Popkontext

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22.06.2011 | 02:36

Diskussionsrunde: Stand und Zukunftschancen des Printjournalismus

Im Rahmen der Berliner Stiftungewoche fand am Montag eine Veranstaltung unter dem Titel Wie Stiftungen guten Journalismus stützen statt. Ausgerichtet von der BMW Stiftung Herbert Quandt und Stiftung Wertevolle Zukunft. Eingeladen waren Nikolaus Blome (Bild Hauptstadtredaktion), Bascha Mika (Publizistin), Volker Lilienthal (Universität Hamburg, Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus), Leonard Novy (Stiftung Neue Verantwortung) ; moderiert wurde sie von Ralf Müller-Schmid, Redaktionsleiter DRadio Wissen. Es sollte darum gehen, wie Stiftungen „unabhängigen Journalismus in seiner demokratischen und gesellschaftlichen Funktion“ unterstützen. Das spielte allerdings nur relativ am Rande eine Rolle – es ging vor allem um den Stand und die Zukunftschancen des Printjournalismus im Allgemeinen.

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Strukturwandel und Krise in den Printmedien

Zunächst gab es eine Keynote von Lewis A. Friedland, University of Wisconsin-Madison über die (wie bekannt sehr desolate) Situation der Medien in den USA und die Rolle, die Stiftungen dort spielen. Später einigte man sich schnell darauf, dass die Situation dort jedoch eine andere sei, da in den USA die Zivilgesellschaft etwas leistet, was der Staat nicht leistet. Doch auch hierzulande geht es dem Journalismus schlecht, zumindest in der Tendenz. Nicht dass das eine neue Erkenntnis wäre, und so wurde in der ersten Hälfte der Diskussionsrunde über Dinge geredet, die zumindest jede/r Zweite aus dem anwesenden Fachpublikum auch aus dem Stegreif hätte referieren können.

Wenn von einem struktureller Wandel der Medien durch das Internet die Rede war und von fehlenden Bezahlmodellen fürs selbiges, ist wahrscheinlich kaum eine/r der Zuhörer/innen vor Überraschung vom Stuhl gerutscht. Bei Lilienthals Feststellung, das die Journalisten zu schwerfällig seien, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen stellte sich die Frage, ob sein freimütiges Bekenntnis, er selbst habe gerade bei einem Seminar zu Online-Recherche noch dazu gelernt unbedingt sein musste. Dass es nur die Printmedien beträfe, wie es insgesamt anklang, ist so nicht ganz richtig, aber da neben zwei Akademikern nur (Ex-)Mitarbeiter/innen von Printmedien anwesend waren kein Wunder, dass diese im Mittelpunkt standen.

Das Prinzip Zeitung unabhängig vom Medium erhalten

Bascha Mika, (die fast ausschließlich aus ihrer Position als Ex-taz-Chefin sprach, und man sich die Frage stellte, warum man nicht gleich die aktuelle, Ines Pohl, eingeladen hatte) ging es darum, „das Prinzip Zeitung zu retten“, egal ob auf Papier oder Online. Wissen statt Information sei hier der Punkt, die Zeitung habe Tiefe, sei ein analytisches Medium, was Fernsehen oder Radio in der Art nicht leisten könnten. Eine Zeitung sei auch eine „Wundertüte“, in der man nicht wie bei Online gezielt nach einem Thema suche, sondern auch zufällig auf Themen stößt. Beim Wechsel zu Online sei die alles entscheidende Frage: Wie bezahlt man vernünftige Recherche, woher das Geld für Reisen?

Volker Lilienthal betonte, dass der Strukturwandel dann keine Katastrophe sei, wenn man “die gute alte journalistische Tugenden” in das neue Medium hinüberretten könne. Es sei eine zivilgesellschaftliche Aufgabe, dass der Journalismus nicht unter die Räder gerät.

Ein Problem sah vor allem Mika im Desinteresse des Publikums, das keine Wertschätzung, d.h. Zahlungsbereitschaft für den Qualitätsjournalismus habe. Man kaufe bei Starbucks ekeligen Kaffee zu überteuerten Preisen, aber ein paar Cent für eine gute Zeitung seien schon zu viel – wo sie von Blome Zustimmung erhielt, dass Zeitungen viel zu billig seien. Mika räumte ein, dass sich Leser schon über die grottenschlechten Regionalblätter beschwerten, aber es müsse eigentlich einen öffentlichen Aufstand geben, der aber ausbleibe. Sie sieht für die Zukunft einen Abschied vom Qualitätsjournalismus bei weiten Teilen der Bevölkerung. Die Frage sei: Für wen machen wir welchen Journalismus. Früher habe die Süddeutsche jeder in der Region gelesen: Bäckersfrau, Kleingärtner, Intellektuelle. Jetzt werden die Zielgruppen immer spezifischer – bestimmte gesellschaftliche Gruppen werden ihre Zeitung halten. Verleger hätten in der Mehrzahl kein Interesse an Qualitätsjournalismus.

