bertamberg

Gesundheit, Geld oder Leben?

10.11.2011 | 14:05

Homöopathie - ein magisches Ritual?

Ist Homöopathie ein medizinisches Ritual, das von an Aberglauben und Magie appellierenden Scharlatanen praktiziert wird? Wer selbst keine Erfahrung als Patient damit hat, ist geneigt, dies zu glauben. Schulmedizinische Therapeuten bezeichnen die Homöopathie als „placebobasierte Psychotherapie.“

 Christoph Leusch (alias Columbus) hatte am 13.07.2011 um 17:11 „versucht, zu erklären, wie sehr Behandlungsstandards in der klassischen Medizin und in der Homöopathie, die sich in der Überzeugung, mit einem oder mehreren medikamentösen Mitteln zu heilen oder zu lindern, [sich] nicht wesentlich voneinander unterscheiden, eine Frage der klinischen Empirie sind und es auch weiterhin bleiben. - Die geforderte Kausalität ist meist also keineswegs einfach, Ursache der Krankheit bekannt, Wirkort der Medikaments und Wirkungsweise ebenso, dann tritt Heilung oder doch deutliche Besserung ein.

Wie gering der Anteil der wirklich gut abgesicherten Therapieansätze, gerade bei medikamentösen Therapien, z.B. Mehrfach-Verordnungen ist, und welche Fallzahlen dafür, statistisch betrachtet, untersucht werden müssen um überhaupt einen Erfolg oder eine Überlegenheit zu belegen, das beweisen die vielen Überblicksstudien, die auf große epidemiologische Untersuchungen bei einigermaßen definierten Populationen, z.B. Krankenschwestern, Ärzten, Armeeangehörigen, Veteranen, etc., zur Hypertoniebehandlung, Fettstoffwechseltherapie, Schlaganfallpropylaxe, oder z.B. zur Behandlung einer eingetretenen Herzinsuffizienz aufsetzen.“

Ich möchte ein Beispiel aus der Praxis eines Homöopathen bringen, um deutlich zu machen, was ein Homöopath bei seiner „Repertorisation“ sich denkt.

Denn die Frage "Warum ist es denn falsch, ein Placebo zu geben, wenn wesentliche Bestandteile der modernen Therapeutik nicht besser sind als Placebos?" (Shall I please? Editorial. Lancet II, 1465-1466 (1983)] steht unbeantwortet im Raum. Maimon und Morelli schätzten, dass 35-45% der ausgestellten Rezepte keine spezifische Wirkung auf die Erkrankungen hätten, für die sie verordnet wurden (Clinical Pharmacology. Basic Principles in Therapeutics. Macmillan, New York 1978).

Ein passend ausgesuchtes Homöopathikum hat eine spezifische Wirkung, aus Gründen, die wir  rational nicht eindeutig mit  den etablierten wissenschaftlichen Verfahren belegen können. Zur Veranschaulichung:

Mittags-Telefonsprechstunde: Anruf einer Patientin, die sich seit einiger Zeit in meiner Behandlung befindet.

Patientin: ,,lch rufe nur an, um mich bei ihnen für ihre bisherige Hilfe zu bedanken.“

Mich beschlich ein ungutes Gefühl. ,,Wie geht es ihnen denn?" ,

,lch stehe hier am offenen Fenster." Längeres Schweigen. Dann heftig ,,lch mache Schluss, ich kann nicht mehr!"

,,Gibt es einen Auslöser dafür, dass es ihnen so schlecht geht?"

,,Das ist alles uninteressant. lch will nicht mehr leben. Geben sie sich keine Mühe."

,,Sie haben mich angerufen und ich gehe davon aus, dass sie mit mir sprechen wollen."

,,Sie können mich nicht umstimmen."

,,Mir ist bewusst, dass ich ihnen nur helfen kann, wenn sie die Hilfe annehmen. - Wie sollte ich sie daran hindern, aus dem Fenster zu springen, wenn sie dazu entschlossen sind? - Die Verantwortung für ihr Leben haben sie selbst. Sie können diese Verantwortung auf niemanden - auch nicht auf mich, delegieren. Diese Verantwortung würde ich auch niemals übernehmen, weil sie zu schwer ist. - Sagen sie mir bitte, warum sie sich bei mir bedanken wollen!"

,,lch glaube, dass sie in der Vergangenheit viel für mich getan haben."

,,Dann bitte ich sie jetzt, etwas für mich zu tun. lch möchte, dass sie mir ihren Zustand genau beschreiben!"

,,ln mir glimmt ein kaltes Feuer, ein Feuer, das sich immer mehr nach innen zusammenzieht, ein kaltes Brennen. Kein warmes Feuer, sondern ein furchtbar kaltes, totes. Alles ist grau und schwarz. Der Himmel, die Häuser, die Straßen. Das kalte Feuer in meinem Bauch ist so unerträglich, dass es nur eine Lösung gibt: lch werde aus dem Fenster springen."

,,lch will ihren Zustand besser verstehen. lst es so, dass sie sich wertlos fühlen? Ungeeignet für diese Welt? Fühlen sie sich gescheitert?"

