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Das Kapital regiert,
Die Politik assistiert.
Der Wähler resigniert.
Frau Merkel laviert.
Die Wähler haben die Schnauze voll
Von diesen Lindners, Röslers, Heils, Edathys.
Aus dem Hörsaal direkt in die Parlamente,
Um leistungsfrei alimentiert zu werden bis zur Rente.
Niemand bietet den Lobbyisten die Stirn,
Stattdessen wird gekuscht und gemobbt.
Zahlreiche Wahlversprechen im feinen Zwirn
Benebeln aber immer wieder des Wählers Hirn.
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Zur Beruhigung
Wir schlafen ganz, wie Brutus schlief - Doch jener erwachte und bohrte tief In Cäsars Brust das kalte Messer! Die Römer waren Tyrannenfresser. Wir sind keine Römer, wir rauchen Tabak. Ein jedes Volk hat seinen Geschmack, Ein jedes Volk hat seine Größe; In Schwaben kocht man die besten Klöße. Wir sind Germanen, gemütlich und brav, Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf, Und wenn wir erwachen, pflegt uns zu dürsten Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten. Wir sind so treu wie Eichenholz, Auch Lindenholz, drauf sind wir stolz; Im Land der Eichen und der Linden Wird niemals sich ein Brutus finden. Und wenn auch ein Brutus unter uns wär, Den Cäsar fänd er nimmermehr, Vergeblich würd er den Cäsar suchen; Wir haben gute Pfefferkuchen. Wir haben sechsunddreißig Herrn (Ist nicht zuviel!), und einen Stern Trägt jeder schützend auf seinem Herzen, Und er braucht nicht zu fürchten die Iden des Märzen. Wir nennen sie Väter, und Vaterland Benennen wir dasjenige Land, Das erbeigentümlich gehört den Fürsten; Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten. Wenn unser Vater spazierengeht, Ziehn wir den Hut mit Pietät; Deutschland, die fromme Kinderstube, Ist keine römische Mördergrube. (Heinrich Heine) |
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schrieb am
08.10.2011 um 22:58
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Hervorragend!
Kannte ich gar vom Heine, bin aber jetzt beruhigt, es hat sich nichts geändert. Ein Brutus muss her! |
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schrieb am
08.10.2011 um 23:41
Heine konnte echt raffinös dichten, darum liebe ich seine Gedichte so!
Hier noch der 'Nachtisch', eine Portion Verlogenheit, geraspelte Eiche, zuckersüß: L Sie saßen und tranken am Teetisch, Und sprachen von Liebe viel. Die Herren waren ästhetisch, Die Damen von zartem Gefühl. Die Liebe muß sein platonisch, Der dürre Hofrat sprach. Die Hofrätin lächelt ironisch, Und dennoch seufzet sie: Ach! Der Domherr öffnet den Mund weit: Die Liebe sei nicht zu roh, Sie schadet sonst der Gesundheit. Das Fräulein lispelt: Wie so? Die Gräfin spricht wehmütig: Die Liebe ist eine Passion! Und präsentieret gütig Die Tasse dem Herrn Baron. Am Tische war noch ein Plätzchen; Mein Liebchen, da hast du gefehlt. Du hättest so hübsch, mein Schätzchen, Von deiner Liebe erzählt. |
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Nachtisch war sehr bekömmlich besonders die Portion Verlogenheit war äußerst bekömmlich.
Und weiter geht’s im Buch der Lieder! Philister in Sonntagsröcklein Spazieren durch Wald und Flur; Sie jauchzen, sie hüpfen wie Böcklein, Begrüßen die schöne Natur. Betrachten mit blinzelnden Augen, Wie alles romantisch blüht; Mit langen Ohren saugen Sie ein der Spatzen Lied. Ich aber verhänge die Fenster Des Zimmers mit schwarzem Tuch; Es machen mir meine Gespenster Sogar einen Tagesbesuch. Die alte Liebe erscheinet, Sie stieg aus dem Totenreich, Sie setzt sich zu mir und weinet, Und macht das Herz mir weich. H.Heine |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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