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27.04.2011 – Die deutsche Atomdebatte erfolgt aus zwei grundsätzlich verschiedenen Blickwinkeln. Während die Befürworter eines sofortigen Ausstiegs über Leben und Tod sprechen, wägen die Anhänger des langsamen Ausstiegs mit Augenmaß wirtschaftliche Aspekte ab und argumentieren mit dem Strompreis.
Atomenergie bis 2011: Eine Glaubensfrage
Früher war alles einfacher. Atomkraftgegner misstrauten der Technologie und sahen in ihr eine erhebliche Gefährdung der Menschen. Befürworter der Kernenergie waren von der hohen Sicherheit der Reaktoren überzeugt und bezifferten das „Restrisiko“ im Promillebereich.
Die Einstellung zur Kernenergie war somit mehr oder weniger eine Glaubensfrage und dementsprechend trafen die Diskutanten auch aufeinander. Während die Gegner den Befürwortern vorwarfen, das Leben der Menschen aus Profitgier leichfertig aufs Spiel zu setzen, diffamierten die Befürworter die Gegner als Öko-Spinner und idealistische Wirrköpfe auf dem Weg zurück in die Steinzeit.
Fukushima verändert die öffentliche Meinung
Die Verhältnisse haben sich verändert. Seit Fukushima kann niemand noch ernsthaft bestreiten, dass die Nutzung der Kernenergie mit erheblichen Risiken verbunden ist. Die japanische Reaktorkatastrophe hat zu einem Stimmungs- und Meinungswechsel in der deutschen Gesellschaft geführt, der eine Fortsetzung der bisherigen Atompolitik unmöglich erscheinen lässt.
Harrisburg, Tschernobyl und weitere 15 Atomunfälle in Kernkraftwerken und Wiederaufbereitungsanlagen konnten in der Zeit seit 1957 nicht annähernd das bewirken, was angesichts der Ereignisse in Fukushima innerhalb weniger Tage geschehen ist: In Deutschland ist ein Bewusstsein dafür entstanden, dass die Kernenergie mit Risiken verbunden ist, die unkalkulierbar sind. Dieses postkatastrophale Bewusstsein zieht sich konsequent durch alle gesellschaftlichen Schichten und politischen Positionen.
Alle sechs Jahre ein ernster atomarer Unfall
Menschen, die vor 1986 geboren wurden, haben während ihrer Lebenszeit bereits zwei Atomkatastrophen erheblichen Ausmaßes erlebt. Wer vor 1979 zur Welt gekommen ist, zählt mit Harrisburg bereits drei schwere Atomunfälle in seiner bisherigen Lebensspanne. Rechnet man die weiteren 15 atomaren Unfälle seit 1957 hinzu (hier sind nur solche Vorfälle berücksichtigt, die nach INES mindestens Stufe 4 erreicht und die sich im unmittelbaren Zusammenhang mit der Kernenergie ereignet haben), so ergibt sich das Bild, dass es durch die Kernenergie alle sechs Jahre zu einem Unfall mit bedrohlichen Auswirkungen kommt.
Eine unmoralische Debatte
Während die mediale Präsenz der japanischen Katastrophenregion jetzt deutlich zurück geht, ist in Deutschland die Diskussion um die konkreten Konsequenzen aus der bedrohlichen Erfahrung mit der Kernenergie entbrannt.
Während die wachsende Gruppe der entschiedenen Gegner hier mit den lebensbedrohlichen Folgen dieser Energieform und mit dem verfassungsgewährten Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit argumentiert, begründen die Anhänger einer eher moderaten Abkehr von der Atomenergie ihre Position mit den Kosten für den Netzausbau und den Folgen eines beschleunigten Ausstiegs in Deutschland auf den Strompreis.
Eine solche Betrachtung ist zutiefst unmoralisch: Sie setzt wirtschaftliche Überlegungen in ein direktes Verhältnis zu Menschenleben.
Letztlich läuft die Debatte also auf die Frage heraus: Was ist uns unser Leben und unsere Gesundheit in Euro und Cent eigentlich wert. Und weiter: Wie stellt sich der pekuniäre Wert, den wir unserem Leben und unserer Unversehrtheit beimessen, in Bezug auf den Preis pro Kilowattstunde Strom dar.
Das Diktat der Energiekonzerne
Unter allen an der Atomdebatte beteiligten Gruppen sehen ausschließlich die vier großen Energiekonzerne einen Vorteil in der Fortsetzung der Kernenergie in Deutschland. Die Konzerne erwirtschaften mit dem Betrieb bereits abgeschriebener Kernkraftwerke erhebliche Gewinne und wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, sich von den lukrativen Profitmaschinen zu verabschieden.
Da angesichts der veränderten öffentlichen Meinung nicht mehr mit der vermeintlichen Sicherheit der Reaktoren argumentiert werden kann, müssen andere Gründe für einen verzögerten Ausstieg gefunden werden.
Zunächst wurde hier argumentiert, dass sich das Gefährdungspotenzial durch den einseitigen Ausstieg Deutschlands nicht signifikant reduzieren lässt, solange unsere Nachbarländer weiter auf den Atomstrom setzen. Während die Konzerne also nach wie vor mit der vertrauenswürdigen Sicherheit moderner Reaktoren argumentieren, schüren sie gleichzeitig die Angst in der Bevölkerung vor den Kernkraftwerken in Frankreich und anderen Ländern. Darüber hinaus verleugnen sie die weitreichende Signalwirkung, die von einem konsequenten deutschen Ausstieg ausgehen würde.
Im nächsten Schritt haben die Energiekonzerne die Auswirkungen eines raschen Ausstiegs aus der Kernenergie auf den deutschen Strompreis in den Mittelpunkt der Debatte gerückt. Für Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung sorgen hier sowohl die prognostizierten Lasten für die privaten Haushalte als auch die Auswirkungen höherer Energiepreise auf den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Grundlage dieses Szenarios bildet vor allem eine Studie des Kölner Unternehmens r2b energy consulting, das von einer Preiserhöhung am Strommarkt von bis zu einem Drittel ausgeht, wenn ein schneller Ausstieg aus der Kernenergie forciert wird. Die Studie wurde vom BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.) in Auftrag gegeben und der Lobbyverband der Industriellen lanciert das bedrohlich wirkende Ergebnis derzeit in allen verfügbaren Medien.
Strompreise und Atomsubventionen
Die vier großen Energiekonzerne setzen seit Jahren auf einen weiteren Ausbau der Kernenergie in Deutschland und wurden dabei seitens der Politik nicht in nennenswertem Umfang gebremst. Trotz des konsequenten Atomkurses, von dessen Ende nun angeblich erhebliche Lasten für Verbraucher und Industrie ausgehen sollen, haben sich die Strompreise in Deutschland innerhalb der letzten 10 Jahre um rund 80 Prozent erhöht.
Unmittelbar nach der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke durch die schwarz-gelbe Bundesregierung im Jahre 2010 erfolgten Strompreiserhöhungen vieler Anbieter um bis zu 10 Prozent. Aktuell planen rund 100 Stromunternehmen weitere Erhöhungen noch in diesem Frühjahr.
Unberücksichtigt im eigentlichen Strompreis bleiben dabei grundsätzlich die immensen Subventionen, mit denen die Bundesregierung bereits seit 1950 die Atomindustrie unterstützt.
In einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) werden die staatlichen Ausgaben für die Atomindustrie beziffert. Die Studie ist im Oktober 2010 bereits in ihrer zweiten, aktualisierten Auflage veröffentlicht worden.
Hiernach belaufen sich alleine die nachweisbaren Atomsubventionen in Deutschland von 1950 bis 2010 auf insgesamt 203,7 Milliarden Euro (inflationsbereinigt). Bezieht man diese Subventionen auf den Strompreis, so haben deutsche Verbraucher die Atomindustrie durch Steuerausgaben seit 1950 mit 4,3 Cent pro Kilowattstunde unterstützt.
Die staatliche Förderung der Atomenergie und die Fortsetzung des bisherigen Atomkurses liegt somit ausschließlich im Interesse der führenden Energiekonzerne.
Energiekonzerne und Politik
Ohne jegliche Berücksichtigung der Sicherheit bestimmen hier ausschließlich die Interessen einer Handvoll von Unternehmen über die Lebensumstände der Menschen und nehmen leichtfertig erhebliche Risiken für Überleben, Gesundheit und Lebensqualität in Kauf, um ihre Gewinne zu maximieren.
Eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, die von den Grünen in Auftrag gegeben wurde, kommt im Oktober 2010 zu dem Ergebnis, dass alleine die Energiekonzerne E.ON, RWE und EnBW im Krisenjahr 2009 einen Rekordgewinn in Höhe von 23 Milliarden Euro erreicht haben. Die Stromkonzerne haben seit 2002 mehr als 100 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet und konnten ihren Ertrag in dieser Zeit vervierfachen.
Die Energiekonzerne bedienen sich ungeniert an staatlichen Subventionen, Steuervergünstigungen, dem Emissionshandel und den fortlaufend steigenden Strompreisen für Verbraucher und erreichen so, nicht zuletzt aufgrund ihrer monopolartigen Marktposition, Traumrenditen oberhalb jeglicher Profitgrenzen der anderen DAX-Konzerne.
Die schwarz-gelbe Politik lässt es den Konzernen dabei durchgehen, sich mit dem Verweis auf die Kosten des Ausbaus von erneuerbaren Energien und erforderlichen Netzstrukturen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro aus der Affäre zu ziehen. Anstatt die Konzerne endlich in die Verantwortung für ihr Handeln zu zwingen, schaffen Politiker eine Atmosphäre, die zur Fortsetzung des bisherigen Atomkurses geeignet ist und gebieten der Profitgier der Energieriesen nicht einmal dann Einhalt, wenn diese die Verbraucherstrompreise trotz des fortgesetzten Betriebs von Kernkraftwerken weiter in die Höhe treiben.
Die Abwägung von menschlichem Leben gegen unternehmerische Gewinne zeugt von einer moralischen Verrohung, die unbeschreiblich ist. Der Staat ist ganz offensichtlich nicht gewillt und nicht in der Lage, das Diktat der Wirtschaft über die Demokratie zu verhindern oder auch nur zu reduzieren.
Und doch ist und bleibt die Forderung nach einer Verstaatlichung der Energiekonzerne in Deutschland ein Sakrileg und wird zu einem inakzeptablen Angriff auf unsere Freiheit erklärt. Eine Freiheit, die es uns erlaubt dabei zuzusehen, wie sich eine Minderheit auf Kosten der Mehrheit bereichert und dabei Tag für Tag das Leben aller Menschen in unserem Land und in anderen Ländern aufs Spiel setzt.
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@Jacob Jung
Danke für diese kenntnisreiche Zusammensellung atomar zugemuteter Ungeheuerlichkeiten nach dem furchtbaren Gefreiten. Früher waren es Monarchien, Despotien, Diktaturen, Miltärjuntas, die angesichts drohenden Staatsbankrotts, aus Feigheit vor der Verschulungs- Lage und vor der eigenen Bevölkerung, die Flucht in der Weite von, eupehemistisch spracherguliert, sogenannten Präventiv- bzw. Angriffskriegen suchten. Heute sind es private AKW- Betreiber, die angesichts der drohenden Kostenexplosion, mit der systemrelevanten Gefahrenlage des eigenen Bankrotts, für die Finanzierung von Endlagern ihres atomar radioaktiv verseucht strahlenden Mülls nach Stillegung aller ihrer AKWs das Heil, sprich die Flucht, in Laufzeitverlängerungen ihrer AKWs, gar im weltweiten Export von AKWs suchen, als führten sie auf "Teufel komm atomar heraus" einen Nullsummenspiel "Alles oder Nichts" Endsieg Krieg. Dass die Atomindustrie seit Anbeginn ein systemrelevanter Faktor der Rüstungsindustrie zur Fianzirung von atomar waffenfähigem Material mit den zivilen Finanzmitteln der Stromverbraucher/innen war und ist, geht dabei völlig unter. |
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@Joachim Petrick
Danke für Ihren Kommentar. Ich habe den Aspekt der Produktion atomwaffen-fähiger Materialien nicht mit einbezogen, um den Beitrag nicht zu überfrachten. Sie haben hiermit natürlich ebenso Recht, wie mit Ihren Anmerkungen über die Frage der Endlagerung. Viele Grüße, Jacob Jung |
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Auch ich schließe mich Joachim an und gratuliere zu diesem gut zusammengestellten, durchdachten und klar formulierten Beitrag!
Was ich jedoch nicht verstehe, ist die Forderung nach einer Verstaatlichung von Stromkonzernen. Vielleicht wärst Du so lieb, Jacob Jung, und könntest für mich noch einmal in einer logisch stringenten Argumentation aufzeigen, weshalb dieser Schritt notwendig sein sollte. Aus dem, was dem letzten Absatz vorangeht, erschließt sich das meiner Ansicht nach nicht. Licht aus, Kommentar fertig. Beste Grüße LeVernis |
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Ich möchte mich sowohl dem Lob für den Artikel anschließen als auch Ihrer Nachfrage hiermit beitreten, liebe LeVernis, denn so ganz verstanden habe ich die Argumentation auch nicht.
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Aus den letzten vier Absätzen Jacobs geht eigentlich recht deutlich hervor, warum eine Verstaatlichung der EVU notwendig wäre.
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Vielen Dank für den Hinweis, miauxx!
Allerdings wird mir noch immer nicht klar, warum sich daraus eine Verstaatlichung als Folge ergeben sollte. Helfen Sie doch der blonden Dame mal runter von der langen Leitung, wenn ich bitten darf. ;-) Was im viert- bis vorletzten Absatz angeprangert wird ist schön und gut, aber wenn ich pragamtisch an die Sache rangehe, ergeben sich für mich folgende Ableitungen: Die Energiekonzerne erhalten zu viele Subventionen? Lösung: Man streicht die Subventionen von staatlicher Seite. Nun mal Butter bei die Fische. Man kann doch nicht jemandem, der etwas geschenkt bekommt, einen Vorwurf machen, dass er es annimmt. Heldentum und Uneigennutz in allen Ehren, aber von einem CEO eines profitausgerichteten Konzerns, (der sich im Übrigen vor seinen Aktionären rechtfertigen muss,) kann man keine Zurückweisung monetärer Geschenke erwarten. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Genauso wenig, wie Max und Michaela Mustermann die paar Mark fünfzig Kindergeld für ihren kleinen Racker ablehnen werden, weil sie auch ohne über die Runden kommen, wird auch ein RWE-Chef nicht auf zusätzliches "pampern" nicht verzichten. Was mich jedoch vollends verwirrt ist folgender Absatz: "Die Abwägung von menschlichem Leben gegen unternehmerische Gewinne zeugt von einer moralischen Verrohung, die unbeschreiblich ist. Der Staat ist ganz offensichtlich nicht gewillt und nicht in der Lage, das Diktat der Wirtschaft über die Demokratie zu verhindern oder auch nur zu reduzieren." Häh? Den STAAT lässt es kalt, dass Utilitarismus einer perversen Ausprägung betrieben wird und die Folgerung ist, dass man dem STAAT die pösen, pösen Unternehmen überträgt? Entschuldige aber das ist zu hoch für mich. Hach, da brauche ich jetzt glatt Mahlers 5., um wieder ein wenig Ordnung in die Gedanken zu bringen. Einen schönen Abend wünscht LeVernis Lichter aus, Kerze an, Strom gespart. |
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@LeVernis, @j-ap
Vorab: Ich beschreibe ich am Ende meines Beitrags was geschieht, wenn man die Verstaatlichung der Energiekonzerne fordert. Damit ist noch nicht gesagt, dass es sich dabei um die konsequente Folge meiner Argumentation handelt. Allerdings mag ich mich in dieser Hinsicht auch keinem Denkverbot unterwerfen und das Szenario einer staatlichen Energieversorgung zumindest einmal in Gedanken durchspielen. Unsere Regierung behauptet daran zu glauben, dass sich frei agierende Unternehmen gesellschaftlich nützlich entwickeln. Am Beispiel der Energiewirtschaft erkennt man allerdings, dass hier der Nutzen einer kleinen Anzahl sehr Vermögender nicht nur über die Interessen sondern sogar über das unversehrte Überleben der Mehrheit gestellt wird. Es fällt schwer, sich einen schlimmeren Zustand mit drastischeren Folgen auszumalen als den, den wir gerade erleben. Würde der Staat die Energieversorgung seiner Bürger und seiner Unternehmen selber übernehmen, sprich würden die Energiekonzerne verstaatlicht, könnte in Deutschland ohne Rücksicht auf Profitinteressen eine autonome, nachhaltige, beispielhafte und vor allem ungefährliche Energieversorgung innerhalb von wenigen Jahren umgesetzt werden. Die Strompreise wären, reduziert um die derzeitigen Milliardengewinne der Konzerne, zudem noch deutlich günstiger. Der Preis hierfür, die Verstaatlichung der Energiekonzerne, würde zwar die Gewinnaussichten von wenigen drastisch einschränken, dafür aber die Interessen und berechtigten Bedürfnisse der Mehrheit vollständig und konsequent berücksichtigen. Dies ist dabei lediglich ein möglicher Denkansatz. Ich fände es interessant zu erfahren, wie ein vergleichbares Ergebnis mit anderen Mitteln erreicht werden kann. |
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Lieber Jacob Jung,
vielen Dank für die Klarstellung, so wird es leichter zugänglich. Wie es momentan im Blog steht, entsteht der Eindruck, es wäre die Quintessenz des Artikels. Wer etwas verstaatlicht, muss jemandem etwas wegnehmen, so einfach. Wo bleiben die Rechte desjenigen, der beraubt wird? Und die "Besitzer" der Stromkonzerne sind zahlreicher als man denkt. Aus dem Effeff fallen mir in meinem Bekanntenkreis 2 Personen ein, die Aktien von einem der deutschen Stromriesen besitzen. (Und das ist nur die Dunkelziffer, ich vermute weit mehr dieser Unterwanderer in meinem Umfeld, die ihre Anlagestrategien nur besser für sich behalten, harharhar...) Gibt es Missstände, müssen die durch rigide Reglementierungen aus der Welt geschafft werden. Bei dem, was Du aufzählst, wären das: Streichung der Subventionen, klare Auflagen zum Energiemix, Abschaltung der AKWs etc. Deine Hoffnung bezüglich eine faireren Strompreises in allen Ehren, aber selbst, wenn ein Stromunternehmen verstaatlicht werden würde, können wir es knicken, dass dann die Preise nach unten gehen. Da wird dann lieber eine Wildblumenwiese in der Walachei subventioniert, weil die EU gerade beschlossen hat, dass Brachland gefördert wird oder man steckt das Ganze in einen löchrigen Rettungsschirm... Ach, lassen wir das. ;-) Was gegen Preisabsprachen helfen würde, ist das Kartellamt. Doch die halten sich da vornehm zurück, wie mir scheint. Seit ich mich für Politik interessiere und auch Tageszeitung lese, ist mir genau ein Fall in Erinnerung geblieben, wo diese Behörde tatsächlich mal einen gordischen Knoten durchschlagen hat: Die Absprachen bei Rolltreppenverkäufen zwischen Kone und Thyssenkrupp. Wann war das noch mal, 2001, 2002? Wege wären da, sie müssten nur gegangen werden. Doch eines muss klar sein: Wenn man nicht wagt, diese Wege zu gehen, dann bringt eine Verstaatlichung auch nichts. Dort sitzen nämlich dann die gleichen Leute am Hebel. Hach, wie herrlich ist die Fünfte nur: www.youtube.com/watch?v=lAHweK524Wc&feature=related Beste Grüße LeVernis |
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@LeVernis
Klar, derzeit haben wir einen Staat, der die Selbstbedienungsmentalität der Konzerne stützt. Einer Verstaatlichung würde natürlich ein anderer Staat vorausgesetzt sein. Simplifiziert: Der Staat sollte - vielleicht nur meine Auffassung? - die Verantwortung für die grundlegendsten Versorgungsbedürnisse der Bevölkerung tragen. Das tut dieser Staat nicht. Er spielt Kapitalminderheiten zu. Ein Staat der im Interesse der Mehrheit handelt, hat es nicht nötig, ein EVU nach dem Strickmuster RWE oder E.on zu betreiben. Ja - er darf es gar nicht! |
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@LeVernis
Mal off-topic: Mahler über Youtube? Nee, nee! Und spart auch nicht Strom. :-) Mahler passt doch in kein Youtube-Filmchen! Nein - am besten wirklich Licht aus und nur zugehört! Oder die Partitur mitgelesen; meinetwegen bei Kerzenschein... |
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Genau so ist es, das ist aber eine weiter Baustelle, die dort aufgemacht wird, die weit größer ist als die, von der wir sprachen. :-)
Man weiß ja nicht erst seit Victor Hugo: "Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." In welcher Zeit wir uns befinden, bestimmen wir. Ist die Zeit noch nicht gekommen, hat sich der Wandel noch nicht vollzogen, müssen wir mit dem operieren, was da ist. Alles andere wäre Utopie, die zwar hilft, die Zeiten zu ändern, aber vor der Zeit verfolgt, verhindert, dass man sich auf Machbares konzentriert. Ich habe es nun geschafft, vier Mal "Zeit" in einem Absatz zu verstauen, obschon ich gar nicht weiß, was das ist. Verwegen, verwegen... Der Zeitlichkeit unterworfen grüßt LeVernis |
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Beamen von CDs ist noch nicht erfunden, deshalb der Verweis darauf.
