Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung

Politik : Big Brother in the "Schoolwater"

Zum Kommentar-Bereich

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland jedes Jahr aufs Neue die Big-Brother-Awards verliehen. Ins Leben gerufen wurden sie, um die öffentliche Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz zu befördern.




Über den missbräuchlichen Einsatz von Technik, die in Form von “Datenkraken” geeignet ist, u.a. unsere Privatsphäre und das Recht auf informelle Selbstbestimmung zu verletzen, soll mittels der Verleihung dieser Negativ-Preise informiert werden. Wie der zuständige Verein Foebud e.V. verlautbarte, war leider auch in diesem Jahr niemand der Preisträger bereit, einen Vertreter zur Entgegennahme der BigBrotherAwards nach Bielefeld zu entsenden. Erstmals gab es neben harscher Kritik auch ermuntern sollende “Lobende Erwähnungen”. Diese erhielten der Hessische Rundfunk (HR) und der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein.

Am 13. April 2012 wurden in der Hechelei in Bielefeld insgesamt sieben Preise verliehen:

FoeBuD e.V.

Die Blizzard Entertainment

… protokollierte so ziemlich jede einzelne Datenspur der Spieler von World of Warcraft – sogar die Art und Weise, wie jemand eine bestimmte Aufgabe gelöst hat. „Psychologen können daraus ablesen, wer eine militärische Laufbahn einschlagen könnte, wer in der Bankbonität herabgestuft werden sollte, wer über Führungsqualitäten verfügt, wer potenziell spielsüchtig oder wahrscheinlich arbeitslos ist,“ so Laudator Frans Valenta vom Forum Informatikerinnen und Informatiker für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF).

Das Projekt “Schoolwater” der Firma Brita GmbH …

… vermarktet Leitungswasser an Schulen: Mittels eines RFID-Schnüffelchips (!!!) wird kontrolliert, wer Wasser zapfen darf und wer nicht und wie oft. Laudator padeluun monierte besonders, die Vermarktung von Wasser als Lebensmittel das in Flaschen gekauft werden muss, die mit einer kleingeistigen Übertechnisierung und Gewöhnung von Kindern an Überwachungstechnik einhergeht: Warum können Schülerinnen und Schüler nicht einfach ohne den ganzen bürokratischen Overhead Wasser abzapfen? (Das Projekt “Schoolwater” erhielt zusätzlich noch den “Publikumspreis”.)

“Die Cloud” hat ebenfalls einen Negativpreis bekommen, …

… denn, seine Daten in einer nebulösen Serverfarm irgendwo auf der Welt abzuspeichern, ist der Alptraum jedes datenbewussten Menschen. Fast alle Cloud-Anbieter sind amerikanische Firmen – und die sind laut Gesetz verpflichtet, US-Behörden Zugriff auf alle Daten in der Cloud zu geben, auch wenn sich die Rechnerparks auf europäischem Boden befinden. Damit ist die Cloud (Wolke) ein gefährlicher Trend, der die Nutzerinnen und Nutzer gläsern macht.

Erstmalig auch Lob: Für den Hessischen Rundfunk und den Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein

Zum ersten Mal gab es neben den Tadeln auch Lobende Erwähnungen, so für den Hessischen Rundfunk, der die Abgabe der ELENA-Daten verweigerte, und für Thilo Weichert, den Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein für seinen Einsatz gegen Facebook.

Kurzzusammenfassung aller sieben Preisträger in den einzelnen Kategorien:

* Behörden und Verwaltung: Sachsens Innenminister Markus Ulbig
* Kommunikation: die Cloud
* Politik: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich
* Verbraucherschutz: Blizzard Entertainment
* Technik: Gamma International
* Arbeitswelt: Bofrost
* Wirtschaft: Brita GmbH

Alle Preisträger und Laudationes finden Sie auf der Website www.bigbrotherawards.de

FoeBuD: Neuer Name gesucht!

Seit langem schon schwelt die Diskussion um einen neuen Namen für den „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs“, wie der FoeBuD offiziell heißt. Der Name ist kompliziert. Selbst das Akronym FoeBuD ist sperrig. Die Öffentlichkeitsarbeit leidet häufig genau darunter: Journalistinnen und angesprochene Bürger vergessen den Namen und der FoeBuD kriegt für seine Aktionen häufig nicht die gebührende Anerkennung.

Deshalb sucht der Verein einen neuen Namen. Leena Simon hat ein Video erstellt, das über das Warum und Wie des neuen Namens informiert.

Mit den Vorschlägen geht es für FoeBud über Pfingsten nach Verden „in Klausur“. Dort möchte man sich “kreativ auslassen und hoffentlich mit einem neuen Namen zurückzukommen”. Ein bisschen Zeitdruck besteht freilich: Das 25. Jubiläum des FoeBuD in diesem Jahr soll als ein guter Anlass genommen werden, um zurückzuschauen. Und der Verein erhofft sich für die nächsten 25 Jahre unter einem dann möglichst “griffigeren Namen” weiter engagiert zu arbeiten.

Das Video zur Namensfindung (verlinkt zu Youtube)
https://www.foebud.org/aboutus
Vorschläge zur Namenfindung einsenden:
mailto:neuertollername@foebud.org

Photo/Quelle: Rolf van Melis via Pixelio.de

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.