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von Friedrich Klehr
Infokrieg und Zinskritik Verschwörungstheorien rund um´s GeldIm Zuge des gesteigerten allgemeinen Interesses an ökonomischen Fragen in Folge der jüngsten Finanzkrise hat sich auch die verschwörungstheoretische Szene rund um die sogenannten „Infokrieger“ verstärkt wirtschaftlichen Themen zugewandt.
Die einschlägigen Texte und Videos kreisen vor allem um folgende Schwerpunkte:
1.Dämonisierung des ZinsesDer Zins gilt ihnen als eine durch nichts zu rechtfertigende Erfindung skrupelloser Wucherer. Ein typisches Beispiel lautet: „Wenn mir jemand 20 Äpfel leiht, warum soll ich ihm dann 21 zurückgeben? Das ist ungerecht.“
Dass Zins nichts anderes ist, als ein Ausdruck der Kapitalakkumulation, also der kapitalistischen Wertschöpfung und der mit ihr verbundenen betriebswirtschaftlichen Rationalität, wird von diesen Wirtschaftsromantikern überhaupt nicht verstanden.
Unfähig zur Abstraktion, vermögen sie offenbar nicht, die Zusammenhänge zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zu erkennen. Stattdessen unterscheiden sie, ganz wie die Nationalsozialisten, zwischen gutem „schaffenden Kapital“ und schlechtem „raffenden Kapital“.
Der Zins gilt ihnen als Ursprung und Quelle aller Ausbeutung.
Das Bild vom blutsaugerischen jüdischen Wucherer steht hier, wenn auch meist unausgesprochen, im Hintergrund, weswegen man diesen Theorien mit gutem Grund strukturellen Antisemitismus vorgeworfen hat; ein Vorwurf, der allerdings von den meisten dieser simplen Gemüter wegen seiner Abstraktheit überhaupt nicht verstanden und empört zurückgewiesen wird. Wörter wie „strukturell“ oder „Subtext“ überschreiten ihren Horizont und sie reagieren verständnislos mit der Frage: „Wer hat denn da von Juden gesprochen?“ Das zugrundeliegende Sündenbock-Prinzip an sich wird natürlich nicht als problematisch erkannt, da es ja den Kern und den Reiz verschwörungstheoretischen Denkens ausmacht.
2. Dämonisierung der BankenAls Quelle alles Bösen gilt ihnen die „internationale Hochfinanz“ (ebenfalls ein traditionelles antisemitisches Schlagwort). Im Mittelpunkt ihrer diesbezüglichen Dämonologie steht die amerikanische FED. Wieder und wieder wird behauptet, die allgemein bekannte Tatsache, daß sich die FED formal in Privatbesitz befindet, sei eine sensationelle Enthüllung, ja sogar „das bestgehütete Bankgeheimnis der Welt“ (Bernd Senf). In diesem Zusammenhang werden dann oft gleich mehr oder weniger erfundene Listen der angeblichen Besitzer aufgeführt, die natürlich größtenteils erkennbar jüdische Namen tragen.
Dann wird allen Ernstes suggeriert, die FED verfüge über das Privileg, in beliebiger Menge Geld drucken zu lassen (das durch nichts gedeckt sei) und dieses dann an den Staat zu verleihen, der dafür Zinsen zahlen müsse. Alles als Währung im Umlauf befindliche Geld sei so „aus dem Nichts geschaffen“ worden. Dies sei für die „Besitzer“ der FED eine unerschöpfliche Einnahmequelle, für den Staat aber der Ursprung einer stetig wachsenden Verschuldungsspirale, da er stets mehr zurückzahlen müsse, als er bekomme, wodurch die Verschuldung immer nur wachsen könne. Auf diese Weise würde letztlich das ganze Volk, ja die ganze Menschheit von den „grauen Eminenzen“ der „internationalen Hochfinanz“ versklavt und ausgeblutet.
Tatsache ist, dass die FED ein teils privates, teils staatliches Bankenkonsortium ist (ein kompliziertes System aus 12 regionalen FEDs, in denen alle bundesweit tätigen US-Banken mit einer Einlage von 3 % ihres Eigenkapitals Pflichtmitglied sind. Sie erwerben damit aber kein Gewinnbezugsrecht, da die Gewinne der FED in die Staatskasse fließen. Es handelt sich also eher um eine Mitgliederorganisation als um eine Eigentümergesellschaft). Gesteuert wird das FED-System durch ein von der US-Regierung ernanntes „Board of Governors“. Somit wird die politische Unabhängigkeit des Zentralbaksystems gewährleistet und dennoch untersteht es einer öffentlichen Kontrolle.