,,Genau so ist es."

,,Erinnern sie sich an unser Erstinterview? - lch hatte damals die Ahnung, dass sie in einen Zustand von absoluter Schwermut kommen könnten und habe ihnen damals vorsorglich die homöopathische Arznei Aurum metallicum mitgegeben. Bitte lutschen sie jetzt sofort ein Kügelchen nach dem anderen!"

,,Das ist alles sinnlos."

,,lch bitte sie jetzt, Kügelchen zu lutschen!"

,,Von mir aus. Die Kügelchen werden sowieso nicht helfen. lch hänge jetzt ein."

,,Halt! Von einer Beendigung des Telefonats war nicht die Rede. Wir beide bleiben zusammen am Telefon. lch will wissen, wie die Globuli wirken."

Die Patientin begann ein Kügelchen nach dem anderen zu lutschen. lch ermutigte sie immer wieder, mir ihren Zustand genauestens zu beschreiben. Nach ca. einer dreiviertel Stunde wurde ein längeres Schweigen von heftigem Weinen abgelöst. ,,Oh Gott, mir geht es besser. Mir geht es wirklich besser." Um sicher zu gehen, setzte ich das Gespräch noch eine Weile fort. Die Tränen der Patientin, ihr liebevolles Nachdenken über ihre Kinder, ihre Erleichterung über das Nachlassen der akuten depressiven Krise überzeugten mich schließlich.

Nach diesem Gespräch hätte ich an diesem Tag am liebsten die Praxis geschlossen, um mich selbst erst einmal zu erholen. lch habe es mehrfach erlebt, dass nach Gabe einer Hochpotenz von Aurum metallicum für den depressiven Patienten geradezu die Sonne aufgegangen ist. Meine Patientin hatte Aurum metallicum noch niemals zuvor bekommen.

Warum hatte ich ihr Aurum metallicum schon bei dem Erstinterview prophylaktisch mitgegeben? Um dies zu verstehen, müssen wir uns wesentliche Aspekte ihrer Lebensgeschichte ansehen.

Die Patientin hatte in den vergangen Jahren - vor Beginn der homöopathischen Behandlung - des Öfteren etliche Monate in der Psychiatrie verbracht. Für die Patientin stand fest: Die Psychiater haben mir nicht wirklich geholfen. Die Psychopharmaka haben mich immer derart müde gemacht, dass ich kaum im Stande war, meine zwei Kinder zu versorgen. Trotz der Psychopharmaka musste ich immer wieder in die Klinik eingewiesen werden.

Im Erstinterview sprach die Patientin über ihre Kindheit, insbesondere über den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater - ein Missbrauch, der über viele Jahre bestanden hatte und der lediglich von gelegentlichen Gefängnisaufenthalten des kriminellen Vaters unterbrochen war. Die tablettenabhängige Mutter konnte ihre Tochter nicht beschützen. Zu Hause herrschte brutale Gewalt. Es ver ging kaum ein Tag ohne Schläge. Wenn sie den arbeitslosen Vater störte, wurde sie bei jedem Wetter auf die Straße geschickt. Freundinnen nach Hause mitzubringen, war verboten - dass sie selbst Freundinnen besuchte ebenfalls. Voller ängstlicher Anspannung lag meine Patientin abends im Bett und wartete auf ihren Vater. Homöopathisch entspricht diese Resonanzlage einem tiefen Staphisagria-Zustand – unerträgliche Erwartungsspannung - und dies jahrelang! (...)

lm Erstinterview hatte ich die Ebenen der Demütigung, Kränkung, der unterdrückten Wut - Staphisagria - der häufig durchgemachten Verzweiflung - Ignatia - erkennen können. Aber auch die Aurum metallicum- Resonanz war zu erkennen gewesen: Schon als kleines Kind hatte sich die Patientin oft den Tod gewünscht. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass in der Kindheit gebahnte Resonanzebenen später durch aktuelle Lebenskrisen mobilisiert werden. Ein Mensch, der sich schon als Kind den erlösenden Tod gewünscht hat, wird wahrscheinlicher die Resonanzebene von Aurum metallicum entwickeln als ein Mensch, der keinerlei Erfahrung mit dieser Resonanzebene gemacht hat. Es war von Anfang an sehr wahrscheinlich, dass diese Patientin Staphisagria, Ignatia und Aurum metallicum während der Therapie benötigen würde. In Fällen von sexuellem Missbrauch entwickeln sich stets hochpathologische Staphisagria-, Ignatia- und oft auch Aurum metallicum-Resonanzen. Dies war der Grund, weshalb ich meiner Patientin schon in der ersten Sitzung Aurum metallicum mitgegeben hatte.“

Aus: Dr. Ralf Werner: ,,Homöopathie - kräftig geschüttelt - Ein neuer Weg zum Kern der Persönlichkeit", Verlag Grundlagen und Praxis, Wissenschaftlicher Autorenverlag (ISBN 978-3-937 268-31-6)

Wer kann sich vorstellen, dass ein universitätsmedizinisch gebildeter Arzt dieser Patientin in der geschilderten Situation hätte vergleichbar helfen können, und, welche Möglichkeiten hätte er angesichts  der Vorgeschichte der Patientin nutzen können?

