Jacob Jung

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17.12.2011 | 16:56

GAR – Gemeinsames Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus

17.12.2011 – Gestern hat Bundesinnenminister Friedrich in Berlin das Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus (GAR) eröffnet. An zwei verschiedenen Standorten (Köln und Meckenheim bei Bonn) sollen rund 140 Beamte verschiedener Behörden die rechtsextremistische Szene überwachen.

Ist mit der Gründung des „GAR“ die unterstellte Blindheit der Behörden gegenüber rechtsextremistischen Straftaten überwunden oder handelt es sich um politischen Aktionismus, mit dem der Minister hauptsächlich dem Vorwurf der Untätigkeit entgehen will?

Aus dem Jacob Jung Blog

 

„Die Polizei darf alles machen“

Eines vorweg: Bei dem „Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus“ handelt es sich nicht um eine neue Behörde sondern lediglich um eine Plattform, auf der bereits bestehende Behörden zusammentreffen, um sich über Erkenntnisse aus der rechtsextremen Szene auszutauschen.

Das GAR besteht aus rund 140 Beamten verschiedener Behörden, hierunter die Landeskriminalämter, das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, Europol, die Bundesanwaltschaft, die Landesbehörden für Verfassungsschutz, das Bundesamt für Verfassungsschutz, der militärische Abschirmdienst und der Bundesnachrichtendienst. Im Rahmen täglicher Meetings wollen die Beteiligten die rechte Szene künftig gemeinsam durchleuchten und Gewalttaten besser vorbeugen und bekämpfen.

Um nicht in Konflikt mit dem sogenannten Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdienst zu geraten, operiert das GAR von zwei verschiedenen Standorten aus, die strikt getrennt bleiben sollen. Die Polizeikräfte arbeiten von Meckenheim bei Bonn aus, die Geheimdienste bleiben in ihrer Kölner Zentrale.

Hierzu Heinz Fromm, der Chef des Verfassungsschutzes bei der Eröffnung des GAR:

„Die Polizei darf alles machen, aber nicht alles wissen. Wir dürfen alles wissen, aber nicht alles tun.“

Gibt es ein Trennungsgebot?

In Deutschland geht man im Allgemeinen davon aus, dass eine enge Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten gesetzlich verboten ist. Obwohl es gute Gründe gibt, die für ein solches Trennungsgebot sprechen, sind die bestehenden Regelungen keineswegs eindeutig.

Ab 1933 hat die geheime Staatspolizei (Gestapo) im nationalsozialistischen Deutschland sukzessive die Rolle einer politischen Polizei übernommen. Hierzu wurde sie mit weitreichenden exekutiven Befugnissen ausgestattet und war nicht an das „geltende Recht“ gebunden. Die Folgen sind bekannt.

Per „Polizeibrief“ vom 14. April 1949 machten die Militärgouverneure der westdeutschen Besatzungszone dem verfassungsgebenden parlamentarischen Rat verschiedene Vorgaben, die verhindern sollten, dass in Deutschland erneut eine übermächtige, politische Geheimpolizei entstehen kann.

Hierzu wurden zunächst die Befugnisse einer zu gründenden Bundespolizei (später Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesgrenzschutz (BGS)) einschränkend definiert. Weiterhin wurde ausgeschlossen, dass die Bundespolizei gegenüber den Landespolizeibehörden weisungsbefugt ist.

Genehmigt wurde die Einrichtung einer Stelle zur Sammlung und Verbreitung von Informationen über umstürzlerische Tätigkeiten (später Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV)). Diese Behörde sollte jedoch keine polizeilichen Befugnisse erhalten.

Zwar flossen die Vorgaben der Militärgouverneure in das Grundgesetz ein. Allerdings fehlt es hier an Eindeutigkeit. Im Rahmen einzelner Entscheidungen hat das Bundesverfassungsgericht insofern mehrmals darauf hingewiesen, dass sich ein Trennungsgebot zwar aus der Verfassung ergeben könne. Aufgrund „fehlender Relevanz“ wurde durch das Gericht jedoch nicht abschließend und verbindlich hierüber entschieden.

Von daher beruht das unterstellte Trennungsgebot auf einzelnen Gesetzen, wie zum Beispiel dem Bundes-Verfassungs-Schutz-Gesetz (BVerfSchG). Aus diesem einfachgesetzlichen Recht ergibt sich ein Trennungsgebot aus drei unterschiedlichen Gesichtspunkten.