Blome wies darauf hin, dass der Scheidepunkt weniger zwischen Boulevard und Qualitätsmedien verliefe, sondern zwischen überregionalen und regionalen Blättern. Letztere würden den nächste Krise nicht überleben, wenn es nicht zu Fusionen komme. Es sei zudem eine Krise des Trägermediums, das durch Herstellungskosten und Vertrieb so teuer sei. Ansonsten sei Journalismus online nicht anders, wenn denn ein brauchbares Bezahlmodell gefunden würde, an das er aber zuversichtlich glaube. Als Beispiel nannte er unter anderem die britische The Times, bei der das schon funktioniere.

Mehr Bürgerbeteiligung durch neue Technologien möglich – und nötig

Bascha Mika beschwert sich, dass der Qualitätsjournalismus teuer für Print produzierte Artikel im Netz „verschleudert“ – was dann allerdings nicht mit dem von Blome mehrfach als Beispiel genannten erfolgreichen Konzept der Zeit zusammenpasst. Diese stellt nicht nur viele Texte ins Netz, sondern produziert extra für dieses. Zudem hat auch als eine der ersten das Bloggerprinzip aufgenommen, für den der Guardian, der jetzt sogar nach dem Digital First-Prinzip arbeitet, als innovativ gelobt wurde.

Das nicht ganz neue, aber immer noch in der frühen Testphase befindliche und keineswegs angekommene Konzept des Mitmachens der verstärkten Leser/innenbeteiligung über Kommentare und Blogs, und auch die Einbindung professionell gemachter Blogs wurde ausgiebiger diskutiert. Lilienthal meinte, dass sich Publikum sich besser einbringen könne und mehrt Dialog stattfände erhöhe den Rechtfertigungsdruck auf die Journalisten, der aber eine Chance zur Optimierung des Angebots erhöhe. Novy sprach an anderer Stelle von „responsive Praktiken“, nicht mehr dem Motto: Ich mache das Blatt, was mir gefällt.

Journalistische Qualität bleibt notwendig

Von journalistischen Laien verfasste Blogs könnten aber die professionelle journalistische Arbeit nicht ersetzen, sondern nur ergänzen, war man sich einig. Bascha Mika meinte zum Zusammendenken von Qualitätsjournalismus und Bürgermedien, dass zum Prinzip Zeitung auch journalistische Standards gehören, auf die die Journalist/innen „gestoßen werden“ können. Blome sprach von einer „intelligenten Art des Weglassen“ im Journalismus – man reduziert das zu Berichtende auf die Kernpunkte und setzt es in einen Kontext. Das Gegenteil sei beim Bürgerjournalismus der Fall: Online gäbe es unendlich viel Platz – und da ließe man sich dann ausführlich aus, und anscheinend gäbe es auch Leute, die unendlich viel Zeit hätten, das auch zu lesen.

Lilienthal hielt dagegen, dass es eben die Blogger/innen seien, die wegließen: Beim ihnen stehe das persönliches Anliegen im Vordergrund, während die gesellschaftlich relevante Ebene wegfiele, wo es Aufgabe der Journalisten sei, das ganze Bild zu liefert. Der Journalismus habe eine vermittelnde Aufgabe, die in Zeiten der Krise bedroht sei. Als Beispiel nannte er, dass der WAZ-Konzern kein Geld mehr für Regionalberichterstattung hätte und so auf die glorreiche Idee gekommen wäre, einfach einen Volontär zur Ratssitzung zu schicken und den Audiomitschnitt online zu stellen.

Als Beispiel dafür, dass professionell gestaltete, über Kleinspenden finanzierte Blogs teilweise schon die Aufgaben der Regionalberichterstattung übernähmen, nannte Novy Regensburg Digital. Er forderte eine Zusammenarbeit mit klassischen Medienhäusern, um so eine gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu erreichen.

Orientierung an Marktwirtschaft oder öffentlich-rechtliche Tageszeitungen?

Jetzt kam man endlich zum Kernpunkt – wie kann die Finanzierung funktionieren, wenn das Geschäftsmodell nicht mehr profitorientiert oder profitabel ist – , nachdem Lilienthal den Moderator mehrfach angegangen war, dass man sich doch bitte am Thema des Abends orientieren solle. Novy fragte, ob der Vorschlag von Habermas, für den er 2007 fast gesteinigt worden ist, öffentlich-rechtliche Zeitungen zu machen, heute wieder diskussionsfähig sei. Blome sagte wenig überraschend: „Eine große GEZ -Gebühr für ARD und ZDF gedruckt will ich nicht.“ Eine Zeitung müsse sich am Markt orientieren, was die Leute wollen. Zeitungen über Parteien zu finanzieren wurde schon probiert - funktioniert nicht, weil das keiner haben will.

Mika konterte: Die taz habe sich zu aller erst an der Politik orientiert, dann am Journalismus und jetzt zum Schluss zumindest auch etwas am Markt. Journalismus darf nicht wie Produktion von Wurst oder Käse sein und die gesellschaftliche Funktion der ökonomischen Ebene total untergeordnet, meinte sie.

Welche Rolle können Stiftungen spielen?