Licht an, Youtube verteufelt, an Simon Rattle gedacht, der eben diese 5. ganz herrlich erst kürzlich dirigierte. ...und dabei war mein Bestreben heute doch nur, ein wenig Strom zu sparen... |
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@LeVernis
Ich beziehe mal Ihren letzten Kommentar auf meinen. "Alles andere wäre Utopie..." Naja, ich erinnere mich an jüngst vergangene Diskussionen zur Atomkraft-Frage hier, wo auf Bedenken hin, ob denn der Ausstieg sofort so einfach zu machen sei, wie derzeit gerne kolportiert wird, diesen der fehlende Wille zu EEG und eine TINA-Haltung vorgeworfen wurde (auch mir). Aus jetziger Sicht ist also auch die Vorstellung von einer 100%-Versorgung aus EEG noch Utopie. Ob sie überhaupt machbar sein wird ... Aber dazu würde ich auch auf meine grundlegenden Gedanken im Kommentar weiter unten (miauxx schrieb am 27.04.2011 um 20:17) verweisen. |
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Ich habe den unteren Artikel gelesen, vielen Dank für die Ausführungen. Utopie war nicht als wertender Begriff gedacht
Es ist wohl eine allgemeine Schwäche des Menschen, das, was noch nicht durch die Macht des Faktischen ins Alltägliche hineingebrochen ist, nicht als Potential wahrzunehmen. Da ist es dann Aufgabe von Interessengruppen, diverse Utopien an den Mann zu bringen, so dass der Boden bereitet ist für das Saatgut - sofern es zur Aussaat kommen sollte. So war das gemeint. :-) |
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Hallo Jacob Jung,
eines vorab: ich bin nicht gegen Verstaatlichungen, sondern unter den gegebenen Umständen nur nicht dafür, was etwas anderes ist und ein Unterschied, auf den ich durchaus Wert lege. Was mich nämlich generell stört ist der mE kurzschlüssige gedankliche Weg: hier läuft etwas falsch → der Staat soll's in die Hand nehmen. Wir hatten dazu in den zurückliegenden Wochen schon einmal eine Diskussion nebenan bei Herrn Leusch und da ich auch hier keine neuen Gesichtspunkte entdecke (bzw. keine, die nicht schon LeVernis ins Auge gefaßt hat), verlinke ich der Kürze wegen mal nach ebendort (hier und ff. Kommentare). Die berühmte »Energiewende«, die dieser Tage alle Welt im Munde führt, kann sich meines Erachtens nicht darin erschöpfen, ein paar Meiler sukzessive abzuschalten sowie die Energieerzeugung aus halbprivaten in vollstaatliche Hände zu überführen, sie aber darüber hinaus in ihren Strukturen weitgehend unangetastet zu lassen. Abgesehen von dem zugegebenermaßen recht technokratischen Einwand, daß man das mit derzeit geltendem EU-Recht schlicht nicht wird machen können, liegen für mich zwei wesentliche Punkte auf der Hand: 1. Wir sollten endlich einmal davon wegkommen, die Energieerzeugung wie noch zu Zeiten des Kalten Kriegs als bloß »strategische« Nationalressource zu betrachten, die dementsprechend auch bloß national bewirtschaftet und administriert wird, unabhängig davon, ob das nun privat- oder öffentlich-rechtlich passiert. Will sagen: Wir haben uns, und zwar zeitnah, über ein echtes europäisches Stromnetz zu unterhalten. 2. Dieses transnationale, europäische (oder noch besser eurasische) Netz ist auch deshalb so unbedingt nötig, weil die Diversifizierung der Energieerzeugung — und nur darauf kann die »Energiewende« ja hinauslaufen, soll sie ihren Namen verdienen — nicht nur lokal, sondern regional erfolgen muß. Daß sich zB Wasserkraft hervorragend in Skandinavien erzeugen läßt und Solarkraft ideal in Spanien, das weiß jeder. Es hilft nur allerdings nichts, wenn jeder Staat sein eigenes Netz betreibt und damit der Strom aus Schweden nie in Spanien (und vice versa) ankommt. Und es hilft genausowenig, daß jeder Staat in Eigenregie ein nationales Subventionsprogramm auflegt, um einen Mix aus Wind-, Solar-, Wasserkraft und Geothermie hinzubekommen. Das muß in einem größeren Rahmen geschehen, sofern dabei tatsächlich Belastbares herauskommen soll. Grüße und guten Abend allerseits Josef Allensteyn-Puch |
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Hallo Josef Allensteyn-Puch,
vielen Dank für den interessanten Kommentar. Ich sehe im Prinzip keinen Widerspruch zwischen unseren beiden Ansätzen. Es sei denn, das angesprochene europäische Energiekonzept würde auf der Basis unserer derzeitigen Energiewirtschaft errichtet. Damit würde sich innerhalb Europas nur das Verhältnis zwischen Profiteuren und Bevölkerung zu Ungunsten der Bevölkerung verändern und das Problem würde sich verschärfen. Es wäre leichtfertig auf Momente zu hoffen und zu warten, in denen die Profitinteressen der Konzerne und das Allgemeinwohl zufällig auf einer Linie lägen. Ich wünsche eine gute Nacht Jacob Jung |
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»Es sei denn, das angesprochene europäische Energiekonzept würde auf der Basis unserer derzeitigen Energiewirtschaft errichtet.«
Selbstverständlich muß diese Branche grundlegend umgekrempelt werden — der Umstand ist für mich so evident, daß ich ihn fahrlässigerweise gar nicht erwähnt habe. Das wird eine ganz gewaltige Mammutaufgabe werden, denn immerhin sind Energieversorger traditionell keine Hinterhofklitschen, sondern zählen zu den großen und größten Fischen im Teich; entsprechend fallen die vested interests aus, die überwunden werden müssen. Nur sehe ich im Unterschied zu Ihnen das Problem nicht in erster Linie als eines zwischen privat hier und staatlich da, sondern nehme es vor allem als eines der Größe wahr. Ich habe überhaupt nicht das geringste Problem damit, wenn sich beispielsweise auf kommunaler Ebene Leute dazu entschließen, eine Biogas- oder Geothermieanlage oder ein Wasserkraftwerk in Privatregie zu betreiben, so wie das ja auch teilweise schon gemacht wird. Das ist nämlich ein weiteres eminentes Manko beim Atomstrom: Im Gegensatz etwa zu den kleinteiligen, dezentralen Strukturen, wie wir sie bei der Windkraft oder bei den Solarzellen haben, sind zur Erzeugung von Atomstrom großtechnische Anlagen nötig, die eben entsprechend große Institutionen (seien es nun Konzerne oder große Behörden oder, wie in Realität, gar beides) erfordern, ohne deren Organisations- und Finanzierungskapazitäten sowas nicht zu stemmen ist. Deshalb ist jedes Plädoyer für die Atomkraft mittelbar ein Plädoyer für ganz große, zentralisierte Strukturen. (Nebenbei bemerkt ist das auch mein Haupteinwand etwa gegen das Desertec-Projekt, für das wegen seiner schieren Dimension nichts anderes gilt.) Wie sagte Leopold Kohr? »Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist etwas zu groß.« — Recht hat er, und im Moment sieht es hinsichtlich der Art und Weise, wie diese Gesellschaft künftig ihre Energie erzeugen will, so aus, als bestünde die Möglichkeit, das zu ändern. Und damit auch Ihnen eine geruhsame Nacht! |
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Lieber Jacob Jung,
der gigantomanische, beinahme weltumspannende Vorschlag von J.A.-P., niedlich gebündelt mit einem Schleifchen von Leopold Kohr, könnte, nein, würde ebenso von Vertretern der Energiekonzerne vorgebracht werden, sofort unterstützt von entsprechenden Politikern. Es sind die beiden Seiten der klingenden Münze Staat/Kapitalismus (Wirtschaft), die mit ihrem wohlerprobten Dreisatz immer wieder den Sack zumachen. (Den Dreisatz würde ich auf Wunsch erläutern.) Solange Recht/Gesetz nicht von den einzelnen Subjekten einer Demokratie sondern nur von Einzelnen unter Verwendung institutionalisierter Machtstrukturen in einem nichtoffenen, antidemoktatischen Prozess (ähnlich dem politischen Prozess) gestaltet wird, solange bleibt das auf der Strecke, was Ihnen (meiner Meinung nach) vorschwebt. |
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@j-ap (und alle anderen)
Auch die Expertise des Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU oder Umweltrat) zur 100%-Versorgung aus EEG im Jahr 2050, entwirft verschiedene Szenarien transnationaler Netze. Anders ginge es nicht. Guckst du hier: tinyurl.com/63juv7g (sind zwar 680 Seiten, gibt am Anfang aber auch eine Kurzfassung) |
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Vielen Dank für den Link, miauxx!
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@miauxx,
genau das meine ich. Diese Pläne gibt es schon recht lange. Die spannenden Fragen sind allerdings noch nicht gestellt. |
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@Streifzug
"Diese Pläne gibt es schon recht lange." Mag sein. Das SRU-Gutachten datiert aber auf Januar 2011. "Die spannenden Fragen sind allerdings noch nicht gestellt." Stimmt! |
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schrieb am
02.05.2011 um 22:40
@j-ap
"Im Gegensatz etwa zu den kleinteiligen, dezentralen Strukturen, wie wir sie bei der Windkraft oder bei den Solarzellen haben, sind zur Erzeugung von Atomstrom großtechnische Anlagen nötig, die eben entsprechend große Institutionen (seien es nun Konzerne oder große Behörden oder, wie in Realität, gar beides) erfordern, ohne deren Organisations- und Finanzierungskapazitäten sowas nicht zu stemmen ist. Deshalb ist jedes Plädoyer für die Atomkraft mittelbar ein Plädoyer für ganz große, zentralisierte Strukturen." Mit Größe lassen sich auch Windräder, Wasserkraftwerke, Solaranlagen und Kondomfabriken effizienter aufbauen und betreiben. Zentralisierung und das damit verbundene Streben nach Größe gehören zu den Grundbausteinen der Effizienzgewinne der Produktionsstrukturen in den letzten 250 Jahren. Es ist völlig aberwitzig, dieses Paradigma für den Bereich der Energieproduktion nun plötzlich umdrehen zu wollen. Zumal gerade Angebot an erneuerbare Energien nicht überall gleich verteilt ist, sondern im Gegenteil starke regionale Unterschiede aufweist. Allein dies führt schon dazu, dass sich die Erzeugung in den dafür geeigneten Regionen konzentrieren wird. |
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Die Werte des Lebens haben inzwischen Probleme, sich auf einen zu einigen:
Der Wert des Lebens im Zeitalter des Automobils Der Wert des Lebens im Zeitalter des Flugverkehrs Der Wert des Lebens im Zeitalter der Organtransplantation Der Wert des Lebens im Zeitalter des Extremsports Der Wert des Lebens im Zeitalter der Ölkriege Der Wert des Lebens im Zeitalter der [A]BC-Waffen Der Wert des Lebens im Zeitalter der Globalisierung Der Wert des Lebens im Zeitalter der Rationalisierung Der Wert des Lebens im Zeitalter der Killerspiele Der Wert des Lebens im Zeitalter des Massenkonsums Auf Basis dieser ›Diversifizierung‹ steht die Relativierung 1.) von Gefahr und 2.) von Lösungsansätzen. Ich persönlich plädiere für eine gewisse Radikalität beim Thema Atomausstieg, die sich auf den Instinkt für das immense Risikopotential der Kernenergienutzung stützt, denn andernfalls, so befürchte ich, werden wir über kurz oder mittel in einem Fass voller Sachzwänge ersaufen. Die Argumentations(richt)linien sind ja zu genüge bekannt. Bevor ichs vergesse - Der Wert des Lebens im Zeitalter der ›unterschiedlichen Geschwindigkeiten‹ |
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@Vadis
"...denn andernfalls, so befürchte ich, werden wir über kurz oder mittel in einem Fass voller Sachzwänge ersaufen" Es stellt sich Frage, ob das Ersaufen in den Sachzwängen nicht längst eingetreten ist. |
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Jacob schreibt,
"Die japanische Reaktorkatastrophe hat zu einem Stimmungs- und Meinungswechsel in der deutschen Gesellschaft geführt, der eine Fortsetzung der bisherigen Atompolitik unmöglich erscheinen lässt. (...) Dieses postkatastrophale Bewusstsein zieht sich konsequent durch alle gesellschaftlichen Schichten und politischen Positionen." Da wäre ich mir nicht so sicher. Letzenendes zählt für die deutlich überwiegende Mehrheit doch, was auf der Stromrechnung steht. Geben wir uns nicht der Täuschung hin, wir würden eine umweltfreundliche(re) Energiewende hinbekommen, wenn nicht derart radikale Schritte unternommen werden, wie sie sich hier noch keiner vorzustellen wagt. Vadis hat mit seiner Aufstellung (27.04.2011 um 19:24) ja einige Hinweise gegeben. Die Kernenergie ist und bleibt nur ein Teilproblem, das aktuell eben ein Medien- und Meinungs-Aufmerksamkeits-Revival erlebt. Aber wo bleiben die Aufstände gegen den Grund des Übels, gegen unser den "Wert des Lebens" verachtendes Wirtschaftssystem? Schon bei der Forderung nach einer Verstaatlichung - vielleicht noch besser: Vergenossenschaftlichung - des Energiesektors würde es ja bei vielen schon aufhören (s. auch einige obenstehende Kommentare). Ein Anfang wäre wohl immerhin gemacht, wenn gerade den grundlegenden Versorgungs- und Infrastruktursektoren die Finanzmarkt- und Kapitalakkumulations-Orientierung entzogen würde. Eine wirkliche Wende hin zu umweltverträglicher und auch sozial-gerechter Versorgung mit dem Notwendigsten wird anders nicht möglich sein. Auch wenn die Vorwürfe einer "Anti-Atomkraft-Hysterie" in Deutschland aus einer Ecke kommen, der ich mich nicht anschließen möchte, ist an ihnen trotzdem etwas dran. Gäbe es tatsächlich eine Bereitschaft zum Abwenden von den "Wert des Lebens" verachtenden Technologien, müßte nicht mit minder Nachdruck auf die Ölkonzerne, die Automobilindustrie, gegen Rüstungskonzerne usw. usf. losgegangen werden. Auch lehnen angeblich die meisten Deutschen den Einsatz in Afghanistan ab - aber auch nur, wenn sie dazu jemand fragt und dann ist auch wieder gut. Kurz: Ohne ein grundsätzliches systemisches Umdenken, wird auch eine Energiewende für alle nicht zu machen sein. Denn Ökologie und Nachhaltigkeit und nicht zuletzt Menschlichkeit wird sich nicht von der sozialen Frage nach Gerechtigkeit abkoppeln lassen. Im Moment würde ich höchstens sehen, dass es angenehme niedrigenergetische Häuser mit Strom aus EEG für ein paar Gutbegüterte geben wird, während eine dann unheimlich große Mehrheit buchstäblich auf dem Trockenen und im Dreck sitzen darf. |
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@mixauxx
Das Beispiel der Atomdebatte ist besonders anschaulich. Warum? Weil jeder Bedarf an Energie hat und somit ein Kunde der Energiewirtschaft ist und weil jeder den Folgen eines Atomunfalls ausgesetzt sein kann. In keiner anderen gesellschaftlichen Diskussion wird deutlicher, dass in unserem System Wenige die Möglichkeit nutzen, ihre Interessen über Viele zu erheben und dazu deren Leben gefährden. In der Atomwirtschaft wird Leben direkt gegen Geld gehandelt. Das fällt in diesem Fall selbst der bürgerlichen Mitte unangenehm auf, wodurch sich für mich die Breite der Ablehnung von Kernenergie erklärt. Nicht umsonst besteht unser Parlament - nach einem Seitenblick auf Umfragen und Statistiken - seit einigen Wochen ausschließlich aus "entschiedenen Atomkraftgegnern". Das Beispiel dient der Veranschaulichung einer grundsätzlichen Struktur unseres Systems. Es regiert die "wirtschaftliche Vernunft" und der fehlt nun einmal jegliche moralische Kompetenz. Wer als Mitglied des Vorstands eines börsennotierten Konzerns oder des directors board eines großen Unternehmens ernsthaft für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Umweltschutz oder Nachhaltigkeit einträte, der würde des Raumes und seiner Position verwiesen. Die einzige Aufgabe (börsennotierter) Unternehmen besteht in der Gewinnmaximierung. Die einzige Aufgabe derjenigen, die sie leiten, darin, diese zu ermöglichen. Niemand sollte sich von daher der Naivität hingeben, zu denken, dass ein Konzern aus sich selber heraus eine Entwicklung zu Handlungsweisen im Sinne der Mehrheit absolviert, es sei denn, im Einzelfall ließe sich hiermit der größtmögliche Gewinn erwirtschaften. Es stellt sich natürlich vor diesem Hintergrund die Frage, ob nicht gerade die Gundversorgung der Bevölkerung aus neutraler Hand erfolgen sollte. Wenn ich in diesen Zusammenhängen von Verstaatlichung spreche, dann setzt dies immer das geänderte Bewusstsein in der Gesellschaft voraus, dass wir, die Gesamtheit der Bevölkerung, der Staat sind und dass es sich hierbei nicht um einen abstrakten Gegner handelt. Der langen Rede kurzer Sinn, miauxx, ich teile Deine Auffassungen. |
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schrieb am
28.04.2011 um 02:01
Den Folgen eines Flugzeugunglücks kann auch jeder ausgesetzt sein. Wenn einem so ein Flugzeug mal auf den Kopf fällt, z.B. Den Folgen eines Autounfalls ebenfalls, auch wenn man selbst gar kein Auto besitzt.