Tatsache ist natürlich auch, dass Geldschöfpung nicht nach der Milchmädchenvorstellung stattfindet, dass die FED einfach nach Lust und Laune Geld drucken lässt, um sich an den Zinsen zu bereichern.
Tatsache ist auch, dass die Erlöse der FED nach Abzug aller Kosten an das US-Finanzministerium fallen und dass also die verschwörungstheoretische Darstellung der Ausbeutung des Staates durch die FED nichts anderes ist als eine schlecht erfundene Horrorstory.
Aber um Tatsachen geht es den Infokriegern nun einmal nicht, und schlecht erfundene Horrorstories sind ihr Spezialgebiet.
3. Dämonisierung des GeldesEin weiteres Standardmotiv im Repertoire der „Infokrieger“ ist die Forderung nach einer Rückkehr zu einer goldgedeckten Währung bzw. die Aufforderung sein Vermögen in Edelmetallen anzulegen, da nur diese einen „realen“ Wert hätten.
Der abstrakte Charakter des Geldes als allgemeines Äquivalent übersteigt nämlich ebenfalls ihr Auffassungsvermögen. Dass Geld nichts anderes ist als ein Maßstab, ein reines Zeichen, und dass sein Wert immer nur ein symbolischer ist, unabhängig von seiner physischen Substanz, leuchtet ihnen nicht ein. Die Goldmünze in der Hand erscheint ihnen als konkreter, realer, unverlierbarer Wert, während „bedrucktes Papier“ (von nur noch digitalem Buchgeld ganz zu schweigen) nichts sei als eine Lüge, mit der das einfache Volk von den skrupellosen Bankiers betrogen werde. Diese hätten nämlich die realen Werte (das Gold) in ihren Tresoren gehortet, während der „kleine Mann“ nach einer der regelmässig von den „Mächtigen“ zu ihrem Vorteil inszenierten Geldentwertungen mit leeren Händen dastehe.
4. Kleinbürgerlicher Sozialismus:
Als Universalheilmittel und Schlüssel zur Lösung aller wirtschaftlichen Probleme propagieren die „Infokrieger“ vor allem 2 Konzepte:
a) Die Einführung eines Schwund- oder Freigeldes (oft in Form eines Regiogeldes propagiert) nach den Konzepten von Silvio Gesell:Durch die Einführung eines zinsfreien Geldes, das durch regelmäßiges Abstempeln kontinuierlich an Wert verliert und deshalb schnellstmöglich ausgegeben werden muss, soll die Bildung von Geldvermögen („Geldhortung“) verhindert und der Kreislauf des Warentauschs in Gang gehalten werden. Nach Gesells Vorstellungen werde dadurch „Schmarotzertum“ durch Zinseinnahmen verhindert und damit die Ungerechtigkeit des Kapitalismus beseitigt, indem durch eine maximale Entfesselung der Konkurrenz stets „der Tüchtigste“ zu seinem Recht komme. Neben dem Konkurrenzfetisch huldigen die Gesellianer auch dem Arbeitsfetisch: frei nach dem Motto „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ geht es ihnen um die Abschaffung arbeitslosen Einkommens. Dabei spart Gesell nicht mit antisemitischen Klischees: Seine Geldreform mache es „unmöglich, daß jemand erntet ohne zu säen, und die Juden werden durch dieselbe gezwungen werden, die Verwerthung ihrer großen geistigen Fähigkeiten nicht mehr im unfruchtbaren Schacher zu suchen, sondern in ... der ehrlichen Industrie."(Gesell, Nervus rerum - Fortsetzung zur Reformation im Münzwesen, Buenos Aires 1891)
Es handelt sich bei dieser naiven Sichtweise um eine typische Kleinbürgerperspektive:
Der Zwang zur Warenproduktion sowie die totale Vermarktung werden nicht problematisiert, solange man nur selber eine „faire“ Chance auf diesem Markt hat, getreu dem Spiesser-Credo: „Jeder ist seines Glückes Schmied“.
Diese kleinbürgerliche Kapitalismuskritik zielt nicht auf eine kritische Hinterfragung der Prinzipien und Mechanismen der Marktwirtschaft, sondern auf ihre Befreiung von (dem kleinbürgerlichen Gerechtigkeitsempfinden zuwiderlaufenden) „störenden“ Eingriffen „von oben“, durch die verhassten „Grossen“ bzw. „die Mächtigen“, d.h. durch Staat, Banken und Konzerne.