Wie können Stiftungen da helfen? Ohne z.B. auf den Guardian zu schauen, der meines Wissens nach neben dem Verkauf und Werbeanzeigen ausschließlich oder vorrangig aus einer Stiftung finanziert wird, sind sich hier alle einig: Stiftungen können nur in Zeiten des ökonomische Drucks als Hilfe dienen, und zwar bei „technologisch getriebene Innovationsprojekten, nicht zum Bewahren ökonomischer Strukturen“, wie Novy anmerkte. Sie seien „keine karitative Veranstaltung für einen Totkranken“. In den USA kämen nur 0,2 % des gesamten Spendenaufkommens für Journalismus. US-Stiftungen helfen bei Digitalisierung, Recherche Lokaljournalismus, wobei die Orientierung am Gemeinwohl liege. Er wies dabei noch einmal auf den Unterschied zwischen gemeinnützigen / kommerziell orientierten Stiftungen hin.

Als Beispiele, die auch in Deutschland funktionieren könnten nannte er Pro Publica, wo man sich um vernachlässigte Themen kümmert, oder Stateline, wo es um good + bad gouvernance gehe. Bei letzteren kritisierte er, dass deren Artikel zwar kostenlos von anderen Medien übernommen werden dürfen, allerdings nicht redaktionell bearbeitet. Lilienthal sieht Stiftung als wohltätiges Gebilde, das die sich wandelnde Gesellschaft beobachtet und als intervenierender Impulsgeber agiert, der kleine, aber feine Projekte finanziert. Sie können Anschubfinanzierungen leisten für Projekte, die dann in der Marktwirtschaft betsehen müssten. Als Beispiel nannte er das Netzwerk Recherche und den Otto Brenner-Preis, wo Blome lobend zustimmte. Übernahmen könnten sie nicht leisten, da sie lieber ihr Geld in Unis geben, wie z.B. die VW-Stiftung. Lilienthals Professur an der Uni Hamburg wird von der Rudolf-Augstein-Stiftung finanziert.

Parteibhängigkeit und PR vermeiden

Lilienthal meinte, Stiftungen müssen überlegen, wie man Aufmerksamkeit für gute Medieninhalte organisiere, wer sind die Partner seien und wie man Leute erreiche. Als potentielle Probleme bei der Stiftungsförderung sieht er einerseits inhaltlicher Einflussnahme als auch die Orientierung an relevanten Themen. Als negativ-Beispiel nannte er den derzeitigen Boom der Journalistenpreise für alles mögliche – „sogar die Friseurinnung schreibt schon einen aus.“ Damit gleite man in die PR ab.

Zudem muss man sich vor parteipolitischer Orientierung schützen. Auf Blomes provokative Frage: „Würden sie es gut finden, wenn die taz von der Heinrich Böll Stiftung übernommen würde?“ rief Bascha Mika entsetzt: „Um Gottes Willen.“Auch die Genoss/innen dürften sich bei der taz nicht politisch einmischen. Es müsse eine extra Stiftung für die Zeitung geben.

Bei der naiven Frage, ob denn die Bild nicht aus dem erwirtschafteten Überschuss in gemeinnützige journalistische Projekte investieren wolle, musste sogar der sonst so beherrschte Blome etwas kichern. Man investiere schon in Journalismus, aber dann doch lieber im eigenen Blatt – nicht als „Ablass“ an die Öffentlichkeit. Als Beispiel nannte er die Rechercheserie Griechenland, die 40 000 Euro gekostet habe. Jemand merkte dann noch an, was jeder weiß, aber Blome auch nicht sagte: Im Axel Springer-Verlag werden die Profite in das defizitäre „Qualitätsblatt“ Die Welt gesteckt.

Schluss voller offener Fragen

Zum Schluss machte Bascha Mika noch einmal klar, dass die Frage nicht die nach dem Medium sei, sondern die Frage ist die nach Journalismus: Wie kann man den aufklärerischer Gesichtspunkt aufrecht erhalten und ein Publikum finden? Die Frage nach der Funktion in der Demokratie wichtig, Technologie Wurst, das sei die Aufgabe von Anderen, sich darum zu kümmern. Offenbar aus ihrer Sicht auch die nach der Finanzierung. Sie stellt lediglich fest: Guter Journalismus muss erschwinglich bleiben, aber auch Wert haben.

Novy erzählte von Dave Eggers, der in San Francisco teure Zeitungen für Eliten mache und sieht eine Spaltung Info-Elite und die Abgehängten. Es drohe die Krise der öffentlichen Information. Die neue Medienlandschaft im Netz biete viele Bits and Pieces, aber wenig Orientierung, was zu einem Verlust der sozial-integrativen Funktion der Medien führe. Er sehe zwar nicht den Untergang des Abendlandes kommen, aber stehe dem “Netztriumphalismus” ebenso kritisch gegenüber, denn Bürgermedien allein funktionierten auch nicht.

Dann kam man noch mal auf den Trichter, dass das Thema Stiftungen und Journalismus eigentlich gar nicht so neu sei: Bereits 1949 gab es bei der Frankfurter Rundschau Bestrebungen, den Verlag zu einer gemeinnützigen Stiftung zu machen, was aber auf Druck der Amerikaner verhindert wurde. 1973 wurde die gemeinnützige Karl-Gerold-Stiftung gegründet, die seinerzeit 100-prozentige Eigentümerin des Druck- und Verlagshaus Frankfurt wurde, das die FR herausgibt. Seit 2004 hält die Stiftung noch einen Stammkapitalanteil von 10 Prozent.

