Ben Titze

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"Es wird eine neue Protestwelle geben"

Politik | 25.01.2010 | 14:00 Sebastian Thalheim
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26.01.2010 | 04:06 Ben Titze
Die Frage nach der Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen wurde von Nenoff entweder gründlich falsch verstanden oder unehrlich beantwortet. "Sozialdemokratischer Reformismus!" wie in Nenoffs Antwort sollte da jedenfalls nicht die Antwort sein. Mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu fordern und umsetzen zu wollen, kratzt zunächst mal nicht im Ansatz an den gesellschaftsstrukturellen Ursachen und blinzelt auch nicht über den eigenen bildungspolitischen Tellerrand hinaus. Niemand im Bildungsstreik beschäftigt sich dagegen derzeit mit offentlichkeitswirksamen Erfolg mit notwendigen Fragen wie: 1. Soll Wissenschaft und Philosophie Wissen wohlsortiert aufzustapeln und für Marktbedarfe zur Verfügung zu stellen haben oder sich der Aufgabe hingeben, über die bestehende Gesellschaftsordnung auch hinauszuweisen? 2. Sind mächtige Wissenschaftsnetzwerke um das Centrum für Hochschulentwicklung bzw. die Bertelsmannstiftung und die wichtigen Akteure HRK und KMK, sowie das derzeit hegemoniale Entwicklungsmodell der autoritären dienstleistungsorientierten Präsidialuni nicht bloß eine weitere Entwicklungsstation des kapitalistischen Wissenschaftsbetriebes im historischen Fortgang? 3. Ist mit der irgendwann vollzogenen Einebnung der 16 verschiedenen zwei- bis dreigliedrigen Schulsysteme der Hase gegessen und wir können uns zufrieden zurücklehnen? 4. Was haben eigentlich prekär Beschäftigte Gebäudereiniger_innen mit den Bildungsstreikaktiven zu tun? Wenn nachts um 4Uhr (Übliche Arbeitszeit für Gebäudereiniger_innen an Unis) die ersten Besen und Wischmopps vor den besetzten bundesdeutschen Audimaxe rumstreichelten und verpennte Besetzer_innen kurz austreten wollten, soll es ja teilweise zu ganz ungewohnten, aber doch auch verbrüdernden/verschwesternden Situationen gekommen sein. 5. Kämpft der Bildungsstreik also dafür, sich zur bitteschön mal besser ausgebildeten gesellschaftlichen Elite ausbilden lassen zu wollen? Was interessieren Menschen außerhalb der akademischen Lebenswelt, das man einen freien Master-Zugang haben sollte, wenn die eigene Lebenswirklichkeit so aussieht, dass man in vier Nachtschichtstunden alleine komplett ein vierstöckiges Uni-Verwaltungsgebäude reinigen darf? Die Stundenlohndebatte mach ich mal gar nicht erst auf. 6. Wo verdammt bleibt der tiefere gesellschaftskritische Gesamtkontext der Bildungsstreikforderungen? Der fehlt komplett und wird gar nicht mitgedacht. Ist man sich dafür zu fein? Hat man Angst,potenzielle Sympathisierende zu verprellen, wenn man ihn doch thematisiert? Wann sollen Kommiliton_innen, die in uns Aktivist_innen (nur) tofufutternde und grasrauchende Hippies betrachten und darum bitten, dass man sie "endlich in Ruhe studieren lassen" möge, endlich mit Kritik am am großen Ganzen in Kontakt kommen? Mir erscheint die starke Eingebundenheit von Linksparteifunktionär_innen oder LINKE.SDS-Aktiven, die den Mut nicht aufbringen können oder wollen, sich von zentralisierten oder hierarchischen Parteistrukturen zu verabschieden - weil sie törichterweise auch noch Landtagskandidatinnen sind, für die inhaltliche Vertiefung der Campusproteste ein enormer Hemmschuh zu sein. Dass er sich Fragen dieses Kalibers nicht stellt oder es ihm nicht gelingt, darum eine öffentliche Diskussion zu entfachen, das ist die erwähnenswerte Nebentatsache, warum der Studierendenverband Die Linke.SDS als solcher unter seinem Namen - im Vergleich zu seinem historischen Vorbild, das er sich aufetikettiert hat - im Bildungsstreik bisher noch nicht die geringste Rolle gespielt hat. Der Empörungsschrei einer Generation über die "gesellschaftlichen Verhältnisse", so er denn einer sein will, muss aus der politisch-sozialen Situation heraus eigene Formzusammenhänge, Bezeichnungen, Ideen und Musikalitäten entwickeln oder er ist es schlicht nicht wert.
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Virtuelle Gesichtsklitterung

Alltag | 23.09.2009 | 18:00 Susanne Lang
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23.09.2009 | 20:31 Ben Titze
Eine Handlung ist politisch, wenn sie darauf abzielt, die Verteilung von Macht innerhalb einer Gesellschaft zu beeinflussen oder zumindest zu thematisieren. Die Frage allein schon "Ist ein Yeah-Flash...
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24.09.2009 | 13:28 Ben Titze
@Susanne In Mainz ist sie ja auf die Flashmob-Teilnehmer eingangen. Aber die Art, wie sie das getan hat ("Wir werden das alles hier für sie ins Netz stellen"), verrät sehr viel über die fatale Wahrnehmung der Politik bezüglich des Internets.
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Virtuelle Gesichtsklitterung

Alltag | 23.09.2009 | 18:00 Susanne Lang
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23.09.2009 | 20:31 Ben Titze
Eine Handlung ist politisch, wenn sie darauf abzielt, die Verteilung von Macht innerhalb einer Gesellschaft zu beeinflussen oder zumindest zu thematisieren. Die Frage allein schon "Ist ein Yeah-Flashmob gegen die Kanzlerin politisch" geht doch schon von der sonderbaren Annahme aus, dass Protestformen, die Menschen Spaß machen, nicht politisch sein können, eben weil sie mit einem Element des Amüsements schwanger gehen. Das ist meines Erachtens eine unreife Diskussion (von der allerdings schon Eierschalen abfallen, wenn man sich politische Kommunikation z.b. der Piratenpartei ansieht), wenn man sich in Erinnerung ruft, dass politischer Protest in den letzten Jahrzehnten eine enorme Entwicklung gemacht hat. Er ist schnelllebiger und situativer geworden und hat sich entkollektiviert - in Bezug auf seine zugrundeliegenden Weltanschauungen. Außerdem hat er sich anderen gesellschaftlichen Teilsphären geöffnet, der Musik, den Unterhaltungsmedien und schließlich dem Internet. Jetzt sich die Augen davor zu verschließen und blind zu schlussfolgern, alles was von einem solchen externen Orbit heraus die Machtfrage thematisiert, darf unmöglich politisch sein, zeugt eher von der Unfähigkeit, Flashmobs auf solchen Wahlkampfveranstaltungen richtig zu fassen. Die Frage sollte man doch einfach mal ganz raffiniert umdrehen: Ist der Wahlkampf von Angela Merkel politisch? Versucht er die Verteilung von Macht und Einfluss in dieser Gesellschaft aufs Tableau zu bringen? Ich behaupte mal ganz forsch, nein. Mein Eindruck von der Rede der Bundeskanzlerin auf dem Hamburger Gänsemarkt war, dass sie versucht hat, den zuhörenden Menschen Gänse zu verkaufen, statt ihre Politik zumindest in Grundzügen zu erklären. "Macht euer Kreuzchen bitteschön bei mir, meine Udo-Walz-Frisur und mein laubfroschgrüner Blazer mit Bernsteinkette soll Euch zum Argumente gereichen!". Dieses dröge und einschläfernden "sowohl-als-auch" ihres Wahlkampfes, qualifiziert Merkel eher für den Beruf einer Anästhesistin am Bett der vor sich hin dösenden (oder dämmernden?) Demokratie, in der Gewissheit, dass sie sowieso Chefärztin bleiben wird. Damit scheitert sie in einem ganz wesentlichen banalen Erfordernis den die politische Kultur einer Demokratie als Anspruch formulieren sollte: Den Wählenden in einer Kontroverse(!) mitzuteilen, warum sie was wählen sollen. Ein ‚Yeah-Flashmob’ nutzt das Stilmittel der Ironie um diesen Missstand in der politischen Kultur anzuprangern. Wir brandmarken und beschimpfen Flashmobs als unpolitische Spaßveranstaltungen und übersehen dabei, dass die größten Entpolitisierer auf der anderen Seite der weiß-roten Hamburger Absperrgitter stehen.
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Kapitalismus ist systemrelevant