 
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Kommentare
gedankenabfall schrieb am 10.11.2011 um 22:05
Wie auch immer geartete Pillen sind ein geeignetes Mittel gegen psychische Probleme wie die Folgen sexuellen Missbrauchs? Das ist schon abenteuerlich ...
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 06:58
@gedankenabfall
Wie auch immer geartete Pillen sind ein geeignetes Mittel gegen psychische Probleme wie die Folgen sexuellen Missbrauchs? Das ist schon abenteuerlich ...

Natürlich helfen Pillen, welcher Art immer, nicht gegen psychische Probleme, sie lindern, wenn es gut geht, einige Beschwerden, die Folge dieser psychischen Probleme sind.
Das Angenehme an einem homöopathischen Arzt ist, daß er sich ziemlich viel Zeit nimmt für dich. Er frägt nicht einfach die Symptome ab und hat eine Lösung parat, sondern er interessiert sich für die Symptome im Zusammenhang mit deiner psychischen Befindlichkeit, deiner sozialen Interaktion.
Was der Arzt in der Geschichte mit der verzweifelten Frau macht, ist dies: Er labert sie solange voll, bis die "Lust" auf Suizid erst mal vorüber ist. Er wendet sich ihr zu, er hört ihr zu, er spricht mit ihr.
Laß die Globuli ruhig ein Placebo sein, wenn das Placebo hilft, dann ist es gut. Mein Jüngster, er war damals erst einige Wochen alt, hatte zu Husten begonnen, der Husten wurde schlimmer und wir fuhren schließlich zur (homöopathischen) Kinderärztin. Sie diagnostizierte eine verschleppte Lungenentzündung (wir hatten also zu lange gewartet) und meinte, Kügelchen würden hier nicht mehr helfen, das sei zu gefährlich, es sei ein Antibiotikum nötig. Meine Frau meinte, ob man es nicht doch mit Kügelchen versuchen könnte. Sie einigten sich drauf, daß sie uns ein Antibiotikum mitgäbe und Kügelchen. Sollten sich die Symptome nach der Kügelchengabe binnen zwei Stunden nicht dramatisch bessern, so müßten wir in jedem Fall das Antibiotikum geben.
Wir haben das Antibiotikum nicht gegeben, es war nicht nötig.

Ich war immer skeptisch gegenüber der Homöopathie, ich halte sie nach wie vor für eine dubiose Theorie, aber mei, wer heilt hat recht. Medizin ist nur zum Teil eine Wissenschaft, sie ist auch eine Kunst und in der Praxis ist wahrscheinlich die Kunst
In dem Stück "Frauenarzt Dr. Prätorius" von Curt Goetz wird dem Titelhelden vorgeworfen, er sei gar kein richtiger Arzt, denn er habe früher für eine gewisse Zeit als Quacksalber und Wunderheiler in einem Dorf gewirkt. Prätorius räumt dies unumwunden ein, zeigt seine Approbation vor und meint, er habe seine Behandlungserfolge dadurch erzielt, daß er verschwiegen habe, daß er ein richtiger Arzt sei. Er habe die Leute ganz normal diagnostiziert und behandelt, habe dazu aber ein wenig Hokuspokus gegeben und mit diesem Hokuspokus den Behandlungserfolg befördert.

Ciao
Wolfram
bertamberg schrieb am 11.11.2011 um 13:20
Sie haben es richtig erkannt, wenn auch grammatikalisch etwas eigenwillig formuliert: Mit Homöopathie kann man Abenteuer erleben. Davon handelt u. a. das Buch aus dem ich zitiere und das vom Verlag so charakterisiert wurde:

"Der Autor nimmt uns mit auf die beschwerliche Reise vom Schulmediziner zum unbeirrbaren Homöopathen, von einem Zustand völliger Ahnungslosigkeit bis hin zu seinen Erkenntnissen über eine neue, erfolgreiche Therapie."

www.grundlagen-praxis.de/index.html?mnid=106&mnpt=1|6|8&idcat=2&vw=gpbook&ec=view&idbook=2530
bertamberg schrieb am 11.11.2011 um 14:25
@ Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 06:58

Wie würden Sie mit folgendem Gegenargument umgehen:
"Der springende Punkt dabei ist, dass der/die vorgeblich „Heilende“ gar nicht beurteilen kann, ob seine Therapie erfolgreich war oder nicht. Ohne eine Kontrolle kann er schwer nachweisen, dass der Effekt seiner Maßnahmen spezifisch, oder möglicherweise nur ein Nebeneffekt seiner Handlungen war.