Hier wird die proudhonsche Utopie einer im Grunde vormodernen Gesellschaft von freien Kleinproduzenten wiederbelebt, unter völliger Verkennung der Komplexität moderner Gesellschaftsstrukturen und globaler wirtschaftlicher Verflechtungen.
b) Die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE):Dies ist eine der populistischen Ideen, die die Verschwörungstheoretiker nicht selbst entwickelt, sondern von anderen übernommen haben, um auf dieser Grundlage bündnisfähig zu erscheinen und potentielle Sympathisanten zu gewinnen, bei denen sie auf Aufgeschlossenheit auch für ihre sonstigen Vorstellungen zu stoßen hoffen.
Da sie diese Idee nur als Trittbrettfahrer nutzen, sie aber nicht selbst entwickelt haben, soll hier auf eine weitergehende Diskussion dieses komplexen Themas (wie zum Beispiel die möglichen Auswirkungen auf Löhne und Preise) verzichtet werden, da diese den Rahmen dieses kurzen Artikels sprengen würde.
Natürlich passt ein solches Konzept auch gut in die Vorstellungswelt von Menschen, die von einem naiven Geld-, Waren- und Marktfetischismus durchdrungen sind und denken, das Geld sei lediglich aufgrund der unmoralischen Gier und der dunklen Machenschaften der „Mächtigen“ nicht „gerecht“ verteilt und es genüge, diesen das Handwerk zu legen, um eine heile Welt zu schaffen.
In den Köpfen der Verschwörungstheoretiker wird die tatsächliche eigene politische und ökonomische Machtlosigkeit kompensiert durch die tröstliche Vorstellung, wenigstens den überlegenen Durchblick zu haben und im Besitze rettender Patentlösungen zu sein, die lediglich wegen der Schlechtigkeit der „ReGIERenden“ (unter Infokriegern beliebte Schreibweise) nicht angewendet werden.
Die undurchschaubar komplexen und dadurch bedrohlich wirkenden Verhältnisse in der modernen Welt werden mittels einfacher Scheinerklärungen wenigstens imaginär beherrschbar und verlieren dadurch ein wenig von ihrer Bedrohlichkeit. Die Anziehungskraft von Verschwörungstheorien beruht auf der seelischen Entlastung, die sie vermitteln.
Als Teil einer imaginären Volksgemeinschaft gemeinsam einsam sitzen diese Poujadisten des Cyberspace dann vor ihren Computertastaturen und berauschen sich an markigen Aufrufen zum Aufstand des „Volkes“ gegen „die da oben“.
Zusammenfassend lässt sich sagen, daß die Infokrieger auch auf wirtschaftlichem Gebiet in einer von kindlicher Naivität geprägten, reaktionär-utopischen Kirchturmperspektive verharren, die - wie ihre sonstigen Theorien auch – dominiert wird von einer ressentimentgeladenen, manichäischen Weltsicht, die, insbesondere in ihrem strukturellen Antisemitismus, in vieler Hinsicht an die Faschismen des 20. Jahrhunderts erinnert.
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* Anmerkung:
Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerle. Das heißt: Wer im Geist zu schlicht ist, um den Sozialismus zu begreifen, der hält es dann lieber mit dem Antisemitismus, denn der ist etwas für die Doofen. (August Bebel)
Quelle: www.faschismus2.de
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Ja, es ist sehr wichtig, einen kritischen Blick auf die Verschwörungstheoretiker mit ihren einfachen Wahrheiten zu werfen. Ergänzend sollte man allerdings auch eine politische Landkarte aufzeichnen, in die man diese "Gsellen" einordnen kann.