 

Funktionelle Trennung

Polizei und Verfassungsschutz erfüllen verschiedene Aufgaben. Während die Polizei für Gefahrenabwehr und Strafverfolgung zuständig ist, beschäftigt sich der Verfassungsschutz mit der Gewinnung von Informationen über Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.

Zwischen beiden Funktionsbereichen gibt es Berührungspunkte und Überschneidungen.

 

Kompetenzielle Trennung

Gemäß Gesetz ist dem Verfassungsschutz der Einsatz polizeilicher Mittel untersagt. Hieraus könnte man schließen, dass umgekehrt auch gilt, dass die Polizei keine nachrichtendienstlichen Befugnisse hat.

Das trifft jedoch nicht zu. Im Rahmen ihrer Zuständigkeiten und Kompetenzen ist die Polizei nämlich zum Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel berechtigt.

 

Organisatorische Trennung

Der Verfassungsschutz darf keiner polizeilichen Behörde angegliedert sein und umgekehrt. Organisatorisch müssen beide Behörden also grundsätzlich getrennt voneinander operieren.

Letztlich beschränkt sich das ursprünglich als essentiell angesehene Trennungsgebot also darauf, dass Verfassungsschutz und Polizei nicht innerhalb einer gemeinsamen Organisationseinheit geführt werden dürfen.

 

Dieser gesetzlichen Vorgabe wurde im Rahmen der gewählten Organisationsform für das GAR Rechnung getragen, indem Verfassungsschutz und BKA von verschiedenen Orten aus arbeiten (Meckenheim und Bonn) und sich, im wöchentlichen Wechsel der jeweiligen Dienststellen, täglich zur Koordination ihrer Arbeit treffen.

„Rechtsextremismus im Visier“

Im Rahmen der Gründungsveranstaltung des „Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Rechtsextremismus“ begründet Heinz Fromm, Chef des Verfassungsschutzes, die Notwendigkeit der neuen behördlichen Plattform so:

„Vor allem den militanten Rechtsextremismus muss man sehr viel genauer ins Visier nehmen als in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten.“

Mit dieser Aussage wird zunächst der Vorwurf gegenüber Ministerien und Ermittlungsbehörden bestätigt, rechtsextremistische Gewalt bislang nicht ernst genug genommen und nicht entschieden genug bekämpft zu haben. Dies war von führenden Innenpolitikern und auch vom Innenminister in den letzten Wochen immer wieder bestritten worden.

So hatte Hans-Peter Friedrich noch im November auf entsprechende Vorwürfe der Opposition, die Behörden seien bei der Bekämpfung von Extremismus auf dem rechten Auge blind, gesagt:

„Überall, wo diese Bedrohungen stattfinden, ist die Polizei da.“

In einer gemeinsamen Recherche haben „ZEIT“ und „Tagesspiegel“ in Deutschland insgesamt 138 Todesopfer rechter Gewalt in den vergangenen 20 Jahren ermittelt. Die renommierte Amadeu-Antonio-Stiftung spricht sogar von mehr als 180 Opfern. Bundesregierung und Polizei zählen dagegen nach wie vor 48 Tote.

Es stellt sich die Frage, wie es Journalisten und Stiftungen gelingen konnte, ohne jeglichen Einsatz von nachrichtendienstlichen Mitteln, ohne Polizeibefugnisse und ohne staatliche Unterstützung ein zutreffenderes Bild von den Folgen rechten Terrors zu zeichnen und zu veröffentlichen, als es dem Staat und seinen Behörden gelang.

Seit der Aufdeckung der Zwickauer Terrorzelle nimmt die Polizei, ohne Vorratsdatenspeicherung, Verbunddateien oder das erst jetzt gegründete GAR, fast täglich weitere Verdächtige fest, die in das terroristische Netzwerk verstrickt sind. Plötzlich besteht scheinbar die Bereitschaft, über ein erneutes NPD-Verbot nachzudenken und erstmalig sind die Regierung und ihre Behörden bereit, sich ernsthaft mit den Gefahren des rechten Terrorismus auseinander zu setzen.

Der politische Wille

Es wird deutlich, dass diese Bereitschaft nicht auf zusätzlichen Befugnissen, Behörden, Plattformen oder technischen Verfahren beruht sondern ausschließlich auf dem politischen Willen, sich mit dem Rechtsterrorismus zu beschäftigen.