Wenn also nicht belegt ist, dass der/die Heilende wirklich heilt, kann er/sie auch nicht beanspruchen, mit diesen Maßnahmen Recht zu behalten."
www.scilogs.de/wblogs/blog/detritus/alternativmedizin/2010-11-18/faq-der-naturheiler-argumente

Ihre Anekdote lässt mich fragen, welchen Hokuspokus Sie denn ausser der Globuligabe gemacht haben, dass nach zu langem Hinwarten eine verschleppte Lungenentzündung innerhalb zwei Stunden so besser wurde, dass kein Antibiotikum mehr nötig war. Vielleicht können Sie auch noch mathematisch die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, mit der man sich darauf verlassen kann, dass sowas ohne irgeneine Therapie spontan besser wird.
gedankenabfall schrieb am 11.11.2011 um 16:27
Die Frage, die sich mir stellt, ist nur, ob das ein adäquater Umgang mit einem solchen Trauma ist. Ich bin zwar kein Psychologe, aber die Menschen in meinem Bekanntenkreis, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind, benötigten schon etwas mehr als nur ein paar Zuckerkugeln.

Was willst du uns mit dieser Geschichte also vermitteln? Dass Homöopathie „wirkt“, wo Schulmedizin versagt? Diese Frage kann man ohne Kenntnis der Hintergründe in diesem konkreten Fall nicht beantworten und schon gar nicht von einem erfolgreichen Fall auf die Allgemeinheit extrapolieren (Stichwort Anekdote).

@Wolfgang: Mag sein, dass das Gespräch oder die Einnahme der Globuli kurzzeitig von dem Vorhaben abgelenkt haben, und damit auch eine beschränkte Daseinsberechtigung haben. Das ist aber mit einer nachhaltigen Behandlung nicht vergleichbar.
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 19:31
@bertamberg
"Der Autor nimmt uns mit auf die beschwerliche Reise vom Schulmediziner zum unbeirrbaren Homöopathen, ...

Wenn ich das Wort "unbeirrbar" lese oder höre, dann fangen meine Zähne an, zu wackeln. Ich möchte nie - mals und von keinem als "unbeirrbar" beschimpft werden.
derfranzehatgsagt.blogspot.com/2009/11/unbeirrbar.html

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 19:35
@bertamberg
Wie würden Sie mit folgendem Gegenargument umgehen:
"Der springende Punkt dabei ist, dass der/die vorgeblich „Heilende“ gar nicht beurteilen kann, ob seine Therapie erfolgreich war oder nicht. Ohne eine Kontrolle kann er schwer nachweisen, dass der Effekt seiner Maßnahmen spezifisch, oder möglicherweise nur ein Nebeneffekt seiner Handlungen war.


Ich würde antworten: Damit soll sich der Heilende in akademischen Diskussionen herumschlagen, für mich ist wichtig, daß ich wieder gesund bin. Wenn ich mich elend fühle und ein Medizinmann kommt zu mir und sagt: "Hömma, Wolfram, ich kann dich heilen, wenn ich fünfmal um dich rumtanze und dabei 'Hula, hula' rufe", dann sage ich ihm: "Okay, Junge, probier's. Wenns klappt, ist es gut, wenn nicht, geh ich zum Onkel Doktor."
Ich bin prinzipiell strikt gegen Magie und für die Wissenschaft. Wenns um meine Gesundheit geht ist mir aber alles wurscht. Ich hab schon mal 1 Buch über Psychologie gelesen und weiß also, daß der gute alte Hokuspokus "Ich heile dich, ich heile dich" die halbe Medizin ist. Für die andere Hälfte darf der Doc ruhig seine Spritze bereithalten.

Wenn also nicht belegt ist, dass der/die Heilende wirklich heilt, kann er/sie auch nicht beanspruchen, mit diesen Maßnahmen Recht zu behalten.

Dann kann er das halt nicht. Hauptsache, mir geht’s wieder ein bisserl besser. Im Zweifelsfall bin lieber gesund und keiner weiß so recht, warum als tot und der Pathologe kann ganz genau bestimmen, woran ich gestorben bin.

Ihre Anekdote lässt mich fragen, welchen Hokuspokus Sie denn ausser der Globuligabe gemacht haben, dass nach zu langem Hinwarten eine verschleppte Lungenentzündung innerhalb zwei Stunden so besser wurde, dass kein Antibiotikum mehr nötig war.

Ich habe nicht ganz ohne Absicht erwähnt, daß man Sohn damals erst wenige Wochen alt war. Ich habe meine liebe Not, mir vorzustellen, man könnte einen so kleinen Wurm durch Suggestion zur Heilung zu bringen (und wenn es doch so ist, so ist es auch wurscht, Hauptsache, er wurde gesund).
Ich hatte einmal des Nachts ein äußerst unangenehmes Gefühl im Auge, konnte kaum schlafen und hatte mir vorgenommen, gleich morgens, noch vor der Arbeit, zum Arzt zu gehen. Am Morgen habe ich meiner Frau die Symptome geschildert und sie meinte, das sei eine Bindehautentzündung und dagegen hülfen bei mir die Globuli Dings C-irgendwas. Gut, gut, 5 Globuli geschluckt, und 10 Minuten später, noch unterm Frühstück, waren die Beschwerden weg. Ich bin trotzdem zum Arzt, hab ihm die Sache geschildert und daß ich jetzt keine Beschwerden mehr hätte und er meinte, dann sei es ja gut. Das war kein homöopathischer Arzt, aber einer, dem die Gesundheit wichtiger war als die Wissenschaft.

