir können euch stilllegen" hätte wohl schon Wirkung, wenn die Umsetzbarkeit mal demonstriert wird.

Wie wäre es also mit Folgendem:
"In einer solchen Situation können nur Blockaden helfen, die von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen werden"
Wobei die Methoden halt entwickelt werden müssen. Dafür hat uns die Natur mit Kreativität ausgestattet.
h.yuren schrieb am 22.12.2011 um 12:44
danke, lieber jj, für die weitung des blickfeldes. wulff nur noch pars pro toto.

das, was du hier an systemwissen ausgebreitet hast, ist schon manchem irgendwie bekannt. das system taugt nicht. es aber durch ein besseres zu ersetzen, ist verdammt schwierig. wo fangen wir an?

claudias vorschlag, mit blockaden den betrieb zum ein- und umlenken zu zwingen, halte ich für zu mechanistisch, wenn das ziel und seine erreichbarkeit noch nicht klar ist.

übrigens bin ich fest davon überzeugt, dass das system sich selbst am besten blockiert, und zwar zusehends. danach droht das chaos, wenn die pläne für die weltgesellschaft nicht explizit auf dem tisch liegen.
pedrei56 schrieb am 22.12.2011 um 13:47
Aus dem politischen Feuilleton, "Deutschlandradio Kultur", 22.12.2011

www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1634669/

"Wer die Abteilung "Politisches Sachbuch" einer Buchhandlung aufsucht, stößt dort auf folgende Titel: "Die verblödete Republik", "Die korrupte Republik", "Die verlogene Politik" oder "Die Dilettanten. Wie unfähig unsere Politiker wirklich sind".

Man gewinnt den Eindruck in einem verrotteten System zu leben und von grenzdebilen Politikern im Auftrag dunkler Mächte regiert zu werden. Und alles werde immer schlimmer. Da nimmt es nicht wunder, dass sich über die Hälfte der Deutschen mit dem politischen System unzufrieden zeigt.

Dabei sieht die Wirklichkeit anders aus. Erstens wurden wir noch nie in unserer Geschichte so gut regiert wie heute. Und zweitens: Kaum ein anderes Land der Welt wird so gut regiert wie die Bundesrepublik Deutschland."

u.s.w.
Tja, Meinungen kann man offenschtlich kaufen... Und verkaufen.
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