bambulie

Blog von bambulie

04.08.2011 | 22:35

Pro Anonymität

 

Bekanntlich wollen Google und Facebook die Anonymität im Netz aufheben. Wahrscheinlich geht es den Herren einfach zu gut. Die fadenscheinige Begründung lautet - man höre und staune: Die Anonymität sei letztendlich dafür verantwortlich, dass es im Internet so viele Hetzkommentare, Mobbing und Betrug gibt?

Die Bosse der sozialen Netzwerke schrecken auch nicht davor zurück zu behaupten, dass es im Internet zivilisierter zugehen würde, wenn sich jeder mit seinem echten Namen zu erkennen gäbe. Wie niedlich. Das Verhalten der User untereinander würde davon profitieren und Mobbing-Attacken würden dadurch erheblich erschwert werden oder gehörten gar endgültig der Vergangenheit an. Was für ein Bullshit!

Wer das glaubt ist schlichtweg nicht in der Lage - warum auch immer -  oder einfach nicht gewillt die Realität zur Kenntnis zu nehmen, was ich mir bei einem Herrn Zuckerberg und Konsorten sehr gut vorstellen kann. Das Internet ist letztendlich auch nichts weiter als ein Spiegel der wirklichen Welt. Die Anonymität im Netz ist ein sehr hohes Gut und sollte deshalb nicht mit solchen hanebüchenen Behauptungen in Frage gestellt werden.

Im realen Leben wird nämlich in einem Maße gemobbt und Rufmord betrieben, ja sogar gemordet, dass sich im wahrsten Sinne des Wortes die Balken biegen, und das trotz oder gerade wegen der Klarnamen. Ganzen Heerscharen von Anwälten, Richtern, Journalisten usw. dienen diese „Bosheiten“ jedoch als Broterwerb. Von daher schlimm, wenn es diese kriminellen Taten nicht gäbe.  

Und da diese angeblich sozialen Netzwerke nichts anderes tun als die Technik zur Verfügung zustellen und sonst nichts - rein gar nichts, außer Daten sammeln, um diese dann meistbietend zu verkaufen - , sollte die Möglichkeit zur Anonymität für das Produkt ergo User in jedem Falle gewahrt bleiben.

In sozialen Netzwerken stellt sich der User mit seiner einmaligen Existenz freiwillig als Produkt für diese Herrschaften zur Verfügung, also sollte es auch in Zukunft schon ihm überlassen bleiben, ob er sich nun mit Klarnamen anmeldet oder eben nicht.

Im Übrigen müssen wir nicht auf ewig in einer Staatsform leben, welche sich bekanntlich Demokratie nennt. Wer kann das schon sagen?

Sicher ist lediglich, dass nichts sicher ist und schon gar nicht von Dauer. Ein Systemwechsel hin zu einer Diktatur ist grundsätzlich nie ganz auszuschließen. Sollte so etwas in ferner Zukunft einmal bittere Wahrheit werden, dann Gnade Gott all denen, die seinerzeit ihre unverblümte politische Meinung in dem Medium Internet zum Ausdruck gebracht haben. Wahrscheinlich wird man dann sogar nicht einmal davor zurückschrecken die Nachfahren dieser Bösewichte zu malträtieren.

Niemand kann nämlich mit Sicherheit voraussagen, was für eine Schmierenkomödie bis hin zur Soldateska in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren in Europa aufgeführt werden wird, aber das nur nebenbei.

 

 

 
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Kommentare
GeroSteiner schrieb am 04.08.2011 um 23:58
"Die Anonymität sei letztendlich dafür verantwortlich, dass es im Internet so viele Hetzkommentare, Mobbing und Betrug gibt?"

Das hat der Sheriff von Nottingham auch immer gesagt.
- Robin Hood -
bambulie schrieb am 05.08.2011 um 00:19
Sheriff von Nottingham
Besondere Kennzeichen: meistens hatte er sadistische Vorlieben, sehr egoistisch, oft zählte auch ein wenig Beschränktheit zu seinen Anlagen, die er aber gut verbergen konnte, kommandierte gerne herum, war geizig und hatte (fast) alle Eigenschaften, die als schlecht galten.
ebertus schrieb am 05.08.2011 um 09:13
Hallo @bambulie,

würde Ihrer Einlassung vollumfänglich zustimmen. Die Intention ist edel, im Zweifelfall ist der Schutz von Privatheit entsprechend hoch anzusiedeln und die Konklusion via der Gefahren eines wie auch immer gearteten "Systemwechsels" sind real.

Würde Ihrer Einlassung also zustimmen, soweit ich die letzten Jahre auf dem Mond verbracht hätte, von jeder Kommunikation und den Eindrücken in entsprechenden Communities abgeschnitten.

Da meine Erfahrungen aber eben auch von der "dark side of the moon" geprägt sind, nicht einmal ausschließlich edel sich geben wollten, darin auch ein Stück weit Selbstreflexivität enthalten ist, so scheint mir Ihre Sicht auf die Dinge zumindest ein klein wenig zu einseitig.
bambulie schrieb am 05.08.2011 um 14:22
Auch ein Klarname schützt keineswegs vor Verbalinjurien.

Auch beim Zwang zum Klarnamen wird mit Sicherheit geschwindelt werden, wie eben in der realen Welt auch.
Corina Wagner schrieb am 05.08.2011 um 13:28
Lieber Bambulie,
wer einer Person Schaden zufügen will, Mobbingspielchen betreibt und diese bis zum Rufmord treibt, schreckt auch nicht davon zurück - anhand des Usernamens dann die wahre Identität des „Opfers“ herauszufinden. Wer einen anderen Menschen aus welchen Gründen auch immer - denunzieren möchte, wird alle technischen Hebel in Bewegung setzen, um sein Vorhaben zu realisieren.
Es bleibt wohl stets Charaktersache, ob man sich unter Pseudonym oder mit dem Familiennamen im Internet daneben benimmt.
Schönes Wochenende
Corina
bambulie schrieb am 05.08.2011 um 14:28
Ich habe keine Probleme mit meinem Klarnamen, nur gefällt er mit eben nicht.

Also schlichtweg ein Motiv an das viele gar nicht denken.

Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

LG
bambulie
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