AS Consulting

Blog von AS Consulting

17.03.2010 | 21:42

vis-à-vis

Lieber Herr Augstein,

mit viel Schmunzeln konnte ich im 3sat-Magazin vis-á-vis Ihren scharfsinnigen Kommentaren  u.a. zu unserer außenpolitischen Peinlichkeit G.W.  lauschen... aber irgendwie tat mir Hr. Mayer ja ein bisschen leid, leicht hatte er es mit Ihnen als Gesprächspartner aber auch nicht immer ;-)) 

In diesem Sinne freue mich auf weitere Interviews mit Ihnen, 

bis dahin herzliche Grüße, 

AS

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 17.03.2010 um 21:56
Jakob Augstein hatte es visa vis vor allem mit sich selbst nicht leicht, auch gerade, weil er sich und seinen Gesprächspartner unterfordernd, es sich hier und da zu leicht gemacht.

tschüss
JP

Siehe dazu meinen Blog beitrag:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/was-haben-die-bibel-und-der-freitag-gemeinsam

Warum empören wir uns über Dr. Guido Westerwelles Haltung?
Tun wir das, weil die Medien ihre außenpolitischen personalintensiven Kompetenzen an Recherche, Wissen über geopolitische Zusammenhänge in den Redaktionen abgebaut, lieber kostensenkend auf die Empörungskacke haut, statt Dr. Guido Westerwell in flagranti bei seinen außenpolitischen Unterlassungen an Initiativen im deutschen, im europäischen Namen zu ertappen?

Ist Dr. Guido Westerwelle als auserkoren unerschrockener Medienheld, der alle Speere kühn auf sich zieht, damit im bunten Blätterwald keiner die Blöße bundesdeutscher Außenpolitik sieht, ein Politiker Erfolgs- Modell im prekären schwarz- gelben Gewand?

Jakob Augstein pflegt wie der Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt "auf eine Zigarette" gern den Spagat des jawohl sowohl als nachgereichtem auch.
Da gelten Jakob Augstein einerseits die Medien Stern, Der Spiegel, Die Zeit, SZ, FAZ, taz brilliant wie uneingeschränkt investigativ am Markt aufgestellt, anderseits aber klagt Jakob Augstein mit ansatzlos aufblitzendem Elan über die totale Verstrahlung des Mainstreams der Medien bis in die Parteien, Gewerkschaften, Verbände, Kirchen, politischen Stiftungen hinein, wenn die im Jahre 2000 von einer Reise nach Schanghai zurückgekehrt, nur noch in Ohnmachtsgebärden raunen:
"Was sollen wir nur mit unserer betrieblichen Mitbestimmung u. a. machen, angesichts dessen, was wir dort in China gesehen, was von dort aus China auf uns zukommt?"
und unser System durch die redaktionelle Bank kommentarlos zur Disposition stellen,statt dieses System aus guten Gründen argumentativ kämpferisch wie überzeugend zu verteidigen?

Wo bleibt da die Wut, die Jakob Augstein an anderer Stelle eloquent als gesellschaftlich gestaltende Tugend eingefordert, dass manche schon meinten, Jakob Augstein wolle den Freitag als wöchentlichen Tag der Erscheinung des Zorns im bunten deutschen Blätterwald einführen?

JP
Joachim Petrick schrieb am 17.03.2010 um 23:03
übrigens Glückwunsch zum ersten Freitag Blog Beitrag!

tschüss
JP
Achtermann schrieb am 17.03.2010 um 21:58
Dein erster Blogbeitrag: Besser kann man sich hier nicht einführen als mit einem Looob auf den Herausgeber des Freitag.

Füg' doch mal einen Link ein, damit ich den Scharfsinnigen auf 3sat angucken kann!