Die Infokrieger selbst halten von traditionellen Schemata nichts - sie seien weder links noch rechts, derlei alte Begriffe hätten mit den Problemen der Welt nichts zu tun. Gerne gehen sie daher auch im linken Milieu auf Dummenfang und haben sogar Erfolg. Schaut man sich aber die politischen Vorbilder der Infokrieger an, so kriegt man schnell einen ungefähren Überblick - da wäre zu einem der Radiotalker Alex Jones, der weitgehende Überschneidungen zum rechtslibertären Milizen-Flügel in den USA hat. Weiter gibt es da noch den Präsidentschaftskandidaten Ron Paul - ebenfalls ein Rechtslibertärer. Gerne werden auch rechtsextreme und rechtslibertäre Radio-Talker á la Glenn Beck zitiert. Eigentlich ist diese Bewegung ein amerikanisches Phänomen, das sich dem deutschen Leser nicht sofort erschließt. Neben den kruden volkswirtschaftlichen Theorien eint vor allem die Vorstellung, der Staat sei ein Übel an sich und müsse minimiert werden, diese Bewegung. Freier Waffenbesitz, möglichst keine Steuern, die Erlaubnis für Milizen das staatliche Gewaltmonopol zu brechen und natürlich das gesamte Areal an xenophoben und antisemitischen Positionen einen die Infokrieger in den USA. Die deutschen Infokrieger sind da eher verwirrte Seelen, die zuallererst von der 9/11-Truther Szene durchzogen sind. Von Haus aus, sind sie wahrscheinlich weder rechts noch libertär, aber durch das Bombardement mit Propaganda von jenseits des Atlantiks findet auch hier ein Wandel statt. Ich - und mein Kollege Nick Abbe - haben schon mehrfach vor dieser Entwicklung gewarnt. Ich möchte sogar soweit gehen, dass ich die Rechtslibertären für eine größere Bedrohung halte, als die klassischen Rechtsextremen, zumal erstere auch große Überschneidungen mit Positionen aus "der Mitte der Gesellschaft" haben. Darüber aufzuklären, ist aber nicht einfach. Unsere Artikel bei Telepolis lösten einen echten Kleinkrieg aus. Schmäh- und Drohbriefe gegen uns und die Chefredaktion waren die Folge - das verstehen die Infokrieger nämlich unter Meinungs- und Pressefreiheit. p.s.: Der im Text suggerierte Zusammenhang zu Forderungen nach einem Grundeinkommen, ist in der "Szene" allenfalls eine Aussenseitermeinung, da das oberste Primat ja ein Minimalstaat ist, der sich so gar nicht mit dem BGE vertritt. |
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schrieb am
09.03.2011 um 19:00
Ich kann Magda nur zustimmen, diese Polemik ist albern. Wer Leute als Verschwörungstheoretiker bezeichnet, hat sich damit ja schon gegen jede rationale Kritik immunisiert.
Der Reflex jedenfalls hinter jedem Antikapitalismus sofort Antisemitismus zu vermuten, ist seinerseits antisemitisch. Denn Antisemiten sind nur Leute, die tatsächlich etwas gegen Juden sagen. Wenn nun im Geist des Autors (falls vorhanden) Kapitalismus mit Judentum gleichgesetzt sind, dann ist er der Antisemit. Er führt jedenfalls kein Beispiel an, das diese Behauptung belegt. Also kommt das einzig und allein aus seinem eigenen Denken. Das Ganze folgt dem Fehlschluss "Schuldig durch Übereinstimmung". Etwas so: 1. Hitler war Vegetarier. 2. Hitler war Antisemit. also 3. Alle Vegetarier sind Antisemiten. Ich hoffe Bememabel wird von den deutschen Banken wenigstens gut bezahlt für seine/ihre Propagandatätigkeit. @ Spiegelfechter: Nicht jede verworrene Wahrheit ist schon frei vom Verdacht eine Verschwörungstheorie zu sein. Ich finde es unglaublich, dass hier versucht wird, die Tatsache wegzuerklären, dass die gegenwärtige Krise in der Finanzbranche ihren Anfang genommen hat. Dass dies so möglich war, liegt daran, dass die Politik über diese Branche keine Macht hat. |
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Ach, das ist doch albern, dieser polemische Stil. Eigentlich könnte man drunter schreiben: Wer das liest ist doof. Ich war doof genug, das zu lesen, aber ich bin nicht doof und auch nicht klug genug, die einzelnen Vorwürfe an diese "Infokrieger" genau zu analysieren.
Was ich aber sehe, ist ein sehr hochfahrender Stil und der sagt - manchmal mehr als der Ausweis der Sachkenntnis - über die Intention der Leute aus, die da ihre Mitwelt informieren. Es hagelt Bezichtigungen, Verdächtigungen, Anwürfe. Und Verabsolutierungen. Rund um die Zinsfrage zum Beispiel und der - in den Anfängen des 20. Jahrhunderts damit auch verbundene Antisemitismus - ist heute möglicherweise nicht mehr so manifest und deutlich. Bebel bezog sich dabei aber auf seine Zeit. Überhaupt dieser Impetus, die Naiven, die Moralisten und noch andere Menschenfreunde nun restlos zu entlarven hat selbst was kindisches. |
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@Magda
Die "Naiven" sind nicht "Infokrieger", sondern deren allzu willfährige Jünger. Es ist ja löblich, dass Du "nicht doof" bist und kritisch urteilen kannst - viele unserer Mitbürger können das nicht und dieser Umstand wird von den Rattenfängern auch gnadenlos ausgenutzt. Ein wenig Hintergrundmaterial über Alex Jones und Co.: www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29433/1.html www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29573/1.html |
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Ich habe geschrieben, dass ich nicht doof bin, aber auch nicht "klug genug", um hier urteilen zu können. Und genau jemanden wie mich - das ist der Durchschnitt der Leute - veprellt Ihr mit Eurem Stil. Und - s. u. - auch mit Meinungen und Auffassungen, die so pauschal sind, dass man nicht gern "folgt".
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Es geht - zumindest mir - hier auch nicht darum, einen Blumentopf für die politisch korrekteste aller Argumentationen gewinnen zu wollen. Der Kritik muss niemand "folgen", der es nicht will. Mir ist es herzlich egal, ob jemand den Infokriegern glaubt oder aber auch nicht. Auch mir muß niemand glauben.
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Blumentöpfe musst Du nicht gewinnen - ich werfe sowieso gleich mit einem.
Wozu der Eifer, wozu die Arbeit, wenn man niemanden überzeugen will. Das frage ich mich dann immer. Ach ja, um Recht zu behalten, was die Ordnung der Welt betrifft. "Auch mir muß niemand glauben." - Och schade, beinahe hattste mich soweit. Aber danke für die Links. |
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Weitere Informationen über die Infokrieger, die dahinter stehenden Personen, ihre Vernetzung und die Zusammenhänge gibt es auch hier:
www.faschismus2.de |
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Dummheit beim Namen zu nennen, ist vielleicht nicht pc, aber manchmal notwendig. Guter Artikel, vielen Dank dafür. Nur mit einer Passage habe ich so meine Schwierigkeiten:
"Unfähig zur Abstraktion, vermögen sie offenbar nicht, die Zusammenhänge zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zu erkennen. Stattdessen unterscheiden sie, ganz wie die Nationalsozialisten, zwischen gutem „schaffenden Kapital“ und schlechtem „raffenden Kapital“." Ich will zwar nicht den Zins abschaffen, aber ich finde, die Hauptursache der derzeitigen Wirtschaftskrise lässt sich auf den Punkt bringen: Die Bezieher leistungsloser Einkommen werden immer reicher, u.a. da Arbeit immer schlechter entlohnt wird. Da dadurch nicht nur die Kaufkraft zurückgegangen ist, sondern es auch zu wenig potenzielle solvente Schuldner gab, musste das überschüssige Kapital anderweitig investiert werden. Neue Spekulationsobjekte wurden gesucht und gefunden, neue Schuldner wurden gefunden. Dass diese die Schulden nie zurückzahlen könnten, war dann irgendwann auch egal, solange die "Schuldscheine" schön weitergeschoben werden konnten - und jetzt sind sie beim "Staat" angekommen. D.h. faktisch werden tatsächlich die Arbeiter und Angestellten mit ihren Steuern dafür aufkommen. Noch weiter möchte ich hier nicht ausholen. Ist ja belegt, dass das Kapitalvermögen bei uns immer weiter anwächst und sich in wenigen Händen konzentriert, die Löhne und Gehälter dagegen real eher zurückgehen. Daraus ziehe ich nicht den Schluss, die Finanzwirtschaft komplett zu verdammen. Aber den Zusammenhang sehe ich schon so, dass die Finanzwirtschaft zulasten der Realwirtschaft wächst. Dass der vorgebliche "Sozialismus" der Nationalsozialisten, - von früh geschassten bzw. ermordeten Leuten wie den Strasser-Brüdern einmal abgesehen - rein rhetorischer Natur war und eng mit dem Antisemitismus verknüpft war - arisiertes Kapital = gutes Kapital - , steht wohl außer Frage. Allein die Tatsache, dass die Nazis zwischen "schaffendem" und "raffendem" Kapital unterschieden haben, kann aber nicht rechtfertigen, jede Diskussion über das zugrunde liegende Problem für illegitim zu erklären, indem man sie in die Nähe des Antisemitismus rückt. Die Auffassung, alles was "die Nazis" irgendwann mal gesagt haben, müsse falsch sein, weil sie das Böse schlechthin waren - der Teufel quasi - ist mir nämlich auch viel zu vereinfacht und im Grunde esoterisch. Ich finde jedenfalls, das darf kein Grund sein, vor den tatsächlichen - sicher etwas komplexeren - Zusammenhängen zwischen Finanz- und Realwirtschaft die Augen zu verschließen. Und dass die Marktwirtschaft auf Dauer nur funktioniert, wenn jeder eine faire Chance bekommt, ist viel mehr als eine Spießer-Maxime. Worauf ich letztlich hinaus will: Wo ziehen Sie die Grenze zwischen erlaubter Kritik an den Auswüchsen des Kapitalismus und Verschwörungstheorien? |
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@ der Donnerstag - "Allein die Tatsache, dass die Nazis zwischen "schaffendem" und "raffendem" Kapital unterschieden haben, kann aber nicht rechtfertigen, jede Diskussion über das zugrunde liegende Problem für illegitim zu erklären, indem man sie in die Nähe des Antisemitismus rückt."
Na, sowas meinte ich auch. Da wird so viel zusammengepackt, was gleich wieder zu einer neuen "Verschwörungstheorie" gebacken werden kann. |
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Die kritischen Einwände hinsichtlich (polemischem?)Stil sind m.E. Nebenschauplätze. Der Artikel ist analytisch brillant und im klaren Duktus wichtig für den Freitag. Weiter so!
Anregung: Dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich ...will sagen: Wie könnte ein positive Vision aussehen, die gleichzeitig an der steuernden Funktion von tausenden von Märkten festhält und doch das frei vagabundierende Kapital in Billionenhöhe in die Schranken weist? Was wären die klaren Regeln der internationalen Finanzplätze? Anders formuliert: Lasst die "Doofen", bietet etwas für die "Klugen". Gruß BW |
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"Wie könnte ein positive Vision aussehen"
Danke, das habe ich ab der Mitte auch gedacht... |
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Sehr freundlich, Bildungswirt. Aber auch Du postulierst nur. Ich bin nicht überzeugt, ob das alles so rasend einleuchtend ist und ob die "Doofen" alle jene sind, die sich hier erstmal grübelnd drüberbeugen.
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schrieb am
28.07.2009 um 22:42
Na, Bildungswirt, 'analytisch brilliant' ist wohl was anderes. Mal verkürzt gesagt: Nicht der den aufs Korn genommenen Kreisen (gewiss teils zu Recht) unterstellte Umstand, dass Finanzkapital und Judentum in einen direkten Zusammenhang gebracht werden, wird kritisiert, sondern nur die Wertung, dass es 'raffendes' aka jüdisches Kapital sei. Diese Haltung ist wenigstens anti-antisemitisch, aber mehr auch nicht. Ein sachlich-kritisches politisch-ökonomisches Analysekonzept interessiert überhaupt nicht mehr in dieser 'Linken'. Das kann man gelegentlich auch in der jungleWorld u. dgl. Zeitungen nachlesen.
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Wer hat diesen Artikel denn nun geschrieben: die angegebene Quelle oder der Blogger Bem...bel? Nur so ne Frage, die ich nicht wirklich beantwortet haben will.
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Es wäre schon interessant zu erfahren, ob hier jemand sein Blog nochmal ablädt, kann ja nicht schaden oder ob der Autor auf Dialog aus ist, so Web 2.0 mäßig. Ansonsten halte ich es bald wie mit unseren Politikern hier auf Deck.
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Lieber bememabel,
Die Frage ist doch wer hier Antijude ist? Kritik am Wirtschaftsystem, am Zinswesen und der Finanzindustrie, werden von dir mit Antisemitismus (du meinst wahrscheinlich Antijudaismus) gleichgesetzt. Warum? Menschen kritisieren das Finanzsystem aber aufgrund seiner Fehler und Mängel und nicht aufgrund der Religion der Obersten des Finanzsystems. Wohingegen du anscheinend Geld, Bank, Finanzen oder ähnliches sofort mit Judentum assozierst. Für mich folgt aus deinem Artikel eigentlich nur, dass du ein vorgefertigtes Bild von Juden haben musst. Warum denkst du denn sofort an Antijudaismus? Wie alle Menschen, wenn sie in Bezug auf etwas eine festgefahrene Meinung haben kaschierst du diese Irrationalität mit Überheblichkeit. Du kritisierst hier keine Menschen du beleidigst sie lediglich. Danke für die Antworten |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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