Becci A.

.youth for politics.

22.02.2011 | 00:26

Neukölln grüßt Rostock - Eine 1/4 - Liebeserklärung

Rostock ist eine schöne Stadt. Das Meer ist vor der Tür, die Altstadt ist schön, als Student spart man überall, sogar beim Bäcker. Aber es ist so anders...

...so anders als Berlin. Das fällt einem aber erst so richtig auf, wenn man, ganz der erfahrene Berliner, mit ausgefahrenen Ellenbogen und im Stechschritt durch das - kleine- Einkaufszentrum marschiert. Hier weichen einem nämlich plötzlich alle Leute mit irritiertem Blick aus. Angestaute Agressionen verpuffen langsam und man merkt, man kann hier ein paar Gänge runterschalten.

Ich mag Rostock mittlerweile. Es ist eine angenehme Stadt, vor allem für Studenten. Die Leute dort sind wirklich und wahrhaftig größtenteils freundlich und hilfsbereit, dort herrscht nicht eine solche Hektik und generell ist alles dort ein wenig entspannter. Auch das Klima an der Uni ist angenehm familiär, obwohl wir auch an die  15.000 Studenten haben. Von der FU in Berlin hört man da ganz anderes.

Berlin ist natürlich größer, schöner, spannender, toller, aufregender, alternativer und überhaupt DIE Stadt. Für mich zumindest. Aber ich lebe auch gerne in Rostock, auch wenn ich manchmal schmunzeln muss. Zum Beispiel, dass viele Leute das als echt große Stadt betrachten, weil sie aus noch viel klitzekleineren Städten kommen. Oder das die Bordsteine an den Bushaltestellen höher sind, so dass man vom Bus direkt auf die Straße gleitet. In Berlin bricht man sich meistens halb die Beine, weil der Bus in der hektisch-agressiven 24/7 -Rush Hour  nur schräg irgendwo in der Nähe des Bürgersteiges parkt und man sich nicht entscheiden kann zwischen ungelenkem aus-dem-Bus-krakseln mit festhalten an der Tür oder dem noch uneleganteren Sprung bei dem man sich den Fuß bricht. Nicht zu vergessen die Leute, die einen von hinten nahezu aus dem Bus schubsen.  Auch fahren Bus- und Tramfahrer nicht einfach ironisch grinsend von dannen, gerade wenn man sprintend die Haltestelle erreicht hat, nein, sie warten und lächeln einen freundlich an, ebenso glücklich wie der Fahrgast, dass er es noch geschafft hat. Lauter kleine aber feine Unterschiede.

Außerdem ist da das Meer. Immer wenn ich eine Auszeit brauche, fahr ich 20 Minuten mit der S-Bahn und bin ganz schnell am Strand. Da kann ich dann stundenlang mit kindlicher Freude  das Meer anstarren. So wie das der typische Großstädter meistens macht.

Auch toll finde ich die Litfaß-Säulen mit dem Loch. Die stehen da so rum und man kann sich spannende Dinge einfallen lassen, wozu sie da sind. Zeitmaschinen zum Beispiel oder vergessene Geheim-Fahrstühle zu unterirdischen Tunneln. Wozu sie wirklich da sind, habe ich bisher noch nicht verstanden. Aber es gibt ja eine Menge Geheimnisse in der Welt.

Doch Schluss mit den Huldigungen.  Denn eine Sache stört mich wirklich ganz gewaltig.

Liebe Rostocker Dönermacher, so geht das nicht. Auf einen Döner gehört kein Sauerkraut und auch keine Süß-Sauer-Soße. Man serviert Döner auch nicht mit Gabel! Ich komme aus Berlin-Neukölln und eure Art Döner zu machen, erschüttert mich zutiefst!

 
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Kommentare
archinaut schrieb am 22.02.2011 um 00:59
.... und grüß mir die See, bitte!
Weitblick schrieb am 22.02.2011 um 08:11
Jetzt habe ich auch Sehnsucht...

und erinnere mich an einen erst strahlenden, nach drei Tagen aber elend verregneten Zelturlaub im Sommer 1997:

Ein Elternteil holte uns von der Ostsee ab, und nach einer letzten langen Nacht am Strand (wir waren zu einer Party eingeladen worden von netten Rostockern), beschlossen wir, einmal kurz den Hafen zu streifen, bevor wir wieder in die Heimat fahren.

Im Rostocker Hafen, nachts gegen um 2 Uhr; Nebelschwaden und oranges Laternenlicht vermischten sich zu einer undurchdringlichen Suppe, da sah ich plötzlich den ersten großen 3-Master in meinem Leben.

Wir stiegen aus, staunten über dieses gewaltige Schiff (zugegeben es war nicht einmal wirklich groß!) und erblickten einen Matrosen in Uniform. Die Schriftzeichen des Schiffsnamens konnte ich nicht lesen, drückte aber meine Begeisterung aus und fragte, ob das ein russisches Schiff sei.

"Ukraine" war die Antwort und er verschwand, um uns kurz danach mit einem Kollegen zusammen auf das Schiff zu bitten. Es war unwirklich und auch ein bisschen unheimlich. 4 Jugendliche aus der Provinz staunend auf diesem riesigen Schiffskörper!

Danke für´s Erinnern! Damals hatte ich das Gefühl, es sei eine riesige Bühne, dieses Schiff, wegen der Höhe.

Grüß die See auch von mir bitte !!
luggi schrieb am 22.02.2011 um 21:28
"Auch toll finde ich die Litfaß-Säulen mit dem Loch. Die stehen da so rum und man kann sich spannende Dinge einfallen lassen, wozu sie da sind. Zeitmaschinen zum Beispiel oder vergessene Geheim-Fahrstühle zu unterirdischen Tunneln. Wozu sie wirklich da sind, habe ich bisher noch nicht verstanden. Aber es gibt ja eine Menge Geheimnisse in der Welt.
"


Da kann ich event to hell weiterhelfen...Herr Moritz Litfaß.
Becci A. schrieb am 22.02.2011 um 23:05
Jetzt hab ich es verstanden! Da wohnen sprechende Katzen drin!
Vielen vielen Dank, gleich wenn ich wieder in Rostock bin, werde ich die sprechenden Katzen suchen gehen :)
mahung schrieb am 23.02.2011 um 20:55
hallo becci,

schön wieder von dir zu hören. dein rostock-bild gefällt mir. hast dich ja offensichtlich gut eingelebt im städtchen an der ostsee.

lustigerweise war ich mit "moritz aus der litfaßsäule", also dem schauspieler, seinerzeit im ferienlager an der ostsee, an der polnischen ostsee.

allerdings kann ich mich nicht an litfaßsäulen mit loch erinnern. vielleicht machst du mal ein foto und stellst es hier zur schau.

jedenfalls wünsche ich dir weiterhin eine gute zeit in hro und grüß mir die doberaner straße (wo es manchmal nach brauerei riecht), wo ich häufig in einer kleinen pension zu nächtigen pflegte. hach. Und natürlich das tolle betonboot unten am hafen ...
Becci A. schrieb am 23.02.2011 um 22:38
Na ich seh schon, sobald ich wieder zurück in Rostock bin, werde ich durch die ganze Stadt laufen und alles Grüßen...auch wenn mich die Leute dann für irre halten :)
mahung schrieb am 26.02.2011 um 13:32
"...auch wenn mich die Leute dann für irre halten :)"

ach, Quatsch ;-)
Becci A.
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