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Wer in Rostock wohnt und mit der S-Bahn nach Warnemünde an den Strand fährt, sieht es jedes Mal: das "Sonnenblumenhaus" in Rostock-Lichtenhagen, Schauplatz der sogenannten Lichtenhagener Progrome im August 1992.
Damals war dort, in der Mecklenburger Allee 18 und 19 die ZAST (Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge) und direkt daneben ein Asylbewerberheim untergebracht. Die massiven rassistischen Ausschreitungen die dort stattfanden sind wohl den meisten Leuten bekannt.
Die Freie Theaterjugend Rostock hat diese Vorkommnisse in einem Theaterstück aufgearbeitet. Minimalistisch, aber sehr gut umgesetzt, wird die Geschichte fünf Rostocker Jugendlicher vom Fall der Mauer bis hin zur Mitwirkung der Angriffe auf das Asylbewerberheim und auch die Reaktionen darauf dargestellt.
Ronny, Sascha, Sandra, Claudia und Julia feiern den Mauerfall und die dadurch gewonnen Freiheit. Doch der Zerfall der Freunde steht bevor. Sandra geht mit ihren Eltern nach Hamburg, da die Maueröffnung in Rostock vorerst nicht viel Positives bewirkt. Ronnys Vater verfällt dem Alkohol und tyrannisiert die Familie, die zusätzlich angespannte Stimmung durch die Asylbewerber im Sonnenblumenhaus (und auch drum herum, wegen mangelnden Platzes) treibt ihn in die rechtsradikale Szene; Freundin Julia zieht er dort mithinein. Claudia entscheidet sich für die andere Seite und orientiert sich stark links. Sascha geht zur Polizei und steht fortan allen seinen ehemaligen Freunden gegenüber.
Die Situation der Asylbewerber wird durch das aus Bulgarien stammende Pärchen Yurii und Ileana verkörpert.
Zusätzlich dargestellt wird die Politik und Polizei Rostocks, in Form einer wahrheitsverdrehenden Politikerin und eines lügenden und Sachverhalte herunterspielenden Polizeichefs, die beide eine Affäre anfangen und sich bei Anschuldigungen gegenseitig decken.
Mit anfänglichem Witz, der immer mehr in Tragik und Grauen umschlägt, und wörtlich übernommenen Phrasen und Dialogen der damals agierenden Personen (u. a. Polizeichef Siegfried Kordus, Innenminister Lothar Kupfer) gelingt es dem kleinen Ensemble, die Stimmung passend zu gestalten.
Auch Kleinigkeiten, wie das berühmte Foto des hitlergrußzeigenden Fußballfans mit der urinbefleckten Hose oder der Verweis auf die danach gegründete Bewegung Bunt statt Braun e.V. werden in dem Stück verarbeitet.
Am Ende wird auf die Schuldfrage verwiesen und verdeutlicht, dass sowohl die Rostocker Polizei, als auch die Akteure der Stadt- und Innenpolitik mit verwischten Aussagen versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen.
Insgesamt ein sehr gelungenes Theaterstück, welches beweist, dass auch fast 10 Jahre nach diesen Vorfällen das Thema Rechte Gewalt auf keinen Fall ignoriert werden darf und das auch Zusehen und Beifallklatschen verachtenswert und ein Verbrechen ist.
Reportage über Rostock-Lichtenhagen:
kanalb.tv/media/video/the_truth_lies_in_rostock.ogg
Bericht über das Theaterstück Bis zum Anschlag:
www.rostock-heute.de/bis-zum-anschlag-freie-theater-jugend-rostock-peter-weiss-haus/20664
Bunt statt Braun e.V. :
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Wenn die Wolke auf der Autobahn weg ist, fahrich mal wieder hin.
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Ein Beitrag, ein Hinweis, der es verdient hätte hier sehr ernsthaft reflektiert zu werden.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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