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08.08.2011 – Gestern forderte Innenminister Friedrich im Spiegel noch eine Aufhebung der Anonymität im Internet und heute teilt eine Sprecherin des Ministeriums mit, es handle sich nur um ein Missverständnis und Friedrich sei einfach nur falsch interpretiert worden.
Neben sachlicher Kritik an seinem eigenartigen Vorstoß in Sachen Blogosphäre wehen dem Minister jetzt auch Hohn und Spott entgegen. Medienpolitische Sprecher von SPD und FDP fragen zurecht, wie Friedrich ein Klarnamen-Gebot im weltweiten Web denn überhaupt kontrollieren wolle.
Andere Stimmen deklassieren die Äußerungen des Innenministers als puren Populismus. Immerhin besteht auch für Blogs im Internet bereits jetzt eine Impressumpflicht.
Aus dem Jacob Jung Blog
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Für alle, die sich selber noch einmal ein Bild davon machen wollen, ob Hans-Peter Friedrich tatsächlich nur missverstanden und falsch interpretiert wurde, hier der Wortlaut aus der Veröffentlichung des Spiegel von gestern:
Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce. Warum müssen ,Fjordman’ und andere anonyme Blogger ihre wahre Identität nicht offenbaren?
Und weiter zitiert der Spiegel den Minister: Die Grundsätze der Rechtsordnung „müssen auch im Netz gelten„, Blogger sollten „mit offenem Visier“ argumentieren.
Viel Raum für Interpretationen und Missverständnisse bleibt hier eigentlich nicht. Der Minister fordert ganz eindeutig, dass „anonyme Blogger ihre wahre Identität offenbaren“ müssen.
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Hans-Peter Friedrich hat angesichts seiner Forderung nach einem Ende der Anonymität im Internet selber mit „wüsten Beschimpfungen“ gerechnet. Nichts desto trotz ließ er heute eine Sprecherin des Innenministeriums erklären, es handle sich um ein Missverständnis und seine Äußerungen seien falsch interpretiert worden. Er habe lediglich für eine demokratische Streitkultur im Netz geworben.
Aus welchem Grund der Minister angesichts dessen mit „Beschimpfungen“ hätte rechnen sollen, wurde nicht erklärt. Gerade die Kritiker seines Vorstoßes in Richtung Klarnamenzwang im Internet leben bereits seit Jahren eine demokratische Streitkultur und sind weit davon entfernt, einen Politiker zu beschimpfen, der hierfür eintritt.
Friedrich selber äußerte sich heute am Rande seines Antrittsbesuches beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln erneut zum Thema Anonymität im Netz. Diesmal setzt er sich für internationale Regeln ein, die mehr „Wahrheit und Klarheit“ im Netz erreichen sollen.
Mit dieser Fortsetzung ungewöhnlicher Vorschläge aus dem Innenministerium dürfte die Debatte allerdings nicht vom Tisch sein. Neben der drängenden Frage, wer künftig darüber urteilen soll, bei welchen Inhalten im Netz es sich um die „Wahrheit“ handelt, scheint Friedrich auch in Sachen „Klarheit“ nicht die ideale Besetzung zu sein.
Immerhin bedingt „Klarheit“ ein Mindestmaß an inhaltlicher Kompetenz. Und genau hiermit hat der Minister seine Schwierigkeiten. Dieser Umstand dürfe teilweise mangelnden Kenntnissen über Computer und das Internet geschuldet sein. Friedrich hatte noch vor wenigen Wochen gewarnt, das Internet werde schon bald unbrauchbar werden, wenn nicht so schnell wie möglich die Vorratsdatenspeicherung wiedereingeführt würde.
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Friedrichs Namensvetter, Parteifreund und Co-Computer Experte Hans-Peter Uhl ist seinem Innenminister erwartungsgemäß beigesprungen. Das Dementi aus dem Innenministerium hatte er scheinbar verpasst, als er heute um 11.41 Uhr über die Pressestelle der CDU/CSU Bundestagsfraktion mitteilen ließ:
Was der Bundesinnenminister verlangt, ist selbstverständlich: Die Grundsätze unserer Rechtsordnung müssen auch im Internet gelten. Erforderlich ist eine konsequente Fortführung der Debatte darüber, wie sich dies verwirklichen lässt.
Weiter heißt es in der Erklärung:
Die Forderung des Bundesinnenministers hat nichts mit einer Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun. Der sofortige und unreflektierte Widerspruch der sogenannten Netzgemeinde zeigt nur, dass hier eine längst überfällige Diskussion angestoßen wurde. Diese ist für unser Gemeinwesen zu wichtig, um sie nur einigen Netzaktivisten zu überlassen.
So viel zu der von Friedrich geforderten „Wahrheit“ und „Klarheit“, die bereits innerfraktionell nicht zu funktionieren scheint, wenn der innenpolitische Sprecher eine Äußerung des Innenministers vollmundig untermauert, von der dieser sich längst distanziert hat.