Vielleicht können Sie auch noch mathematisch die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, mit der man sich darauf verlassen kann, dass sowas ohne irgendeine Therapie spontan besser wird.

Gottchen, in der Medizin, ebenso wie in der Psychologie, kann man sich nie auf irgendwas wirklich verlassen. Wir sind alle in Gottes Hand. Das schreibt jetzt ein alter Atheist, der über Gott und Religion spottet, wo immer es möglich ist. Völlig inkonsequent. Richtig.
Konsequenz - das ist bloß der Quälgeist kleiner Köpfe.
RALPH WALDO EMERSON
derfranzehatgsagt.blogspot.com/2010/06/atheismus-sudliche-variante.html

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 19:35
@gedankenabfall
Die Frage, die sich mir stellt, ist nur, ob das ein adäquater Umgang mit einem solchen Trauma ist. Ich bin zwar kein Psychologe, aber die Menschen in meinem Bekanntenkreis, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind, benötigten schon etwas mehr als nur ein paar Zuckerkugeln.

Natürlich, klar. Ich bin leider Psychologe (ach, hätte ich doch 1 anständigen Beruf gelernt!) und ich stimme dir zu. Mit Medizin, also physischer Therapie, kommst du bei psychischen Traumata natürlich nicht weit. In diesem Falle aber ging es um eine akute Krisenintervention und da ist (fast) jedes Mittel erlaubt. Es soll Fälle gegeben haben, in denen die Polizei einem Selbstmordkandidaten am offenen Fenster im 20. Stock damit gedroht hat, ihn zu erschießen, wenn er nicht so - fort einen Schritt rückwärts macht. Eine absurde Drohung in einer verrückten Situation. Wenn es hilft, ist es wohlgetan.
Wäre ich am Telefon gewesen, so hätte ich, wenn sonst nichts mehr geholfen hätte, der suizidverliebten Patientin auch einen Herz- oder Schwächeanfall meinerseits vorgetäuscht. Plötzlich wären die Rollen vertauscht gewesen, sie wäre für mein Wohlbefinden verantwortlich gewesen und nicht länger ich für das ihre. Jede Wette, daß sie vom Fensterbrett gestiegen wäre und den Notdienst alarmiert hätte, um mich zu retten... Dann kann ich ja immer noch springen, das aber hätte sie dann nicht mehr gemacht.

@Wolfgang:

-ram, -ram, -ram. Wolfram.

Mag sein, dass das Gespräch oder die Einnahme der Globuli kurzzeitig von dem Vorhaben abgelenkt haben, und damit auch eine beschränkte Daseinsberechtigung haben. Das ist aber mit einer nachhaltigen Behandlung nicht vergleichbar.

Mein Sohn war aber danach gesund. Das Antibiotikum hatten wir in den nächsten Tagen immer noch in Reichweite und es war gut, daß es da war. Es war noch besser, daß wir es nicht gebraucht hatten.
Was ich damit sagen will: Wenn es um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht, ist Logik, sind Prinzipien und dergleichen nicht mehr relevant.
* Alles ist okay, aber ich habe keine Ahnung warum
* Alles ist Scheiße, aber ich kann dir genau sagen, warum das so ist
Und nun wähle zwischen den beiden Alternativen.

Ciao
Wolfram
tlacuache schrieb am 12.11.2011 um 06:23
Wolfram,
Das ist wohl das beste, was ich jemals bei dieser Polemik gelesen habe ;-)

Aber einen anstaendigen Beruf haettest Du schon lernen koennen
:-))))))))))))))

P.S.
Bei der naechsten Lungenentzuendung meiner Frau rufe ich sie an:
"Schatz, ich springe jetzt"
(Aus dem Erdgeschossfenster)
Ich lass euch wissen, wie DAS wirkt
;-)
Wolfram Heinrich schrieb am 12.11.2011 um 11:44
@tlacuache
Aber einen anstaendigen Beruf haettest Du schon lernen koennen
:-))))))))))))))


Jetzt ist es auch zu spät. Säufts.

Ciao
Wolfram
gedankenabfall schrieb am 12.11.2011 um 20:53
Hallo Wolfram!

-ram, -ram, -ram. Wolfram.


Uuups, sorry!

Zum Thema: Ich finde es ja völlig in Ordnung, dass Leute für sich selbst entdecken, dass ihnen Homöopathie hilft und sie nicht weiterfragen und wissen wollen. Das ist Jedermanns gutes Recht!

Dabei bleibt's ja leider nicht. Meine Allgemein- und meine Kinderärztin hat mir schon Homöopathika angedreht, ständig wollen mich Kollegen und Bekannte zur Homöopathie bekehren und so weiter. Dazu kommt, dass manche Leute zu viel erwarten und Homöopathika und andere Alternativmedizin kritiklos verabreichen, ohne noch ein konventionelles Backup zu haben. Wenn bei der Mittelohrentzündung der Eiter schon aus dem Ohr läuft nach Malträtierung mit Globuli, und das Kind schreit vor Schmerzen, grenzt das an Körperverletzung.

Mein Sohn war aber danach gesund.


Ich werde das nicht anzweifeln, aber ich habe auch keine Möglichkeit, das nachzuprüfen! Und selbst du weißt nicht, woran der Kleine gesundet ist, ob's nicht etwas ganz anderes als das Globuli war. Deine Geschichte ist eben eine Anekdote, und damit von sehr beschränktem wissenschaftlichem Wert. Die Fehlbarkeit und Selektivität der menschlichen Wahrnehmung ist ja schon fast sprichwörtlich; also muss man sich etwas klügeres ausdenken. Kontrollierte, verblindete Studien sind auf jeden Fall ein Weg in die richtige Richtung, weil sie nachvollziehbar einige offensichtliche Fehlerquellen ausschließen.
bertamberg schrieb am 12.11.2011 um 22:34
@ gedankenabfall schrieb am 11.11.2011 um 16:27
Ich habe in meinem Text vier Fragen gestellt, die ich als bislang nicht hinreichend beantwortet ansehe.

Die Frage nach dem "adäquaten Umgang mit dem Trauma" stellt sich zurecht, ich möchte hervorheben, dass bei dieser Patientin die pharmakologisch unterstützte Psychotherapie keinen Erfolg, sondern eher eine Verschlechterung ihrer Lebenssituation gebracht hatte.

Es geht mir nicht darum, dass hier verallgemeinert werden könnte, es geht auch nicht darum, zu sagen, Homöopathie würde in einem vergleichbaren Fall als einzige Behandlung ausreichen.

Ich denke, es ist auch zu kurz gegriffen, zu sagen, der Arzt hat die Patientin beschwatzt.

In der Theorie wirkt ein individuell ausgesuchtes Homöopathikum wie ein Schlüssel zu einem Schloß (§148 Organon der Heilkunst von Hahnemann). Wenn die Theorie sich in der Praxis immer wieder bestätigen lässt, scheint etwas dran zu sein.
bertamberg schrieb am 12.11.2011 um 22:38
@ Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 19:31
Unbeirrbar... Ihr Unbehagen bei diesem Wort kann ich nachvollziehen. Vielleicht sollte man es nur so verstehen, dass jemand, der von der Schulmedizin kam, bereit war, der Homöopathie einen Rang als therapeutischer Methode zuzuerkennen statt grundsätzlich abzuerkennen.
Wolfram Heinrich schrieb am 13.11.2011 um 02:49
@gedankenabfall
-ram, -ram, -ram. Wolfram.
Uuups, sorry!


Das macht nichts, dergleichen passiert mir öfter. Was habe ich auch so einen Namen.

Dabei bleibt's ja leider nicht. Meine Allgemein- und meine Kinderärztin hat mir schon Homöopathika angedreht, ständig wollen mich Kollegen und Bekannte zur Homöopathie bekehren und so weiter.

Ich glaube, damit muß man leben. Ständig versucht irgendeiner einem irgendwas anzudrehen. Nicht selten hilft ein klares Nein.

Wenn bei der Mittelohrentzündung der Eiter schon aus dem Ohr läuft nach Malträtierung mit Globuli, und das Kind schreit vor Schmerzen, grenzt das an Körperverletzung.

Apropos Mittelohrentzündung. Wenn die Kinderärztin Urlaub hatte oder wir zum Notdienst am Wochenende mußten waren wir öfter mit normalen Ärzten konfrontiert. Mein Jüngster hatte eine zeitlang öfter mal Ohrprobleme. Mandeln raus, hieß es dann, einer riet sogar, das Trommelfell in dem einen Ohr zu durchstechen. Wir haben es nicht gemacht, gottlob. Mit den Globuli haben wir den Kindern viel Antibiotika erspart, wenn sie überhaupt je bei ihnen eingesetzt wurden. Das wird ein großer Vorteil sein, wenn sie wirklich mal und unvermeidlicherweise Antibiotika brauchen.

Und selbst du weißt nicht, woran der Kleine gesundet ist, ob's nicht etwas ganz anderes als das Globuli war. Deine Geschichte ist eben eine Anekdote, und damit von sehr beschränktem wissenschaftlichem Wert.

Sie ist von überhaupt keinem wissenschaftlichen Wert. Eine wissenschaftlich saubere Evaluation mögen die Leute machen, die damit befaßt sind. Für mich sind die gemachten Erfahrungen wichtig, sollten sie sich irgendwann nicht mehr bewähren, werde ich nach anderen Lösungen suchen müssen.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 13.11.2011 um 02:50
@bertamberg
Unbeirrbar... Ihr Unbehagen bei diesem Wort kann ich nachvollziehen. Vielleicht sollte man es nur so verstehen, dass jemand, der von der Schulmedizin kam, bereit war, der Homöopathie einen Rang als therapeutischer Methode zuzuerkennen statt grundsätzlich abzuerkennen.

