Axel Garbelmann

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Family Amok

06.04.2009 | 14:07 Axel Garbelmann
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06.04.2009 | 16:31 hannelore
Sehr guter Beitrag! Ich sehe den Unterschied in den genannten Verbrechen, dass sie jeweils von Söhnen und Vätern begangen wurden. Wenn ein Sohn ein Blutbad anrichtet, das dem Ansehen der Familie/des V...
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06.04.2009 | 16:59 Axel Garbelmann
Hallo, Hannelore, danke für den Kommentar, der immerhin einen neuen Blickwinkel eröffnet - und damit den Fall "Fritzl" mit einbringt. Das politische Konzept des "Pater" als unangefochtenen Familienherren erfahren wir in diesem Zusammenhang als auf die höchste denkbare Spitze getrieben. Die Details erspare ich uns mal allen. Die Frage ist dabei: Handelt es sich um ein unbewusstes In-Kauf-Nehmen durch stille Akzeptanz eines archaischen Familienmodells - das, in der Realität der sich differenzierenden Lebensgemeinschaften, einfach nicht mehr stimmt und daher Leid verursacht? Gut finde ich auch den Vergleich mit dem Töten im Kontext: Unter anderen Umständen wird Gewalt gefördert, nämlich Krieg. Allerdings: Das Töten im Krieg erscheint weniger hass-erfüllt (es sei denn, die Kriegspropaganda hat wirklich gut gearbeitet und das Auslöschen des Gegners zur persönlichen Sache des einzelnen Soldaten machen können). Zusammengefasst: Sind Väter, die ihre Familien auslöschen, von dem Gefühl geleitet, als "Paters" -Familienväter, die für die Ihren sorgen - versagt zu haben (Scheidung, Verschuldung etc.)? Falls ja, dann müssten wir uns mit den gesellschaftlichen Konventionen auseinandersetzen, denn dies ähnelt immerhin den Familienvorstellungen, unter denen auch Ehrenmorde geschehen. Damit wäre es also kein "muslimisches" Problem mehr.
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Keine Frage der Moral

Alltag | 22.03.2009 | 15:00 John Crace, The Guardian
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22.03.2009 | 20:03 Axel Garbelmann
Diese These ist nur eine Grundlage für eine weiter reichende Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Situation, wahrscheinlich die Grundlage. Es ist vorstellbar, dass unsere Kindeskinder uns einstmals das fragen werden, was wir noch unsere Grosseltern gefragt haben:"Wie konntet ihr das zulassen, was doch so offensichtlich war!" Müssen wir eigentlich statt von Analyse schon von Diagnose sprechen? Ich denke, ja.
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Wo ist eigentlich die Linke?

14.03.2009 | 09:28 Robert Zion
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20.03.2009 | 18:36 Axel Garbelmann
"Absolute Demokratie". Das ginge nur, wenn Machtstrukturen, die der Verwirklichung "absoluter Demokratie" im Wege stehen, da sie Macht akkumulieren, zerstört oder abgeschaltet werden. Wenn, wie bei Jay Leno passiert, der "mächtigste Mann der Welt" (Nämlich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika) seine Fassungslosigkeit gegenüber der Unverschämtheit von AIG-Managern Ausdruck verleiht, dann bin ich baff. Der Präsident ist fassungslos - das hat ja bisher noch nicht mal Nordkorea fertiggebracht! Wer tanzt denn da wem auf der Nase rum? Was ist da Macht? "Absolute Demokratie" - lau und luftig wie eine Frühlingsbrise. Früher nannten wir das "Libertärer Sozialismus" oder schlicht "Anarchokommunismus". Ist wohl ein bisschen aus der Mode gekommen.
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German Amok

Politik | 13.03.2009 | 13:00 Ulrike Baureithel
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20.03.2009 | 10:20 Axel Garbelmann
Liebe Ulrike, vielleicht. Sicher ist das Bild von Männlichkeit ein wesentlicher Mitauslöser für die Explosionen von Gewalt, deren medialer Zeuge wir werden. Und ich denke, jeder von uns kann nachvollziehen, was für eine, mit Verlaub, beschissene Zeit die späte Pubertät war. Einige von uns haben Nazis gejagt, andere Steine geschmissen, andere an sich herum geschnippelt oder Drogen konsumiert. Die meisten haben überlebt - aber nicht alle. Jeder kennt in seinem Bekanntenkreis mindestens einen Selbstmörder. Dem Suizid und dem Amokmord (im Gegesatz zum "Mord aus niederen Beweggründen) ist dieses verstörende Element der Auslöschung von etwas gemeinsam. Wenn Väter ihre Familien und sich selbst töten, dann scheint es, als wollten sie etwas vernichten, dessen Existenz sie nicht mehr ertragen konnten. Warum gerade die Schule als Tatort von Amokläufen? Woher dieses "Hinrichtungshafte" von Erfurt - dort hat der Junge gezielt nur Lehrer erschossen, förmlich exekutiert! Was wollte er vernichten? Was wollte Tim K. vernichten? Und am Ende vernichten sie das Zentrum des Leidens - sich selbst. Das ist das Narzisstische an diesen Taten, das "Wenn ich gehe, dann nehme ich Euch mit". Übrigens ein Zitat aus jeden drittklassigen Action-Film. Daher möchte ich diesen Zusammenhang hergestellt wissen: Es gibt etwas, das bei einigen Menschen, die über die Vulnerabilität, Sensibilität, verfügen, kalten Hass und Vernichtlungswillen auslöst - und in einigen Fällen zur Tat führt. Überforderung, Überschuldung, es wird sich etwas finden. Auch der Aspekt einer fehlgeleiteten "Rache an der Welt", eine gewisse Selbstwahrnehmung als Opfer und die damit verbundene Kränkung, sind wichtige Elemente. Hier kann ein Amoklauf mit einer "männlich" verstandenen "einsamen Entscheidung" in Verbindung gebracht werden. Columbine war mit zwei Tätern die Ausnahme. Es sind eben nicht nur Jugendliche. Vielleicht ist es eine Frage des Ortes: Die Jugendlichen "rächen" sich am Ort ihres Leidens - Der Schule. Die Familienväter in ihrem Reihenhaus.
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Wo ist eigentlich die Linke?