Gruß
Achtermann
0etzi schrieb am 19.03.2010 um 00:42
Mir sagte der Name Jacob Augstein bisher nichts, wahrscheinlich vergesse ich ihn auch irgendwann wieder, ich habe ein schlechtes Namensgedächtnis. Mir scheint es nicht von Bedeutung WER etwas sagt, sondern WAS jemand sagt und WIE jemand etwas sagt.
Nur zufällig stolperte ich über diese Sendung, aber ein ganz kurzer Augenblick genügte, der Mensch ,Jacob Augstein wie ich später erfuhr, was er sagte, wie er sprach, fanden sofort mein Interesse.
Bei aller Scharfsinnigkeit verwunderte es mich doch, dass auf eine doch recht einfache Frage, die Antwort lautete, er weiß es nicht.
Aber so ist das wohl hin und wieder bei geistreichen Menschen, das Einfache vor ihnen, wird schlichtweg übersehen. Wer stets über den Tellerrand schaut, übersieht doch leicht das Wichtigste beim Essen.
Hier möchte ich auf diese einfache Frage, den Ansatz einer einfachen Antwort liefern. Deshalb, und wohl nur deshalb habe ich versucht mir den Namen zu merken um genau so einen Blogbeitrag zu finden der an diese Sendung und Frage anknüpfen kann.

Die Frage lautete (in etwa): Warum Politiker nicht die Rolle einnehmen, die sie als Politker einnehmen sollten, welche die Menschen erwarten, damit Politik gemacht werden kann.
Herr Augstein meinte, er wisse es nicht. Ich hoffe, das war ehrlich.

Damit auch deutlich wird, warum man hier gar nicht über den Tellerrand schauen muss, möchte ich das an Hand eines einfachen und wohl für die meisten nachvollziehbarem Beispiel erklären.
Jeder der ein hohes Amt einnimmt, war vorher nie in diesem Amt. Ist aus meiner Sicht also vergleichbar mit einem Menschen, der zum ersten Male Vater oder Mutter wird.
Hier wie da führten die unterschiedlichsten Motive zur neuen Rolle. Jeder der Vater oder Mutter ist, weiß, dass auch der beste Vorbereitungskurs kaum noch etwas mit der Realität zu tun hat, welche danach folgt.
Das ist bei der neuen Rolle eines Politikers nicht anders. Dieser hat die Verantwortung über einige "Schutzbefohlene" mehr, wird aber deshalb nicht zu einem perfekten rollespielenden "Menschen".
Der Kampf ist der gleiche. Aber in der Familie fällt die Diktatur leichter, mann muss sich ja meist nur gegen eine Person behaupten, was dann aber letztlich vieles vereinfacht. Das nur nebenbei.

Da ich kein Politiker bin, aber Vater, beantworte ich die Frage nun aus dieser Sicht weiter. Das Wort "Vater" ist hier auszutauschen mit dem Wort "Politiker". Schnell kann klar werden, wo die Politik hinkt.