Kernthema verfehlt und zu hausbacken

In der anschließenden kurzen Diskussion, bei der der Moderator bat, keine „Co-Referate“ zu halten sondern sich kurz zu fassen und Fragen zu stellen, gab es u.a. noch Anregungen zu Förderung von Bürgermedien „als Labor“ und „angewandte Medienkompetenz“, Kritik, dass Crowdfunding (wie so vieles andere zum Kernthema, z.B. die Kulturflatrate oder die Kulturwertmark) nicht besprochen wurde. Ein Besucher merkte an, dass als Bezahlmodell auch Online nur ein „Bouquet“ aus Meldungen, Hintergründe etc. funktionieren könne, als Gesamtpaket und nicht einzelne Artikel – wozu Blome und Mika nickten. Mika wies in diesem Zusammenhang noch einmal auf die gestaffelten Abopreise der taz hin. Lilienthal meinte, es würde auf eine Mischkalkulation Boulevard / Qualitätsjournalismus hinauslaufen, wie er einerseits bei den Öffentlich-rechtlichen, aber auch beim Springer-Verlag zu finden sei.

Alles in allem wurde neben dem verfehlten Thema auf der Veranstaltung zu viel Altbekanntes wiedergegeben, und viel Neues und Interessantes weggelassen. Bei mir meldete sich die Erkenntnis zurück, dass es das Beste wäre, mit fitten, jüngeren, weniger eingefahrenen Kolleg/innen neue Projekte aufzuziehen, anstatt sein Glück bei den etablierten zu versuchen und frustriert zu scheitern. Solche innovativen Projekte wären doch im Sinne von Stiftungen förderungswürdig.

Originaltext bei Popkontext.de

 
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Kommentare
glaubdir schrieb am 22.06.2011 um 03:14
hi popkontext,

nun hab ich doch glatt aus deinem satz "Ausgerichtet von der BMW Stiftung Herbert Quandt..." folgendes gelesen.

ausgerechnet von der bmw stiftung herbert quandt...

das kann nun einerseits an der uhrzeit liegen, ich vermute aber eher eine (un)bewußte einmischung meiner erkenntnisse aus der doku "das schweigen der quandts".



wie dem auch sei, vielleicht hab ich mit diesem kleinen kommentar aufgrund der textkürze ja schon blomes "intelligente art des weglassens" erfüllt und die herrschaften freuen sich über meine kleine bürgerbeteiligung.

sonnige grüße
glaubdir ;-)
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 03:31
Danke für die Anmerkung und den Link. Ich hatte ganz bewußt reingeschrieben, wer das finanziert hat - genau deshalb! Ich stehe dem sehr kritisch gegenüber.
glaubdir schrieb am 22.06.2011 um 03:37
@popkontext, deswegen empfand ich deinen letzten absatz, den ich gern nochmal zitiere, als angenehm.
"Alles in allem wurde neben dem verfehlten Thema auf der Veranstaltung zu viel Altbekanntes wiedergegeben, und viel Neues und Interessantes weggelassen. Bei mir meldete sich die Erkenntnis zurück, dass es das Beste wäre, mit fitten, jüngeren, weniger eingefahrenen Kolleg/innen neue Projekte aufzuziehen, anstatt sein Glück bei den etablierten zu versuchen und frustriert zu scheitern. Solche innovativen Projekte wären doch im Sinne von Stiftungen förderungswürdig." ;-)
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 03:44
Der bezog sich jetzt nicht darauf. Aber ich bin bei solchen "Ausrichtern" so einer Veranstaltung, ob sie denn dann inhaltlich gut oder schlecht ist, sehr kritisch eingestellt. Und ich habe mich gefragt, was Bascha Mika da wollte - kritische Worte? Dann hätte sie was zu den Veranstaltern sagen können in dem Kontext. Hat sie nicht. Sie ist genauso in dem etablierten Talkrundenzirkus drin wie Alice Schwarzer. Irgendwie muss ja der Lebensstandart finanziert werden, wenn man icht reich geerbt hat. Wird dann nur schwierig mit der Botschaft.
ebertus schrieb am 22.06.2011 um 09:21
Guter Beitrag, netter Verriß (der Veranstaltung), ein wichtiges Thema; dem ich mich auch immer gern widme. Der Hinweis auf Dave Eggers erinnert an das "Zeitoun"-Leseprojekt hier incl. meiner Blogbeiträge und dem letzten Absatz ist m.E. wenig hinzuzufügen. Dennoch scheint mir etwas zu fehlen, wenn auch die dahingehende Intention keine vordergründige Relevanz besitzt.

