Laurie Anderson ist seit 35 Jahren als Künstlerin und seit fast 30 auch als Musikerin unterwegs. Sie hat nicht nur einen einzigartigen eigenen Erzählstil entwickelt, sondern auch diverse elektronische Instrumente und andere Verfremdungsmöglichkeiten von Klang, die ihren Sound bestimmen, der trotz aller Abstraktion - wenn auch oft versteckt - von einer eine tiefen Wärme gekennzeichnet ist. http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/04/laurie-anderson-steffi-loos.jpg Nimmermüde, hat sie auch in den letzten Jahren diverse Projekte entwickelt, manche nur für ein einziges Event wie ihr Concert for Dogs in Sydney gemeinsam mit ihrem Mann Lou Reed, oder kürzlich im Rahmen einens Konzerts für Japan mit Reed und Philip Glass. Mehrere Jahre arbeitete sie an ihrem bereits 2007 konzipierten Konzeptwerk Homeland, das 2010 auch als ihr erstes Studioalbum seit fast zehn Jahren veröffentlicht wurde.
Jetzt hat sie unter dem Namen Delusion, (Selbst-)Täuschung, ein neues Konzeptwerk entwickelt, das im vergangenen Jahr bei der Winterolympiade in Vancouver uraufgeführt wurde und u.a. am Londoner Barbican Theatre lief. Nachdem Anderson uns 2009 in Berlin mit einem "Querbeet"-Konzert mit Stücken aus verschiedenen Schaffensphasen beglückte und kurz danach in Frankfurt mit Reed den Liederabend The Yellow Pony and Other Songs and Stories aufführte, haben sie die Volksbühne Berlin und die Kampnagel Fabrik in Hamburg mit dieser neuen Produktion wieder nach Deutschland geholt.
Delusion ist ein Gespräch zwischen Laurie Andersons Stimme und ihrem Alter Ego, einer über die Jahre in ihren Nuancen und Bedeutungen veränderten elektronisch modifizierten, die verschiedene imaginäre Figuren verkörpert. Begleitende Bilder werden ebenfalls modifiziert, indem sie nicht auf die üblichen zweidimensionalen Rechtecke, sondern andere Formen projiziert werden. Die 20 "Kurzerzählungen", wie Anderson sie nennt, bewegen sich zwischen Traum und dem als real erfahrenen Leben und die (unter anderem dadurch entstandenen) erfahrenen Konflikte in der eigenen Wahrnehmung. Es geht um Zwischenmenschliches und eigene Gefühle, große Dinge wie Sehnsucht, Erinnerung, Identität und Tod. Das klingt vielleicht etwas überkandidelt, aber wenn eine Künstlerin diese Themen zu einem eindrucksvollen, gleichermaßen unterhaltsamen wie zum (Nach-)Denken anregenden Abend umsetzen kann, dann Anderson. Also keinesfalls verpassen!
Tourdaten:
17. / 18. Mai Volksbühne Berlin
20. / 21. Mai Kampnagel Hamburg
24. Mai Hellerau Festival Dresden
28. / 29. Mai Theater Nordhausen
Bildquelle: Steffi Loos / Fotokombinat (mit freundlicher Genehmigung)