Berlin Festival

Ein Mädchen im Sommerkleid

06.08.2009 | 20:24

Krawall und Remmidemmi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor Jahren war Hamburg Hip-Hop Hauptstadt. Die Beginner oder Fettes Brot standen für positives Lebensgefühl und persönliche Texte. 2003 war Jan Delays „Team Eimsbush“ dann pleite. Eine Insolvenz mit Symbolkraft: Fortan versorgte die Konkurrenz aus Berlin das Land mit Fantasien von Weibern, Drogen und Knarren.

Mittlerweile steckt auch die Aggro-Nummer tief in der Krise. Mit Deichkind und Dendemann kommen zwei Vertreter der Hamburger Hochtage zum Berlin-Festival – und präsentieren ihre eigene Interpretation von zeitgemäßem Hip-Hop.
Die Kinder vom Deich bespaßen bereits die zweite Generation von Festivalgängern. Böse Zungen sagen, dass die Proll- und Saufhymnen eigentlich nur live zu ertragen sind. Dann aber kracht es richtig: ein Deichkind-Auftritt ist Anarchie und schmückt jedes Festivals. Zu den bevorzugten Requisiten der Kirmesshow zählen Riesenzitzen, Leuchtbänder und Schlauchboote. Gerne werden Bierdosen unter dem Publikum verteilt, gut aufgeschüttelt und kollektiv gezündet. Dazu lässt sich DJ Phono im Schlauchboot über die Köpfe der Masse tragen.
Am Anfang war Deichkind eine ganz normale Hip-Hop Band, die sich zwischen Prollattitüde und Comedy bewegte. Unter Anleitung von Produzent Sebastian Hackert schärfte die Band ihr Profil. Fortan reüssierten die Hamburger als TechRapper – der Sound kombiniert basslastige Techno-Beats und Nonsens-Texte. Highlight dieser Entwicklung war „Remmindemmi“: Kaum ein anderes Lied fängt die Kraft zielloser Feierwut so gut ein wie die brettharte Partyhymne. Da kommt auch der Rap-Purist nicht um ein Lächeln herum.
Im Februar diesen Jahres kam es zur Zäsur: völlig unerwartet starb Soundtüftler Hackert – die Band entschloss sich nach kurzer Bedenkzeit, die geplanten Festivaltermine trotzdem zu spielen. Im Herbst wird über einen Fortbestand der Band entschieden. Also, hingehen und Deichkind gucken – solange es noch geht.

Dendemann, ein alter Weggefährte der Hamburger Hip-Hop Größen, setzt mehr auf Inhalte statt auf Außenwirkung. Der Mann mit der kratzigen Stimme weiß vor allem durch seine präzise Beobachtungsgabe zu überzeugen. Er tourte und rappte mit Fettes Brot, den Beginnern und Fünf Sterne Deluxe. Gemeinsam mit DJ Rabauke (Fettes Brot) war er vier Jahre als Hip-Hop Duo „Eins Zwo“ unterwegs.
Nur mit dem Soloalbum wollte es lange Zeit nichts werden – erst 2006 erschien die bisher einzige Studioproduktion „Die Pfütze des Eisbergs“. Derzeit werkelt Dendemann an seinem zweiten Album – vielleicht gibt’s ja auf dem Berlin-Festival den einen oder anderen neuen Track auf die Ohren.

 

                                                                                                                                                Dominik Betz

 

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Unsere Live-Beobachtungen vom Berlin Festival gibt es am 7. und 8. August über unseren Twitter-Account. Vorab schreiben Jan Jasper und Tessa sowie Gastautoren über die auftretenden Bands, Festivalkultur und den Flughafen Tempelhof. Das Line-up des Festivals samt Running Order findet sich mittlerweile auf der Website. Über das Musikspezial dieser Woche informieren wir hier.

 

 
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Kommentare
Anette Lack schrieb am 07.08.2009 um 07:54
Danke! Ich liebe "Krawall und Remmidemmi"!! Der Text ist einfach genial.

"Deine Mutter hat gesagt "Tragt` nicht so viel Dreck rein"
auf dem Foto in der Küche sieht sie aus wie Katja Ebstein".

Euch Viel Spass beim Festival! Anna
Berlin Festival schrieb am 07.08.2009 um 12:45
Wir bauen gerade auf. Bilder und Live-Ticker gibt es später. Internet funktioniert schon mal - ein entscheidender Unterschied zur re:publica ;) #t
Berlin Festival
Das Freitag-Blog von Jan & Tessa rund um das Berlin Festival am 7. und 8. August auf dem Flughafen Gelände Tempelhof.
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