Der Unterschied liegt nur darin, dass weder für Autos noch für Flugzeuge eine Alternative in Sicht ist. Beim Strom dagegen denkt Otto-Normalverbraucher, wenn er ökologisch ist und damit ungefährlich, umso besser. Die Wirkung ist ja dieselbe und die Steckdosen müssen auch nicht ausgetauscht werden. Alles bestens also, solange der Strom deshalb nicht teurer wird. Nur die besserverdienenden Grünen-Anhänger denken anders darüber. Sie selbst zahlen die höheren Preise aus der Portokasse und soziale Belange sind ihnen prinzipiell egal. Gerade Linke sollten sich allerdings schon fragen, in welcher Höhe Strompreiserhöhungen sozialverträglich sind. Für so manchen ist das nämlich nicht egal. Wenn der Atomausstieg nun unbedingt gleich übermorgen erfolgen muss, statt im Laufe der nächsten Jahre und ich deshalb noch mal monatlich 10 oder 20 Euro zubuttern soll - damit die Hysteriker wieder ruhig schlafen können - , dann muss ich eben zum finanziellen Ausgleich meine Greenpeace-Fördermitgliedschaft kündigen. Und was Moral betrifft, sollte man sich generell darüber im Klaren sein, dass es 100 Prozent von allem nicht geben kann. So kann Deutschland z.B. seine Wirtschaftsbeziehungen mit sämtlichen Staaten, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen - China z.B. - auf Eis legen. Dann gibt es eben noch ein paar Millionen mehr Arbeitslose. O.k., dafür können dann ja die Reichen aufkommen. Irgendwann wird das aber auch nicht mehr funktionieren. Und dann kommen wir an den Punkt, was jeder selbst bereit ist zu opfern für eine durch und durch gerechte Welt. |
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schrieb am
28.04.2011 um 02:04
Präzisierung: "ökologisch" wird in diesem Zusammenhang natürlich als Synonym für "ungefährlich" verstanden. In diesem Sinne sind auch (neue) Kohlekraftwerke ökologisch und sogar der Atomstrom aus Frankreich ist relativ ökologisch, denn besser den Froschfressern fliegt so ein AKW um die Ohren als dass so was bei uns vor der Haustür passiert ...
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konstatiere, dass manche tiere das niveau der diskussion gehörig senken können.
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schrieb am
28.04.2011 um 11:47
Ist klar. So wie damals bei der schönen Discounter-Diskussion, als ich auch schon darauf hinzuweisen wagte, dass Geld für viele schon eine Rolle spielt. Schade, dass man das irgendwie Linken erst noch erklären muss.
Apropos erklären ... Wie würden Sie denn einem Linken aus Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Schweden etc. erklären, dass Atomkraftwerke möglichst sofort abzuschalten irgendwie links ist? |
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Mein Mitbewohner saß letztes Wochenende im Zug. Da setzte sich ein (angetrunkener) Nazi neben ihn und seine Freundin. Die beiden sehen -gelinde gesagt- hippiesk aus.
Der Nazi musterte sie und sagte: "Atomkraft, nein danke" Fing dann an, über regenerative Energien...dann ging es weiter über Kulturen und das die super sind, da wo sie hingehören, hinzu "aus der roten Flora kommt der Terror"...da war dann Endstation und alle stiegen aus. Will sagen: Atomkraft(werke) wollen auch andere abschaffen(schalten). Es ist also keine Explizit "linke" Position. Was aber das Sprechen über Alternativen nicht falscher macht, oder? |
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@Donnerstag
Danke für die Kommentare. Die Ankündigung deutlicher Strompreiserhöhungen in den Medien war der Ausgangspunkt meines Beitrags. Ich fand es interessant zu sehen, dass sich die Strompreise seit dem Jahr 2000 trotz der Nutzung von Kernenergie um 80 Prozent erhöht haben. Das hat mich zu dem Punkt gebracht, dass der weitgehend monopolisierte Strommarkt in Deutschland dem Verbraucher immer so viel Geld aus der Tasche ziehen wird, wie gerade eben möglich. Bei der derzeitigen Struktur der Energieversorgung spielt es m.E. nach in Bezug auf den Abgabepreis fast keine Rolle, auf welche Weise der Strom tatsächlich erzeugt wird. Bedenken Sie, dass die Energieunternehmen selbst die Laufzeitverlängerung mit einer Erhöhung der Verbraucherpreise um 10 Prozent quittiert haben. Der hauptsächliche Kostenfaktor in der Versorgung der Bevölkerung mit Strom ist nicht die Stromerzeugung selber sondern die Abschöpfung unanständig hoher Gewinne durch die vier großen Energiekonzerne. |
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schrieb am
28.04.2011 um 12:46
@derDonnerstag: das Problem ist, das die Meiler in Deutschland alle bereits ziemlich alt sind. Neue Meiler zu bauen kostet ein Riesenvermögen und der Preis für Uran ist auch ständig am "explodieren" (vgl. www.scienzz.de/ticker/art8836.html).
So oder so: Energie wird teurer werden, egal ob aus Wind, Sonne, Uran, Kohle oder Kuhfürzen. Ob man das jetzt links oder rechts herum dreht ist eine sekundäre Frage. Da Deutschland relativ wenig energiereiche Rohstoffe hat ist die Windkraft in Verbindung mit Speichern eine kluge Ergänzung, da die meisten Arbeitsplätze hierzu im Inland sind. Wenn wir neue Kraftwerke wollen müssen wir die teuer bei den Franzosen oder Russen kaufen und das Uran auch aus dem Ausland erwerben. Auserdem gehen die Uranvorkommen zur Neige (vgl. www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/atomkraft/uranreport2006_lf.pdf). Oder halt die Kohle mit neuer Filtertechnik und CO2 Speicherung, Kohle gibts noch genug im Inland und steigt der Preis weiter, könnte der Abbau wieder rentabel werden...aber auch das wird kein Sinken der Energiepreise bewirken. |
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schrieb am
28.04.2011 um 13:41
@Jacob Jung / Cato
Um das klarzustellen: Ich bin nicht gegen einen Atomausstieg. Ich bin nur dagegen, jetzt Panik zu verbreiten und den Ausstieg am liebsten sofort durchzusetzen. Dass die großen Energiekonzerne offensichtlich Preisabsprachen treffen und sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, dürfte klar sein. Kleinere Anbieter wie Greenpeace Energy machen da allerdings auch keine Ausnahme - wie ich in einem Blog dazu schon einmal geschildert hatte. Und die Firmen, die mit erneuerbarer Energie ihr Geld verdienen sind auch Kapitalisten. Mit dem jovialen, schmierigen, verlogenen und selbstherrlichen Chef von SolarWorld z.B., der nicht umsonst "Sonnenkönig" genannt wird, habe ich mal ein kleines Schwätzchen gehalten. Von daher bin ich da vielleicht etwas vorbelastet - jedenfalls wenn der Eindruck erweckt wird, mit dem Umschwenken auf erneuerbare Energien breche das goldene Zeitalter des Kommunismus an. Wie man es auch dreht und wendet, die Subventionierung erneuerbarer Energien schlägt sich auch auf den Strompreis nieder. Ich finde, diese Subventionierungen könnten ruhig mal gekürzt werden, denn Solarworld z.B. scheffelt riesige Gewinne. Dass die Stromkonzerne den Umstieg auf erneuerbare Energien (auch) als Vorwand für Preiserhöhungen benutzen werden, will ich gar nicht in Abrede stellen. Leider hat Rot-Grün in seiner Regierungszeit die Macht des Kartells noch gestärkt, statt es aufzubrechen. Und die Liberalisierung des Strommarktes bringt auch nicht viel, solange schwarze Schafe wie "Hitstrom" nach Belieben ihre Kunden betrügen können. Nachdem ich es nach nervenaufreibendem Gezerre geschafft habe, diesen Ökostromanbieter wieder loszuwerden, beziehe ich jetzt wieder Atomstrom (Anteil: 15 %) vom regionalen Anbieter. |
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@derDonnerstag
Mir geht es primär weder um die Frage des Atomausstiegs noch darum, dass die Energiekonzerne Preisabsprachen treffen oder sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern. Stattdessen habe ich versucht herauszuarbeiten, dass die relevanten Entscheidungen im Bereich der deutschen Energieversorgung weder von der Politik und schon gar nicht von der Bevölkerung getroffen werden. Die Entscheidungen in Sachen Energiepolitik, deren Auswirkungen einen erheblichen Einfluss auf unsere Lebensqualität haben, werden stattdessen maßgeblich von vier Energiekonzernen getroffen und dabei spielt es keine Rolle, ob die Regierung gerade rot-grün oder schwarz-gelb ist. Die beschriebenen Auswirkungen (Preisabsprachen, Preiserhöhungen, schwarze Schafe in der Branche) sind keine Ursachen sondern lediglich Symptome. Ohne an dieser Stelle einer Kommunismus-Debatte zu eröffnen will ich darauf hinweisen, dass ein so deutliches Diktat der Wirtschaft über den Willen der Bevölkerung zutiefst undemokratisch ist. |
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schrieb am
28.04.2011 um 14:28
>>Will sagen: Atomkraft(werke) wollen auch andere abschaffen(schalten). Es ist also keine Explizit "linke" Position.<<
Wer genug technische und physikalische Informationen beisammen hat wird fast automatisch zum Kernkraftgegner. (Das ist auch schon mal einem Kernkraftmanager passiert, der zuviel nachgedacht hatte.) Und wer sich ein bisserl mit Technik auseinander setzt, kommt auf das Grosskraftwerk Energiesparen. Zum Beispiel in der Gerätetechnik, aber noch mehr durch Rohstoffkreisläufe. Und dann wird es doch wieder "irgendwie links": Vieles ist machbar, aber nicht mit Kapitalismus. |
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@Claudia:
Leider ist auch Kapitalismuskritik nichts explizit linkes (mehr), auch wenn es von der anderen Seite immer sehr verkürzt (um nicht zu sagen buchstäblich begrenzt) daher kommt. |
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@claudia
"Wer genug technische und physikalische Informationen beisammen hat wird fast automatisch zum Kernkraftgegner." Vorsicht! Aus physikalisch/ technischer Sicht gibt es wohl nichts besseres als ein AKW. Der Wirkungsgrad (=Energieeffizienz) ist am höchsten, der Energie- und Ressourcenaufwand für die Produktion erfährt eine gute Kompensation, da ein AKW nahezu unbegrenzt Energie, bei zu vernachlässigenden Emissionen (vom Atommüll zunächst mal abgesehen), liefern kann. Aus dieser Ecke können Contra-Argumente also kaum kommen. |
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@donnerstag