Das beinahe verzweifelt gesuchte Geschäftsmodell sowie die Frage nach dem ebenfalls in großer Gefahr befindlichen, sog. Qualitätsjournalismus, diese Punkte sind bekannt, herkömmliche oder gar neue "Lösungen" weiterhin nicht in Sicht. Paul Sethes zweihundert, reiche Leute sind eher auf zwanzig geschrumpft und so sieht das dann aus, erst heute durch das Internet wesentlich direkter bemerkbar. Drei Ansätze, über die aus meiner Perspektive nachzudenken wäre:

1. Die formale Uniformität der Meldungen. Nach seriösen Untersuchungen sind ca. 80% der Meldungen gleich; gar gleich bis ähnlich bebildert. "Eigene", redaktionelle Beiträge speisen sich oft aus Crossposts; was ebenfalls ein Indikator enger Besitzverhältnisse sein mag.

2. Der gesellschaftspolitische Tenor, differenziert natürlich nach intellektuellem Vermögen der Klientel, folgt in weiten Teilen jedoch Chomskys Propagandamodell. Dieses bereits um 1990 postuliert, ist heute jedoch via Internet leichter, eindeutiger zu erkennen.

3. Aus dem vorgenannten Punkt ergibt sich die Abwesenheit beinahe jeder gesellschaftlichen Vision und Entwicklung, für die gerade Zeitungen einmal standen. Das Widerkäuen des alternativlosen Sachzwanges, das Niedermachen jeglichem Nachdenkens über die Zukunft jenseits des neoliberalen Diskurses stößt ab; zumindest in Teilen die Leserschaft der sog. Qualitätsmedien.

Ergo: Soweit es gelingt - was bezweifelt werden darf - das Internet als mediale Parallelgesellschaft zu erhalten und auszubauen, der diffamierenden Kriminalisierung, der Überwachung und Sanktionierung als sog. rechtsfreier Raum zu widerstehen, so wird dies nur in vollkommen neuen Formen und jenseits aller (profitablen) Geschäftsmodelle möglich sein. Letztere sind bestenfalls als sehr selektive Nischenmodelle für eine weiter schrumpfende Klientel zu verstehen.

Zwei Links auf eigene Beiträge mögen das Gesagte abrunden:

www.notina.com/?q=node/1318

www.freitag.de/community/blogs/ebertus/freitag-taz-und-junge-welt
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 17:21
@ebertus
Erstmal vielen Dank für die anregenden Anmerkungen.

"jenseits aller (profitablen) Geschäftsmodelle"
Ohne Frage muss man neue, innovative geschäftsmodelle suchen (wird ja auch getan) - nur leider leben wir dezeit im Kapitalismus und es ist derzeit kein Ende in Sicht. So stehen wir unter dem Zwang, ein wie auch immer geartetes "Geschäftsmodell" zu entwickeln.

"Aus dem vorgenannten Punkt ergibt sich die Abwesenheit beinahe jeder gesellschaftlichen Vision und Entwicklung, für die gerade Zeitungen einmal standen."
Ich habe Chomskys Propagandamodell jetzt nicht im Detail präsent, sondern weiß nur in etwa, was es besagt. Ich würde aber bezweifeln, dass das jemals anders war - im Gegenteil denke ich - auch wenn ich mit Chomsky soweit ich das beurteilen kann d'accord gehe -, dass wir trotzdem nicht nur eine vergleichsweise eine sehr viel freiere und kritischere Presse haben als in Ländern, wo Presse *offensichtlich* Propaganda ist, sondern auch zu früheren Zeiten zumindest die "Mainstreampresse". Da gab es dann sicher von links und rechts kritischere, oft, aber nicht immer entsprechend ideologisch gefärbte Blätter, aber die gibt es ja heute auch. Ich weiß allerdings auch nicht, welche Zeiten und welche Presse Sie genau meinen, die visionärer gewesen sein soll. Ich denke da an sehr viel frühere Zeiten, wenn Sie das jetzt an den neoliberalen Diskurs aufhängen, meinen Sie vielleicht auch nur die 70er und 80er, wo ich Ihrer Aussage vielleicht sogar zustimmen könnte, ohne genauere Untersuchungen dazu zu kennen.
ebertus schrieb am 22.06.2011 um 19:13
"Links" oder "Rechts", da halte ich es mit Hannah Arendt, dass dies keine politischen Kategorien sind, eher Anlass für selektive Diffamierung, bestenfalls Schubladisierung.

Bei "Ideologie" stellt sich der Hintergrund wesentlich klarer dar und neoliberale (alternativlose!) Ideologie sorgt eben dafür, überall "Geschäftsmodelle" zu suchen, gern auch sehr innovative. Weil andererseits, und dies wird nach und nach auch der sog. Mittelschicht klar (verdeutlicht), droht heute der ökonomische Entzug als Disziplinierung auf der untersten Ebene der allseits bekannten Bedürfnispyramide; und eben nicht gleich die nächste Laterne, der nächste Baum.

Eine "freiere", "kritischere" Presse? Ja, eben die der finanzstarken, investorengesteuerten "zwanzig", den anderen bleibt die Nische unter rechtlich zunehmend restriktiveren Rahmenbedingungen, vom geplanten Leistungsschutzrecht bis zur Abmahnindustrie. Und wenn der "Vergleich" gar auf eher totalitäre Staaten und Gesellschaften bezogen wird, so ist das beinahe ein Offenbarungseid der (gespielten) Hilflosigkeit. Bitte, nicht auf Sie bezogen, eher generell erlebbar als beinahe Totschlagargument bei derartigen Diskursen.

