Axel Garbelmann

BlogBuster

06.04.2009 | 17:17

Corporated Brother is watching you!

Seit "1984" ist uns das Konzept eines allüberwachenden Staates gegenwärtig und hat damit auch ein Synonym gefunden. Die Dystopie wurde zum Mahner und Massstab für die Art, wie Staaten mit ihren Bürgern umgehen. Es gab einen kulturellen Bezugspunkt.

Was aber, wenn der Überwacher gar kein Staat ist? Und wenn er, durch seine Überwachung, gar keine Folgsamkeit erreichen will, sondern etwas anderes? Und was wäre das dann?

Da wäre die Telekom, die Deutsche Bahn, Lidl, tausende kleiner Augen, die mitlesen, aber hinter denen kein Staat steht, sondern ein privatwirtschaftliches Unternehmen und Interesse.

Eine gute Gelegenheit, hier mal das Wort der "Überwachungswirtschaft" rein zu stellen.

Das grosse Unternehmen und Konzerne nicht zu kontrollieren sind und in ihren Entscheidungen völlig autonom von öffentlichen und politischen Entscheidungen sind (es sei denn, man droht ihnen mit Taschengeldentzug), ist etwas was sich trefflich aus dem Neoliberalismus und seiner Kriese ablesen lässt. Ich nehme da gern das Beispiel von Obamas Fassunglsosigkeit den Managergehältern der AIG gegenüber -der mächtigste Mann der Welt ist "fassungslos"! Das ist stark! Dagegen tun kann er nicht so viel - soviel zur Macht.

Das Staaten Personen überwachen, das findet Widerhall in unserem Vorstellungsvermögen und auch unsere Empörung.

Dass Unternehmen nicht nur ihre Angestellten, sondern auch ihre Kunden überwachen, empört auch - und ist technisch bereits Alltag.

Die Ideologie der Wirtschaft ist allerdings nicht die Kontrolle des "Bürgers", wie in totalitären Gesellschaften, sondern die Kontrolle des "Consumers" und seiner Bedürfnisse. Sie misst unsere Einkaufsbewegungen (durch Payback-Karten) und Vorlieben, unsere Gewohnheiten, unsere Krankheiten - sie durchleuchtet uns nachhaltiger als jeder Staat. Und gleichzeitig dezentraler, da kein Gesamtbild des einzelnen Konsumenten gebraucht wird. Sondern nur die aktuelle, auf das Produkt gerichtete Interessenlage.

Es ist egal, ob sie schwul oder schwarz sind, ob sie abgetrieben haben oder die Linke wählen, was sie denken und ob sie den Hund ihres Nachbarn nachts Gift ins Futter rühren - wichtig ist, das geplant werden kann, was sie nächste Woche haben wollen. Es geht um Profit.

Und um das Funktionieren, um das Handeln im Einklang mit den Bedürfnissen des Systems - also der wirtschaftlichen Interessen. In dieser Welt kann eine Verkäuferin für 1,30 Euro entlassen werden. In dieser Welt werden Billionen in ungewisse Zukünfte investiert - für die gute Laune eventueller Investoren.

In dieser Welt sind wir nur Adressen, die um die halbe Welt verkauft werden. In dieser Welt sind unsere virtuellen Identitäten - also alles an uns, was aufzeichenbar ist - bereits auf dem Sklavenmarkt als Manövriermasse zum Discountpreis zu haben.

Tja. Wie siehts aus. Sollten wir jetzt um die Freiheit unserer Avatare kämpfen?

Ist denn schon Cyberpunktime?

 
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Kommentare
Maria v. Boisse schrieb am 06.04.2009 um 17:53
Wenn die digitale Persönlichkeit der Menschen juristisch geltend gemacht werden kann, ich sag nur Stichwort SICHERHEIT - ist die natürliche Persönlichkeit abhängig von ihrem digitalen Ego. Dann brauchen sie nicht mehr die Menschen zu verändern, sondern nur noch ihre digitalen Abbilder.

Quelle: laboraetora.wordpress.com/
Axel Garbelmann
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