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Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 1988 gab es in der DDR 78 Verlage mit Zulassung, die gut 6.000 Mitarbeiter beschäftigten und in einem Jahr über 7.000 neue Titel anboten. Zwei Jahrzehnte später, im Jahr 2007, beschäftigen nur noch 20 Verlage fünf oder mehr Mitarbeiter. Die Gesamtzahl der Beschäftigten ist auf 560 geschrumpft und die Zahl der neuen Titel liegt nur noch bei knapp 1.300.
Dabei ist es keineswegs so, dass die Ostdeutschen das Lesen eingestellt hätten, nein ganz im Gegenteil laufen die Geschäfte des Buchhandels in den neuen Bundesländern trotz schwacher Kaufkraft sehr gut. Vielmehr sind die Zahlen Ergebis eines misslungenen Transformationsprozesses. Die allermeisten Verlage wurden zwischenzeitlich eingestellt oder von West-Unternehmen aufgekauft, die häufig nur noch die leere Markenhülle betrieben, aber die ostdeutschen Standorte längst aufgegeben haben.
Am Ende dieses Privatisierungsprozesses kann ironischerweise festgehalten werden, dass es gerade den sechs Verlage, die heute noch im Besitz staattlicher Institutionen betrieben werden, am besten geht. Sie produzieren heute 43 % aller Titel der ehemaligen DDR-Verlage.
Dabei waren die DDR-Verlage eine blühende Branche mit langer Tradition, Schwerpunkt war die Bücherstadt Leipzig. Namen wie beispielsweise der Gustav Fischer Verlag in Jena standen über Generationen hinweg für qualitativ hochwertige Buchprodukte. 1953 war er nach harter Gängelung durch die DDR-Behörden enteignet und verstaatlicht worden. Die Alteigentümer gründeten ein neues Unternehmen im West - in diesem Fall in Stuttgart. Vor der Wende beschäftigte der VEB Gustav Fischer Verlag rund 70 Mitarbeiter und verlegte pro Jahr 50-60 Titel sowie 20 Zeitschriften vorwiegend mit Lehr- und Fachbüchern für den Hoschschulbereich sowie die Bereiche Medizin und Biologie. 1990 Umwandlung in eine GmbH, es kommt es zu einer Mehrheitsbeteiligung des Westunternehmens, das Personal wird erstmals um 30 % reduziert. 1992 Verkauf der Verlagsgruppe an Holtzbrink, zwischen 1996 und 1999 verschiedene Fusionierungen und Umstruktierungen im Konzern. 2003 Verkauf an eine internationale Verlagsgruppe und Mitte 2008 schließt der Jenaer Standort endgültig, so dass die 130jährige Unternehmensgeschichte endet.
Alle diese Unternehmensgeschichten und eine Analyse der Branchenprivatisierung verdanken wir dem Verleger Christoph Links, der selbst der Branche entstammt und sich in den Umbruchjahren der DDR selbständig gemacht hatte. Links hat Archive durchstöbert, die Literatur ausgewerter und zahlreiche Zeitzeugen befragt, um eine komplette Geschichte der DDR-Verlagsunternehmen sowie eine Analyse ihrer Privaitisierung vorlegen zu können. Dafür muss man ihm wirklich danken. Trotz vieler allgemeiner Thesen über die Privatisierungs- und Treuhandpolitik fehlen systematische Studien zu den einzelnen Branchen und Unternehmen bislang weitgehend.
Christoph Links: Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen, Ch. Links Verlag, Berlin 2009, 352 S., 24,90 Euro.
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Hallo,
ich war bei der Verteidigung der Doktorarbeit von Christoph Links mit dabei. Damals war gerade dieses Riesentheater um den Aufbauverlag. Die Treuhand hatte einen Verlag verscherbelt, der ihr eigentlich gar nicht gehört hat. Und das Finanzministerium hätte eigentlich Entschädigungen zahlen müssen an Bernd Lunkewitz, aber nichts dergleichen. Seltsam war, dass die im Institut dort tätigen Lehrkräfte West immer halb ungläubig, halb empört den Kopf schüttelten und fragten, ob man da nicht hätte was machen können. Da war aber nichts zu machen. Sicher konnte man in den Wendezeiten nicht alles voraussehen, aber es wurde doch deutlich, dass es auch sehr eindeutige politische Absichten gab. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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