Noch zu den "Visionen", gerade die der Qualitätsmedien. Grundsätzliche Fragen des menschlichen, des gesellschaftlichen, des kulturellen Seins aus der reinen Wissenschaftszentrierung (auch da wird "reformiert", reglementiert, ein anderes Thema) auf eine intellektuell hochstehende, dennoch allgemeinverständliche Ebene zu überführen ist für mich eine der Hauptaufgaben von Qualitätsmedien. Und es braucht dabei keine konkreten Namen, an denen man sich positiv wie negativ abarbeiten könnte.

Ein letztes zu den "Geschäftsmodellen" und wie bereits oben zu meinem Freitags-Blog verlinkt, halte ich das sog. Genossenschaftsmodell (taz, JW) neben dem des edlen Mäzen (Freitag) für die momentan einzig gehbaren Wege zwischen einem durchkommerzialisiertem Klamauck; gern auf gefühlt hohem Niveau und den NotProfit-Blogs. Regional, vielleicht auch branchenspezifisch mag sich dies (noch) etwas differenzierter darstellen, aber die Tendenz sollte deutlich sein, Illusionen jedweder, innovativer Art sind eher fehl am Platze.
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 20:15
!Bei "Ideologie" stellt sich der Hintergrund wesentlich klarer dar und neoliberale (alternativlose!) Ideologie sorgt eben dafür, überall "Geschäftsmodelle" zu suchen, gern auch sehr innovative."
"ökonomische Entzug als Disziplinierung auf der untersten Ebene der allseits bekannten Bedürfnispyramide"
Nun ja, das ist systeminherent. Ohne Geld für die minimalen Bedürfnisse kann ich nicht überleben, habe ich viel Geld, kann ich gesellschaftliche Macht ausüben, mir z.B. ein linkes Zeitungsprojekt kaufen. Ohne das System zu ändern kann ich diesen Zwängen nicht entfliehen.

"Eine "freiere", "kritischere" Presse? Ja, eben die der finanzstarken, investorengesteuerten "zwanzig", den anderen bleibt die Nische unter rechtlich zunehmend restriktiveren Rahmenbedingungen, vom geplanten Leistungsschutzrecht bis zur Abmahnindustrie. Und wenn der "Vergleich" gar auf eher totalitäre Staaten und Gesellschaften bezogen wird, so ist das beinahe ein Offenbarungseid der (gespielten) Hilflosigkeit."
Vorschlag: Welche Alternativen gibt es außer radikaler Veränderung des Systems? Die vergleichsweise kritische Presse ist uns ja auch nicht zugefallen.

"Grundsätzliche Fragen des menschlichen, des gesellschaftlichen, des kulturellen Seins aus der reinen Wissenschaftszentrierung (auch da wird "reformiert", reglementiert, ein anderes Thema) auf eine intellektuell hochstehende, dennoch allgemeinverständliche Ebene zu überführen ist für mich eine der Hauptaufgaben von Qualitätsmedien."
Wurde das tatsächlich früher mehr gemacht und heute nicht? Das ist mir noch nicht aufgefallen, aber ich lebe auch erst 20 Jahre in der BRD.

"wie bereits oben zu meinem Freitags-Blog verlinkt, halte ich das sog. Genossenschaftsmodell (taz, JW) neben dem des edlen Mäzen (Freitag) für die momentan einzig gehbaren Wege zwischen einem durchkommerzialisiertem Klamauck; gern auf gefühlt hohem Niveau und den NotProfit-Blogs. Regional, vielleicht auch branchenspezifisch mag sich dies (noch) etwas differenzierter darstellen, aber die Tendenz sollte deutlich sein, Illusionen jedweder, innovativer Art sind eher fehl am Platze."
Ja, Genossenschaften halte ich auch für die beste Idee derzeit - wenn sie denn funktionieren. Mäzene sind halt eine sehr schwierige Sache, weil sie schon nicht nur reflektiert und weitsichtig, sondern auch sehr charakterstark und korrekt drauf sein müssen, um dem Projekt nicht auch wieder zu schaden. Vor allem muss es ein Mensch sein, der mit Macht umgehen kann, auch auf Dauer - und das ist selten. Wenn Augstein nur halbwegs tatsächlich der Mensch ist, als den er sich nach außen darstellt, ist das schon ein rarer Glücksfall.

Ich halte auch Stiftungen direkt für das Projekt wie beim Guardian
www.gmgplc.co.uk/the-scott-trust/
www.guardian.co.uk/gnm-archive/2002/jun/06/1
bzw. die oben aufgeführt Anschubfinanzierungen durchaus für gängige Wege - und ich glaube auch an andere Möglichkeiten, die im speziellen getestet werden müssen (oder es bereits werden) und stehe dem Projekt öffentlich - rechtliche Zeitungen / Informationsportale ebenso wenig abgeneigt gegenüber wie der Kulturflatrate / Kulturmark. Kommt dann immer auf die konkrete Umsetzung an.
ebertus schrieb am 22.06.2011 um 21:48
Gehen wir @Popkontext mal zusammen davon aus, dass dieser "Glücksfall" noch etwas anhält, gar Weiterungen zeigt; die gewisse Nähe zum Guardian ist erkennbar, und dies nicht nur in (übersetzten) Crossposts.

