Jacob Jung

Blog: jacobjung.wordpress.com

12.04.2011 | 14:08

Fukushima: Kommt und spielt mit INES

12.04.2011 - Die japanische Regierung hat sich aktuell der Auffassung internationaler Experten angeschlossen und die Reaktorkatastrophe in Fukushima nach INES ( International Nuclear Event Scale) mit der höchsten Stufe 7 bewertet. Interessant in diesem Zusammenhang: Man sprach von einer "vorläufigen" Einstufung.

 

Um es  deutlich zu machen: INES 7 bedeutet:

  • Schwerste Freisetzung, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld
  • Erhebliche Freisetzung (Äquivalent von > einigen 10.000 TBq von 131Iod)
  • Gesundheitliche Spätschäden über große Gebiete, ggf. in mehr als einem Land

Mit "vorläufig" ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich gemeint, dass in 30.000 Jahren alles wieder in Ordnung ist.

 

Damit ist es Zeit für ein Update der internationalen Liste von atomaren Unfällen seit 1954.

Insgesamt zählen wir seit dem Beginn der Nutzung von Kernenergie 18 atomare Unfälle (alle drei Jahre ein Unfall) in unmittelbarem Zusammenhang mit Reaktoren und Wiederaufbereitungsanlagen:

  • 8 x INES 4 (Unfall) = alle 7 Jahre
  • 5 x INES 5 (ernster Unfall) = alle 11 Jahre
  • 3 x INES 6 (schwerer Unfall) = alle 19 Jahre
  • 2 x INES 7 (katastrophaler Unfall) = alle 29 Jahre

Angela Merkel: "Wir haben die Frage zu beantworten, ob die Kernkraftwerke heute und morgen sicher sind" (ARD Brennpunkt, 13.03.2011)

Mehr zum Thema "Atomunfälle seit 1954" gibt es hier.

 
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Kommentare
GeroSteiner schrieb am 12.04.2011 um 15:26
Von jetzt an ist Fukushima also das begreifbare Restrisiko. Von der Utopie zur Wirklichkeit in weniger als einem Monat. Ein HighTech-Nation wird verstrahlt und wir schauen ratlos zu, wie ein Teil der Welt für alle Zeiten für Menschen unbewohnbar wird. Die Sofortmaßnahme der atomophilen deutschen Regierung, alte Meiler in Deutschland ad hoc abzuschalten, wird vor Gericht beklagt. Die Energiekonzerne möchten nicht auf die 1 Million Euro Gewinn pro Tag und Atomkraftwerk verzichten. Die Aktionäre sind schuld, denn die würden den Vorstand verklagen, würde er die Stillegung hinnehmen. So ist es keiner gewesen. Die Aktionäre bekommen ihr Geld. Das ist das erste mal, dass ich Aktionäre moralisch verantwortlich mache; für Habgier und Kurzsichtigkeit.

Agieren ist in Fukushima nur bis zum Ausfall der Notstromgeneratoren möglich. Danach gibt es nur noch reagieren, abwarten, versuchen. Sprachlose Panik macht sich breit, als klar wird, dass die Sicherheitsbehälter weder sicher noch haltbar sind. Die strahlende Brühe läuft ungehindert in den Pazifik und zerstört einen Teil der Lebensgrundlage der Japaner. Radioaktiver Fisch, kein leuchtendes Beispiel, sondern ein schwimmendes Mentekel.

Eine technologische Spitzennation braucht drei Wochen für die Verlegung eines Kabels für die Pumpen im Reaktorgebäude. Egal, was der Grund dafür ist, dass ist bis dato unvorstellbar gewesen. Arbeiter, die auf Decken in den Reaktorhallen schlafen, werden durch radioaktives Wasser verstrahlt, weil es in die Gummistiefel schwappt. Sicherheitskleidung für den Strandurlaub um für die anderen zu retten, was noch zu retten ist. Ob und wie sie es überleben, werden wir nicht erfahren. Dass sie leiden, ist hingegen sicher. Hunderte der Arbeiter, die dort freiwillig oder zwangsweise ausharren, um den Rest der Bevölkerung vor den Folgen des energetischen Dropouts zu schonen, werden daran vorzeitig sterben. Eine Nation die Hiroshima und Nagasaki durchlitt, steht jetzt aus freien Stücken vor einer Situation, gegen die sich die Büchse der Pandora wie ein laues Lüftchen ausnimmt.

Die Bevölkerng realisiert langsam, was die Evakuierungszone konkret bedeutet. Jetzt zwanzig, dann dreißig, und zum Schluss werden es hundert Kilometer ausgelöschter Erinnerungen und Erfahrungen sein, die im radioaktiv verseuchten Niemandsland bleiben. Keine Wurzeln mehr. Nur noch strahlende Ödnis. Ein Beobachtungsgebiet für die zukünftige Erforschung von radioaktiver Strahlung auf Fauna und Flora, eingezäunt und mit Warnschildern versehen.

Es ist an der Zeit, die Bewertung von Risiken nicht nur quantitativ sondern auf qualitativ zu bewerten. Es ist an der Zeit, das Wort "Rest" aus dem Sprachschatz der Risikobewerter zu verbannen. Es ist an der Zeit, für das Wort "Entsorgung" im Sinne der Klarheit wieder die Bezeichnung "Lagerung strahlenden Atommülls auf Kosten der Allgemeinheit bis in alle Ewigkeit" zu verwenden.
Jacob Jung schrieb am 12.04.2011 um 15:34
Danke!
Joachim Petrick schrieb am 12.04.2011 um 18:34
@GeroSteiner

WAS LANGE GAR SO WUNDERBAR HARMLOS STRAHLEND ALS UNWAHRSCHEINLICHES ESTRISIKO GALT; IST NUN DER ATOMAr VERSTRAHLTE vOLL RISIKO Albtraum WALD
Ullrich Läntzsch schrieb am 12.04.2011 um 16:13
Ja, ich Danke auch. Gero Steiner und Jakob Jung.

Exakt so ist es!!!

Stimmt ihr auch bei der Forderung nach einem Gesetz zur Haftpflichtversicherung zu? Nicht nur meines Erachtens, der Königsweg zum Ausstieg.
Jacob Jung schrieb am 12.04.2011 um 16:25
@Ullrich:

Wenn schon, denn schon:

Hier der Link zur entsprechenden Online-Unterschriftenaktion vom Verein Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges
Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW):

www.atomhaftpflicht.de/formular.php3
Ullrich Läntzsch schrieb am 13.04.2011 um 12:15
Danke für den Link - unterschrieben - klar doch.

Frage mich nur, war um keine Partei dies fordert.

Ein Armutszeugnis vor allem für SPD und Grüne!!!
Jacob Jung
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