Bleibt festzuhalten, dass die Debatte über die Meinungsfreiheit im Internet für unser Gemeinwesen zu wichtig ist, um sie einigen CSU-Aktivisten zu überlassen.
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Losung im Ministerium: "Irrtum sprach der Igel und stieg von der Bürste" Aha, hmm ?
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Man möchte meinen der deutsche Innnenminister Friedrich ist auch nur ein Beispiel für unsere tumbe Politikeliten. Ich fürchte aber, dass das eher wieder so ein Testlauf war: Wie wird die „misera plebs“ reagieren, wie steht es um des Volkes Zorn, wenn es um Meinungsfreiheit im Internet geht. Diese Abfrage macht Sinn, schon allein in Bezug auf die Rolle, die die Politik in den Rechtsfragen um die Klage deutscher Verleger einnehmen wird. Denn bei diesem Querelle geht es nicht nur um Marktanteile, sondern auch um Meinungshoheiten.
Wie auch immer, die Aktion unterstreicht, breiten Kreisen in der Politik ist das Internet suspekt. Da werden alte Machtstrukturen ausgehebelt, da ist ein Unberechenbarkeitsfaktor entstanden, der unbequem ist. Da dürfen dann auch mal die Opfer von Oslo herhalten, wie perfide! |
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schrieb am
08.08.2011 um 20:15
Merde- tumben
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schrieb am
09.08.2011 um 08:59
Frau Neumann : " Da werden alte Machtstrukturen ausgehebelt " - "Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." War das Walter Ulbricht oder die Politikelite von heute? Déjà-vu?
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schrieb am
09.08.2011 um 09:40
>>Da werden alte Machtstrukturen ausgehebelt, da ist ein Unberechenbarkeitsfaktor entstanden, der unbequem ist.<<
Wir sollten unsere Zahl nicht überschätzen, nur weil ein paar Prätorianer der Machthaber das Internet öffentlich als Gefahr für die freiheitlich-demagogische Hackordnung anprangern. Ich kenne Leute, für die ist "Internet" einfach ein Synonym für "ebay", und das sind gar nicht so wenige. Die das Internet tatsächlich als "Labor zur Politikentwicklung" nutzen wollen, sind eine Minderheit, wahrscheinlich weniger, als vor 55 Jahren gegen die Wiederaufrüstung der BRD demonstriert hatten. Ausserdem sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass die Geheimdienste sich schon lange im Netz tummeln und nicht nur beobachten, sondern auch Meinungsmache betreiben... Sie wären ja bescheuert, wenn sie die Möglichkeit nicht nutzen würden. In der FC gibt es mindestens einen Agenten des "Verfassungsschutzes". Von daher stimme ich der Einschätzung zu, dass der Friedrichsche Gag ein Test war... --- >>"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."<< Der Spruch würde auch sehr gut zu Adenauer passen. |
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schrieb am
09.08.2011 um 14:00
"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." War das Walter Ulbricht oder die Politikelite von heute? Déjà-vu?
Wo haben Sie denn den Satz gelesen? |
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schrieb am
09.08.2011 um 18:59
@Liebe Claudia,
ich bin mit Asiaten bekannt und befreundet, um konkreter zu werden, u. a. mit Iranern, Chinesen und Indern und jetzt kommt’s, Claudia, einige sind sogar Stipendiaten der Konrad Adenauer Stiftung (sic!) und auch das ist gut so! Für diese Menschen ist das Netz nicht nur ein Kommunikationsvehikel, sondern eine wichtige Vernetzungsmöglichkeit zum Meinungs- und Informationsaustausch weit über ihre Landesgrenzen hinaus. Nehmen Sie indische Bauern, die mögen Sie nicht interessieren, o. k, aber das Beispiel dieses Prekariats wiederlegt ihre vermeintlich stochastische Überlegung. In dem Grade wie diese Menschen Zugang zum Netz und d. h. im konkreten Fall nur zu den täglichen Börsen haben, also Saatgutpreis, Verkaufspreise ihrer Ernten, verbessert sich deren Situation dramatisch und entlässt sie aus der Abhängigkeit vieler Interessengruppen. Das ist alles wunderbar belegt, und ich könnte jetzt endlose Beispiele bringen, die Sie wiederlegen: Bildungsangebote, Medical Care, Rechtsberatung usw. Große Lust hätte ich hier über China mich zu verbreiten. Dass mir bei Facebook der Verfassungsschutz auflauert, halte ich gelinde gesagt für einen schlechten Traum. In Windeseile kann ein ausgebuffter Computerfreak mein ganzes Leben in Daten darstellen, wieso sollte „Pullach“ mir noch jemand ins Facebook hinterherschicken, bloß weil eine wie ich, über Fairness und offene Netze redet. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn die auf der YoutubeWiese sich den ganzen Nazi-Schrott ansehen würden, Lieder etc. In meinem Fall sind schon eher jene verdächtig, die um meine Adresse herumschwirren und auf Dirty-Talk aus sind oder die Oberlangweiler, die mir ihre Profilbilder, ganze Alben posten, diese virtuell gewordenen Ärgernisse. Facebook, ist kein Ersatz für gelebte menschliche Beziehungen, es ist momentan die billigste Distributionsmöglichkeit für Leute, die mir etwas „andrehen“ wollen: Solange es Gedanken, Artikel, Aktionen sind finde ich das o.k.. Anders ist der Aspekt einzuschätzen, dass der womöglich 1788 Freundschaftsstatus einer einfachen Meinungsabgreife dient über deren Zweckentfremdung nicht informiert wird. Vielleicht muss man da selektiver sein, sofern das überhaupt funktioniert oder es einfach bleiben lassen. Dass Sie die Adenauer Ära als Scheindemokratie darstellen, ist gelinde gesagt tumb. Es beleidigt alle, die zu diesem Zeitpunkt in Diktaturen gelebt haben. HN |
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schrieb am
09.08.2011 um 18:59
@Liebe Claudia,
ich bin mit Asiaten bekannt und befreundet, um konkreter zu werden, u. a. mit Iranern, Chinesen und Indern und jetzt kommt’s, Claudia, einige sind sogar Stipendiaten der Konrad Adenauer Stiftung (sic!) und auch das ist gut so! Für diese Menschen ist das Netz nicht nur ein Kommunikationsvehikel, sondern eine wichtige Vernetzungsmöglichkeit zum Meinungs- und Informationsaustausch weit über ihre Landesgrenzen hinaus. Nehmen Sie indische Bauern, die mögen Sie nicht interessieren, o. k, aber das Beispiel dieses Prekariats wiederlegt ihre vermeintlich stochastische Überlegung. In dem Grade wie diese Menschen Zugang zum Netz und d. h. im konkreten Fall nur zu den täglichen Börsen haben, also Saatgutpreis, Verkaufspreise ihrer Ernten, verbessert sich deren Situation dramatisch und entlässt sie aus der Abhängigkeit vieler Interessengruppen. Das ist alles wunderbar belegt, und ich könnte jetzt endlose Beispiele bringen, die Sie wiederlegen: Bildungsangebote, Medical Care, Rechtsberatung usw. Große Lust hätte ich hier über China mich zu verbreiten. Dass mir bei Facebook der Verfassungsschutz auflauert, halte ich gelinde gesagt für einen schlechten Traum. In Windeseile kann ein ausgebuffter Computerfreak mein ganzes Leben in Daten darstellen, wieso sollte „Pullach“ mir noch jemand ins Facebook hinterherschicken, bloß weil eine wie ich, über Fairness und offene Netze redet. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn die auf der YoutubeWiese sich den ganzen Nazi-Schrott ansehen würden, Lieder etc. In meinem Fall sind schon eher jene verdächtig, die um meine Adresse herumschwirren und auf Dirty-Talk aus sind oder die Oberlangweiler, die mir ihre Profilbilder, ganze Alben posten, diese virtuell gewordenen Ärgernisse. Facebook, ist kein Ersatz für gelebte menschliche Beziehungen, es ist momentan die billigste Distributionsmöglichkeit für Leute, die mir etwas „andrehen“ wollen: Solange es Gedanken, Artikel, Aktionen sind finde ich das o.k.. Anders ist der Aspekt einzuschätzen, dass der womöglich 1788 Freundschaftsstatus einer einfachen Meinungsabgreife dient über deren Zweckentfremdung nicht informiert wird. Vielleicht muss man da selektiver sein, sofern das überhaupt funktioniert oder es einfach bleiben lassen. Dass Sie die Adenauer Ära als Scheindemokratie darstellen, ist gelinde gesagt tumb. Es beleidigt alle, die zu diesem Zeitpunkt in Diktaturen gelebt haben. HN |
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"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."
Dieser Ulbricht-Spruch ist der Ost-Verwandte des Tucholsky-Spruchs: "Wenn Wahlen etwas ändern würden, würden sie verboten". :-)) |
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schrieb am
09.08.2011 um 20:11
Danke!
Ich habe Sie vermisst, waren Sie in Urlaub? |
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schrieb am
09.08.2011 um 20:16
widerlegen - oh Gott, die Kommafehler, die bleiben
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schrieb am
10.08.2011 um 08:36
Magda: Danke!
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@Jacob Jung
Danke. Gerne gelesen. Dieser Art CSU-Aktivisten muss man wirklich auf die Finger sehen. Dafür ist das Internet wirklich zu wichtig. Gut,Dass Du dran bleibst. ;) Herzliche Grüße por |
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Lieber Fünfsterneminister,
Sie sind unsere Rettung. Danke. Der volle Fritz hat zum Glücke die Eigenart, sich selbst vor der Leserschaft zu blamieren. Wozu diese Wort-Schaumorgieen? Uhhhh. Mich ödet so ziemlich jede Partei in Deutschland an .. Kotzen aus politischem Verdruß ist heute Vergnügungssache ..;-) .. Sie verstehen doch .. nicht wahr .. www.youtube.com/watch?v=x78oYxrbOVk&feature=related Gute Nacht AD |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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