Das Innenministerium nutzt die hohe Erwartung von Öffentlichkeit und Medien, um jetzt staatliche Befugnisse durchzusetzen, denen sich die Bevölkerung bislang mit gutem Grund versperrt hat. Hans-Peter Friedrich setzt auf eine stärkere Überwachung im Internet, auf eine engere Zusammenarbeit genau jener Behörden, deren Verstrickung in die rechte Szene nach wie vor nicht aufgeklärt ist und setzt den rechten Terror erwartungsgemäß als Argument für die umstrittene Vorratsdatenspeicherung ein.

Die jetzt installierten Kontroll- und Überwachungsbefugnisse sind unter grund- und bürgerrechtlichen Gesichtspunkten höchst bedenklich. Der Innenminister nutzt zu ihrer Durchsetzung eine Atmosphäre, in der sich natürlich niemand ernsthaft gegen die Bekämpfung des rechten Terrors in Deutschland stellen will.

Damit wehrt er den Vorwurf der Untätigkeit ab, signalisiert vordergründig den Willen, gegen rechte Terroristen zu kämpfen und setzt Polizei- und Behördenbefugnisse durch, die unter „normalen“ Umständen in der Bevölkerung keine Mehrheiten finden würden.

Ohne den ernsthaften politischen Willen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft werden die jetzt ergriffenen Maßnahmen ergebnislos bleiben. Einmal durchgesetzt und installiert, lassen sich die neuen Befugnisse und Strukturen allerdings auch gegen jede andere Bevölkerungsgruppe einsetzen. Grund genug, die Maßnahmen kritisch zu bewerten und sich vor die Frage zu stellen, ob nicht die bestehenden Instrumente zur Gefahrenabwehr und Strafverfolgung bereits seit Jahren ausgereicht hätten, wenn nur der politische Wille zum Kampf gegen Rechts vorhanden wäre.

Politik Blog von Jacob Jung 12/2011

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 17.12.2011 um 17:30
Substantiiert wie gewohnt. :-)

Nur, solange noch in deutschen Parlamenten offen rassistische Sprüche geschwungen werden, wird es mit dem Bekämpfen in der Gesellschaft auch weiterhin schwierig bleiben.

Zudem: wie Anne Roth erwähnte, wurde gleichzeitig mit dem Gesetz zum GAR auch diese Visa-Warndatei verabschiedet - eigentlich wieder ein dem Rassismus Vorschub leistendes Teil, von Datenschutz will ich mal gar nicht reden.

Heuchelei?
Jacob Jung schrieb am 17.12.2011 um 22:41
Sehr ich genau so, Alien:

Udo Pastörs, Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD, attackierte Dr. Hikmat Al-Sabty während seiner Rede verbal: „Sie haben einen deutschen Pass. Wenn Sie in den Spiegel schauen würden, würden sie erkennen, dass sie kein Deutscher sind.“

jacobjung.wordpress.com/2011/11/19/udo-pastors-npd-%E2%80%9Edann-sehen-sie-dass-sie-kein-deutscher-sind/
Alien59 schrieb am 18.12.2011 um 06:23
Das auch, aber bei Pastörs erwartet man ja kaum etwas anderes. Ich meinte den kürzlichen Vorfall:

"Bei der Debatte über die Flüchtlingspolitik im niedersächsischen Landtag hat die CDU-Abgeordnete Gudrun Pieper am Mittwoch für einen Eklat gesorgt. In Richtung der türkischstämmigen Grünen-Parlamentarierin Filiz Polat sagte sie: «Am besten hätte man Sie abschieben sollen.»

Pieper kassierte für ihre Bemerkung einen Ordnungsruf. Sie entschuldigte sich allerdings zunächst direkt bei Polat und anschließend auch in einer Erklärung vor dem Parlament. In der Debatte hatte die Opposition Innenminister Uwe Schünemann (CDU) eine inhumane und menschenrechtswidrige Abschiebepraxis vorgeworfen. Niedersachsen handle nach Recht und Gesetz, konterte der Minister.

