2
]
Als Kunde der Deutschen Post AG darf man sich nicht mit dem einfachen Kauf einer Briefmarke verabschieden. Jedenfalls in der zentralen Filiale meiner Heimatstadt und vermutlich auch in den Tausenden anderen Postläden dieses Landes. Statt eines freundlichen Auf Wiedersehen bot mir der nette junge Mann in Gelb einen "besonders günstigen" Vertrag des Stromanbieters Yello an. Dieses Angebot wurde auch nicht nach einem freundlich-bestimmten Ignorierlächelns wieder zurück unter den Ladentisch geschoben, sondern weiter umworben. Als ich - weiter freundlich - meine Meinung dadurch zum Ausdruck brachte, dass mir kein Atomstrom in's Haus käme, wurde dies von meinem Allesverkäufer sofort zur Kenntnis genommen. Von einem Moment zum anderen wurde Yello durch das Angebot des "garantiert günstigsten Ökostromanbieters Deutschland" Lichtblick ersetzt. Ich trollte mich auch mit dem Hinweis, dass unser Haushalt hier schon ausreichend versorgt sei. Wenn ich nicht gegangen wäre, hätte ich vermutlich noch mehr kaufen können: Medikamente ("Fühlen Sie sich wirklich gesund?"), Bücher ("Unser Premiumpartner Bertelsmann macht Ihnen ein Angebot") oder etwas Süßes ("Für den kleinen Genuss in der Schlange "). Die Post kann offensichtlich alles und zeigt sich dabei gnadenlos opportunistisch. Drei Fragen bleiben: Würden Sie Ihrem Bioladen erlauben, auch parallel einen Vertrieb für Pestizide zu führen? Ist mein Erlebnis Folge des berüchtigten Filialensterbens? Oder muss mein Postverkäufer sich mit kleinen Zusatzjobs über Wasser halten?
|
|
Vor ein paar Jahren noch haben "wir" alle gejammert, über die "Servicewüste Deutschland". Sehnsüchtig schauten "wir" nach Amerika, zu freundlichen Verkäufern und prompter Bedienung. Das haben wir nun davon: Aus einem Sportgeschäft kommt man nicht mehr heraus ohne auf dem Laufband gewesen zu sein, ich habe soviele Rabattkarten (Analog mit Stempel) das kein Geld mehr in meine Tasche passt, und die Post will immer, das ich ihr mein Geld anvertraue oder einen neuen Telefonanbieter nehme. Ich will nur meine Post!
Was wir täglich an den Schaltern erleben ist wohl Ausdruck deutscher Gründlichkeit. |
|
|
Wollen wir das denn nicht?
Brötchen und Grillkohle von der Tanke sind doch wohl für den verpeilten Mittelständler unabdingbar, sonst wäre das Sonntagsfrühstück und das Barbecue ruiniert... Und das ganze Zeug aus dem Tschiboladen, von dem mehr angeschleppt wird als man wegschmeissen kann... Und nächstens bringt man sich vom Aldi so einen klavierlackglänzenden und vor allem billigen Computer mit, oder wenigstens das Festplattenangebot, und wennn man gleich da ist auch noch ein paar Universal-Wander-Walking-Laufschuhe... Und mein Bioladen hat auch Klamotten und Gartenkram, und ich kaufe das auch mitunter. Also wo kämen wir hin, wenn es bei der Tankstelle nur Treibstoff (ich mein so Benzin und Diesel), bei Tschibo nur Kaffee (den verkaufen die auch!) und beim Aldi nur Billigfressalien gäbe? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen