Die Social Networks im sogenannten WEB 2.0 stellen eine Revolution der Massenmedien dar, da jeder seine Meinung weitestgehend frei, ungefiltert und unzensiert für Millionen andere zugänglich machen kann.
Das klingt zunächst einmal nach Demokratie pur. Ist doch die Pressefreiheit damit nicht mehr die Freiheit einiger Millionäre, ihre Meinung in die Köpfe von Millionen zu pressen, wie wir das noch 1968 kritisiert haben, sondern Millionen können ihre Meinungen frei austauschen.
Diese Chance, auf einfache und billige Weise Millionen von Menschen erreichen zu können, wird aber auch von den Gegnern der Demokratie genutzt.
Neben antisemitischer und fremdenfeindlicher Hetze auf den Websites der üblichen "Verdächtigen" treiben immer mehr Rechtsextremisten ihr Unwesen in eben diesen Social Networks, wo sie mehr oder weniger anonym mehr oder weniger direkt ihren braunen Müll verbreiten.
Social Networks wie Wer kennt wen (www.wer-kennt-wen.de - wkw) sind für Faschisten und Anhänger anderer demokratiefeindlicher Ideologien besonders interessant, weil sie hier erstmal nicht offen erkennbar auftreten und ihr Publikum über scheinbar "harmlose" Themen ansprechen können.
Mein Eindruck ist, dass vielen Menschen - auch politisch aktiven Menschen - nicht klar ist, was im WEB 2.0 abgeht.
WEB 2.0 verdrängt den Stammtisch und das Gespräch im Pausenraum des Betriebs und ist ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Meinungsbildung.
Ob und in wie weit Meinungen hier wirklich beeinflusst und "gemacht" werden, oder ob letztlich nur Selbstbestätigungen bestehender Meinungen und deren Verfestigung stattfindet ist für mich derzeit noch absolut unklar.
Tatsache ist aber, dass diese Meinungsbildung über WEB 2.0 zumindest VERSUCHT wird.
Ich will in mehreren Kapiteln versuchen, Vorgänge in wkw darzustellen, die Gruppen und die handelnden Personen, ihre Vernetzungen und politischen Hintergründe aufzuzeigen und ihre Ideologien zu analysieren.
Beginnt man nämlich die verschiedenen Beiträge zu hinterfragen, nach deren Ursprüngen und Zusammenhängen zu recherchieren, erkennt man schnell, dass es hier Netzwerke und Zusammenhänge zwischen Esoterikern, religiösen und politischen Sekten, Klu-Klux-Klan, Verschwörungstheoretikern, Reichsregierungen und anderen Rechten bis hin zu faschistischen Organisationen wie auch der NPD, REP und DVU gibt.
Unklar ist für mich noch, wie weit solche Zusammenhänge tatsächlich organisiert und gesteuert sind, oder ob es sich um mehr oder weniger sich selbst erhaltende Systeme handelt, die wie Zellen und Zellen-Gruppen unabhängig voneinander agieren, aber Erfahrungen und Informationen austauschen und gegenseitig nutzen.
Auffällig ist, dass letztlich von den verschiedensten Protagonisten immer wieder ähnliche und selbe Quellen genutzt und propagiert werden. Zentrale Rollen spielen dabei neben den Kommissarischen Reichsregierungen das Netzwerk von Infokrieg.tv, Zeitgeist und die "Deutschland-Protokolle" von Uwe Hill. Alle erwähnten pflegen enge Verbindungen und Kontakte mit DVU, NPD und internationalen Faschisten-Organisationen speziell in den USA. Auch Horst Mahler und Larouche spielen hier immer wieder eine Rolle.
Nicht alle diese Gruppen und Bestrebungen sind offen faschistisch im klassischen Sinne. Viele weisen es sogar empört von sich, als nazistisch oder rechtsextremistisch bezeichnet zu werden.
Ich verwende dennoch als Sammelbegriff die Bezeichnung Faschismus 2.0, weil es sich m.E. Um ein modernes "Bündel" bzw. moderne Bünde (=Faschismus) handelt, die weitgehend im WEB 2.0 entstanden und aktiv sind und dort auch ihre Ideologien verbreiten.
Es ist im Grunde auch gar nicht relevant, ob eine der hier aufgeführten Personen oder Gruppen faschistisch, antisemitisch oder nazistisch ist bzw. sich selbst so definiert. Viel wichtiger ist es, welche Auffassungen vertreten werden, in welchem Kontext diese auftreten und welche Wirkung sie im Kommunikationsprozess haben.
Allen gemein ist die Ablehnung der derzeitigen demokratischen Gesellschaftsordnung und die Forderung nach Schaffung einer Volksgemeinschaft ohne "Parteiendiktatur". Auch die Medien werden weitestgehend als Manipulatoren und Bestandteile des herrschenden Systems abgelehnt.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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