Ich kann mich mit der Geburt eines Kindes Vater nennen. Aber ich bin noch kein Vater.
Ich wachse in meine Rolle als Vater hinein, ich lerne meine Rolle während ich sie ausübe. Mein Lehrmeister ist dabei mein Kind, denn ich bilde mir ein, ich muss die Bedürfnisse meines Kindes erst erspüren und lernen darauf zu reagieren. Viele Grundregeln kannte ich aus Büchern, aber in der Realität helfen mir diese wenig. Irgend wie ist mein Kind nicht so wie das Kind in dem Buch. Es reagiert ganz anders als dort beschrieben, es schreit, wieso hört es nicht auf, im Buch steht, man soll es dann tragen, Liebe geben, es schreit trotzdem, es zehrt an den Nerven. Ich finde schließlich eigene Wege auf die Bedürfnisse meines Kindes einzugehen.
Dabei passieren mir Fehler, wir stolpern auf der Treppe, das Kind verletzt sich, es fällt vom Stuhl, ich stand gerade nicht daneben um es auffangen zu können oder um dies zu verhindern.
Was für ein Glück, ich bin oder werde Vater, mein Kind verklagt mich nicht, keine Journalisten zerpflücken mein Privatleben und ich muss als Vater nicht zurücktreten weil ich einen Fehler gemacht habe.
Ich kann mal für einen Abend den Verstand verlieren, besoffen eine rote Ampel passieren, ich bleibe Vater und muss nicht von diesem Amt zurücktreten. Ich darf also weiter wachsen in meiner Rolle als Vater, auch wenn ich mal einen großen Fehler gemacht habe. Hier darf ich Mensch sein, ein Mensch mit Fehlern, ein Mensch der aus seinen Fehlern lernt und gerade auch dadurch wächst. Ich habe Zeit meinem Kind das zu geben was es braucht, ich hoffe es ist und bleibt glücklich. Das Kind erhält die Gelegenheit, in mir die Person zu sehen, die ich ihr sein möchte, ein Begleiter und Beschützer im Leben, einen Menschen auf den sie sich verlassen kann, der ihr Halt geben kann, ohne zu bevormunden.
Es gibt natürlich auch die anderen, die werfen ihren Partner(in) (vor-)schnell raus, ein neuer Parter, und vielleicht wieder ein neuer...
Keiner der "Neuen" hatte je die Zeit seiner Rolle gerecht zu werden.
Es gibt auch die Art Väter, die nur nach außen hin Perfekt erscheinen wollen, sei es noch so gut gemeint, beim Kampf, es jedem Recht zu machen, macht man es letztlich niemandem und auch nicht sich selbst recht.

So langsam komme ich an dem Punkt an, wo sich nur noch aus Politikersicht die Misere beschreiben lässt.
Aus der Sicht eines Politikers, der Politik für Journalisten macht die nur auf einen Fehler warten, für die Opposition, für seine Partei u.a., nur nicht für die Menschen in einem Land. Vielleicht sollten Politiker besser Journalisten sein, dann werden diese eher gehört und auf die Journalisten schimpft man nicht. Ein Journalist darf Mensch sein und Fehler machen, dann schreibt er über sich höchstens die Wahrheit oder ausschließlich Gutes, was letztlich auch gut und richtig ist aus meinem Verständnis von: Mensch sein.
Ein Politiker wird in der Presse abgestraft für ehrliche Gedanken und Sorgen, die er offen anspricht und wenn es zu unspektakulär ist, dann wird es so dargestellt, dass es den Menschen so serviert wird, dass bei einer breiten Masse Emotionen losgetreten werden, schreien ist leichter als denken, was ich nicht nur an einem Säugling feststellte, leider auch bei viel zu vielen Erwachsenen.

Dabei möchte ich es nun belassen, wenngleich meine Gedanken hierzu noch sehr viel weiter gehen. Ich denke, es ist klar worauf meine Gedanken zielen.

Leider konnte ich es nicht lassen, einige Aspekte emotional zu mehr zu bewerten als andere. Es sollte den Leser nicht darüber hinwegtäuschen, es ginge mir nur um eben diese zwei oder drei Sachen.
Nein, es waren nur die Sachen, welche mich beim schreiben auch emotional berührten. Würde ich das Thema bis hin zu meinen letzten Gedanken hier niederschreiben, müsste ich mir so viel Zeit nehmen, die ich nicht habe, leider.

Sicher gibt es auch noch andere Gründe, warum genau dieser Politiker seiner Rolle nicht gerecht wird.
Schlichtes Unvermögen, Faulheit, Machtmissbrauch, Egosimus, Habgier und was nicht alles, trifft in individuellen Fällen auch zu, aber auch hier reagiert die menschliche Psyche einfach nur menschlich, wenn ich in meiner Rolle (z.B.als Politiker) nicht auch Mensch sein kann, wenn ich zwanghaft einer Bilderbuchrolle gerecht werden muss, muss ich mich nicht wundern, neurotisch zu werden.

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