ArminMue

Blog von ArminMue

24.05.2009 | 13:39

Köhlers Dank - oder wie privat darf ein Bundespräsident werden?

"Und dir Eva möchte ich Danke sagen - jede Stunde mit dir ist ein Geschenk", so endete der alte und neue Bundespräsident Hors Köhler seine kurze Dankesrede nach seiner knappen aber gelungenen Wiederwahl. Immerhin eine bemerkenswert private, ja schon fast intime Liebeserklärung an seine Frau, die da am Ende seines kurzes Ausblicks auf das Kommende steht. Nachdem schon viel Für und Wider eines religiösen Bekenntnisses an einer solchen Stelle verlautet wurde, scheint es genuso berechtigt, über das Verhältnis von Liebe und Politik nachzudenken. Immerhin ist es doch eindeutig der Politiker Köhler, der hier spricht. Insofern könnte man mit einigem Grund eine unpassende Grenzverletzung anprangern, man könnte sie höflich übergehen oder man könnte ihn in seine Schranken weisen. In welcher Form auch immer. Es stellt sich aber die berechtigte Frage: Wie privat darf ein Bundespräsident sein?

Oder liegt es nicht vielleicht schon im gewachsenen Amtsverständnis selbst? Da zieht einer ein in ein republikanisierten Schloss mitten in Berlin, da darf sich einer nur bedingt (tages-) politisch platzieren, vielmehr ist er oberster Partyorganisator und Händeschüttler im Namen des Staates. Das ist doch unser Lieblingsbild vom Präsidenten. Seine Reden dürfen nicht erschrecken, sollen möglichst keine größere Gruppe in der Gesellschaft verschrecken oder mindestens zeitgeistkonform sein. Natürlich ohne große Folgen, sonst wäre die große Familie vor den Fernsehgeräten ja böse. Fast selbstverständlich wird seine Frau dabei funktional integriert, ohne mindestens ein wichtiges karitatives Amt geht es nicht.

Für die entmachteten europäischen Königssfamilien mag das eine funktionierende Ablenkungsstrategie gewesen sein, um sie von der eigentlichen Regierungstätigkeit zu entwöhnen und die hohen Herren und Damen doch beschäftigt zu halten. Aber wollen wir diese Kopie eines eigenen Königshauses? Ist die Liebeserklärung an Eva billig oder zu billigen? Ist das gesunder und unaufgeregter Patriotismus? Oder gehört da doch mehr dazu als ein entspanntes und offenes Verhältnis von privatem und öffentlichem Staatsoberhaupt?

 
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Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 24.05.2009 um 14:07
War nicht die ganze Chose eine Verlängerung der Fan-Meile draußen vor dem Tor? So viel Heiterkeit in der Krisenzeit; die irritierten Deutschen präsentieren sich als fröhlicher Kegelverein, und es ist nicht ganz klar, ob sie noch um die Wette lachen oder schon das Volk aus. Lieber Politiker zum Anfassen, als Wähler zum Verrücktwerden. Über Köhlers stundenweise geschenkte Frau zu reden, heißt zu scheigen über die Hilflosigkeit seiner Worte. Darum wird's schlussendlich wohl gehen.
kk
nuntius schrieb am 24.05.2009 um 14:56
Die Wahl des alten und neuen Bundespräsidenten war eine Sternstunde der deutschen Parteiendemokratie. Auf den Posten gekungelt von Merkel und Westerwelle wurde er ein alter Bundespräsident und jetzt halt ein neuer. Der Wähler hat doch gar kein Mitspracherecht. Die von den Parteien bestimmten Mitglieder der Bundesversammlung haben doch mit dem eigentlichen Volk nichts zu tun. Wenn man sich die Liste ansieht, Künstler, Schriftsteller, Sportler und Sportfunktionäre, Besitzer großer Vermögen, Politiker, Parteifunktionäre und verdiente Pensionäre des Systems. Das Volk erscheint maximal als Winkkulisse am Brandenburger Tor, die Absperrungen und Sicherheitskontrollen legen eine ganze Woche, das gesamte Stadtzentrum lahm. Mit Demokratie, Freiheit usw. hat das alles nichts mehr zu tun, also lasst den höchsten Repräsentanten mit seiner Frau reden, denn ansonsten hat er ja wohl nicht viel zu sagen.
nuntius schrieb am 24.05.2009 um 14:56
Die Wahl des alten und neuen Bundespräsidenten war eine Sternstunde der deutschen Parteiendemokratie. Auf den Posten gekungelt von Merkel und Westerwelle wurde er ein alter Bundespräsident und jetzt halt ein neuer. Der Wähler hat doch gar kein Mitspracherecht. Die von den Parteien bestimmten Mitglieder der Bundesversammlung haben doch mit dem eigentlichen Volk nichts zu tun. Wenn man sich die Liste ansieht, Künstler, Schriftsteller, Sportler und Sportfunktionäre, Besitzer großer Vermögen, Politiker, Parteifunktionäre und verdiente Pensionäre des Systems. Das Volk erscheint maximal als Winkkulisse am Brandenburger Tor, die Absperrungen und Sicherheitskontrollen legen eine ganze Woche, das gesamte Stadtzentrum lahm. Mit Demokratie, Freiheit usw. hat das alles nichts mehr zu tun, also lasst den höchsten Repräsentanten mit seiner Frau reden, denn ansonsten hat er ja wohl nicht viel zu sagen.
Querine schrieb am 24.05.2009 um 15:28
Die Bundespräsidentin-Gattin ergänzt die Arbeit des Bundespräsidenten durch allerlei öffentliche Aktivitäten wie zum Beispiel Schirmherrschaften. Ihr dafür nach 5 Jahren öffentich Dank auszusprechen, ist keine nur private Erklärung. Andererseits gehört zu einer solchen Danksagung, eben weil es sich um die Ehefrau handelt, auch ein kleiner persönlicher Zusatz.

Beim TV-Zuschauen war es zudem eine kleine gelungene Auflockerung zum Schluss der Ansprache: Mit suchendem Blick dabei kurz kommentierend Blickkontakt aufgenommen, dann diesen einen Satz gesprochen - nicht mehr, aber auch nicht weniger durfte man erwarten, nicht mehr aber auch nicht weniger sollte man hineininterpretieren.
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