«Game over – Neustart» – das Motto des diesjährigen McPlanet-Kongresses tönt gut. Aber die Kongress-Realität sieht anders aus: Die gleichen Themen, dieselben Schlagworte und die alten Botschaften, die schon vor zwei Jahren nicht gewirkt haben – an jedem Stand, in fast jedem Workshop und in den Plenarveranstaltungen.
«Game over» mag sich vielleicht auf den Zustand des Finanzsystems und die Regierungen beziehen, die es für sein Weiterleben braucht. Aber die echten Impulse für einen «Neustart», den die Ökobewegung ja für sich beansprucht, sucht man vergebens. Die Bewegung glaubt ganz offenbar noch daran, dass sich die Finanzkrise schon noch richten lässt und man dem Kapitalismus vielleicht noch das eine oder andere Eingeständnis abringen kann, für Klimaschutz, erneuerbare Energien oder sanften Verkehr.
Aber die Chance zum fundamentalen Wandel sieht die Ökobewegung nicht. Wenn die Regierungen kein Geld mehr haben, können sie nicht mehr regieren – es entsteht ein herrschaftsloser Zustand, der von den Kräften genutzt werden kann, die die Kunst der herrschaftslosen Ordnung beherrschen. Oder, um es deutlicher auszudrücken: die sich in konstruktiver Anarchie geübt haben.
Von dieser Kraft ist in Berlin sehr wenig zu spüren. Der Neustart, der vor allem unsere Köpfe und Herzen ergreifen sollte, findet vor allem auf den Plakaten statt. Schade.
Das Potenzial wäre riesig: Wir sind viele, wir sind aktionserprobt, wir haben guten Willen – aber unsere Ziele sind die Ziele vor der Krise. Damit können wir die Probleme der Bürger nicht lösen. Denn darauf wird es ankommen. Wenn der Staat seinen Job nicht mehr machen kann, muss ihn irgendjemand übernehmen. Wer, wenn nicht wir?
Christoph Pfluger, Zeitpunkt
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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