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Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Politik : aCAMPada "Niemand kann ein Zelt aufhalten, dessen Zeit gekommen ist!"

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Im Moment, da ich diese Zeilen über drei Fahrstunden von Berlin entfernt hier tippe, weiß ich garnicht, ob der Gegenstand, von welchem hier die Rede sein soll, in der Form wie vorher - genauer: seit Samstag - noch fortbesteht. Nach einer großen Party auf dem Berliner Alexanderplatz am Sonnabend waren Teilnehmer weiter dort geblieben. Das Ansinnen dieser Leute: Eine "aCAMPada" nach Vorbild der spanischen Movimiento 15 - M (Bewegung 15. Mai), welche wochenlang (ähnlich wie bei den revolutionären Erhebungen in Tunesien und Ägypten: Tahrir-Platz) auf dem Puerto del Sol in Madrid für Demokratie campend verbrachten und über ihren Protest informierend dort ausharrten.

Berlin ist zwar nicht Madrid. Aber könnte "aCAMPada" die Losung "Wir sind das Volk!" nicht nutzen?

Freilich: Berlin ist nicht Madrid. Und wirkliche Protestkultur hat wohl in Deutschland keine so rechte Tradtition. Schon gar nicht ein solche wie sie uns die Franzosen oder nun: die Spanier vorleben. Sieht man vielleicht einmal von den Protesten demokratiebewegter DDR-Bürger im geschichtsträchtigen 89er Jahr ab, die "Wir sind das Volk!" skandierten. Ein Spruch, in welchem geschickte Hintermänner aus dem Westen dann später das Wörtchen "das" durch "ein" ersetzten. Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Naja: Von diesen Protesten der damals engagierten DDR-Bürger könnte die Bewegung der "Empörten" (in Spanien: "Indignados"), die zarte "aCAMPada Berlin" - Bewegung immerhin die Urlosung "Wir sind das Volk!" übernehmen.

Stéphane Hessel und die Empörten

Die Indignados in Spanien, wie auch das zarte Demokratie-Bewegungspflänzchen "Die Empörten - Demokratie Jetzt!" nehmen in Deutschland, namentlich in Berlin, mittels der von ihnen organisierten Veranstaltungen gewissermaßen direkt handelnd Bezug auf Stéphane Hessels inzwischen international berühmt gewordenes und millionenfach verkauftes Manifest "Empört Euch!" (es ist übrigens unterdessen unter dem Titel "Öfkelenin!" auch auf Türkisch erhältlich).

Müssten wir uns nicht freuen?

So weit so gut! Müssten wir Deutschen uns nicht eigentlich freuen, wenn nun vorwiegend junge Leute (die hierzulande über Jahre als "Spaßgeneration" abgestempelt wurde oder ließ), sich wieder (wie weiland die "68er"? aktiv für Politik interessieren und so einen nötigen Wandel aufs Geleise bringen?! Und nicht nur das: sie wie oder von mir aus auch durch Stéphane Hessel entdeckt haben, dass - nicht nur durch das Wirken der Diktatur der Finanzmärkte - unsere Demokratie bereits großen Schaden genommen hat und dringend einer erfrischenden Beatmung von Unten bedarf. Wie in Spanien empfinden offenbar auch junge Demokratiebewegte in Deutschland, dass unsere Gesellschaft von einer verkrusteten "Parteiendiktatur" regiert werden, welche zumindest den Eindruck bei vielen Menschen verstärkt: es ist egal von wem wir regiert werden, es ändert sich ja doch nichts. Und immer mehr kritische Bürgerinnen und Bürger liegen wohl nicht ganz so falsch mit ihrer Behauptung, dass die uns Regierenden - mögen sie nun Schröder oder Merkel heißen - nurmehr wechselnde Kanzler(innen)-Darsteller sind und stets willfährig politisch in die Wege leiten, was die Diktatur der Finanzmärkte (O. Lafontaine: Geld regiert die Welt - Noch nie hat dieser Satz so gestimmt wie heute) ihnen aufträgt zu tun.

Meine Meinung: Ja, wir müssten und sollten uns über diese jungen, engagierten Demokratiebeatmer wirklich freuen. Sie betreten vielleicht spät, doch: hoffentlich nicht zuspät die Bühne! Noch sind es in Berlin nur wenige. Gestern bekam ich von Stefan Lindner (Attac), der aber zur Zeit, da ich mit ihm telefonierte sich nicht auf dem Alex aufhielt, die Auskunft am 24. August seien es wohl um die 50 Leute gewesen. Aller Anfang ist schwer...

Schuriegelei als Notwendigkeit?

Nun frage ich jedoch mit leichter Empörung in den Tippfingern: Es ist nun wirklich notwendig, dass die (unsrige, uns dienen sollende!) Staatsmacht diese noch sehr wenigen Menschen, die dort friedlich für eine gute Sache - nämlich unsere Demokratie! -auf dem Alex stehen (liegen bzw. "lagern" dürfen sie laut Gesetz nämlich nicht! - schuriegeln und täglich mit immer neuen Schikanen behindern? Sind diese klugen, jungen, engagierten Leute (man kann sie in Interviews in Videos sehen und hören) tatsächlich für die öffentliche Sicherheit (oder eher: für den Staat?) so gefährlich, dass sich die zuständigen Behörden immer neue Behinderungen einfallen lassen, um der "genehmigten Veranstaltung" baldmöglichst den Garaus zu machen?

