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Laurie Anderson ist seit 35 Jahren als Künstlerin und seit fast 30 auch als Musikerin unterwegs. Sie hat nicht nur einen einzigartigen eigenen Erzählstil entwickelt, sondern auch diverse elektronische Instrumente und andere Verfremdungsmöglichkeiten von Klang, die ihren Sound bestimmen, der trotz aller Abstraktion - wenn auch oft versteckt - von einer eine tiefen Wärme gekennzeichnet ist.
Nimmermüde, hat sie auch in den letzten Jahren diverse Projekte entwickelt, manche nur für ein einziges Event wie ihr Concert for Dogs in Sydney gemeinsam mit ihrem Mann Lou Reed, oder kürzlich im Rahmen einens Konzerts für Japan mit Reed und Philip Glass. Mehrere Jahre arbeitete sie an ihrem bereits 2007 konzipierten Konzeptwerk Homeland, das 2010 auch als ihr erstes Studioalbum seit fast zehn Jahren veröffentlicht wurde.
Jetzt hat sie unter dem Namen Delusion, (Selbst-)Täuschung, ein neues Konzeptwerk entwickelt, das im vergangenen Jahr bei der Winterolympiade in Vancouver uraufgeführt wurde und u.a. am Londoner Barbican Theatre lief. Nachdem Anderson uns 2009 in Berlin mit einem "Querbeet"-Konzert mit Stücken aus verschiedenen Schaffensphasen beglückte und kurz danach in Frankfurt mit Reed den Liederabend The Yellow Pony and Other Songs and Stories aufführte, haben sie die Volksbühne Berlin und die Kampnagel Fabrik in Hamburg mit dieser neuen Produktion wieder nach Deutschland geholt.
Delusion ist ein Gespräch zwischen Laurie Andersons Stimme und ihrem Alter Ego, einer über die Jahre in ihren Nuancen und Bedeutungen veränderten elektronisch modifizierten, die verschiedene imaginäre Figuren verkörpert. Begleitende Bilder werden ebenfalls modifiziert, indem sie nicht auf die üblichen zweidimensionalen Rechtecke, sondern andere Formen projiziert werden. Die 20 "Kurzerzählungen", wie Anderson sie nennt, bewegen sich zwischen Traum und dem als real erfahrenen Leben und die (unter anderem dadurch entstandenen) erfahrenen Konflikte in der eigenen Wahrnehmung. Es geht um Zwischenmenschliches und eigene Gefühle, große Dinge wie Sehnsucht, Erinnerung, Identität und Tod. Das klingt vielleicht etwas überkandidelt, aber wenn eine Künstlerin diese Themen zu einem eindrucksvollen, gleichermaßen unterhaltsamen wie zum (Nach-)Denken anregenden Abend umsetzen kann, dann Anderson. Also keinesfalls verpassen!
Tourdaten:
17. / 18. Mai Volksbühne Berlin
20. / 21. Mai Kampnagel Hamburg
24. Mai Hellerau Festival Dresden
28. / 29. Mai Theater Nordhausen
Bildquelle: Steffi Loos / Fotokombinat (mit freundlicher Genehmigung)
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Ich habe mich mit Laurie Anderson nie so richtig beschäftigt, nur aus der buchstäblichen Entfernung - wenn z.B. eine Mitbewohnerin sie in ihrem Zimmer hörte - bekam ich sie mit. Oder durch ihren Hit (Superman). Oft gefiel mir ganz gut, was ich da hörte. Manchmal empfand ich ihr Sprechen als zu penetrant im Vordergrund, fast schon dozierend, ich hatte das Gefühl, sie verpasst da eine Chance, subtiler zu wirken. Andererseits finde ich den Ausschnitt von den "Delusion Highlights" sehr gut, denn zu einer Theateraufführung passt es ja wieder, wenn die Stimme so prägnant ist. Auf der Bühne könnte mich das also beeindrucken. Danke für deinen informativen Text, Popkontext!
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Für mich ist Laurie Anderson im westlichen Popkosmos ja in viellerlei Hinsicht das weibliche Pendent zu David Bowie. Sie hat einerseits ihre eigene Welt geschaffen, war andererseits auch enorm einflußreich, mit der Art ihrer Performance, aber auch technisch (manipulierte Instrumente und Sounds). Sie ist sehr klug und belesen, sehr philosophisch, allerdings sehr viel menschlicher als Bowie in ihrem Schaffen.
"Manchmal empfand ich ihr Sprechen als zu penetrant im Vordergrund, fast schon dozierend, ich hatte das Gefühl, sie verpasst da eine Chance, subtiler zu wirken." Mag sein, gestern haben mich die deutschen Obertitel gestört - ich kann fließend Englisch und verstehe sie auch, aber gerade bei einer stark auf die visuell-akustisch Erfahrung ausgerichteten Performance störten das Lesen müssen UND der nüchterne Anblick der Worte, die so doch manchmal latent platt wirkten. Man bei einem mündlichen Vortrag doch anders hin, passt mal nicht auf, hängt eigenen Gedanken nach. Gesprochene Worte wirken, gerade wenn es um Emotionales geht, anders als geschriebene. "Dozierend" im Sinne von vordergründig belehrend ist Anderson eigentlich nicht. Sie erzählt Geschichten, die oft Fabelcharakter tragen. Ja, und Subtilität (im Vortrag) übersetzt sich hier mit fehlender Sanftheit und wird leider von Frauen unreflektiert erwartet. Das schätze ich gerade auch an Anderson, dass sie für mich mal ein Rollenvorbild jenseits der klassischen weiblichen Klischees ist (obwohl sie eigentlich was sehr mütteliches hat, genau wie Peaches übrigens auf ihre Art). |
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Schenke im 2. Absatz im letzten Satz ein "hört" dazu und nehme im dritten dafür im 2. Satz ein "fehlender" weg. Sorry ;)...
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@Popkontext
""Dozierend" im Sinne von vordergründig belehrend ist Anderson eigentlich nicht. Sie erzählt Geschichten, die oft Fabelcharakter tragen. Ja, und Subtilität (im Vortrag) übersetzt sich hier mit fehlender Sanftheit und wird leider von Frauen unreflektiert erwartet." Ja, es kann gut sein, dass ich hier tradierte Sichtweisen unreflektiert übernommen habe. Ich mag es zudem aber generell in der Musik nicht so gerne, wenn die Stimme die Musik zu sehr in den Hintergrund drängt. Klingt dann für mich ein bisschen wie Hörspiel mit Musikuntermalung. Geht mir zum Beispiel auch so bei einigen Songs von Tom Waits, wenn er in die Theatermusik-Kiste greift. Als Aufführung finde ich es OK, als Konserve eher nicht. Mein Vorwurf des "Dozierens" ist aber auf jeden Fall ziemlicher Quatsch. Das war mir dann auch schnell klar. Nur war dann kein Rechner in der Nähe, ums nochmal zu berichtigen. |
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"Hörspiel mit Musikuntermalung" ist es ja auch streckenweise. Und dann kommen wieder Passagen, wo die Musik im Vordergrund steht.
Dass man hier nicht korrigieren kann, finde ich übrigens schade - ich habe manchmal auch schon Sachen gehabt, wo ich im Moment des Postens merkte, das ist eigentlich Unfug, da habe ich schief gedacht - und schwupps steht es unwiderruflich da :(... |
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Da bist du nicht der / die (?) einzige. Was mich und andere Leute, die sie kennen, immer wieder erstaunt - sie ist ein Weltstar.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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