Polat kritisiert Innenminister Schünemann
Das sieht Polat allerdings anders. Auf ihrer Homepage erklärte sie vor der Debatte: „Minister Schünemann schreckt nicht davor zurück, sogar bei anerkannten Härtefällen eine Abschiebung zu forcieren. Damit verstärkt sich der Verdacht, dass in Niedersachsen das Votum der Härtefallkommission hintertrieben und bei positiven Bescheiden die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis im Nachhinein mit verschiedensten Begründungen versagt wird.“
www.focus.de/politik/deutschland/am-besten-haette-man-sie-abschieben-sollen-cdu-frau-beschimpft-tuerkischstaemmige-abgeordnete_aid_691829.html
pedrei56 schrieb am 17.12.2011 um 17:31
Eine Klare Zusammenfassung der Fakten. Konnte ich so noch nirgendwo lesen. Chapeau...
Ich unterstelle, daß der politische Wille, konsequent gegen Rechtsextremismus vorgehen zu wollen, nach wie vor fehlt. Die Namen der sogenannten "NSU-Unterstützer", die nach und nach medienwirksam festgenommen werden, sind defacto von Anfang an bekannt. Es ist so, als wolle man allen Beteiligten genügend Zeit zum Spurenverwischen einräumen und insbesondere den involvierten Behörden ermöglichen, ihren Aktenbestand auf den "gewünschten" Stand zu bringen... Ich sehe keine sichtbaren Anzeichen dafür, dass man bezüglich VS, BKA oder LKA's irgendwelche Konsequenzen zieht, vielmehr wird der Bock zum Gärtner gemacht... Ich teile die z.B. in der JW geäußerte Besorgnis:
www.jungewelt.de/2011/12-15/049.php
Vor geraumer Zeit wurden Gerd Bastian und Petra Kelly tot in ihrem Haus aufgefunden. Ca. 14 Tage nach Eintritt des Todes. Beihnahe zeitgleich war für die damaligen "Ermittler" die Todesursache klar, Bastian hat erst Kelly erschossen, dann sich selbst... Die Beiden waren 14 Tage tot... Kann sich jemand vorstellen, wie die Beiden ausgesehen haben mögen? Ich kann's.
Die Parallele zur "Todesursache" der Beiden verkohlten Menschen im Wohnmobil gibt mir zu denken...
KarinL. schrieb am 18.12.2011 um 17:28
@pedrei56

Ja vollkommen richtig! Ich sehe das auch mit großer Besorgnis und schliesse mich Ihrer Meinung an!
anna T. schrieb am 17.12.2011 um 18:20
Lieber J.J.

Gemeinsames Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus. WOW. Hört sich wesentlich besser als "Heimatschutz"an...(Ironieschild)

"Ohne den ernsthaften politischen Willen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft werden die jetzt ergriffenen Maßnahmen ergebnislos bleiben. Einmal durchgesetzt und installiert, lassen sich die neuen Befugnisse und Strukturen allerdings auch gegen jede andere Bevölkerungsgruppe einsetzen. Grund genug, die Maßnahmen kritisch zu bewerten und sich vor die Frage zu stellen, ob nicht die bestehenden Instrumente zur Gefahrenabwehr und Strafverfolgung bereits seit Jahren ausgereicht hätten, wenn nur der politische Wille zum Kampf gegen Rechts vorhanden wäre"

Perfekte Zusammenfassung der Fakten und ich kann nicht anders als lobhudeln...(.sorry wenn's langweilig wird ) ; )
Jacob Jung schrieb am 17.12.2011 um 19:06
Meilenweit davon entfernt, langweilig zu werden :D

Lob finde ich fantastisch, Kritik spannend und Gleichgültigkeit traurig.

LG, JJ
apatit schrieb am 18.12.2011 um 17:35
siehe nd von Velten Schäfer 30.11.2011 / Inland
Tagesthema: Rechtsextremer Terror
Anschnauzen statt Aufklären
Immer wieder hat die Thüringer Opposition vor der radikalen Naziszene gewarnt - stets vergeblich
h.yuren schrieb am 17.12.2011 um 22:26
lieber jj, in den usa ist volksverhetzung keine strafbare handlung, hierzulande schon. aber wo fängt die strafbarkeit an? wo ist die linie überschritten, die den strafbefehl auslöst?
bei den rechten ist die linie nach rechts verschoben, sodass handlungen, die von linken bereits als kriminell beurteilt werden, als belanglos angesehen werden. das lässt sich nur ändern, wenn die rechten parteigänger kein urteil mehr abgeben können. in den sogenannten sicherheitskräften gibt es aber ähnlich wie bei der justiz den schwerpunkt deutlich rechts von der mitte.
das system hat systemmängel, die nur durch abschaffung des ganzen zu beheben wären.

was du zu den sicherheitsorganen schreibst, erinnert mich an eine noch ärgere vorstellung: der machtapparat des staates liegt wie ein werkzeug bereit, bis ein wahnsinniger auftaucht, der dieses werkzeug eigenmächtig gebraucht, sprich: missbraucht. ich dachte jetzt nicht an berlusconi.
Jacob Jung schrieb am 17.12.2011 um 22:33
... und selbst da kommt es ganz entscheidend auf die Definition von "Wahnsinn" an....

