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Ende letzten Jahres erschien das Debütalbum der Britin Anika Henderson, das Musikfreund/innen aufhorchen lies: Neben eigenen, oft politischen Gedichten interpretiert die Anfang 20jährige aus Bristol darauf eigenwillig Fremdkompositionen von Bob Dylan bis Yoko Ono. Bei Musik und Arrangements wurde sie von niemand Geringerem als Geoff Barrow (Beak>, Portishead) unterstützt. Der hatte das Projekt auch in Gang gebracht.

Foto: Barbara Mürdter
Henderson, die als Bookerin und politische Journalistin in Cardiff und Bristol gearbeitet hat und seit ihren Teenagertagen Gedichte schreibt, hatte sich lediglich als Sängerin für Barrows neues Projekt Beak> beworben, ohne genau zu wissen, wer er war. Nach der Begegnung und einer Probesession war Barrow klar, dass die Frau mehr Potential hat. Der Vergleich mit Nico, der ihr gleich aufgedrückt wurde, passt nur soweit, als dass auch Henderson eine attraktive, schlanke, großgewachsene Frau mit blonden Haaren, großer Ausstrahlung und einer ungewöhnlichen Stimme ist. Ansonsten ist sie nicht nur deutlich eigenständiger und selbstbewußter, sondern erscheint auf sympathische Art abgeklärt und ausgeglichen. Ihr Gesang und ihre Interpretation der Songs wirken im positiven Sinne wie aus der Zeit gefallen, sie klingen anders als alles bisher gehörte, ohne dass sie die Musik in irgend einer Weise neu erfunden hätte. Auf die Umsetzung auf der Bühne darf man sehr gespannt sein.
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Update: Fotos vom Konzert in Berlin
Tourdaten:
23.05. Köln Gebäude 9
24.05.Berlin Festsaal Kreuzberg
25.05. Hamburg Kampnagel
26.05. Frankfurt Sinkkasten
27.05. München Kranhalle
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Geschmackssache. Ich find sie toll, und befinde mich damit in guter Gesellschaft. Durch den "mauen Anspieltipp" bin ich auf sie aufmerksam geworden.
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Seit wann war übrigens "singen können" je ein relevanter Maßstab in der Popmusik. Fanshaw finde ich übrigens ganz hübsch, aber nicht weiter bemerkenswert. So unterschiedlich sind die geschmäcker.
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"Seit wann war übrigens "singen können" je ein relevanter Maßstab in der Popmusik. "
Dem schließe ich mich gerne an. |
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Wenn sie jetzt total schief singen würde könnte ich den Kritikpunkt ja noch verstehen. Aber sie versucht es ja gar nicht, sondern verlegt sich auf Sprechgesang, und das ist stimmig.
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Gesang war immer DER Maßstab in der Popmusik.
LKJ ist Sprechgesang, Anika trifft die Töne nicht und hat absolut keine besondere Stimme, im Gegensatz zu Nico. Also, die nachfolgenden Anika songs gefallen mir viel besser...hübscher Retro Sound, fühl mich in die 80er zurückversetzt. |
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Da ist der kleine, aber feine Unterschied zwischen "Gesang" und "singen können". "Richtiges" Singen im klassischen Sinne, und auch eine richtige Gesangsstimme haben, spielte in der Popmusik nie eine wirkliche Rolle, sondern es stand immer der Ausdruck, das Gefühl, das vermittelt wird im Vordergrund, individuell, teilweise von Stimmen, wo Gesangslehrer/innen eine Krise kriegen.
New Age Steppers finde ich großartig. |
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Ok, sie kann nicht richtig singen UND trifft die Töne nicht.Töne zu treffen spielte in der Popmusik
immer eine wirkliche Rolle.Hätten die Beatles wie Frau Anika gesungen würden wir sie heute nicht kennen ;) |
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Die Beatles sind nun das schlechteste Beispiel. Der harmonische Satzgesang. Im Punk und New Wave sah das ganz anders aus, und in diese Traditon setzt du sie ja und da sieht sie sich glaube ich auch tendentiell.
Fiel mir gerade nochmal zu den New Age Steppers ein, allerdings sing hier Mark Stewart (auch aus Bristol) zumindest auf der Aufnahme besser, als ich es in Erinnerung hatte...;) Ist aber auch eins ihrer harmonischsten Stücke: |
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Vor einigen Wochen lief auf arte eine Themenwoche zu Musik, darunter auch eine Reportage über die Musikszene in Bristol. Was ich nicht wusste, durch die dorthin verschleppten Afrikaner in der Sklavenzeit ist die Szene so soul- und beatlastig geprägt, der Rest ist dann britische Exzentrik. :-)
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schrieb am
20.05.2011 um 17:25
Ich hatte mal eine ausgeprägte Tricky-Phase, da lief "Christiansands" nonstop.
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Ja, Trickys debüt ist ein Meisterwerk, der Rest sehr durchwachsen, finde ich.