Ich vermute ja, daß der Gebrauch des Wortes "unbeirrbar" in der Regel gedankenlos geschieht, so auch hier. Man verwendet ein Wort, ohne sich Gedanken zu machen, was es bedeutet.
Wenn einer auf meiner Linie liegt, dann nenne ich das Verhalten einer Person "prinzipienfest", liegt er nicht auf meiner Linie nenne ich dasselbe Verhalten "stur, unbelehrbar".

Ciao
Wolfram
bertamberg schrieb am 13.11.2011 um 15:24
@ Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 19:35

"Wenn es um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht, ist Logik, sind Prinzipien und dergleichen nicht mehr relevant."

Legen Sie hier nicht eine falsche Fährte? Sie haben doch im Falle Ihres Sohnes entsprechend einer Logik gehandelt, nämlich: Das Homöopathikum zuerst, wenns nicht hilft, schaun mer mal.

Trotzdem deutet diese Bemerkung an, dass Logik nicht alles ist, und Wissenschaft eigentlich nur die Art und Weise, wie Wissen verwaltet wird, und da sieht's oft aus wie bei Hempels unter dem Sofa, auch wenn die Oberfläche hochgelackt ist.

Bei der Gelegenheit noch eine Definition von Unwissenschaftlichkeit: Eine Wissenschaft, die nicht dativisch, sondern materialistisch oder idealistisch denkt, verhält sich unwissenschaftlich. (Eugen Rosenstock-Huessy)

Fällt Ihnen dazu etwas ein, Sie, der Sie an anderer Stelle von sich behauptet haben, ungebildet zu sein, was ich nur als Absurdität oder Bescheidenheit werten kann?
bertamberg schrieb am 13.11.2011 um 15:25
@ tlacuache schrieb am 12.11.2011 um 06:23

Wahr, wahr, selten so lange gelacht und geschmunzelt.
Wolfram Heinrich schrieb am 13.11.2011 um 16:25
@bertamberg
Legen Sie hier nicht eine falsche Fährte? Sie haben doch im Falle Ihres Sohnes entsprechend einer Logik gehandelt, nämlich: Das Homöopathikum zuerst, wenns nicht hilft, schaun mer mal.

Ja, schon, aber das ist die Schaumermal-dann-sehn-ma-schon-Logik, die ist nicht sonderlich stringent, eher launisch. Die Logik ist, in diesem speziellen Falle, etwa die: Ein Antibiotikum ist ein ziemlich heftiger Eingriff, die Kügelchen wirken, wenn sie denn wirken, eher sanft. Also probiert man erst mal - so viel Zeit war noch, auch die Ärztin hat nicht diagnostiziert, daß mein Sohn in den nächsten Stunden sterben würde - die sanftere Methode, an die allerdings sehr hohe Anforderungen gestellt werden: Sie muß innerhalb von 2 Stunden wirken.

Trotzdem deutet diese Bemerkung an, dass Logik nicht alles ist, und Wissenschaft eigentlich nur die Art und Weise, wie Wissen verwaltet wird, und da sieht's oft aus wie bei Hempels unter dem Sofa, auch wenn die Oberfläche hochgelackt ist.

Sagen wir mal so: Eigentlich halte ich die Logik sehr hoch, sie ist mir sehr wichtig. Wer unlogisch, wer nicht gnadenlos logisch denkt, landet ganz schnell im puren Unfug. In ganz elementaren, existentiellen Situationen wirst du dagegen mit Gefahren und Ängsten konfrontiert, denen du mit purer Logik nicht mehr beikommen kannst, hier ist Psycho-Logik gefragt.
Mein philosophischer Lieblingsheld seit meinen Jugendtagen ist Peppone, der kommunistische Bürgermeister aus den "Don Camillo"-Geschichten. Peppone ist Atheist, aber als sein kleiner Sohn auf den Tod liegt, schleicht er des Nachts heimlich in die Kirche, einige Kerzen unter dem Mantel. Die zündet er vor der Madonna an (ausdrücklich nicht vor ihrem Herrn Sohn, der es Peppones Meinung nach zu sehr mit den Reaktionären hält) und fleht sie um das Leben seines Sohnes an.
Peppone entzündet die Kerze vor der Madonna - und bleibt trotzdem Kommunist und Atheist. Sein Handeln ist pure Inkonsequenz, aber er ist in einer verzweifelten Situation, er braucht etwas, um an dieser Situation nicht zu zerbrechen.
Ich persönlich halte Religion generell für Autosuggestion, der Mensch erfindet sich Gott und er phantasiert sich einen in die Welt und das Leben hinein, um nicht von der Angst vor dem Leben aufgefressen zu werden. Nur der Mensch kann kraft seiner Intelligenz nach vorne schauen und sieht sich dort einer völlig ungewissen Zukunft konfrontiert. Tiere können das noch nicht, bei ihnen setzt die Furcht erst dann ein, wenn die Gefahr am Horizont auftaucht.
Im Prinzip ist Religion also eine Form von kollektivem Wahnsinn, allerdings ein Wahnsinn, der sich über die Jahrtausende hinweg als ungemein überlebensförderlich erwiesen hat. Das Konzept Gott ist ein Trick der Evolution.

