Popkontext

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20.06.2011 | 13:08

Jamel Shabazz: Neuer Film über den New Yorker Hip Hop-Fotografen

Als der damals 15jährige Jamel Shabazz Mitte der 70er anfing, in seinem Umfeld zu fotografieren, ahnte er noch nicht, das seine Bilder einmal ein wichtiges Zeitdokument nicht nur einer Ära, sondern auch eines Musikstils werden sollten, der seitdem die Welt erobert hat.

Shabazz fotografierte mit seiner Canon AE-1 35mm in Brooklyn, der Bronx und Manhatten die aufkeimende HipHop Kultur, Leute, die er cool fand. Er machte selten Schnappschüsse, lauerte nicht auf den Moment, wo sich sein Objekt unbeobachtet fühlt, sondern sprach die Leute direkt an und gab ihnen das Gefühl, etwas Besonderes zu sein: “Ich bin Jamel Shabazz und ich bin Fotograf. Wenn ich dich sehe, sehe ich Größe. Ich sehe die Zukunft.”

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Jamel Shabazz 1983 / Copyright: Jamel Shabazz

 

Die Zukunft ist nun lange Vergangenheit; was war, hat inzwischen ganz neue Formen angenommen, die Protagonist/innen, so weit noch am Leben, inzwischen ältere Semester, und ihre Ikonen hängen im Museum. Unter anderem Shabazz’ Bilder von B-Boys und Fly Girls in Kangol-Hüten, Adidas-Windjacken und Puma-Turnschuhen, die für seine Kamera posierten. Seine liebsten Fotografierorte waren die Straße und die U-Bahn – wegen der Menschen dort, aber auch wegen des Lichts. Schon der leicht bräunliche Charkter der zumeist farbigen Kodak-Abzüge erschein vintage.

Die Welt, die Shabazz dokumentiert hat, kommt uns heute merkwürdig fern und unschuldig vor – und gleichzeitig vertraut. Einer, der uns Nachgeborenen, in Deutschland Lebenden diese fremden Orte und die ferne Zeit näher gebracht hat, ist der Regisseur Charlie Ahearn. Er hat einen der populärsten frühen HipHop-Filme gedreht – Wild Style, 1982, zwei Jahre, nachdem die neue Ghettokultur des schwarzen New York auch international bekannt geworden war. Er ist ein langjähriger Freund von Shabazz und hat nun unter dem schlichten Namen Jamel Shabazz – Street Photographer einen Dokumentafilm über ihn gedreht.

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Aus dem Bildband Back in the Days / Copyright: Jamel Shabazz / Courtesy Powerhouse Books

 

Schon 2003 gab es eine gemeinsame Foto-Ausstellung über die Roots der HipHop-Kultur: Under One Groove im niederländischen Eindhoven. Der Dokumentarfilm geht jedoch über die alten Tage hinaus. Denn bis heute zieht Shabazz, der jetzt mit einer digitalen Contax 645 Mittelformatkamera vor allem in seinem Lieblingsort Brooklyn arbeitet, tagtäglich aus, um das Leben vor allem der Afroamerikaner in New York zu dokumentieren, in allen Wandlungen der letzten 30 Jahren. Seine Fotos hat er in den 2000ern in drei Bildbänden zusammengefasst: Back in the Days, über die Hip Hop Kultur 1980-89, The Last Sunday in June über die Gay Pride Parade, und A Time Before Crack, wieder über die Hip Hop-Kultur 1979-1985. Dazu kommt das autobiografischen Seconds of My Life, das mit der Geschichte beginnt, als der Neunjährige von seinem Vater das Buch Black in White America von Leonard Freed gezeigt bekommt.

Er sah sich schon immer auch als Geschichtenerzähler und Lehrer, ein Griot der Großstadt mit modernen Mitteln. Aber seine Bilder sind auch ein “Bildertagebuch seines Lebens”, wie Shabazz es sagt. So kommen Persönliches, lokale Geschichte und globale Kulturgeschichte in Shabazz Arbeit zusammen. Im Film kommen zudem Rapper wie Fred Brathwaite, aka Fab 5 Freddy, und KRS-One, zu Wort, um Shabazz Arbeit in diese Geschichte einzuordnen.

Ahearns siebenundsiebzigminütiger Film soll am 26. Juni auf dem Brooklyner Filmfestival BAMcinemaFEST Premiere feiern.

Website Jamel Shabazz
Website Charlie Ahearn
Fotos aus dem Bildband Back in the Day
Interview with Jamel Shabazz (English) via Miss Rosen
Interview with Jamel Shabazz via

Fotogalerie bei der NYT
Fotogalerie bei GUP Magazine

Originaltext bei Popkontext.de

 
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Kommentare
Baphomed schrieb am 20.06.2011 um 16:16
Hallo Pop,

ich kannte Ihn Zwar noch nicht aber was ich so jetzt in den links gesehen habe ist es wert gesehen zu werden.

Liebe Grüße
Baphomed
Popkontext schrieb am 20.06.2011 um 17:25
Lieber Baphomed,

ich kannte zwar den Regisseur, aber den Fotografen noch nicht. Neben der Tatsache, dass mir die Bilder gefallen und sie auch wichtige Zeitdokumente sind, fand ich zwei Sachen interessant - a) dass er im Gegensatz zu vielen anderen, die diesen Musikstil / die Zeit dokumentierten (z.B. auch Regisseur Charlie Ahearn), selber Afroamerikaner ist, und b) dass er sich autodidaktisch einen recht ungewöhnlichen Stil angeeignet hat - dass er die Leute gezielt posen läßt. Üblicher ist es bei solcher Art Fotografie, zu versuchen, das so authentisch und möglichst unbeobachtet wirken zu lassen.
goedzak schrieb am 20.06.2011 um 22:53


PS: Das Originalfoto stammt aus der Prä-HipHop-Zeit und ist nicht von Jamel Shabazz! :))
wahr schrieb am 24.06.2011 um 14:02
Habe jetzt ein paar Tage gewartet, ob mir zu dem wirklich gut und detailliert geschriebenen Text noch irgendwas Gescheites einfallen sollte. War dann aber nicht. Daher erstmal nur: Danke, Popkontext!
Popkontext schrieb am 24.06.2011 um 15:36
Danke für die freundlichen Wort. Mir geht es manchmal auch so, dass mir nichts weiter dazu einfällt, auch wenn ich den Text gut fand - ein nettes Feedback auch so ist aber immer schön!
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