Fallen die Subventionen für Solarenergie nicht seit diesem Jahr weg? Mir war so, als wär' da was gewesen; eben weil diese Branche mittlerweile recht wirtschaftlich arbeitet. Ansonsten stimme ich Ihren Ausführungen zu (was, glaube ich, eine Premiere ist)! |
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schrieb am
29.04.2011 um 02:04
@miauxx
"Fallen die Subventionen für Solarenergie nicht seit diesem Jahr weg?" Habe mal kurz gegoogelt. Es gibt eine vorgezogene Kürzung in diesem Jahr, d.h. schneller als ursprünglich geplant. Hatte ich vorher nicht mitbekommen. |
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schrieb am
29.04.2011 um 02:14
@Jacob Jung
"... dass ein so deutliches Diktat der Wirtschaft über den Willen der Bevölkerung zutiefst undemokratisch ist." Da bin ich fast mit Ihnen einer Meinung. Auch wenn ich jetzt wahrscheinlich gleich wieder in die Ecke der Staatsgläubigen abgeschoben werde ... Ich sag's trotzdem: Wenn die Regierung immer dem Willen der Bevölkerung folgen würde, dann wäre die Eisenbahn in Deutschland vermutlich auch erst ein paar Jahrzehnte später eingeführt worden. Und wenn die Bevölkerung in Kürze der Meinung sein sollte, angesichts höherer Preise lieber doch noch länger bei der Atomkraft bleiben zu wollen, sind Sie dann auch noch dafür, den Willen der Bevölkerung stärker zu berücksichtigen? Vermutlich können wir uns aber zumindest darauf einigen, dass es eine bedenkliche Entwicklung ist, dass Konzerne über solch wichtige Fragen entscheiden wie die Atomkraft und die gewählte Regierung nur begrenzt etwas dagegen unternehmen kann. Was sich diese (bzw. ihre rot-grünen Vorgänger) aber z.T. selbst zuzuschreiben hat, indem sie nichts gegen die Kartelle unternommen hat - daher mein Hinweis darauf. |
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schrieb am
29.04.2011 um 02:38
@luzieh.fair
Über Alternativen zu sprechen ist sicher nicht falsch. Und in Deutschland gehört es inzwischen ja schon fast zum Common Sense, gegen Atomkraft zu sein. Ursprünglich war das aber mal eine von Linken kommende und daher als links deklarierte Idee - na ja, zumindest vermittelten die Grünen anfangs den Eindruck, links zu sein. Im Rest der Welt gehört es eher zum Common Sense, sich über die Gefahren von AKWs nicht allzu viele Gedanken zu machen. Auch Linke sind meist für Atomkraft. Darauf wollte ich nur hinweisen, weil es mir manchmal so vorkommt, man würde als Rechter abgestempelt, wenn man sich mit dem Atomausstieg lieber wie geplant noch ein paar Jahre Zeit lassen möchte. |
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schrieb am
29.04.2011 um 11:40
@derDonnerstag: Die Energiebranche ist das Rückgrat der Industrie. Ohne Energie kann nichts mehr produziert werden. Aber wenn wir die Energieerzeugung vielleicht nicht zu 100% aus eigener Produktion, sprich regenerativen Technologien, erzeugen, dann hilft das dem heimischen Standort, der im Übrigen weiterhin Arbeitsplätze ins Ausland blutet. Die Subventionen sollten dagegen noch schneller zurückgefahren werden. Was soll das denn bitte? Der kleine Angestellte, der Miete blecht, der soll dann noch mit seinen Steuern dem Hausbesitzer die Solaranlagen bezahlen, damit der dann auch noch weniger Nebenkosten hat! Was ist das denn bitte für eine ökologische Umverteilung von unten nach oben? Das kann man auch anders machen, in dem der Staat eigene Investmentgesellschaften gründet, die solche Kraftwerke betreiben. Das wäre aber eine Konkurrenz für die private Energiewirtschaft und das wieder ist ja nicht gewünscht...
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@derDonnerstag
"Und wenn die Bevölkerung in Kürze der Meinung sein sollte, angesichts höherer Preise lieber doch noch länger bei der Atomkraft bleiben zu wollen, sind Sie dann auch noch dafür, den Willen der Bevölkerung stärker zu berücksichtigen?" Damit bringen Sie es eigentlich ganz gut auf den Punkt, da sie den Mechanismus erklären, mit dem die öffentliche Meinung manipuliert wird: Die Atomindustrie wird für ihren Strom immer den Preis erheben, der maximal durchgesetzt werden kann. Das ist ein simples unternehmersiches Prinzip im unregulierten Kapitalismus. Der immensen Gewinnspannen halber hat sie sich frühzeitig das Märchen vom angeblich "günstigen Atomstrom" einfallen lassen. Der Atomstrom ist tatsächlich günstig: Und zwar für die Betreiber von Atomkraftwerken, die seit 1950 von mehr als 200 Milliarden Euro staatlichen Subventionen zu Lasten der Steuerzahler profitieren konnten. Noch einmal in der Rückschau: Alleine im Jahr 2009 haben drei der vier Energiekonzerne einen Jahresgewinn (sic!) in Höhe von 23 Milliarden (sic!) Euro erwirtschaftet und nicht zuletzt hierzu die Abgabepreise für Strom von 2000 bis 2010 um rund 80 Prozent erhöht. Die Laufzeitverlängerung wurde in 2011 ebenso mit einer Preiserhöhung von 10 Prozent quittiert, wie das Moratorium in diesem Frühjahr. Merken Sie, was dort passiert? Die Fortsetzung der Atomenergie steht in höchstem Interesse der Energiekonzerne. Einziges in der Bevölkerung noch wirksames Argument für einen moderaten, sprich verzögerten Ausstieg, ist eine Explosion der Strompreise. Die Strompreise wiederum werden ausschließlich und weitgehend unreguliert von der Atomindustrie festgelegt. Macht es Sie nicht ärgerlich, dass die prognostizierten Konzerngewinne aus lediglich zwei Geschäftsjahren ausreichen würden, um den Ausbau von erneuerbaren Energien und dazu benötigten Netzen vollständig zu finanzieren? Oder dass lediglich ein Viertel der bisher durch den Staat erfolgten Atomsubventionen ebenso ausreichen würden, um Deutschland endgültig von der Atomenergie zu befreien? |
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schrieb am
29.04.2011 um 13:30
Ich denke dass das jeden ärgerlich macht.
Allerdings wäre dies für mich kein Grund, bei jedem Kommentar subtil oder auch brachial die PR-Trommel für die Partei DIE LINKE heraus zu holen, denn diese Partei hat im Kontext AKWs ja wohl bisher die unbedeutendste Rolle gespielt. Das Thema Atomkraft ja oder nein hat auch nichts mit politischem Schubladendenken zu tun, wie es hier so gerne behauptet und auch praktiziert wird, sondern ausschließlich mit Verantwortung für sich und andere zu tun. Daher ist nicht die Debatte über dieses Thema unmoralisch, sondern die Instrumentalisierung desselben zu rein politischen Zwecken. Und da sind neben der schwarz/gelben Regierung auch Die Linke und ihre Anhänger ganz vorne mit dabei, wie man hier ja schön lesen kann. Die hier empfohlene staatliche Energie-Planwirtschaft ist nur ein Beispiel von vielen. Auch wenn es viele hier nicht wahr haben wollen: die DDR ist tot, und das ist auch gut so. |
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@ Mischen possibel
"...denn diese Partei (DIE LINKE) hat im Kontext AKWs ja wohl bisher die unbedeutendste Rolle gespielt." Hierzu der Parteivorstand in einer Erklärung vom 14.03.2011: "...[Außerdem] schlägt DIE LINKE vor, durch eine Änderung im Grundgesetz festzuschreiben, dass die Bundesrepublik Deutschland künftig auf die Energiegewinnung durch Atomkraft und auf den Export von Atomtechnologie verzichtet." Und zusätzlich Sarah Wagenknecht am 20.04.2011: „Wer die Energiewende will, muss die Macht der großen Energiekonzerne brechen“ Sie stellen, wie fast alle Gegner linker Politik, jede politische Position der Linkspartei in einen direkten Zusammenhang mit der DDR. Dabei merken Sie weder, dass Sie hierdurch ein Denkverbot postulieren noch dass dieses Vorgehen in einem deutlichen Widerspruch zu Ihrer eigenen Aussage steht: "Das Thema Atomkraft ja oder nein hat auch nichts mit politischem Schubladendenken zu tun..." |
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schrieb am
29.04.2011 um 16:08
Vielleicht achten Sie einmal auf den Zeitpunkt der Aktivitäten ihrer beworbenen Partei in Sachen Atomkraft: alles NACH Fukushima! Ich nenne sowas Populismus und Instrumentalisierung.
Was hat denn die Nutzung der Atomenergie im Grundgesetz zu suchen? Allein daran erkennt man, wie wenig ernsthaft diese Partei an das Problem geht. Was Sahras Idee angeht, so widerspricht sie völlig Ihrem Vorschlag der Verstaatlichung, auf die sich übrigens auch mein DDR-Vergleich bezog. Und was Ihre rechten Schubladenspielereien angeht, so haben Sie mit Ihrem letzten Satz doch genau dieses wieder bedient, von anderen Blogs will ich gar nicht erst anfangen. Ihre Partei sollte zu allererst mal innere Geschlossenheit üben, ehe sie mit Ideen an die Öffentlichkeit geht, die sie auf dem Fuße wieder zurück ziehen, zumindest aber relativieren muss. Jüngstes Beispiel ist übrigens der Maulkorb-Vorstoß unter dem trojanischen Namen "Fairplay". j.mp/fz7uvh und am nächsten Tag schon ein befremdlicher Rückzieher: j.mp/kpa73o Mein Übersetzungsvorschlag: Wege zum Kommunismus, Lektion 2: In antisozialistisch-imperialistischen Feindmedien des Klassenfeindes nie die Tarnung fallen lassen! Die Wahrheit (TM) kann nur dem engeren Kreis der ideologisch gefestigten Genossen zugemutet werden, die große unwissende Masse will lieber belogen werden. Also haltet euch daran! Freundschaft! erzählen Sie mir also nichts von einer Partei, die ihr Denken aus DDR-Zeiten nicht verbergen kann. Und was rechte Schubladen angeht, da passt doch dieses hier von der Duisburger LINKEN viel besser hinein, auch wenn der empfohlene Link inzwischen gelöscht wurde: (Der Link zum Dokument wurde von der Redaktion entfernt) In dem Papier, über dem eine Mischung aus Davidstern und Hakenkreuz prangt, ist vom „so genannten Holocaust“ und einer „Judenpresse“ die Rede. Der Kreisverband teilte inzwischen mit, das Dokument sei „vor Monaten auf dem Server der Linken Duisburg gelandet und wurde inzwischen gelöscht“. Man distanziere sich „ausdrücklich von dem fälschlich veröffentlichten“ Flugblatt und verwehre sich „gegen jegliche Vorwürfe des Antisemitismus“, so Ute Abraham von der Duisburger Linken. |
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schrieb am
29.04.2011 um 18:34
hier noch der Link zum Original-ScreenShot der LINKE in Duisburg mit der Aufforderung, sich an dem Boykott gegen Israel zu beteiligen.
