Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung

Politik : Philipp Mißfelder ist Hüftgelenk

Zum Kommentar-Bereich

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Ein Proteststurm traf den Mann damals, als er vorschlug alten Menschen keine Hüftgelenke mehr einzupassen. Selbst aus der eignen Partei, der CDU, erhob sich Protest. Die Rede ist von Philipp Mißfelder. Am 1. Mai tauchte er auf der Kundgebung im Stadtgarten Recklinghausen auf. Berühungsängste scheint der (schwarze) Mann nicht zu haben: immerhin stellte er sich ausgerechnet neben die (rote) Fahne der SPD. Mißfelder hat dort sogar (zaghaft, aber dennoch hör- und sichbar!) bei sozialen Themen, die von den Rednern angesprochen wurden, geklatscht. Was in mir dann doch einige kritische Fragen aufwarf und ebensolche Gedanken durch meinen Kopf taumeln ließ. Wie sich nun zeigt: Mit meinen Fragen, wie mit meinen Gedanken lag ich nicht so falsch ...

Ganz offenbar ist der Bundestagsabgeordnete der CDU, Philipp Mißfelder, der seinen Wahlkreis im Ruhrgebiet hat - unterdessen freilich nun auch biologisch gealtert - ganz der alte geblieben. Jedenfalls was dessen ökonomistische Betrachtungsweise angeht.

Als während der Kundgebung in Recklinghausen die anwesenden Kommunal- bzw. Landespolitiker erwähnt wurden, hörte man aus der Menge: "Herr Mißfelder ist auch da!" Wie es sich gehört wurde nun auch Herr Mißfelder begrüßt. Später fragte dann der Norbert Maus, Betriebsratsvorsitzender der Zeche Auguste Victoria, von der Bühne herab, wo denn Herr Miesfelder hin sei. Aus der Masse gab einer zurück: "Am Bierstand!" Maus sprach ins Mikro: "Na, dann Prost!" Hatte CDU-Mißfelder also am 1.Mai neben der SPD-Fahne nur ein bisschen auf sozial gemacht, um Präsenz zu zeigen? Was wirklich mies wäre! Aber zu ihm passen würde. Man wünscht dem Manne von Herzen, dass er auch im höheren Alter (vielleicht dann altersweise und altersmilde geworden?) noch einigermaßen munter der 1.Mai-Kundgebung in Recklinghausen wird beiwohnen können. Wenn er sie denn brauchen sollte: auch mit künstlichem Hüftgelenk. Das er sich hoffentlich wird leisten können! Ob der CDU-Politiker so christlich auch im Sinne anderer denkt, scheint inzwischen abermals sehr fraglich. Der Mann kommt anscheinend einfach nicht von diesen Hüftgelenkthema weg. Auf dem Portal ad sinistram stand gestern unter dem Titel "Ökonomisierte Generation" zu lesen:

Mißfelder sieht sich bestätigt. Nachdem Gesundheitsminister Bahr seinem Namen rhetorisch alle Ehre machte, Menschen mit Knie- und Hüftleiden auf die Bahre legen will, statt ihnen mittels operativen Eingriffs Mobilität zurückzugeben, läuft nun der JU-Direktor in der Rolle des einst vertriebenen Propheten auf. Er habe es doch gesagt. Schon vor zehn Jahren. Auf Kosten der Solidargemeinschaft, meinte er damals, sollte man künftighin keine künstlichen Hüftgelenke bei alten Menschen mehr einpassen. Das sei nicht unmenschlich, sondern nicht weniger als schlichte ökonomische Vernunft und Notwendigkeit.

Beide, Bahr wie Mißfelder, entstammen meiner Generation. Beide sind Kinder der mittleren oder späten Siebzigerjahre. Fürwahr ist diese Generation nicht durchweg misanthrop aufgestellt. Jetzt gerät sie aber immer mehr in Verantwortung, die Mittdreißiger bekommen Posten und Pöstchen und es zeigt sich, dass bahrsche oder mißfeldersche Charakterzüge gar nicht so selten sind. Erschreckend ist dabei weniger die Unmenschlichkeit - für schlimmer halte ich es, dass diese Unmenschlichkeit mit einer Art von Vernunft vorgetragen wird, dass man ihr schon fast zustimmt, wenn man nicht aufpasst und nochmals durchdenkt.

Eines muss man Philipp Mißfelder lassen: Der Mann ist sich treu geblieben. Und er meint was er sagt, auch noch Jahre nachdem er es schon einmal sagte. An diesem Miesfelder sollte sich ein Herr Norbert Röttgen (ebenfalls CDU), seines Zeichens Umweltminister und Möchtegern-Ministerpräsident in NRW mal eine Scheibe abschneiden. Röttgen will partout nicht sagen, ob er nach einer verlorenen NRW-Wahl als Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag bleibt. Zwar wissen aller anderen außer ihm, dass er dann gewiss nicht bleiben wird, doch das ist dem manchmal irre grinsendem Röttgen doppelt schnuppe und eh Wurscht. Currywurscht? Nein, laut einem Wahlplakat ist SPD bereits Currywurst. Übrigens verlautbarte Röttgen er wolle die NRW-Wahl zu einer Entscheidung für Merkel machen. Na, wer daraufhin wohl gewinnen wird, in Düsseldorf?

Ach, was soll's: SPD ist Currywurst. Und Mißfelder Hüftgelenk ...

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.