14.03.2009 | 09:28 Robert Zion
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20.03.2009 | 10:00 Axel Garbelmann
Wo ist die Linke? Gute, zentrale Frage. Wenn Sie noch dort ist, wo sie das letzte Jahrzehnt war, da bekriegt sie sich immer noch selbst im Kampf um das imaginierte Utopie - und kaum, das der Kapitalismus vor aller Augen den Krebstod stirtb, steht sein alter Hassliebhaber, die Linke, fast fassungslos daneben. Sieht fast aus wie die Liason zwischen Batman und Joker - einer ohne den anderen nicht denkbar. Der Kapitalsimsu erweist wieder einmal seine Lebensuntüchtigkeit genau wie seine Anpassungfähigkeit. Das ist ein prägendes Element dieses Systems: Die latente Hurenhaftigkeit - man macht, wofür gezahlt wird. Und wenn Papa Staat Geld gibt, na ja, dann macht man schon mal etwas Männchen. Hui - wenn ich bei diesem Bild bleibe, dann komme ich fast darauf, die Mananger mit Zuhältern zu vergleichen... selbst in der Krise immer noch an den eigenen Schnitt denken. Immerhin schindet sich ja jemand anders, da kann man doch noch ein paar Bonuszahlungen angreifen. Ausserdem hat man ja noch ein paar tausend Arbeitsplätze als Geiseln, die kann man in Verhandlungen mit dem Staat schnell in die Waagschale werfen. Dann fragt auch keiner mehr. Das ist ja nicht mal mehr Kapitalismus - das ist sowas wie Kapitalsozialismus, ein Sozialismus nur für die Reichen und Besitzenden - der Staat sichert jedes Grossunternehmen von der Gründung bis zum Bankrott! Herr Westerwelle - was sagen Sie denn dazu, sie alter Antisozialist! Ich hoffe, die Linke besinnt sich auf ein ganz altes Prinzip der Arbeiterbewegung - Organisation von vielen, vielen Leuten (Früher nannte man das "Massen", aber das Wort ist nicht mehr so schön...). Ohne das ist eine Linke nichts weiter als ein kritischen Stimmchen im Nebenzimmer, was dazu verdammt ist, an sich selbst herum zu spielen und die Zustände zu bejammern. Ist doch ein Scheisszustand, das! Ach, nochwas, was die Linke auch ist: Eine Partei, die zeiteise das Zeug hat, zur drittstärksten Kraft in der Parteienlandschaft zu werden - auch, wenn diese Tatsache gerne ignoriert wird (Und die Partei die selbe unheilige Neigung zur Selbstzerfleischung hat wie ihre ungeliebte grosse Stiefschwester SPD).
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Viele Erklärungen, keine Antwort