Unten findet man dann den Link zu besagtem Flugblatt "Nie wieder Krieg für Israel!" j.mp/iBHLlq (ehe hier wieder Verschwörungstheorien ins Kraut schießen) Das ist übrigens etwas, was ich unmoralisch bezeichnen würde, und schlimmeres...... |
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@Mischen possibel
"Vielleicht achten Sie einmal auf den Zeitpunkt der Aktivitäten ihrer beworbenen Partei in Sachen Atomkraft: alles NACH Fukushima! Ich nenne sowas Populismus und Instrumentalisierung." Ich zitiere aus den programmatischen Eckpunkten der Linkspartei von 2007(!): "Wir wollen einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie, lehnen neue Atomkraftwerke und den Export von Atomtechnik ab." [Quelle: bit.ly/is5r9s] Darüber hinaus verstehe ich keinen meiner Beiträge als Werbung für DIE LINKE. Sie haben diese Partei doch in diesem Threat selber ins Spiel gebracht, um Sie direkt im Anschluss zu diskreditieren. Außerdem diskutieren wir doch hier über die deutsche Atomdebatte. In diesem Zusammenhang kann ich Ihr Posting bzgl. einer Verlinkung der Linkspartei in Duisburg auf ein antisemitisches Flugblatt nicht einordnen. |
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schrieb am
29.04.2011 um 20:29
Jetzt wollen Sie mir allen Ernstes diesen halbherzigen Nebensatz als Grundstein für die Haltung der LINKEN verkaufen, die sie seit Fukushima genau wie die CDU/CSU und die FDP vor sich her trägt, wie eine Monstranz?
Die geposteten unglaublichen Entgleisungen dieser Partei sollen nur belegen, was man unter unmoralisch verstehen kann, und genau da sollten Sie es einordnen. Ihre Ablenkungsmanöver und das Zeigen mit dem dicken Finger auf die Fehler der anderen kommen gar nicht gut, wenn Sie die eigenen Fehler incl. jener der beworbenen Partei als Diskreditierung abtun wollen. Was Ihren Propagandafeldzug für DIE LINKE hier in der Freitags-Community angeht, sollten Sie vielleicht einfach mal Ihre eigenen Kommentare und Beiträge lesen, dann verstünden Sie auch diesen Hinweis. Und wenn Sie schon Sahra Wagenknecht zitieren, dann sollten Sie wenigstens deren Vornamen richtig schreiben, denn falsche Namensschreibung kommt gar nicht gut an. |
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@Mischen possible
Der "halbherzige Nebensatz" soll nur deutlich machen, dass sich die Linkpartei bereits im Jahre 2007 für einen beschleunigten Atomausstieg (bezogen auf den Atomkonsens von 2000) ausgesprochen hat, was von Ihnen zuvor bestritten wurde, als Sie geschrieben haben, dass die entsprechenden Aktivitäten DER LINKEN erst nach Fukushima begonnen hätten. Bei den von Ihnen gesposteten "unglaublichen Entgleisungen" handelt es sich um nur eine "unglaubliche Entgleisung", die zum einen lediglich auf der Internetseite eines Ortverbandes der Linkspartei erschienen ist und zum anderen entfernt wurde. Hieraus einen Rückschluss auf eine insgesamt unmoralische Ausrichtung dieser Partei zu ziehen ist unseriös und lächerlich. Ich nutzte das Internet-Angebot des Freitag, um hier regelmäßig meine Meinung zu veröffentlichen. Häufig kommt es vor, dass meine Auffassungen sich mit denen der Linkspartei decken. Hieraus auf einen "Propagandafeldzug" zu schließen ist aber doch ein bisschen weit hergeholt. Sie versuchen mit Formulierungen wie "Ihre Partei" oder "Ihr Propagandafeldzug für DIE LINKE" den Eindruck zu erwecken, ich würde hier als Vertreter der Linkspartei agieren. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es sich hierbei lediglich um Ihre Vermutung handelt, die Sie versuchen als Tatsache hinzustellen. Auch das empfinde ich als unseriös. Um es klar zu stellen: Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn sich in der FC Vertreter der Linkspartei zu Wort melden. Ich selber schreibe hier allerdings ausschließlich in eigener Sache. Abschließend noch mein Dank für die Korrektur der Schreibweise des Namens von Sahra Wagenknecht. Diese formale Richtigstellung sollte Sie allerdings nicht davon abhalten, sich auch mit dem zitierten Inhalt auseinander zu setzen: Sie schreiben weiter oben, dass der Satz von Frau Wagenknecht „Wer die Energiewende will, muss die Macht der großen Energiekonzerne brechen“ im Widerspruch zu einer möglichen Verstaatlichung der Energiekonzerne steht. Vielleicht mögen Sie das bei Gelegenheit erklären. |
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Erster Absatz meines letzten Kommentars: "Linkpartei" sollte "Linkspartei" heissen.
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schrieb am
29.04.2011 um 23:10
@Mischen possibel ad 29.04.2011 um 18:34
Ginge es Ihnen um die richtige Sache, dann würden Sie nicht dieses antisemitische Flugblatt auch noch von Freitag.de aus verlinken. So machen Sie sich gleichsam zum Helfershelfer. Das haben übrigens auch die Duisburger Grünen mit Recht am Portal Ruhrbarone.de kritisiert. Sie werden verstehen, dass ich das der Redaktion melde, weil mir daran gelegen ist, eine Weiterverbreitung, die Sie hier erst ermöglichen, zu verunmöglichen. |
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schrieb am
29.04.2011 um 23:13
korrigiere: Der Bezug muss lauten:
@Mischen possibel ad 29.04.2011 um 16:08 |
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schrieb am
29.04.2011 um 23:25
Tuns Sie, was Sie nicht lassen können, aber dann sollten Sie sich auch gleich bei Oskar Lafontaine beschweren, denn auf seiner Seite finden sich die ganzen Verlinkungen, wie ich hiermit dokumentiere.
Mit "FairPlay" hat Ihre Intention jedenfalls nichts zu tun, sondern eher mit dem Versuch von Zensur. Aber das wird Ihnen hier ganz sicher nicht gelingen: j.mp/maqoXs |
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schrieb am
30.04.2011 um 09:23
@Mischen possibel ad 29.04.2011 um 23:25
Oskar Lafontaine hat m. W. seit Niederlegung seines Bundestagsmandats überhaupt keine persönliche Homepage. |
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@Mischen possibel, 29.04.2011 um 23:25
Der guten Ordnung halber: Der von Ihnen gepostete Link führt nicht zu einer Seite von Oskar Lafontaine sondern zum Blog von Wolfgang Hübner (Neues Deutschland) und Tom Strohschneider (Der Freitag) mit dem Titel "Lafontaines Linke". Im Übrigen schließe ich mich Uwe-Jürgen Ness an: Mit Ihrem Posting vom 29.04.2011 sind es gerade Sie selber, der dem angesprochenen Hetz-Flugblatt ein weiteres Mal zu öffentlicher Aufmerksamkeit verhilft. Damit verstoßen Sie nicht nur gegen die Regeln dieser Community, in denen es heißt: "Nicht erlaubt sind: Inhalte, die zum Hass aufrufen (Volksverhetzung) oder die als Propaganda für verfassungsfeindliche Organisationen dienen, sowie verleumderische, geschäfts- oder rufschädigende Beiträge" sondern lassen auch Zweifel an den Motiven für Ihre Einlassungen aufkommen. Abschließend möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es sich bei meinem Beitrag um einen Text über die aktuelle deutsche Atomdebatte handelt. Ich würde mich von daher freuen, wenn Sie wieder zu dem ursprünglichen Thema zurückfänden und Ihrem Interesse an einer allgemeinen Diskussion über DIE LINKE in einem eigenen Beitrag nachgehen. |
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schrieb am
30.04.2011 um 11:39
Mit Spitzfindigkeiten bekommen Sie und Herr Ness die peinliche Angelegenheit auch nicht aus der Welt.
Und mit Rufen nach Zensur (durch die Redaktion) erst recht nicht. Ich sehe es im Übrigen so wie Tom Strohschneider (jetzt weiß ich auch was das Kürzel "ts" unter den meisten Beiträgen auf "Lafontaines Linke" bedeutet) und Wolfgang Hübner eben dort, die im Umgang mit unangenehmen Wahrheiten zum Glück andere Alternativen als Sie und Herr Ness bevorzugen: nämlich nichts unter den Teppich zu kehren, nichts zu zensieren und nichts zu löschen, wenn es eng wird. Außerdem verstehe ich nicht, dass es Ihnen dieses Mal nicht passt, über die Partei DIE LINKE zu sprechen, wo Sie selbst doch keine Gelegenheit auslassen, es zu tun. Konkret zu der von Ihnen geforderten Verstaatlichung der Energieversorgung ist es schlechterdings gar nicht möglich, dies von dieser Partei zu tun, da sie die einzige ist, die eine solche (unsinnige) Forderung aufstellt. Wenn Sahra Wagenknecht die "Entmachtung" der 4 großen Konzerne verlangt, wird sie mit Sicherheit keine noch größere Konzentration einfordern, die eine Verstaatlichung mit sich brächte. Vielleicht lassen Sie sich die Probleme, die mit der Verstaatlichung der Energieversorgung einhergingen, von dem Blogger "j-ap" nochmal erklären. Das hat er für mich weiter oben zwar in überzeugender Weise (Stichwort Größe) getan, aber wenn Sie es noch nicht verstanden haben, nur zu. Da werden auch die Bedenken von Sahra Wagenknecht sein, die ich im Übrigen sehr schätze (ohne mit ihr politisch völlig überein zu stimmen), insofern mein Kommentar, dass ich da bei ihr die fehlende Übereinstimmung mit der Parteilinie vermute. Ansonsten fände ich es begrüßenswert, wenn der Meinungsaustausch hier nicht ständig durch Unterdrückungsmaßnahmen (Unterstellungen, Maßregelungen, Zensur, Löschaktionen ganzer Blogs samt Kommentaren usw.) gestört würde, immer dann, wenn es dem Blogeröffner nicht passt, oder eng für ihn oder seine "Message" wird. |
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schrieb am
30.04.2011 um 11:39
Mit Spitzfindigkeiten bekommen Sie und Herr Ness die peinliche Angelegenheit auch nicht aus der Welt.
Und mit Rufen nach Zensur (durch die Redaktion) erst recht nicht. Ich sehe es im Übrigen so wie Tom Strohschneider (jetzt weiß ich auch was das Kürzel "ts" unter den meisten Beiträgen auf "Lafontaines Linke" bedeutet) und Wolfgang Hübner eben dort, die im Umgang mit unangenehmen Wahrheiten zum Glück andere Alternativen als Sie und Herr Ness bevorzugen: nämlich nichts unter den Teppich zu kehren, nichts zu zensieren und nichts zu löschen, wenn es eng wird. Außerdem verstehe ich nicht, dass es Ihnen dieses Mal nicht passt, über die Partei DIE LINKE zu sprechen, wo Sie selbst doch keine Gelegenheit auslassen, es zu tun. Konkret zu der von Ihnen geforderten Verstaatlichung der Energieversorgung ist es schlechterdings gar nicht möglich, dies von dieser Partei zu tun, da sie die einzige ist, die eine solche (unsinnige) Forderung aufstellt. Wenn Sahra Wagenknecht die "Entmachtung" der 4 großen Konzerne verlangt, wird sie mit Sicherheit keine noch größere Konzentration einfordern, die eine Verstaatlichung mit sich brächte. Vielleicht lassen Sie sich die Probleme, die mit der Verstaatlichung der Energieversorgung einhergingen, von dem Blogger "j-ap" nochmal erklären. Das hat er für mich weiter oben zwar in überzeugender Weise (Stichwort Größe) getan, aber wenn Sie es noch nicht verstanden haben, nur zu. Da werden auch die Bedenken von Sahra Wagenknecht sein, die ich im Übrigen sehr schätze (ohne mit ihr politisch völlig überein zu stimmen), insofern mein Kommentar, dass ich da bei ihr die fehlende Übereinstimmung mit der Parteilinie vermute. Ansonsten fände ich es begrüßenswert, wenn der Meinungsaustausch hier nicht ständig durch Unterdrückungsmaßnahmen (Unterstellungen, Maßregelungen, Zensur, Löschaktionen ganzer Blogs samt Kommentaren usw.) gestört würde, immer dann, wenn es dem Blogeröffner nicht passt, oder eng für ihn oder seine "Message" wird. |
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Mischen Possibel: „Mit Spitzfindigkeiten bekommen Sie und Herr Ness die peinliche Angelegenheit auch nicht aus der Welt.
