Die
Berlinale hat schon beinah Halbzeit und irgendwie geht der ganze Trubel dieses
Jahr so ziemlich spurlos an mir vorbei. Das hat verschiedene Gründe.
Bis
gestern pendelte ich für eine Woche immer wieder zwischen den grauen Grachten
Amsterdams und einer wundersam verschrobenen Gegend mit dem traurigen Namen
Limbabwe hin und her. Allein 11 Freunde
waren schuld daran. Aber das ist eine andere Geschichte und steht irgendwann
Ende Februar auch in einem andern Blatt. Nur so viel sei verraten, in Zeiten der
allgemeinen Krisenlaune, sind nicht nur bei Schiesser die Pleitegeier längst am kreisen. Auch im fernen Holland sind breit bewährte Männerplauzen, wie bei Fußballfans besonders liebevoll gepflegt, ebenfalls gezwungen den Gürtel enger zu schnallen und sich fürderhin in feinripplose Buxen zu zwängen. Alte Traditionen werden auch dort ausweglos zu Grabe getragen. Die Fußballvereine Fortuna Sittard und Roda Kerkrade werden einfach zwangsvermählt. Derweil
hat mir die ZEIT, ausgerechnet noch im Chancenteil, sogar die Braut geklaut, allerlei gute Freunde haben neben Modulor
die Gentrifizierung des Moritzplatzes ordentlich vorangetrieben
und nebenbei noch mit den antikapitalistischen Aktivisten The
Yes Men das frisch verkabelte Betahaus
ordentlich unter Strom gesetzt. Anlass war deren Berlinale Filmdebüt, das heute nochmals in der Prinzessinen-Straße bewundert werden darf. Die
potentiellen Silber-Bären tanzten freilich anderswo.




Ausgabe 06/12
09.02.2012
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