Gestern hatte die Staatsmacht ein "Papiertaschentuchbett" (!!!) nebst "Kissen" auf dem Kieker (Stichwort: Liegen und Lagern verboten!). Es wurde doch tatsächlich ernsthaft "beschlagnahmt"!

Heute Nacht nun wurde ein schlafender Obachloser von Polizisten "unsanft" geweckt. Aktivisten erklärten, der habe eigentlich gar nicht zur aCAMPada gehört, sei aber in den letzten Tagen dadurch richtig aufgeblüht.

Heute früh berichtet eine junge Frau in einem Video über die sie sichtlich bewegende Veranstaltung. Die Permission dafür, so erinnerte sie, liefe heute Mittag 12 Uhr ab. Die Frau jedoch bekannte mutig entschlossen: Ich bleibe hier.

Ein junger Mann, der Anmelder der Veranstaltung, berichtet ebenfalls in einem Videointerview über eigentlich menschenunmögliche Auflage, die ihm seitens der Behörden aufgebrummt worden sind. Demnach muss er quasie 24 Stunden vor Ort anwesend und ansprechbar sein. Was bedeutet: Er darf weder schlafen noch auch nur einen Moment den Platz verlassen. Nicht einmal Klappstühle sind erlaubt. Dann nämlich gilt die Veranstaltung als aufgelöst, macht ihm die Polizei klar. Und erhebt verbal betreffs eventueller Zuwiderhandlungen den amtlichen Zeigefinger: "Wenn'se det dulden, bejeh'nse 'ne Straftat!" Deutsche Gründlichkeit!

Für heute Nachmittag ist für 17 Uhr eine am Brandenburger Tor startende Demonstration geplant, die laut Veranstalter ihren Höhepunkt in einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz finden soll. Die Demonstranten werden offenbar Zelte mit sich führen.

Via Demonstration und Kundgebung streitet man für folgende Ziele:

Für ein gerechtes Gesellschaftssystem, das die Grundrechte aller Menschen weltweit respektiert und schützt. Jeder Mensch hat ein Recht auf Behausung, Kleidung und ein Leben in Würde und Freiheit

Gegen ein gescheitertes Gesellschaftssystem, in dem alle diese Rechte längst mit Füßen getreten werden. Und nun will man uns auch noch unserer Stimme berauben.

Für echte Demokratie, für zivilgesellschaftliche Verantwortung, für Rede-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Gegen die Aushöhlung unserer Grundrechte durch fragwürdige Verwaltungsvorschriften und Zusatzgesetze.

Wir lassen uns nicht vorschreiben, wie wir unseren Protest Ausdruck verleihen. Also kommt mit eurem Zelt zum Brandenburger Tor und lasst uns gemeinsam für unsere Rechte auf die Straße gehen!

Niemand kann ein Zelt aufhalten, dessen Zeit gekommen ist!

Wie ich eingangs dieser Zeilen, die gleichauf elektronischem Wege nach Berlin sausen werden, bemerkte, weiß ich nicht, ob dieser zaghafte, friedliche Protest zwecks einer Beatmung unserer Demokratie von Unten ("Wir sind das Volk!"), "aCAMPada Berlin" überhaupt noch aktiv ist. Wird die Veranstaltung durch die Polizei einfach aufgelöst worden sein? Werden mutig dort verbleiben wollende junge, kluge, für unser aller Demokratie kämpfende - der Gesellschaft ein Forum zur Verfügung stellende - Menschen dann womöglich schon weggeknüppelt worden sein? Ich hoffe es nicht. Die Veranstalter haben da offenbar ihre Zweifel: Sie rufen zu spontanen Solidatitätskundgebungen auf, die jeder per Formular (oder per Telefon) bei den zuständigen Behörden anmelden könne. Auch eine Online-Petition wurde bereits ins Werk gesetzt. Über vierhundert Menschen haben schon dafür unterschrieben, dass die Demokratiebewegten vom Alexanderplatz endlich von behördlichen Schikanen verschont werden.

Wie die Veranstalter informieren, würden sie sich über einen erfahrenen Rechtsanwalt freuen, der ihnen im Kampf gegen die ständigen Behinderungen seitens der Behörden beisteht.

Auch wenn das Eine mit dem Anderen scheinbar nichts mit dem anderen zutun hat: Auf's Kujonieren und Zurechtweisen von Demokratiefreundinnen und Freunden scheint unser Rechtssystem ganz gut eingestellt sein. Wenn wir, fällt mir da empört noch ganz zum Schluß ein, doch nur solche eindeutig-strenge Regelungen in Bezug auf das teilweise verbrecherisch zu nennende Treiben der weltweit dikatorischen Finanzmärkte, die auf deren strikte Reglierung zur Folge hätten! Die Welt sähe wahrlich anders aus. Und die Berliner Behörden hätten das für sie sicher leidige Problem mit dem Alex und seinen Protestlern darauf womöglich gar nicht. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte...

Die Leute von "aCAMPada Berlin" orientieren sich weiter an Mahatma Gandhis Wort, und schöpfen Hoffnung darin:

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du!"

Einen Nachtrag kann ich mir dann doch nicht verkneifen: Warum schaut eigentlich nicht mal Berlins Regierender "Wowi" auf'm Alex vorbei?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.