Und mit Rufen nach Zensur (durch die Redaktion) erst recht nicht.“ JJ: Ich habe weder nach Zensur gerufen, noch war ich spitzfindig. Ich habe nur darauf aufmerksam gemacht, dass Sie ein antisemitisches Flugblatt verlinkt haben und dass Sie sich in der Annahme, es handle sich bei der Blogseite von Tom Strohschneider und Wolfgang Hübner um die Internetseite von Oskar Lafontaine, im Irrtum befanden. Mischen Possibel: „Außerdem verstehe ich nicht, dass es Ihnen dieses Mal nicht passt, über die Partei DIE LINKE zu sprechen, wo Sie selbst doch keine Gelegenheit auslassen, es zu tun.“ JJ: Ich verfasse meine Beiträge und Kommentare ausschließlich in eigener Sache. Eine inhaltliche Nähe zur Linkspartei ergibt sich in vielen meiner Positionen aus der Sachlage und meinen Auffassungen. Ich kann nicht erkennen, aus welchem Grund dies pauschal kritikwürdig sein sollte. Abgesehen davon widerspreche ich Ihrer Behauptung, wonach ich keine Gelegenheit ausließe über die Partei DIE LINKE zu sprechen. Meine Beiträge beschäftigen sich mit einem breiten Spektrum von Themen. Parteipolitische Texte bilden bei mir eher die Ausnahme. [siehe: www.freitag.de/community/blogs/aredlin] Mischen Possibel: „Konkret zu der von Ihnen geforderten Verstaatlichung der Energieversorgung ist es schlechterdings gar nicht möglich, dies von dieser Partei zu tun, da sie die einzige ist, die eine solche (unsinnige) Forderung aufstellt.“ JJ: Ich habe eine Verstaatlichung der Energiekonzerne in meinem Beitrag nicht gefordert. Vielmehr habe ich – und dies auch ausschließlich im Schlusssatz meines Beitrags – dass die Forderung nach einer Verstaatlichung der Energiewirtschaft in Deutschland ein Sakrileg ist. Mischen Possibel: „Wenn Sahra Wagenknecht die "Entmachtung" der 4 großen Konzerne verlangt, wird sie mit Sicherheit keine noch größere Konzentration einfordern, die eine Verstaatlichung mit sich brächte.“ „Da werden auch die Bedenken von Sahra Wagenknecht sein, die ich im Übrigen sehr schätze (ohne mit ihr politisch völlig überein zu stimmen), insofern mein Kommentar, dass ich da bei ihr die fehlende Übereinstimmung mit der Parteilinie vermute.“ JJ: Auf die Gefahr hin, dass Ihre Wertschätzung für Frau Wagenknecht leidet: Im November 2009 hat sie ihre Auffassung zur Energiewirtschaft im Rahmen eines Interviews mit Spiegel Online deutlich zum Ausdruck gebracht. SPIEGEL ONLINE: Sie selbst unterstützen die Forderung nach einer Verstaatlichung der Energiekonzerne E.ON und RWE. Glauben Sie wirklich, dass Sie damit Wähler im Westen gewinnen? Wagenknecht: Egal, ob Ost oder West: Die Leute werden von diesen Energiekonzernen abgezockt. Der Wettbewerb funktioniert überhaupt nicht, das haben die vergangenen Jahre gezeigt. Die Frage ist einfach die: Sollen die Stromrechnungen immer weiter steigen, damit E.ON und RWE schöne Dividenden ausschütten können - oder wäre es nicht sinnvoll, ein so elementares Gut wie Energieversorgung in die öffentliche Hand zu übernehmen und so auch die Tarife gestalten zu können? [siehe: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,659625,00.html] Mischen Possibel: „Ansonsten fände ich es begrüßenswert, wenn der Meinungsaustausch hier nicht ständig durch Unterdrückungsmaßnahmen (Unterstellungen, Maßregelungen, Zensur, Löschaktionen ganzer Blogs samt Kommentaren usw.) gestört würde, immer dann, wenn es dem Blogeröffner nicht passt, oder eng für ihn oder seine "Message" wird.“ JJ: Ich habe noch nie einen meiner Beiträge gelöscht und verfüge auch nicht über die nötigen Werkzeuge, um in der FC eine Zensur auszuüben. Der Einsatz von Unterstellungen und Maßregelungen entspricht weder meinen Überzeugungen noch meinem Stil. Die eingehende Betrachtung Ihrer bisherigen Beiträge zu dieser Diskussion lässt eher den Eindruck entstehen, dass Sie selber sich der Maßregelung („erzählen Sie mir also nichts von einer Partei, die ihr Denken aus DDR-Zeiten nicht verbergen kann.“, „ Und wenn Sie schon Sahra Wagenknecht zitieren, dann sollten Sie wenigstens deren Vornamen richtig schreiben, denn falsche Namensschreibung kommt gar nicht gut an.“) und der Unterstellung („Was Ihren Propagandafeldzug für DIE LINKE hier in der Freitags-Community angeht, sollten Sie vielleicht einfach mal Ihre eigenen Kommentare und Beiträge lesen, dann verstünden Sie auch diesen Hinweis.“, „... wenn Sie die eigenen Fehler incl. jener der beworbenen Partei als Diskreditierung abtun wollen.“) bedienen, um den Fokus in diesem Thread vom eigentlichen Thema auf mein angebliches Engagement für die Linkspartei zu richten. |
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schrieb am
30.04.2011 um 14:04
Mir ist schon klar, dass Sie mich absichtlich falsch oder gar nicht verstehen wollen, aber Sie müssen ja ach gar nicht alles auf sich selbst beziehen, schließlich erwähne ich in meinem von Ihnen so aufwändig analysierten Kommentar ja noch einen weiteren Namen.
Egal was Sie darüber denken, ich finde die Debatte über den Atomausstieg nicht unmoralisch sondern überflüssig, weil nicht verhandelbar. Darüber ist sich sogar die ebenfalls völlig überflüssige Ethik-Komission einig, die als reine Alibifunktion für die unglaubwürdige Kehrtwende der Regierungsparteien herhalten muss. Deshalb gehe ich jetzt nach draußen, um mich der herrlichen Sonnenenergie auszusetzen. Guten Tag. |
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@Mischen possible
Sie schreiben, dass der Atomausstieg nicht verhandelbar ist. Allerdings werden wir gerade Zeuge, dass er eben doch verhandelt wird. Hierzu sind sowohl die "Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung" als auch die "Reaktor-Sicherheitskommission (RSK)" aufgefordert, bis zum 16.05.2011 bzw. bis zum 27.05.2011 ihre Berichte vorzulegen. Das letzte Jahrzehnt hat den Einfluss der Energiekonzerne auf die Politik gezeigt. Ohne Vorteile für die Bürger erfolgten hier die Liberalisierung des Strommarktes (1998), der rot-grüne Atomkonsens mit moderatem Ausstiegsszenario (2000) sowie die Laufzeitverlängerung (2010) mit anschließendem Moratorium (2011) durch schwarz-gelb. In der Zeit zwischen 2000 und 2011 sind die Stromkosten in Deutschland um mehr als 82 Prozent gestiegen, während die Energiewirtschaft mit dem Verkauf von Strom zeitgleich Gewinne in Milliardenhöhe erwirtschaftet hat. Alte und neuere Meiler blieben hierzu am Netz, während der Ausbau von alternativen Technologien und Stromnetzen weitgehend verschoben wurde. Zu hoffen, dass E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall künftig freiwillig auf die Milliardengewinne aus dem fortgesetzten Betrieb überwiegend abgeschriebener Atomkraftwerke verzichten werden, ist ebeso realitätsfremd wie die Erwartung, dass der Verbraucherstrompreis in Deutschland bei einer Fortsetzung der Nutzung von Atomenergie stagnieren würde. Ein Wirtschaftskonzern ist der Aufgabe verpflichtet, maximale Gewinne zu erwirtschaften. Politik dagegen muss das Gewinnstreben dann begrenzen, wenn Konzepte und Strategien der Konzerne den berechtigten Interessen der Bevölkerung zuwider laufen. Dies umso mehr, wenn es sich um den Handel mit einem unersetzlichen Gut wie Strom handelt, auf den niemand verzichten kann. Berechtigte Interessen der Bevölkerung in diesem Sinne sind zum einen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und zum anderen die möglichst günstige und sichere Versorgung mit Strom. Wenn diese Anprüche auch ohne eine Energieversorgung aus der öffentlichen Hand erfüllt werden können, dann bin ich bei Ihnen. Aktuell wird die Debatte allerdings von der Abwägung zwischen den Kosten für einen beschleunigten Ausstieg und dem Maß der Gefährdung für die Bevölkerung getragen. Diese und nur diese Nuance der Diskussion empfinde ich als unmoralisch. Denkt man den dahinter stehenden Gedanken zu Ende, dann lautet die Formel für das Tempo des Atomausstiegs: Was darf die Abwendung konkreter Gefahren für Leben und Gesundheit in unserer Gesellschaft kosten. Mit anderen Worten: Wie hoch ist der monetäre Wert eines Lebens. Das Anliegen meines ursprünglichen Textes ist die Kritik an dieser Denkweise und an den daraus resultierenden Handlungen. Von der Diskussion hierüber habe ich mir Denkanstöße für Modelle versprochen, in denen Sicherheit unverhandelbar an erster Stelle steht. |
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schrieb am
01.05.2011 um 11:08
"Aktuell wird die Debatte allerdings von der Abwägung zwischen den Kosten für einen beschleunigten Ausstieg und dem Maß der Gefährdung für die Bevölkerung getragen. Diese und nur diese Nuance der Diskussion empfinde ich als unmoralisch. Denkt man den dahinter stehenden Gedanken zu Ende, dann lautet die Formel für das Tempo des Atomausstiegs: Was darf die Abwendung konkreter Gefahren für Leben und Gesundheit in unserer Gesellschaft kosten. Mit anderen Worten: Wie hoch ist der monetäre Wert eines Lebens."
Auch dies sehe ich ganz anders: die Sicherheit der Bevölkerung hängt NICHT von einem schnellen Ausstieg aus der "friedlichen Nutzung" der Atomenergie ab. Dieser Eindruck wird zwar von den Herrschenden ständig (auch durch die Einrichtung der beiden Kommissionen) erzeugt, in Wahrheit dient diese ganze Schaumschlägerei allerdings nur der bereits erwähnten Alibifunktion um den plötzlichen nicht nachvollziehbaren Sinneswandel der beiden Regierungsparteien für wenig nachdenkende Bürger plausibel erscheinen z lassen. Denn.... es ist völlig irrelevant im Bezug auf "Sicherheit", ob die Kraftwerke heute, oder erst in 10 Jahren abgeschaltet werden, weil ein abgeschaltetes Atomkraftwerk genauso unsicher (unter bestimmtem Umständen sogar unsicherer! siehe Fukushima) ist, wie eines, das in Betrieb ist. In Wahrheit verbirgt sich hinter der Scheindebatte lediglich eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, was der Kollege "derDonnerstag" ja wohl auch so sieht. Wer also für den besonne nen und somit wirtschaftlich vernünftigeren Ausstieg ist, der büßt nicht ein Jota an Sicherheit ein. Denn eines ist dürfte doch klar sein, dass die vier Stromriesen doch nur darauf warten, wie sie mit einer unüberlegten Hektik beim Ausstieg ihre Gewinne durch real ungerechtfertigte Preissteigerungen maximieren können, für die sie von der derzeitigen Regierung mit ihrem kopflosen Umgang mit dieser Technik auch noch Wasser auf die Mühlen bekommt. |
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@Mischen Possibel
"Denn.... es ist völlig irrelevant im Bezug auf "Sicherheit", ob die Kraftwerke heute, oder erst in 10 Jahren abgeschaltet werden, weil ein abgeschaltetes Atomkraftwerk genauso unsicher (unter bestimmtem Umständen sogar unsicherer! siehe Fukushima) ist, wie eines, das in Betrieb ist." Das ist unlogisch. Selbst bei unterstellten gleich hohen Gefahren durch ein abgeschaltetes Kraftwerk gilt doch: Je früher ein Kraftwerk abgestellt ist, desto eher wird der Zeitpunkt erreicht, zu dem das Gefahrenpotenzial sinkt. "Denn eines ist dürfte doch klar sein, dass die vier Stromriesen doch nur darauf warten, wie sie mit einer unüberlegten Hektik beim Ausstieg ihre Gewinne durch real ungerechtfertigte Preissteigerungen maximieren können, für die sie von der derzeitigen Regierung mit ihrem kopflosen Umgang mit dieser Technik auch noch Wasser auf die Mühlen bekommt." Die Energiekonzerne benötigen keine besonderen Anlässe, um Preissteigerungen durchzusetzen. Die Verbraucherpreise für Strom steigen, ganz unabhängig vom jeweiligen Energiekonzept, in direkter Abhängigkeit vom Gewinnbedürfnis der Konzerne. Die Preise wurden sowohl nach der Liberalisierung des Strommarktes und nach dem Atomkonsens als auch nach der Laufzeitverlängerung und nach dem Moratorium erhöht. |
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schrieb am
01.05.2011 um 21:48
@Jacob Jung ad 01.05.2011 um 15:40
Sofern es so bleibt, hat Schwarz-Gelb auf einen Schlag acht AKWs stillgelegt. Wie viele waren das gleich unter unter Rot-Grün in sieben Regierungsjahren? |
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@Uwe-Jürgen Ness
Hmm... lass mich mal nachrechnen... :D |
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schrieb am
02.05.2011 um 15:16
Das ist keineswegs unlogisch, vom Abschalten bis zum endgültigen Abbau vergehen bis zu 20 Jahre.