Schließlich - wenn auch sehr kleinteilig - haben meine dreissig Jahre (1967 bis 97) wöchentliche Investition in das Medium des Rudolf Augstein das "Vermögen" des Jakob Augstein möglich gemacht.
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 22:52
Naja, da er das offenbar als sein Lebenswerk sieht wird er auch wenn's kracht oder gar nicht in die Schuhe kommt zumindest noch auf die eine oder andere Art einen eleganten Abgang machen und es nicht einfach so fallen lassen...Stiftung ist doch nicht schlecht ;).

Ich mach mir derweil mal Gedanken über Projekte, die ich auch als arme Kirchenmaus durchziehen kann, mit "innovativen Geschäftsmodellen"...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 22.06.2011 um 11:06
Die Zeitung als „Wundertüte“, - das ist wohl die beste Bezeichnung für "erschwinglichen Journalismus". Ja, gut das Sie die Mäzen dieser merkwürdigen Expertenrunde erwähnt haben.

War es nicht ausgerechnet die TAZ, die mit diesen ulkigen Honoraren den Anfang machte und die Honorare für freie Journalisten versaut hat? Alle die nach Thomas Schmidt in der TAZ herumspukten machten das alles nur noch schlimmer. Dabei ist nichts einfacher zu verstehen als das Qualitätsjournalismus nun mal Geld kostet. Ohne lesenswerte Inhalte keine Werbe- / Anzeigenkunden. Das ist ein Kreislauf.
Warum arbeiten wohl so viele Journalisten in PR Agenturen oder -abteilungen? Ich halte Open Source und Bereitstellung von kostenlosen Internet-Inhalten für wichtig, kann aber davon eben nicht leben. Die Logik daraus ist: WER ES SICH LEISTEN KANN sollte brav vom häuslichen Schreibtisch aus zum Spass schreiben und als glücklicher "Online-Journalist" die Welt erklären. Ob das dann Qualität ist, ist eine vollkommen andere Sache, vor allem weil es dann bald nur noch Leute gibt die es sich leisten können...

Im Arbeitsalltag geht's etwas pragmatischer zu: Nehmen wir z.B. den Nahen Osten, Asia Pacific oder andere Auslands-Reportagen: TAZ, SZ (mit Ausnahme der FAZ) rudern voll im Strom der Nachrichtenagenturmeldungen. Diese überregionalen Tageszeitungen sollten darum von freien Journalisten nicht fordern selbst die 200 Euro für die Übersetzer / Fahrer zu bezahlen, denn diese lokalen "Stringer" sind arm und berechnen natürlich auch einen Gefahrenzuschlag. Die DPA ist wie Dr Oetker Pudding, mehr nicht, - nur teurer.

Es sind doch gerade die überregionalen Zeitungen die während der 80ziger die kleinen Regional Zeitungen aufgekauft hatten (besonders die SZ) und jetzt wollen sie alles gratis haben, obwohl sie sich nicht mal eigene Korrespondenten leisten. Genau aus diesem Grund ist doch das Leserinteresse so gering!

Wenn diese Print-Medien nun Stiftungen fabrizieren, - gute Nacht! Die wollen noch nicht einmal Hotels, geschweige kugelsichere Westen zahlen. Die bescheidenen Honorare von 400 $ für einen Artikel, ohne Spesen, sind genauso hoch, wie die der Online Publikationen, z.B. "Salon", "Slate" usw, aber immer noch besser als HuffPo oder Freitag... Die Honorare der Printmedien jedenfalls decken heute nicht einmal annähernd das, was es kostet um diese Nachrichten zu produzieren. Von den Reisekosten ganz abgesehen. Von den durchschnittlich 10.000 bis 15.000 $ Honorareinnahmen während der 90ziger für freie Journalisten die aus "sozial instabilen" Regionen berichteten auf diese heute, 2011 auf die Hälfte geschrumpelt. Es gibt kein wirkliches Interesse weil in der sogenannten zivilsierten Welt der Ausverkauf hart erkämpfter sozialer Absicherungen genug Aufmerksamkeit abverlangen um die Wahrheit von Des-Informationen unterscheiden zu können.

Was die "grottenschlechten Regionalblätter" betrifft, das ist schlicht Humbug! Es sind in der Praxis gerade die grösseren Regionalblätter, die bereit sind etwas für Features zu zahlen, die eben nicht von den grottenschlechten Nachrichtenagenturen produziert werden. Auch wenn diese Zeitungen kaum Budgets haben, die Redaktionen in den Regional Zeitungen sind m.M. viel ambitionierter. Das Beispiel von der defizitären "Welt" passt darum genau. Es bedarf wenig Phantasie sich vorzustellen wenn dann bald der Qualitätsjournalismus in der "Bild" hoch gelobt wird. Verknappt ausgedrückt. Ich halte diese sgnt "Diskussionsrunden" für eine weitere Attacke der Überregionalen gegen die Regionalen Tageszeitungen.
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 14:31
Danke für die interessanten Anmerkungen! Das die schlechte Qualität zum Desinteresse bei den Leser/innen führt ist auch mein Reden - und einfach auc nur logisch. Aber in die Köpfe etablierter Blattmacher/innen scheint es nicht zu gehen.

