Popkontext

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18.12.2011 | 04:15

Zum Tod von Cesária Évora

Die kapverdische Musikerin Cesária Évora ist tot. Bereits im September sagte sie aus gesundheitlichen Gründen für Oktober geplante Konzerte ab und verkündete das Ende ihrer aktiven Karriere. Im Frühjahr hatte sie trotz gesundheitlicher Probleme und mehrerer Operationen, nach dem sie 2008 auf einer Australien-Tour einen Schlaganfall erlitten hatte, noch gefeierte Konzerte gegeben. Im Oktober 2009 war ihr letztes Album Nha Sentimento erschienen.
 

cesaria evora

Foto: via cesaria-evora.com/

 

Évora war Anfang der 90er im Zuge des Weltmusikbooms im Westen bekannt geworden. Sie wurde 1941 in der Hafenstadt Mindelo auf der Insel São Vicente in einer Musikerfamilie geboren und wuchs teilweise im Heim und bei Pflegeeltern auf. Mit 14 begann sie professionell zu singen. Sie schöpfte aus der von der Durchmischung der Traditionen der europäischen, zumeist portugiesischen, Siedler und afrikanischer Sklaven entstandenen Musikkultur des Inselstaats vor der westafrikanischen Küste, der erst 1975 im Zuge der portugiesischen Nelkenrevolution seine Unabhängigkeit erlangte. Das erst im 15. Jahrhundert mit der Kolonialisierung Afrikas und der Entdeckung Amerikas besiedelte Archipel hatte vor allem im transatlantischen Sklavenhandel eine wichtige Rolle gespielt.

Évora sang den Morna genannten Stil im heimischen kreolische Dialekt. Bis sie 1988, mit 47 Jahren, ihren ersten Plattenvertrag bekam, lebte sie von Auftritten in den Kneipen der Stadt. Ihr Song Miss Perfumado war 1992 ihr weltweiter Durchbruch, der sie vor allem in der so genannten “Weltmusik”-Szene auch jenseits des portugiesischen Sprachraums zum Star machte.

Sie nahm zwölf Studio-Alben auf, veröffentlichte mehrere Live-Alben und war auf Compilations vertreten. 2008 fanden sich verschollen geglaubte Aufnahmen wieder an, die sie zwischen 1959 und 1961 für das lokale Radio gemacht hatte, die nun unter dem Titel Radio Mindelo erschienen. Als Quasi-Botschafterin der kapverdischen Kultur öffnete sie durch ihre internationale Bekanntheit auch die Türen für andere, jüngere Künstler/innen aus ihrem Land, wie Mayra Andrade, Lura und Tcheka Andrade.

 


 

 

Text zuerst veröffentlicht auf Popkontext.de

 

 

 
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Kommentare
Don Quijote schrieb am 18.12.2011 um 09:07
Seit ich Cesária Évora zum ersten Mal hörte, sind die Kapverdischen Inseln ein unbedingtes Reiseziel für mich. Eine Gegend, wo diese Musik herkommt - da muß ich hin! Sie erzeugt Heimweh in mir, unmittelbar.

Ich trage viele Erinnerungen an von ihrer Stimme durchschwungene Sommerabende und leise Feste mit mir. Sie ist definitiv eine meiner Lieblings-Sängerinnen, neben etwa Violeta Parra und Kathleen Ferrier, deren Eindruck auf mich ebenso unentrinnbar ist.

Cesária Évora, ich sende Dir einen leisen Gruß.

Q.
Popkontext schrieb am 18.12.2011 um 13:24
@Don Quichote
Ja, hinfahren würde ich da auch sehr gern mal. Mit der Musik im Ohr...
Rosa Sconto schrieb am 18.12.2011 um 11:07
Fein das Du hier an Cesaria Evora erinnerst. Die Menschen dort auf São Vicente sind so arm das sie sich nicht einmal Schuhe leisten konnten und wenn ich diese kargen vulkanischen Berge sehe, wundert es mich auch nicht das sie etwas "blues-ig" singt...

Popkontext schrieb am 18.12.2011 um 13:13
Ja, ich wußte zwar um die Geschichte der kapverdischen Inseln, aber habe ich in dem Zusammenhang gerade auch nochmal nachgelesen. Ökonomisch war das ja nur als damals Sklavenumschlagplatz / Station auf dem Weg nach Amerika interessant. Und dann eben als Verbannungsort / KZ-Insel. Salz und die komischen Flechten zum Färben sind heute auch nicht mehr so interessant. Da bleibt nicht viel Exportgut außer Musik.
Popkontext schrieb am 18.12.2011 um 13:40
Manche Sachen aus der Musikszene sind mir ja auch zu glatt, aber einige mag ich sehr. Und ich höre dieses kreolische Portugiesisch auch so gern...



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