"die dorthin verschleppten Afrikaner in der Sklavenzeit ist die Szene so soul- und beatlastig geprägt" Oje, da bist du bei der richtigen gelandet, eines meiner Spezialthemen. Also da liegen ein paar Jahrhunderte dazwischen. Aber in vielen britischen Hafenstädten entstanden in den letzten Jahrhunderten kleine bis mittelgroße schwarze Communities, oft auch Seeleute oder freie Ex-Sklaven etc. Aber die große Einwanderungswelle aus der Karibik vor allem kam nach dem zweiten Weltkrieg, weil da Arbeitskräfte gebraucht wurden. Die haben dann jeweils die aktuelle Musik aus ihrer Heimat mitgebracht, und auch afroamerikansiche Musik gehört, Jazz und Soul, Ska, Reggae und Calypso. Das hat wohl in Bristol besonders starke Auswirkungen auf die Musikszene gehabt (allerdings nicht nur da). 1980 kam dann noch HipHop dazu, der angeblich auch über Musiker aus Bristol nach GB reinkam (jedenfalls behauptete das mal einer der Beteiligten mir gegenüber: www.popkontext.de/index.php/2010/02/21/der-noise-faktor/) Das Grundgemisch soll dann in Trip-Hop gemündet sein, Tricky, Portishead und Konsorten. Und jetzt kriegt es Anika via Geoff Barrow zumindest in der Musik verpasst. Sie ist ja eigentlich eher Schreiberin und Interpretin. |
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schrieb am
20.05.2011 um 17:56
Also, ich habe nur wiederholt was die Musiker im Beitrag selbst gesagt haben, das mit der zweiten Einwanderungswelle wurde entweder nicht erwähnt oder ich habe es nicht mitgekriegt. Kann auch vorkommen.
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schrieb am
20.05.2011 um 18:19
Noch schnell und kurz, weil off-topic und die Freitag-Feierabend-Bimmel klingelt gleich:
was hälst du von Goldfrapp, wo wir bei Tricky sind, ich finde die haben von Album zu Album immer mehr nachgelassen. Ab "Clowns" habe ich sie nicht mehr gekauft. Und dann suche ich seit Tagen einen Musiker und seine Lieder aus NY, Freund von Björk, macht nachdenkliche, politische Songs, ist sehr kamerascheu, propper im Aussehen mit langen dunklen Haaren... ich komme nicht auf seinen Namen! Tschüss |
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Naja, durch die Kolonialgeschichte bedingt haben in Großbritannien seit dem 16. Jahrhundert immer ein paar Schwarze gelebt. Aber nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Leute in der Karibik, denen ja auch immer erzählt wurde, GB sei das Mother Country, und wo die Arbeitslosigkeit zu der Zeit auch sehr hoch war, gezielt für den britischen Arbeitsmarkt rekrutiert, als Krankenschwestern, Eisenbahnpersonal, Busfahrer etc.
Der Klassiker halt - sie selbst und auch die einladenden dachten, sie gehen halt zurück, wenn sie nicht mehr gebraucht werden bzw. genug verdient haben. War dann aber nicht andem - und als sich in GB Ende der 60er auch die ersten Anzeichen der Rezession zeigten gab es die berühmte Rivers of Blood Rede vom rechtsradikalen Enoch Powell (BNP), der meinte, die Leute sollen wegbleiben und gehören nicht nach GB, und auch zu Zureise wurde erschwert. Aber da war GB schon ein Multikultiland, und wird es auch bleiben, egal was die BNP macht. Der Einfluss von (Dub-)Reggae im Punk kommt z.B. auch durch die erste Generation in Großbritannien geborener schwarzer Jugendlicher, bei den Clash z.B. vor allem durch diesen Herren hier, der sehr viel zum Thema zu sagen hat: www.popkontext.de/index.php/2010/08/28/don-letts-neuer-film-carnival-feiert-fernsehpremiere/ Interessant zum Thema auch der Herr, den sich hier ein junger britische DJ eingeladen hat, Linton Kwesi Johnson: www.popkontext.de/index.php/2011/04/04/video-hiatus-feat-linton-kwesi-johnson-insurrection/ |
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Goldfrapp - sehe ich genauso. Das letzte Album war grausam. Ünbelster Mainstream (und gegen gut, und von fitten Leuten gemachten Mainstream sag ich ja gar nicht mal was).
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Die Beschreibung passt auf den Typen, aber der war's wohl nicht ;) www.popkontext.de/index.php/2011/02/18/bjork-kundigt-album-mit-dem-syrischen-musiker-omar-souleyman-an/
Ich überlege mal... |
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Die Beschreibung passt auf den Typen, aber der war's wohl nicht ;) www.popkontext.de/index.php/2011/02/18/bjork-kundigt-album-mit-dem-syrischen-musiker-omar-souleyman-an/
Ich überlege mal... |
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schrieb am
20.05.2011 um 19:55
Nee, der isses nich, sein Name klang britisch. Egal. Ich werds schon noch mal rausfinden. So, nun gucke ich Augstein & Blome.
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Ich hab erstmal vor Lachen auf dem Boden gelegen...du wirst sehen, warum. Viel Spaß...
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schrieb am
20.05.2011 um 20:08
(Wegen der Frisur?)
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Si, aber hallo. Leider hat die Stylistin / der Stylist das nicht so richtig hingekriegt, und er fühlte sich merklich verunsichert. Da muss noch ein bisschen geübt werden.
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Zu dem Björk-Typ fällt mir jetzt spontan übrigens nichts ein.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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