Mit den niedrigen Honoraren bei der taz (und auch beim Freitag) finde ich eine zweischneidige Sache. Einerseits werden die Preise gedrückt, ja - sehr problematisch. Ich bin selber Freie (in prekären Verhältnissen) und kenne die Zahlungsunterschiede zwischen Süddeutscher und taz.

Andererseits - wenn man Blattmachen / Schreiben eben auch inhaltlich als gesellschaftspolitisches Engagement sieht auch wieder nachvollziehbar, wenn eben nicht mehr Geld da ist, und das Blatt trotzdem erscheinen soll.

Für Regionalzeitungen in dem Sinne habe ich selber nie geschrieben (das "Regionalste" war vor Jahren die Neue Presse Hannover, und das war vergleichsweise ok), aber was ich von dieser "Front" so höre und mitkriege von Kolleg/innen entspricht dem düsteren Bild: Es gibt oft nur noch eine Zeitung, die machen kann, was sie will, weil keine Konkurrenz da ist, es werden PR-Meldungen unverändert übernommen, um das Blatt vollzukriegen, Schreiber, die nicht das geringste Talent zum Fotografieren haben, wird eine Kompaktkamera in die Hand gedrückt, mit der sie ihren Beitrag auch noch bebildern sollen. Selbst bei der Magdeburger Volksstimme gab es schon vor zehn Jahren kein Redigat mehr - ein Kollege erzählte, dass seine hastig kurz vor Drucklegung verfassten Artikel, die nur so vor Rechtschreibfehlern und Satzdrehern strotzten, 1:1 ins Blatt übernommen worden sind...und ich rede da noch nicht mal von Inhalten.

Das schließt natürlich nicht aus, das es einzelne engagierte Projekte auf regionaler Ebene gibt, die das Vakuum füllen - die würde ich dann aber eben außerhalb der etablierten Medienhäuser suchen.
ebertus schrieb am 22.06.2011 um 15:12
@sachichma

"Ich halte Open Source und Bereitstellung von kostenlosen Internet-Inhalten für wichtig, kann aber davon eben nicht leben."

Was sicher nicht falsch ist, aber innerhalb der Leitplanken von "gottgegebenen" Geschäftsmodellen gedacht. Danach ist nichts umsonst, grundsätzlich den ökonomischen Sachzwängen unterworfen. Und wenn es nicht genug Kunden für mein Produkt gibt, dann - haben wir ja via sog. Bankenkrise gelernt - erkläre ich das Produkt für systemisch wichtig und rufe nach dem Staat; im konkreten Falle via Leistungsschutz"recht" und anderer Spielarten, die gern noch die Verwendung des kleinen Einmaleins, einzelner Wörter und Sätze unter Copyright stellen wollten.

Warum aus meiner Sicht das Leserinteresse immer geringer wird, hatte ich ja weiter oben bereits ansatzweise formuliert. Und wir Kälber müssen uns nun nicht auch noch den Metzger selbst aussuchen, wie an einem kleinen Beispiel erläutert werden mag:

Segregation und selektives Bashing, ob von integrationsunwilligen Migranten, faulen Südeuropäern, gefährlichen Arabern, schmarotzenden Hartzer etc. ist Teil des neoliberalen Individualisierens im Sinne von Teile und Herrsche. Ein Jugendfreund, Lehrer am Gymnasium, Beamter hatte eine sog. Qualitätszeitung über Jahrzehnte abonniert. Seit einiger Zeit nicht mehr - keine Frage also des es sich nicht leisten könnens, eher des nicht mehr wollens; und allfälliges Beamtenbashing, Arm in Arm von Landesregierung und Qualitätszeitung ist da nur ein Teil der Begründung.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 22.06.2011 um 13:43
Der Novy schon wieder.
Wie Stiftungen für Filz und Vetternwirtschaft im Umfeld international agierender Großkonzerne und ihrer corporate responsibility stiftenden Steuersparvereinigungen sorgen:

www.freitag.de/community/blogs/gsfrb/jugend-forschtstiftung-neue-verantwortung-teil-1-
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 14:10
Jetzt habe ich dich doch gleich mal "abonniert" - zu der Veranstaltung wäre ich gern hingegangen - ich finde es ja trotzdem interessant, gerade wenn man die Verfilzungen im Kopf hat. Noch interessanter wäre es mal, die spannenderen Leute aus solchen Veranstaltungen zu einer wirklich kritischen unabhängigen Veranstaltung zusammenzuholen - nur ob man dann die geforderten Honorare zahlen kann ist eher fraglich.
Popkontext schrieb am 22.06.2011 um 14:58
Hier noch ein interessanter Beitrag zum Thema vom Medienkongress 2011 aus der Community: www.freitag.de/community/blogs/hest/medienkongress-bezahlmodelle-panel-die-vier-von-der-durchhaltestelle/?searchterm=medienkongress
Popkontext
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Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
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