Ich kann bei mir nicht ausschließen, dass mir dieser Begriff angesichts von Hans-Peter Uhl, Hans-Peter Friedrich oder Joachim Herrmann nicht schon gelegentlich in den Sinn gekommen ist.

Danke für den Kommentar und liebe Grüße, JJ
pedrei56 schrieb am 18.12.2011 um 04:31
Wenn man "älter" wird, muß man "öfter mal raus". So ging es mir um 03.00 Uhr, Nachrichtenzeit bei "D-Radio Kultur", dem einzigen Sender, den ich mir noch antue:

Sonntag, 18. Dezember 2011 03:00 Uhr
Zeitung: Verfassungsschutz finanzierte Neonazi-Trio falsche Pässe

Der Thüringer Verfassungsschutz hat einem Pressebericht zufolge dem Zwickauer Neonazi-Trio im Jahr 2000 Geld zukommen lassen. Dies habe ein Mitarbeiter am 6. Dezember vor der geheim tagenden Kontrollkommission des Landtages in Erfurt ausgesagt, schreibt die Zeitung "Bild am Sonntag". Demnach stellte der Geheimdienst der Terrorzelle über Mittelsmänner mehr als 2.000 D-Mark für gefälschte Pässe zur Verfügung. Der Verfassungsschutz habe gehofft, dadurch Hinweise auf den Aufenthaltsort sowie die Tarnnamen der Rechtsextremisten zu erhalten. Dem Neonazi-Trio werden zehn Morde zur Last gelegt.

Hier sind wir mittendrin im "Wahnsinn"...
Stimmt die Meldung so, wie hier zitiert, dann sind unsere Verfassungsschützer entweder dermaßen inkompetent, dass es zum Himmel schreit -oder- Unterstützer der Terrorzelle.
Ich neige zu zweiterer Annahme.
Warum?
Ich benutze mal die "Ich - Form" und meine damit den VS:

a) Ich weiss um das abgetauchte Trio.

b) Ich kenne "Mittelsmänner", die das auch wissen und auch wissen, wohin das Trio abgetaucht ist.

c) Ich gebe den "Mittelsmännern" "mehr als 2000 DM" (ein nach oben offener Betrag) für falsche Papiere, nicht die Papiere selbst (wäre kein Problem für mich), denn dann wüßte ich die Tarnnamen ja schon.

d) Ich folge keinesfalls der "Spur des Geldes" oder der Spur der Mittelsmänner, dann würde ich das Vertrauen der "Mittelsmänner" arg enttäuschen.

e) Mal wieder Pech gehabt. Was soll's... Werd' mal den "kleinen Adolf" anrufen, wie's ihm so geht...

P.S:
In den 04.00 Uhr - Nachrichten gibt es o.g. Meldung bereits nicht mehr.
claudia schrieb am 18.12.2011 um 18:39
>>In den 04.00 Uhr - Nachrichten gibt es o.g. Meldung bereits nicht mehr.<<
Wenn ich, bedingt durch "senile Bettflucht", sehr früh Rundfunknachrichten hörte, fiel mir schon öfter auf, dass bestimmte Meldungen sehr schnell eliminiert und durch Blabla ersetzt werden.
apatit schrieb am 18.12.2011 um 19:34
claudia, es geht auch ohne "Bettflucht" für Sie! Verfassungsschutz übergab Nazi-Trio Geld für Pässe - thueringer ...
www.thueringer-allgemeine.de/.../Verfassungsschutz-uebergab-Nazi-...
anna T. schrieb am 18.12.2011 um 10:09
Zum Frühstück ein kleines update:

Der Thüringer Verfassungsschutz hat einem Pressebericht zufolge erstmals eingeräumt, an das Zwickauer Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Geld gezahlt zu haben. Der Geheimdienst habe der sogenannten Zwickauer Zelle über Mittelsmänner mehr als 2000 D-Mark gezahlt, um damit falsche Pässe zu finanzieren..Upps, was GAR noch alles aufzuarbeiten hat...
anna T. schrieb am 18.12.2011 um 10:12
ich sehe gerade ,pedrei56, hat schon eher gefrühstückt...; )
pedrei56 schrieb am 18.12.2011 um 11:39
Stimmt, anna T.
Nur, GAR wird das nicht aufarbeiten... Die Aussage stammt angeblich vom 06. Dezember... Bislang lag da ein tonnenschwerer Deckel drauf.
Aber, laß Dir von mir den Advent nicht vermiesen, denn ich hab gleich einen "Zornblog" obendraufgesetzt:
www.freitag.de/community/blogs/pedrei/vorratsdatenspeicherung-warum-darum
apatit schrieb am 18.12.2011 um 15:41
Was soll dieses “ Abwehrzentrum “ wenn die Abwehren sollen, teilweise infiziert sind im Geiste der Truppe die im Blog von Andreas Mix ( Alte Kameraden ) beschrieben wird? Da habe ich “Bauchschmerzen“. Es kann doch keiner behaupten, da ziehen mordend, raubend Nazis durch Deutschland und keiner hatte den Ansatz von einer Ahnung oder Verdacht. Haben immer noch die Entscheider im Kopf – der Feind steht links? Wie ist das Hauptaugenmerk bei der politischen Bildung auch bei neutralen Beamten? Oder kann man besser Karriere
machen, wenn man bestimmte Dinge anders sieht oder überhaupt nicht. Diese Frage ist überhaupt nicht beantwortet und da nutzt auch kein NPD verbot, was ich befürworte, aber nicht als “allein Medizin“ sehe!
KarinL. schrieb am 18.12.2011 um 17:34
Ich hatte letztes Jahr Bundesmittel gegen Rechtsextremismus, Gewalt und für Toleranz verwaltet. In dem Zusammenhang konnte ich ein VS-Seminar sebst miterleben.

Was sich mir da auftat bestätigt alles! Auf dem rechten Auge blind ist wohl noch untertrieben. Dieses Seminar war eindeutig sehr gut psychologisch aufgebaut! So das alle kommunalen Vertreter mit Angst aus dem Raum gingen. Ziel erreicht sage ich nur.
apatit schrieb am 18.12.2011 um 17:47
Karin L. … das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen und eigenen Erleben. Aber ich sehe nicht nur die Fehler beim Verfassungsschutz, auch Kommunalpolitiker, Polizei hatten zu diesem Thema eine eigenartige liberale Einstellung wenn es um Szene Treffs, Konzerten usw. der Rechtsextremisten ging. Ich erinnere an den Artikel in der Welt:“Rechtsextremismus Autor: Dirk Banse| 01.11.2007
Wie Sachsen-Anhalt die Polizei-Statistik schönt
Von 2004 bis 2006 arbeitete die Polizei in Sachsen-Anhalt besonders gut auf dem Gebiet des Rechtsextremismus: Die Zahl der Strafverfahren wegen entsprechender Taten stieg enorm. Doch das passte der Führung der Polizei nicht. Sie wies die Beamten aus politischen Gründen an, sich selbst auszubremsen.“
KarinL. schrieb am 18.12.2011 um 18:48
Ja genau...viele Beamte und Angestellte im ÖD gehen da auch mit. So nach dem Motto, der VS hat immer recht. Da kann man diskutieren und mit Fakten aufwarten. Es ist blanker Wahnsinn wie die meissten Mitarbeiter des ÖD hinter, egal ob Polizei oder Verwaltung, hinter dem Staat unwiederuflich stehen. Na ja, man lässt mit gutem Grund die Mitarbeiter auf das GG schwören. Leider ist Zivilcourage und eigenständiges Denken eben nicht auf der Tagesordnung. Man macht Dienst nach Vorschrift. Hauptsache das Gehalt kommt pünktlich aufs Konto. Nicht jeder ist so, aber doch viele. Und eigenständig Denkende, die hinterfragen, werden oft abserviert. In der Verwaltung wird auch viel vertuscht. Da hackt einer Krähe der anderen kein Auge aus. Um es mal so zu formulieren. Ehrliche Mitarbeiter haben es da auch schwer! Siehe Skandal der Finanzbeamten in Hessen!
apatit schrieb am 18.12.2011 um 19:11
"Nicht jeder ist so, aber doch viele." Ach der Maskenball "Verstellung verschafft Stellung."
apatit schrieb am 18.12.2011 um 20:12
KarinL. schrieb am 18.12.2011 um 22:05
nee, nee...nicht alle sind so...ich war 1 Jahr beim Landkreis. Da gibts doch noch ehrliche leute, die selbständig denken können...was ja bei Beamten so ne Sache ist, gelle ;-)...Vielleicht liegts am Osten, da sind nur wenige verbeamtet. Und die "kleinen Mitarbeiter" müssen teilweise richtig schuften da. Man sollte schon sachlich bei allem bleiben und vorallem objektiv.
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