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02.08.2011 – In einem Artikel in der FAZ hatte der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, Kanzlerin Angela Merkel und ihren Führungsstil scharf angegriffen. Die CDU entferne sich zusehends von ihrer Stammwählerschaft und ihren Grundwerten und führe ihren Bezug zum Christentum nur noch dem Namen nach im Schilde.
Hinsichtlich der Europa-Politik sprach Teufel sogar von einem Rechtsbruch der Staatschefs und einer Zerstörung des Werkes von Helmut Kohl.
Während sich die CDU-Parteiführung bislang noch nicht zu den Vorwürfen Teufels geäußert hat, dringen immer mehr Statements von prominenten CDU-Politikern an die Öffentlichkeit. Die meisten stimmen der Kritik von Erwin Teufel zu. Nur wenige springen der Kanzlerin zur Seite und verteidigen ihren Führungskurs und den Zustand der CDU.
Aus dem Jacob Jung Blog
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Altkanzler Helmut Kohl äußert sich nur selten zu tagespolitischen Themen. Nachdem er sich mit Kommentaren und Kritik 13 Jahre lang zurückgehalten hat, meldete er sich innerhalb der letzten Monate gleich zweimal zu Wort.
In der Bild-Zeitung kritisierte Kohl im März diesen Jahres den Atomkurs der Kanzlerin: „Die Lehre aus Japan darf jetzt nicht die berühmte Rolle rückwärts sein. Die Wirklichkeit ist: Deutschland ist nicht Japan. Japan ist nicht Deutschland“.
Mitte Juli zitierte der Spiegel einen Weggefährten Kohls. Ihm soll der Altkanzler anvertraut haben, dass er Merkels Europapolitik für sehr gefährlich halte. Wörtlich soll Kohl gesagt haben: „Die macht mir mein Europa kaputt“.
Zwar dementierte Kohl die ihm zugeschriebenen Äußerungen umgehend. Der Spiegel blieb jedoch bei seiner Darstellung. Allein die öffentlich geführte Kontroverse flankiert einen Wechsel im parteiinternen Umgang mit Angela Merkel. Einen vorläufigen Höhepunkt erfährt die Schelte aus den eigenen Reihen durch einen Artikel von Erwin Teufel in der FAZ.
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Teufel wirft der CDU-Führung vor, die Stammwählerschaft aus den Augen verloren zu haben. Christliche und soziale Werte werden vernachlässigt, die Wirtschaft ist zum Selbstzweck verkommen und die Europapolitik trägt Züge von Rechtsbruch. Wenn es hier nicht zu einer Änderung kommt, dann wird die Union schon bald nicht mehr mehrheitsfähig sein.
Umgehend nach dem Erscheinen des Artikels melden sich trotz Sommerpause viele CDU-Politiker zu Wort.
Der Tenor: Teufel hat recht. Die CDU ist in einem besorgniserregenden Zustand. Es wird höchste Zeit für eine Rückbesinnung auf die traditionellen Werte. Die CDU muss wieder zur Volkspartei für die einfachen Leute werden.
1. Wolfang Bosbach, CDU-Innenpolitiker
Teufel spricht vielen in unserer Partei aus dem Herzen. Ich selber führe in der Partei und der Bundestagsfraktion diese Debatte.
2. Friedrich Merz, ehemaliger Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion
Erwin Teufel hat leider mit allem recht. Die CDU verliert ihre Stammwähler-Basis und läuft dem Flugsand der Wechselwähler hinterher.
3. Otto Wulff, der Chef der Senioren-Union,
Erwin Teufel spricht vielen in der Union aus dem Herzen.
4. Josef Schlarmann, Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU
Viele unserer Stammwähler haben zur jetzigen Parteiführung kein Vertrauen mehr. Weil es eine Diskrepanz zwischen Handeln und Reden gibt.
5. Mike Mohring, CDU-Fraktionschef in Thüringen
Die CDU muss Positionen deutlicher akzentuieren und politisch durchhalten, für die sie steht.
6. Werner Münch, ehemaliger Ministerpräsident von Sachsen
Da ist jegliches Gespür für Werte, für Moral, für Ethik abhandengekommen.
7. Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen Union
An der Basis gibt es ein nicht geringes Maß an Frustration. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem sich zahlreiche Mitglieder zurückziehen und aus den Debatten heraushalten.
8. Michael Fuchs, CDU-Bundesvorstand
In der CDU-Parteiführung zeigen viele wenig Interesse an der Wirtschaftspolitik. Dabei ist und bleibt die CDU die Partei Ludwig Erhards.
9. Steffen Bilger, Vorsitzender der Jungen Union Baden-Württemberg
Das Erscheinungsbild der Bundesregierung ist die größte Schwäche der Union. Angela Merkel ist eine gute Kanzlerin, aber sie erreicht nicht immer die Seele der Partei.
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Weder die Kanzlerin noch ihr Sprecher haben die von Teufel erhobenen Vorwürfen kommentiert. Auch der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, wollte sich in diesem Zusammenhang bislang nicht äußern.
Verteidigende Worte kamen bisher nur von Schleswig-Holsteins CDU-Chef Christian von Boetticher und vom sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich.
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Christian von Boetticher
In Anbetracht der Herausforderungen täte es zwar gut, auf den Rat der Älteren zu hören, die die CDU an ihre Wurzel erinnern. Aber neue Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit müssen wir schon selber finden.
Stanislaw Tillich
Zu einer Volkspartei gehört auch Diskussion, das Ringen um den richtigen Weg, um die richtigen Ziele. Ich verstehe den Beitrag von Erwin Teufel als konstruktive Kritik im Ringen um die richtigen, gerechten und zeitgemäßen Lösungen.
Von einem großen Rückhalt gegenüber der Kanzlerin innerhalb der Union kann man angesichts der Reaktionen auf Teufels Kritik nicht sprechen. Angela Merkel selber äußert sich bisher nicht und erweckt so den Eindruck, die öffentliche Abrechnung würde an ihr abperlen.
Im Moment befindet sich die Kanzlerin in den Sommerferien. Bis zum 13. August wollte sie eigentlich an einem unbekannten Ort ausschlafen, Musik hören und sich mit Freunden über Dinge unterhalten, die nichts mit Politik zu tun haben.
Teufel hat den Zeitpunkt für seine Offensive mit Bedacht gewählt. In Abwesenheit der Kanzlerin kann sich der Konflikt während der nächsten zwei Wochen ungestört entwickeln und ausdehnen. Doch auch wenn sich viele Parteikollegen jetzt außerhalb ihrer Schusslinie glauben und sich entsprechend kritisch äußern: Die Kanzlerin gilt als nachtragend und wird sich die Reaktionen aus den eigenen Reihen akribisch notieren.
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Die Kanzlerin gilt als nachtragend und wird sich die Reaktionen aus den eigenen Reihen akribisch notieren. Nun ja, dass hat Sie ja in besseren Zeiten von Herrn Dr. Kohl gelernt. ( Kohls Mädchen )
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... und der hat ihr seinen Sockelsturz vom Dezember 1999 auch nie vergessen ...
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Es ist gar nicht die Aufgabe einer Partei der Kanzlerin Rückhalt zu verschaffen. Das erstickt nur die Diskussion.
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Dieser Beitrag/Blog hier, so richtig er aus der Perspektive innenpolitischer Wadenbeisserei auch sein mag, verliert seine Relevanz bei etwas distanzierterer Betrachtung.
Einzig das angeführte Statement von Werner Münch "könnte" über den Tellerrand hinaus führen, falls die aufgeführten Begrifflichkeiten wie "Werte, Moral und Ethik" nicht lediglich fundamentalistische, religiöse Ideologie wiederkäuen wollten. Merkels (gemäß Kauder) "mittelalterliche Freude" war echt die Freunde aus der "Koalition der Willigen" sind echt und der aktuelle Neorealismus via Kanonenbootpolitik und Kolonisation der europäischen Peripherie ist mehr als echt. "Die Gewalt kann nie mehr, als die Grenzen des politischen Bereiches schützen. Wo die Gewalt in die Politik selbst eindringt, ist es um die Politik geschehen" Partiell schlafwandelnd auf Guttenbergs Spuren, unterbleibt hier einfach der Quellennachweis. |
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Vielen Dank,
dass Sie die Groteske dieses Denkens noch einmal übersichtlich dokumentieren. Die Appelle an Ethik, Moral, Werte und Christentum, welche der Partei abhanden gekommen seien, sind delikat. Was könnte in concreto gemeint sein? Dass man keinen Krieg führt, keine Panzer liefert usw., keine weitere Umverteilung von unten nach oben betreibt, nicht das solidarische Gesundheitssystem mit absehbaren Folgen zerschlägt usw. usw.? Doch wohl nicht. Speziell das „Christentum“ verdient noch einige Anmerkungen. Andeutungen von Herrn Teufel deuten beispielsweise in die Richtung, dass auch die Korrektur der Kernenergie-Politik falsch sei (für ihn als dezidiert christlichen Politiker). Insgesamt ist es aber symptomatisch, dass sowohl er als auch alle anderen Helden sich bedeckt halten, wenn es ums Konkrete geht. Jedoch ist der Beifall der Herren Merz, Mißfelder und dergleichen schwerlich misszuverstehen. Man tut halt immer noch so, als ob man das „Christentum“ gepachtet habe. Dass viele Menschen unter „christlich“ etwas anderes als die C-Parteien verstehen, kommt in diesem Weltbild nicht vor (sind halt unchristlich, Wohlfühlchristen usw.). Sehnsüchtig blickt man auf den klassischen unbelehrbaren „christlichen Stammwähler“, und die Bezeichnung „Treibsand der Wechselwähler“ ist mehr als kennzeichnend für die Wertschätzung derjenigen, die nicht festgelegt sind. Keinerlei Reflexion darüber, wieweit sich die derzeitige Regierung diesem „Treibsand“ verdankt und wo sie wohl mit ihren Stammwählern stünde, die man mit Haudrauf befriedigt. Auch die Zahl von einer Million zusätzlicher (junger) Wähler, die man laut Herrn Teufel mit einem „christlichen“ Programm zusätzlich gewinnen würde, scheint primär dem Pegasus verpflichtet. Überhaupt wirft der Beifall der Senioren-Union, die es gern wieder wie vor 1968 hätte, auf Herrn Teufels Ausführungen ein unverkennbares Licht. Lässt man die bekannten politischen Vorstellungen der aufgelisteten Werteträger Revue passieren, so bleibt als einziger Schluss, dass man eher eine aggressivere, autoritärere und asozialere Politik treiben möchte, das allerdings mit lautstark gutem, original christlichem Gewissen – die immateriellen inneren Wohlfühlwerte halt, die den materiellen Genuss würzen. Wie die Beziehung zwischen Christentum und Politik unter diesen Prämissen zu verstehen ist, demonstriert die Allianz von christlichen Fundamentalisten, Tea Party und Republikanern in den U.S.A. „Konservatives Denken“ ist halt in der Regel so erbärmlich, dass man mit guten Gründen auf den lieben Gott rekurriert; irgendeiner muss ja Erbarmen haben. |
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Dass eine PArtei sich unter wandelnden Umständen auch immer wieder ihre Position suchen muss, ist doch klar. Die "alte" Bundesrepublik gibts halt nun nicht mehr.
Inwieweit Merkel jetzt noch "CDU ist" oder, müssen die halt unter sich ausmachen. |
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>>Inwieweit Merkel jetzt noch "CDU ist" oder, müssen die halt unter sich ausmachen.<<
Das sehe ich auch so. Ich habe CDU/CDU noch nie als Vertreter meiner Interessen wahrgenommen, und wer dort gerade an wessen Stuhl sägt, geht mir am A.... vorbei. Wahrscheinlich streiten sie intern darum, ob man Konsens mit dem Seeheimer Kreis oder mit den Grünen suchen soll, weil wahrscheinlich 2013 keine Koalition mit der FDP möglich sein wird. Hinter den verschiedenen Geschmacksrichtungen stehen zum Teil unterschiedliche Kapitalgruppen, und jede wird wohl ihre Prätorianer anfeuern. Natürlich sagt man das nicht so, sondern schiebt "christliche Werte" vor. Da kann jeder hineininterpretieren, was er/sie gerade im Kopf hat. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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