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Der Kondomeinsatz zur Verhinderung einer HIV-Infektion sei erlaubt, sagt nun der Papst. Wie kommt es zu dieser 180 Grad-Wende des Pontifex?
Der Spiegel spricht von einer Revolution im Vatikan, AFP von einer historischen Wende. Natürlich ist der Entschluss bezeichnend und gut, denn zum einen schützen Kondome vor AIDS, zum anderen vertrauen manche Gläubige eher den Aussagen des Papstes als dem Arzt. Doch es gibt Gründe, weshalb Benedikt sich zu diesem Entschluss durchgerungen hat. Sie liegen daran, dass sich der Papst z.B. vom Umfeld (Berichterstattung zu Missbrauchsfällen) und vom Journalisten beeinflussen ließ.
Zeitpunkt:
Als das Zitat fiel (früher Sommer 2010) war die Kirche durch zahlreiche Missbrauchsvorwürfe belastet und ihre Glaubwürdigkeit regelrecht bedroht. Besonders im Heimatland des Papstes aber auch im europäischen Ausland gab es Vorwürfe, die darin gipfelten, dass die Kirche nicht mehr nur weltfremd sei, sondern ihre Sitten zu kriminellen Handlungen führten.
In dieser Situation - noch dazu gegenüber einem deutschen Journalisten, dem er das Interview gab - muss sich der Papst bedrängt gefühlt haben, die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen und um Vertrauen in die Kirche zu werben. Das dürfte dazu geführt haben, mit der Erlaubnis zur Kondomnutzung in einem Detail der Allgemeinheit entgegenzukommen.
Der Journalist:
Peter Seewald, zuerst aus der Kirche ausgetretener Münchner Journalist, dann - nach eigener Aussage unter dem Einfluss des Papstes - wieder eingetreten, kennt den Papst sehr gut. Benedikt vertraut ihm, beide haben schon zu Kardinalzeiten zusammen gearbeitet und Bestseller herausgebracht.
Dass Seewald für Benedikt ein besonderer Journalist ist zeigt sich beispw. daran, dass er noch nie einem Journalisten ein Interview gegeben hat - überhaupt kein Papst hat das jemals getan. Evtl. hat Benedikt gegenüber Seewald eher einen Vertrauten als einen Journalisten gesehen und daher leichter eine solche Aussage machen können.
Die Sache an sich:
In Afrika, dem Kontinent, wo die Kirche sehr großen Einfluss auf die Gläubigen hat, predigte sie bislang, dass nur die Treue die Ausbreitung von AIDS verhindern könne. Dies ausgerechnet in einem Land zu sagen, in dem Familien an der Krankheit zerbrechen und ganze Generationen ausgedünnt werden, führte auch in Afrika zu Verständnisproblemen mit den Gläubigen. Auf diese Weise ermöglicht der Papst den afrikanischen Bischöfen, sich die Macht weiterhin zu sichern und nicht an Einfluss zu verlieren.
Ebenfalls denkbar ist, dass diese Ausnahmeregelung ein Testballon ist: Ein Test dafür, inwiefern die konservative Klientel mitzieht! Denn Benedikt wählte für den Ausnahmefall ein Beispiel, das die westliche Welt, aber auch die meisten afrikanischen Gläubigen gar nicht betrifft: Sein Beispiel bezog sich auf männliche Homosexuelle, die als Prostituierte arbeiten und dabei HIV verbreiten oder sich infizieren. Für die Mehrzahl der Gläubigen soll sich also nach dem Willen des Pontifex nichts ändern.
Fazit:
Benedikt hat die Kirche nicht geöffnet. Eher die Berechnung, Vertrauen bei denjenigen zurück zu erobern, bei denen er es verloren hatte oder in Zukunft verlieren konnte (europ. Gläubige: Missbrauchsvorwürfe in Europa, afrikanische Gläubige: AIDS-Pandemie), führten zum Einschwenken, noch dazu auch nur in einem Detail (männliche, homosexuelle Prostituierte). Dennoch ist es bemerkenswert. denn es zeigt, dass sich der Pontifex Sorgen über den weltweiten Einflussverlust der Kirche macht und bereit ist, Dogmen aufzugeben um sich Einfluss zu sichern.
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Die erste höchstpäpstliche Duldung der Verwendung von Kondomen innerhalb einer Ehe, in der einer der beiden Partner HIV-positiv ist, stammt nicht aus dem Sommer 2010, sondern dem Frühjahr 2006. www.kreuz.net/article.3084.html Seitdem wurde aber weder die Kirchenpolitik in Afrika geändert, es war keine verminderte Abwertung von Homosexualität zu verzeichnen und die Erde blieb eine Scheibe. Ich fürchte also, Ihr Artikel geht von unzutreffenden Schlüssen aus und für alles weitere - schaun mer mal.
www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-11/papst-kondome-aids www.queer.de/detail.php?article_id=13183 |
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Erst wenn es die erste öffentliche päpstliche Kondomweihe gibt und Kondome mit Weihraucharoma, finde ich das erwähnenswert.
Und ein neuer Choral muss auch her: "Verhüte Gott in aller Not..." oder so ähnlich. |
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Der Ausnahmefall mit den männlichen homosexuellen Prostituierten ist besonders erleuchtend. Jeder sexuelle Akt soll offen sein für die Weitergabe menschlichen Lebens, so lautet wo die theologische Begründung für das Kondomverbot.
Beim Sex unter Männern ist das wohl nicht das Problem. |
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schrieb am
21.11.2010 um 09:31
>>Beim Sex unter Männern ist das wohl nicht das Problem.<<
Ein Papst hat wenig Erfahrung in diesen Dingen :-) |
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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