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16.04.2011 - Teile der CDU, namentlich die "Sozialexperten" Carsten Linnemann und Peter Tauber denken öffentlich darüber nach, dem sich durch den Wegfall des Zivildienstes abzeichnenden Pflegenotstand durch den Einsatz von Hartz-IV-Empfängern in Altenheimen, Krankenhäusern und Pflegestationen zu begegnen.
Hierzu Otto Wulff, CDU Bundesvorstand: "Selbstverständlich muss Hartz-IV-Empfängern zugemutet werden können, auch im sozialen Bereich zu arbeiten".
Angsichts dieser Formulierung hat man den konservativen Mittelstand deutlich vor Augen, wie er im gut geheizten Wohnzimmer sitzend vollmundig zustimmt: "Genau, sollen die Hartzer endlich was zu tun bekommen und sich dafür, dass wir ihnen das Geld in den Rachen werfen, auch mal nützlich machen. Schluss mit dem anstrengungslosen Wohlstand".
Ähnliche Wortmeldungen stießen bereits in der Vergangenheit auf breite Zustimmung. Hartz-IV-Empfänger sollen endlich mal Schnee schippen, Festival-Gelände reinigen und städtische Grünanlagen pflegen.
Wenn Wulff hier davon spricht, dass man Hartz-IV-Empfängern die Arbeit im sozialen Bereich "zumuten" müsse, dann apelliert die Formulierung eindeutig an die dumpfe Volksseele. "Hartzer sind faul, dumm und versaufen unser hart erarbeitetes Geld. Sie lassen ihre Kinder verwahrlosen, entziehen sich ihren Pflichten gegenüber der Gesellschaft und sitzen den ganzen Tag rauchend auf dem Sofa, statt sich um eine ehrliche Arbeit zu bemühen." So haben wir es schließlich in den Doku-Soaps der privaten TV-Sender und durch die tägliche Lektüre der BILD-Zeitung gelernt.
Die Zumutung besteht allerdings in Wirklichkeit nicht in der Tatsache, dass es sich um eine Tätigkeit in der Pflege handelt. Eine Zumutung ist in diesem Zusammenhang wohl eher, dass entsprechende Jobs, trotz einem Pflegenotstand, der nicht erst seit der Abschaffung des Zivildienstes besteht, nicht als reguläre Arbeitsplätze eingerichtet und angemessen vergütet werden.
Hier könnte stattdessen demnächst ein neuer Einsatzbereich für 1-Euro-Jobber, selbstverständlich mit schnell greifenden Sanktionen, falls sich einer der schmarotzenden Faulpelze nicht dazu bereit erklärt, enstehen.
Besonders perfide in diesem Zusammenhang: Es werden direkt zwei leidende Gruppen in nur einer Maßnahme "verarztet": Auf der einen Seite Hartz-IV-Empfänger, auf der anderen Seite pflegebedürftige Menschen, denen nicht die Behandlung zuteil wird, die sie benötigen und in einer sozial ausgerichteten Gesellschaft in einem der reichsten Länder der Welt auch erwarten können.
Also, ihr Aufstocker, ihr Mini-Jobber, ihr alleinerziehenden Mütter, ihr perspektivlosen Jugendlichen und ihr Langzeitarbeitslosen über 58, freut Euch: Denn Eure christliche Partei hält Arbeit für Euch bereit.
Immerhin haben bei der Bundestagswahl 2009 rund 22 Prozent der Arbeitslosen ihre Stimme der Union gegeben.
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Warum bekennt man sich in Deutschland nicht offen zu seinen Grundeinstellungen und fordert gleich die Wiedereinführung des RAD?
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So neu ist dieser Vorschlag nicht, bereits letztes Jahr hat Kanzlerin Merkel selbiges gefordert ( tinyurl.com/6bfw567 ) auch in der großen Koalition gab es bereits solche Pläne. Es ist einfacher sozial zu spalten als Probleme anzugehen. Diese populistischen Zwischenrufe,werden im Jahr des da Röslers-Reförmchens noch öfter auftauchen.
Die Probleme der Pflege reichen weit tiefer als nur die Personalsituation. Viele Heime sind reine Wirtschaftsunternehmen und handeln dementsprechend. Beginnend bei den Personalkosten, Raumpflege- und Essenskosten, die Liste lässt sich beliebig fortführen. Weiterhin sind die Pflegestufen immer noch nur rein nach physischen Beeinträchtigungen ausgelegt und beziehen Demenzerkrankungen nicht genug ein. Dieses komplette System bedarf einer Grundüberholung, doch ist zu befürchten, das diese durch die Rösler-Reform nicht kommen wird. Sie wird höchstens mehr Abgaben bringen,... |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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