Bei der Gelegenheit noch eine Definition von Unwissenschaftlichkeit: Eine Wissenschaft, die nicht dativisch, sondern materialistisch oder idealistisch denkt, verhält sich unwissenschaftlich. (Eugen Rosenstock-Huessy)
Fällt Ihnen dazu etwas ein, Sie, der Sie an anderer Stelle von sich behauptet haben, ungebildet zu sein, was ich nur als Absurdität oder Bescheidenheit werten kann?


Schönen Dank, daß Sie mir das als Koketterie anrechnen, aber ich habe - für einen Akademiker zumindest - verdammt wenig gelesen. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, das Gelesene zu verdauen und die Gedanken weiterzuspinnen.
Zu Ihrer Frage: Ich verstehe Sie leider nicht, sie ist vielleicht ein wenig knapp ausgefallen. Mit "dativisch" meinen Sie sicherlich nicht den Dativ, sondern so etwas wie "datenbezogen". Was ich dann nicht verstehe ist, wie Datenbezogenheit ein Widerspruch zu Idealismus oder Materialismus sein soll. Idealismus und Materialismus sind zwei Arten, die Welt zu betrachten und zu deuten, erst Geist, dann Materie oder umgekehrt. Daten sind die unabdingbare Grundlage für eine sinnvolle Weltbetrachtung, aber sie sind noch nicht die Weltbetrachtung selbst. So wichtig die von Naturwissenschaft und Mathematik erhobenen Daten sind, sie alleine sind zunächst mal nur der Lego-Baukasten, die Häuser muß man sich dann selber aus den Bausteinen bauen.

Ciao
Wolfram
bertamberg schrieb am 14.11.2011 um 19:11
@ Wolfram Heinrich schrieb am 13.11.2011 um 16:25

Stichwort "Logik": Die Frage eventueller Nebenwirkungen der Verhältnismäßigkeit gab den Ausschlag für die Homöopathie, gerade weil kein Risiko bestand, dass dadurch eine inakzeptabel negative Folge zu befürchten sei - Wenn Gedankenabfall vorher das Stichwort "Mittelohrentzündung" mit drohender Körperverletzung durch homöopathische Medikation ins Spiel bringt, ist das nur Angstmache. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Antibiotikagabe eine Entzündung, ob nun im Mittelohr oder sonstwo, zuerst nur chronisch wird und dann akut wiederkommt, ist relativ groß. Meine Erfahrung ist, dass hier wirklich ein erfahrener Therapeut nötig ist, um das homöopathisch und antibiotikafrei behandeln zu können , die parallele Gabe von Antibiotikum und Homöopathikum möchte ich gar nicht ausschließen, denn selbst wenn in 70% der Fälle Homöopathie erfolgreich sein kann, gibt es eben 30 % Fälle, wo das nicht der Fall ist.

Diese Risikoabschätzungen gehören zum Therapeutenberuf dazu, und das führt mich zur Erklärung, was "dativisch" meint: Es ist ganz banal die Frage nach dem Dativ: Cui bono? Wem nützt es? Ihrem Sohn hat es genützt, es hätte ihm nichts genützt, wenn Sie idealistisch gesagt hätten: Die Doppelblindstudie XY hat aber gezeigt, das hilft nicht oder materialistisch: In den Globuli ist bekanntermaßen kein Wirkstoff drin, also kann es nicht helfen.

Wenn ein Mittel sich in einem Einzelfall wie den von Ihnen beschriebenen bewährt, obwohl die Erfolgsaussichten nach der Statistik gleich Null sind, ist es ein dativischer Beweis der Wirksamkeit, ein konkretes Ergebnis, das Richtige im Hinblick auf jemandem gemacht zu haben.
“Große Zahlen liefern ein statistisch gesehen genaues Ergebnis, von dem man nicht genau weiß, auf wen es zutrifft. Kleine Zahlen liefern ein statistisch gesehen unbrauchbares Ergebnis, von dem man aber besser weiß, auf wen es zutrifft. Schwer zu entscheiden, welche dieser Arten von Unwissen die nutzlosere ist.”
Beck-Bornholdt HP, Dubben HH (2003): Der Schein der Weisen. Rowohlt Reinbek

Wenn ich bestätigt bekomme, in einem Fall das Richtige gemacht zu haben, war das Wissen, das mich dazu geführt hat, nützlich.

Wer aber nicht zuzugeben bereit ist, dass Statistiken in die Irre führen können, oder dass idealistische Standpunkte mit einer Tendenz zur Rechthaberei einhergehen können, weckt meine Skepsis.
bertamberg
Xundheit! Salut ! o! genese! Therapie muss aufs Ganze gehen.
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Logbuch
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Nil hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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fuerTiere hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Sisyphos Boucher hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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