Politik | 12.03.2009 | 12:50 Philip Grassmann
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20.03.2009 | 09:41 Axel Garbelmann
Zum Amok und zur Blindwütigkeit: Im Malaiischen "Amok" und im englischen "to berserk" steckt der Gedanke, Amokläufer würden wie rasende Furien wildum sich ballernd durch die Tatorte rennen und alles niederstrecken, was nicht schnell genug fliehen kann. Aber weder Columbine, noch Erfurt, nicht Emsdetten und auch nicht Winnenden zeigen dieses Vorgehen. Ähnlich wie bei dem sog. Amoklauf des Todesschützen von Austin 1969, der über 40 Menschen mit einem Scharfschützengewehr getötet hat, zeugen die Bilder von Columbine und die Tathergänge von Erfurt und Winnenden: Die Kälte, das gezielte, die Langsamkeit, mit der die Mörder von Columbine vorgingen, die scheinbare Ruhe, mit der Erfurt geschehen ist. Heisse Aufwallungen von Hass sind vielleicht leichter vorstellbar als die emotionale Kälte und Distanz, die sich tatsächlich in den Amoktaten zeigt (weswegen Amok eigentlich irreführend ist). Diese Amokläufe sind organisiert, sie hatten etwas von Planung. Es ist diese Kälte, die an den Taten so erschreckend ist, da sie so unvorstellbar ist. Kein Um-sich-ballern. Gezieltes Schiessen, nachladen, schiessen - wie eine Maschine. Es ist das gleiche Verhalten, welches Soldaten im Krieg an den Tag legen. Vielleicht müssen sie das tun, um das zu tun, was Soldaten eben (auch) tun - töten. Diese Amokläufe, die Familienmassaker, zeigen uns den Einbruch des barabrischen Mechanismus in die Welt, die für für zivilisiert und immun gehalten haben - dabei gehen wir mit unseren Kriegen und Toden so selbstverständlich um. Wo ist schon Afghanistan? Was interesseirt und Darfur? Was unterscheidet einen Todesreiter in Darfur von einem Soldaten in Afghanistan von einem Amokläufer in den USA oder Deutschland? Die Motivation - nicht das Handeln. Das macht Angst. Jemand wie Tim K. hat seinen inneren Krieg ausagiert. Über diesen Krieg hat er ebenso geschwiegen wie wir alle über unsere Kriege schweigen. Das Töten bricht in unser Ideal des gesellschaftlichen Konsens, egal, wo es stattfindet. Es stellt unsere Vorstellung einer friedlichen, zivilisierten, bürgerlichen Gesellschaft fundamental in Frage. Es wird Zeit, sich dem zu stellen, statt an der Oberfläche der Phänomene herumzuplantschen.
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German Amok

Politik | 13.03.2009 | 13:00 Ulrike Baureithel
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19.03.2009 | 23:45 Axel Garbelmann
Zu ddem Thema des Amoklaufes in unserer Gesellschaft fällt mir eine gewisse Unschärfe auf. Als Tim Kretzschmer "durchdrehte", war das Ergebnis ein gewaltiges Medienecho von allen Seiten. Und genau, aber ganz genau, wie nach Erfurt schlagen die selben Mechanismen an, es sind fast genau die selben Fragen und Reaktionen. Und sie werden wahrscheinlich ebenso ergebnislos verlaufen, da nur in der Betrachtung dieses einen Falles keine allgemeingültigen Antworten zu finden sein werden. Tatsächlich geht dabei nur der Blick für das verloren, was sich noch alles an Gewalt, tödlicher Gewalt, in Deutschland abspielt. Wieso, frage ich mich, ist jeder gebannt von der Tat des Tim K., der bei näherer Betrachtung nicht sehr viel anders als tausende anderer Realschüler zu sein schien - und in der heutigen Zeitung lese ich von dem Familienmassaker in Lamspringe, was nicht viel mehr als eine kleine Meldung war. Nur, diese Meldung steht nicht allein: Wenn ich richtig sehe, sind Meldungen über Familienmassaker wie in Lampsringe alle drei Wochen in den Zeitungen. Aber hier exisitert offenbar kein näherer Erklärungsbedarf, warum Familienväter in ihren eigenen Familien Amok laufen, und zwar in diesem Jahr, nur, dass ich etwas erfahren habe, ca. 5 Mal in Deutschland. Ein Mann erschiesst seinen achtjährigen Sohn. Ein anderer tötet sein kleines Kind, ebenfalls mit einer Schusswaffe. Beide waren um die 40 Jahre alt. Tim K. war ein Teenager. Die meisten Teenager vollziehen ihren Selbstmord ohne Einbeziehung von anderen - aber sie tun es. Immer noch sind Teenager die am meisten von Suizid bedrohte Altersgruppe. Und das Medienecho schreibt ÜBER die Jugendlichen, aber sie redet mit ihnen nur als Zaungäste der Katastrophe. Wo aber ist die Wahrnehmung der Ängste und stillen Verzweiflungen, und die Frage, woher ein Druck kommt, der Menschen zu Mördern werden lässt. Jugendliche Verzweiflung kann für die mordenden (und selbstmordenden) Familienväter nicht gelten. Ich muss Fragen: Sieht niemand einen Zusammenhang zwischen diesen Taten? Ist der einzige Unterschied, das Tim K. die Öffentlichkeit in seine Tat blutig mit einbezog, aber die anderen Massaker sich sozusagen im Privaten, in den Reihenhaushöllen der Vorstädte, abgespielt haben? Ich möchte, dass dieser Zusammenhang hergestellt wird. Tim K.s Tat war ein besonders krasser Auswuchs, seine Brutalität und Konsequenz stellen eine besondere Qualität dar - aber, unter Einbeziehung der Familienmorde in der letzten Zeit, nur von einem Einzelfall zu sprechen, einer einzigartigen Katastrophe, wird weder den gesellschaftlichen Realitäten, noch den Opfern gerecht.
Axel Garbelmann
Sozialarbeiter im Drogenbereich, Impro-Schauspieler und Musiker, Gewerkschafter und von Kindesbeinen an empört.
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04:02
j.kelim hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:14
freedom of speech? hat gerade einen Kommentar geschrieben.
02:55
j.kelim hat gerade einen Kommentar geschrieben.
02:48
Michael Winkler, Dresden hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:35
freiheitsliebender hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

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