Da spielen einige Monate und eine panische unüberlegte Vorgehensweise absolut keine Rolle. Von der Endlagerung ganz zu schweigen und den damit verbundenen Halbwertzeiten auch nicht. Anders ausgedrückt: der Ausstieg sollte unter Abwägung aller Vor- und Nachteile erfolgen und nicht aus der jetzt künstlich erzeugten Panikmache heraus. Das gilt auch für die Kostensteigerungen, die ohne einen panischen Ausstieg auf jeden Fall niedriger ausfallen als mit. Und das ist ein gutes Argument. Was die Äußerung von Linken-Parteimitglied Ness angeht, sollte er vielleicht den Wechsel in die CSU erwägen, denn genau diese polemische Frage wurde aus diesen Reihen unlängst gestellt. Aber wenn es darum geht, auf die GRÜNEN einzuprügeln, sind Sie mit Herrn Ness ja in bester Gesellschaft. Aber glauben Sie mir, dadurch wird das Ansehen der LINKEN um keine Nuance besser, ganz im Gegenteil. Vielleicht sollten Sie beide sich die neue Strategie der LINKEN mal annehmen, die da sagt, weg vom Feindbild, hin zur Zusammenarbeit. |
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@Mischen possibel
Jetzt hatte ich schon gedacht, Sie hätten sich im Sonnenschein ein wenig beruhigt. Die Frage von Uwe-Jürgen Ness ist weder polemisch noch verliert sie ihre Bedeutung dadurch, dass sie auch mal durch ein CSU-Mitglied gestellt wurde. Letztlich ist und bleibt es eine Tatsache, dass der Einsatz der Grünen während ihrer Regierungszeit für eine Energiewirtschaft ohne Atomstrom weitgehend erfolglos geblieben ist. "Aber wenn es darum geht, auf die GRÜNEN einzuprügeln, sind Sie mit Herrn Ness ja in bester Gesellschaft." Jetzt wüsste ich aber schon gerne mal, wann und wie ich auf die Grünen eingeprügelt hätte. Und noch etwas habe ich nicht verstanden: Wodurch genau verschlechtert sich Ihrer Meinung nach das Ansehen der Linkspartei im Zusammenhang mit dieser Diskussion? |
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schrieb am
02.05.2011 um 16:03
Natürlich ist die Frage polemisch, denn es ist ja keine "Leistung" der derzeitigen Regierung, die noch vor wenigen Monaten den Ausstieg beschloss, erst Panik zu erzeugen und dann der merk befreiten Bevölkerung zwei Kommissionen mit Alibifunktion vor die Nase zu setzen, die die kopflose Kehrtwende jetzt in trockene Tücher packt.
Zu der LINKEN nur soviel: man kann das eigene Ansehen nicht dadurch steigern, indem man mit dem dicken Finger auf die Fehler der anderen zeigt...... aber das wissen Sie ja selbst. Dass es zu der LINKEN nichts positives zu sagen gibt, sollte jedoch keine Rechtfertigung für ein solch primitives Verhalten sein. j.mp/inmEzk j.mp/j3MNCa und da nützt auch ein Maulkorb sowie Einschränkung der Pressefreiheit nichts, das sollte doch auch eine Lehre aus der Vergangenheit sein. |
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@all
Zur Erklärung: Immer wenn sich meine Antworten zu Kommentaren auf "Mischen possibel" beziehen, dann sind damit die Beiträge desjenigen gemeint, der jetzt "Ehemaliger Nutzer" heisst. |
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schrieb am
04.05.2011 um 14:37
@Jacob Jung ad 04.05.2011 um 14:01
Das macht allmählich echt die Runde mit den antilinken Tiraden (eigene Blogs von mir, Blogs von Cato und der hier). Aber im Grunde genommen handelt es sich um ein oder zwei Personen, das erkennt man ganz deutlich an der Schreibe, wenn man auch nur ein klein wenig Ahnung von Sprache hat. |
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@JJ:
Ähnliches passiert auch bei anderen emanzipatorischen Themen...achja: und wenn Leute gefragt werden, was mit diesen oder jenen Begriffen meinen, oder zum Ausdruck bringen wollen, dann wird's oft empfindlich...aber das nur so nebenbei. |
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Die Frage der Verstaatlichung stellt sich hier deutlich und aus meiner Sicht ist es sehr einfach herleitbar.
Da Stromversorgung inzwischen zur öffentlichen Daseinsvorsorge geworden und deshalb eine staatliche Aufgabe, dass kann dann nicht irgendwelchen privaten zur hemmungslosen Ausbeutung hingehalten werden. Das wird aber nicht geschehen, wie sich in anderen Fällen, u.a. im Bereich der Sozialversicherung zeigt. Dort wird die staatliche Rentenversicherung zugunsten von privaten Interessen heruntergekürzt -mit Büttenausreden wie den Demographiefaktor (eigentlich sind prognosen auf eine so lange Zeit reine Scharlatanerie)- die gesetzlichen KV wird immer mehr der privaten vor die Füße gelegt. Daran sind (oder waren) alle "Blockparteien" (cdufdpspdgrüne) beteiligt. |
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schrieb am
28.04.2011 um 14:17
>>Daran sind (oder waren) alle "Blockparteien" (cdufdpspdgrüne) beteiligt.<<
Ja klar. Man muss ja nur schauen, von wo die Lobbyblockflöten Geld bekommen. www.parteispenden.unklarheiten.de/ Einfach auf den Parteinamen draufklicken, dann erkärt sich das von selbst. "Wes Geld ich nehm, des Lied ich sing..." |
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@ alf harzer
Verstaatlichung ist ok - aber erst wenn diese Unternehmen auf ihre Kosten den Atommüll entsorgt haben.... Besser und billiger ist allerdings, wenn man durch die Förderung dezentraler Energieanlagen Konzerne überflüssig macht. |
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@claudia
Vielen Dank für den Link. Viele Grüße Jacob |
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@Fro
"Verstaatlichung ist ok - aber erst wenn diese Unternehmen auf ihre Kosten den Atommüll entsorgt haben...." Das wäre in diesem Zusammenhang eine doppelte Premiere. Erstens die Übernahme der Kosten ihres Handelns durch die Energiekonzerne und zweitens die Entsorgung von Atommüll. Beides scheint leider derzeit noch zur Welt der Märchen und Mythen zu gehören. Lieben Gruß, Jacob Jung |
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schrieb am
02.05.2011 um 16:14
Verehrter Fro, sehr richtig, es kann ja wohl nicht so bleiben, dass die Unternehmensgewinne der Stromkonzerne privatisiert bleiben und die Entsorgung des erzeugten Mülls sozialisiert werden! Deshalb bin ich für die Verstaatlichung der Unternehmen der Daseinsvorsorge.
Herzliche Grüsse Monsieur Rainer |
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@alf harzer
Das Problem entsteht immer dann, wenn sich mit der "öffentlichen Daseinsvorsorge" erhebliche Gewinne erzielen lassen und den Profiteuren gleichzeitig ein erhebliches Mitspracherecht in den politischen Gremien gewährt wird. So lange die Lobbys den Ministerien die Gesetzentwürfe diktieren und die Handhabung von Parteispenden für die anschließende Umsetzung im Bundestag und im Bundesrat sorgt, wird sich hieran wohl nichts ändern lassen. |
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Verehrter Herr Jung, Unternehmen der Daseinsvorsorge, wie Strom, Wasser, Abwasser, Bahn usw gehören alleine in die Hand des Staates. Alle anderen Unternehmen gehören privatisiert. Es gibt hahnebüchende Beispiele für staatlichen Unternehmensbesitz, der überhaupt keinen Sinn macht, doch dort, wo die Grundbedürfnisse der Bürger zu sichern sind, da hat sich der Staat aus der Verantwortung verabschiedet. Und das ist katastrophal!
Herzliche Grüsse Monsieur Rainer |
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In der Hand "des Staates" muss es ja gar nicht sein, aber auf jeden Fall vom Bürger kontrolliert und ihm dienlich.
Es gibt ja auch andere Formen von Gesellschaften. Man sollte eine Unternehmensform zwischen AG und Genossenschaft schaffen, eine Art Bürgergesellschaft, bei der ausreichend viele Bürger Anteilseigner sein müssen, und niemand eine absolute Mehrheit über die Gesellschaft sich erkaufen kann. Dem Stromkunden sollte z.B. sein Stromzulieferer gehören. |
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Würde man den Staat tatsächlich als die Organisation aller in ihm lebenden Bürger betrachten und würde er sich zudem vorrangig für die berechtigten Interessen seiner "Anteilseigner" einsetzen, dann wäre der Unterschied zwischen der vorgeschlagenen Gesellschaftsform und einer Verstaatlichung gar nicht sonderlich groß.
Im Übrigen schließe ich mich der Auffassung an: Welche genaue Organisationsform gewählt wird, ist sekundär. Hauptsächlich geht es darum, dass die "Daseinsvorsorge" (Monsieur Rainer) nicht von den Interessen einer privilegierten Minderheit geleitet sein sollte, die ihre Gewinne auf dem Rücken und zu Lasten der Allgemeinheit erwirtschaftet. |
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@All
Leider ist die anfänglich sehr differenzierte Diskussion in diesem Thread ein wenig ausgeufert. Von daher würde ich gerne noch einmal auf den Kernpunkt meines Beitrags zurück kommen: Während spätestens seit der Katastrophe in Fukushima jedem klar geworden ist, dass mit der Nutzung der Kernenergie unkalkulierbare Risiken für unser aller Leben verbunden sind, wird die öffentliche Debatte unter Einbeziehung wirtschaftlicher Aspekte geführt. Die Frage, ob die Forsetzung des bisherigen Atomkurses angesichts dieser Risiken moralisch und ethisch vertretbar ist, wurde durch die Öffentlichkeitsarbeit der Energiekonzerne unmittelbar mit den Kosten des Ausstiegs verknüpft. Obwohl die Atomwirtschaft während der vergangenen Jahrzehnte mit Milliardenbeträgen subventioniert wurde und mit dem Verkauf von Energie Gewinne in Milliardenhöhe erwirtschaftet, werden die Kosten für einen Ausstieg ausschließlich den Verbrauchern aufgebürdet. Dieses Vorgehen, untermauert mit einem Gutachten über die Erhöhung der Strompreise durch einen zügigen Ausstieg (durch den BDI in Auftrag gegeben) soll in der Bevölkerung einen Pro-Atom-Kurs anstoßen, der über jene Stromkosten begründet sein kann, die ausschließlich von den Nutznießern der Kernenergie in Deutschland festgelegt und diktiert werden. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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