bambulie

Blog von bambulie

06.10.2011 | 21:36

Confessio est regina probationum

Geständnis

Hiermit gestehe ich, dass mir zu meiner großen Schande der diesjährige Nobelpreisträger für Literatur Herr Tomas Tranströmer bis zum heutigen Tage völlig unbekannt war. Daher werde ich eine Woche lang in Sack und Asche herumlaufen und hoffe damit diesen unglaublichen Frevel wieder gut machen zu können.

Zu meiner Entschuldigung möchte ich allerdings anführen, dass selbst dem deutschen „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki besagter Autor anscheinend nicht bekannt war.

Zitat:

 „Dazu passt, dass noch bevor der Preisträger sich geäußert hat, unser aller Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki sich nicht erinnern kann, den Namen Tranströmer schon mal gehört zu haben. Auf die Frage, ob er Verständnis für die Vergabe des Preises an ihn habe, soll er gesagt haben: “Ich glaube nicht.” Solche Ignoranz, gepaart mit Meinungsstärke, ist es, was in Deutschland Bücher verkauft. Und das gegenüber einem Autor, der immerhin in 50 Sprachen übersetzt wurde.“ Quelle: Zeit-Online

Lerne aber gerne dazu und werde mir deshalb einen Gedichtband kaufen.

Dieses Geständnis erfolgte aus meiner freien Willensbildung heraus. Es wurde nicht durch Folter, Drohungen, Misshandlungen, Ausnutzen von Ermüdungen, Hypnose, Versprechungen von Vorteilen (wie Entlassung aus der Haft) oder durch die Gabe von Psychopharmaka, die die Willensbildung beeinträchtigen, erzwungen. Außerdem versichere ich hiermit an Eides Statt, dass auch kein  Wörter Boarding angewandt wurde.

München den 6. Oktober 2011

 
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Kommentare
Columbus schrieb am 06.10.2011 um 22:14
Eine ehrliche Haut sind Sie, wie der Marcel.

Allerdings hat sich nun der Herausgeber und Initiator der größten Lyrikanthologie Deutschlands immer ausbedungen, Spezialist für deutschsprachige Literatur, speziell Poetik, zu sein. Trösten Sie sich, ich schließe mich dem Club der Ignoranten sofort an. Aber es ist sowieso schwer, auch nur 1% von dem zu kennen, was in einem Jahrgang hierzulande veröffentlicht wird.

Hans Grössel, einer der besten deutschen Übersetzer, hat Tranströmers Gedichtbände ins Deutsche übertragen (wohl für den Hanser-Verlag), so wie er diesen Dienst, an uns und an den Autoren, auch schon der dänischen Lyrikerin und Nobellaureatin Inger Christensen angedeihen ließ.

Wenn ein Land sich keine Vorwürfe machen muss, die Literaturen anderer Länder zu schätzen und so zu achten, dass sie auch übersetzt werden, dann ist es unser Land.

Was natürlich nicht geht, Wertungen über Literaturen abzugeben, die man gar nicht kennt. Da fehlt dann jede Bescheidenheit.

Schreiben Sie was zu den greifbaren und übersetzten Gedichten Tomas Tranströmers?

Liebe Grüße
Christoph Leusch
bambulie schrieb am 06.10.2011 um 23:08
"Aber es ist sowieso schwer, auch nur 1% von dem zu kennen, was in einem Jahrgang hierzulande veröffentlicht wird."

So isses!

Übrigens, auf der Suche nach Gedichten in deutscher Sprache (noch nichts gefunden) fand ich ein Interview mit dem Übersetzer Hanns Grössel auf einer WDR Webseite, das ich sehr empfehlen kann. Es handelt auch von der Sensibilität, die ein Übersetzer aufbringen muss, um nur ja nichts zu verfremden, gar den Sinn zu verdrehen, was ja geradezu den Supergau bedeuten würde..

LG

www1.wdr.de/themen/kultur/literaturnobelpreis114.html
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