20.06.2009 | 12:33 Tom Zille
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27.06.2009 | 17:43 Ben Titze
(II) Leistungsfähigkeit ist unter dieser Wirtschaftsordnung nur sehr bedingt ein Kriterium, wie "Menschen eingestuft werden". Es ist vielmehr ganz nüchtern die "Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft". Das trifft in zunehmendem Maße auf die heutige Zeit zu, wenn beispielsweise bei Karstadt/Arcandor mehrere zehntausend Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Diese Menschen können noch so viel in ihrem Job geleistet, sich die Finger an der Kasse für die nächste Gehaltserhöhung wundgetippt haben, ihr Job wird trotzdem prekär, da ihr Arbeitsvermögen nur noch schlecht vermarktbar geworden ist. Womöglich sollten wir von dieser Form der warenförmigen Arbeit in Zukunft vermehrt Abstand nehmen. Vielleicht sollten wir uns endlich mal damit auseinandersetzen, ob wir uns angesichts der Kostenexplosion bei der Rettung eines Wirtschaftssystems (durch Risikoabschirmungen für Banken, Konjunkturpakete, Wirtschaftsfonds, Kurzarbeitförderung, Rettungspaketchen der Länder, Abwrackprämien, und 90 Milliarden Euro Nettoneuverschuldung) einen Kapitalismus überhaupt noch leisten können und wollen? Der Kapitalismus seinerseits kann und will ja ganz augenscheinlich den Menschen schon seit Anbeginn an loswerden. Da könnte man doch endlich sagen "Baby, wir sind uns zu verschieden. Lassen wir uns scheiden, bevor wir uns an die Gurgel gehen".
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Kapitalismus ist systemrelevant

20.06.2009 | 12:33 Tom Zille
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27.06.2009 | 17:42 Ben Titze
(I) Nunja, Tom ich werde aus deinem Beitrag nicht schlau. Er könnte auch aus dem Jahr 2004 stammen, in jedem Fall wirkt er für eine Ansicht auf Gesellschaft und Wirtschaft im Krisenjahr seltsam zeitentrückt. Das Problem, warum sich Menschen egoistisch und eigennutzenmaximierend verhalten, mit der menschlichen Natur zu beantworten (wie du es ja auch tust), war ja eine der Glanzleistungen der (neo-)klassischen Ökonomie. Der Vorteil an einer solchen Argumentation ist immerhin: Wenn man die Ursache für Kapitalismus in den Menschen hineinbiologisiert, macht man seine Position herrlich unangreifbar. Indem du diesen Egoismus als "Befreiung" darstellen möchtest, erliegst du genau der gleichen Versuchung wie Smith, eine Untugend zur Tugend zu verkehren. Liegt die Vermutung denn so fern, dass es die marktwirtschaftlichen Umstände selbst sind, die jeden Wirtschaftsteilnehmer dazu verleiten, ebenso zu handeln? Sind wir wirklich zum Egoismus geboren? Ist es so abwegig, dass US-amerikanische Investmentbanken hochproblematische, aber gewinnträchtige Finanzprodukte nicht aus Gier oder Eigennutz auf den Finanzmarkt geworfen haben, sondern deswegen, weil es sonst die kapitalismusimmanente Konkurrenz getan hätte und das eigene Unternehmen sonst womöglich vom Markt verschwunden wäre?
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born2bmild hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Red Bavarian hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Frank R hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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