Da wo ich wohne ist es üblich nicht im Haus zu rauchen. Weil alle Häuser aus Holz sind und die meisten Städtchen in der Vergangenheit schon 8 mal durch Feuer komplett abgebrannt sind. Es gibt schwarz-weiss Fotos auf denen man große Aschenflächen sieht. Viele aufragende Schornsteinchen zwischen Aschehäufchen. Ratlose Bewohner mit offenen Mündern, hier und da qualmte es noch ein wenig. Körperlich blieb man gesund. Der Grund war: wenn bei Hannsen erst mal die Stube brannte, verließen alle Bewohner geschlossen und Einträchtig ihre Ortschaft. Wenn es brennt, dann brennt es solange die Flammen etwas zu fressen haben. Man wartete ein bis zwei Tage in der Umgebung bis es sich abkühlte. Man hielt zusammen und kam bei Freunden und Bekannten unter. Dann baute man eine neue Stadt. Aus Holz. Das führte übrigens vor etwa 3 Stunden zur Einführung der Feuerwehr in jeder Kommune Norwegens. Traditionell bleibt das Thema Brandschutz und die Angst vor Feuer auf Platz eins aller Diskussionen. Gefolgt von Mobbing/Gewalt/Integration und einem zu kleinem Flatscreen-TV.
Reihenfolge der Notrufe meines Landes:
Feuer: 110
Polizei: 112
Krankenwagen: 113
Hausraucher gelten als ein Beweis des Bösen unter der Menschheit. Sie sind gesellschaftlich nicht sehr hoch angesehen. Selbst zu den Nachspielen am Wochenende, wo man nach Ladenschluss in Privathäusern abhängt, in Verbindung mit Sex, Drogen, Sex, Musik, Sex - in der Reihenfolge, je nach dem was zuerst eintrifft- da gibt es kaum Ausnahmen. Der ursprüngliche Sicherheitsaspekt wurde in den letzten Jahren noch durch einen anderen Hype ergänzt: Der Geruch nach Rauch. Alle gehen in den Garten oder vor das Haus rauchen. Wir sind reich und riechen nicht nach Rauch, unsere Häuser sind weiss und unsere Koksärsche auch.
Als Kennerin der deutschen Nachsichtigkeit und Vehältnismässigkeit denke ich anders. Trekant Oralsex mit Auflagen mag für die meisten Teens hier gut gehen, wenn es sich aber mal ein bisschen hinzieht, muß man nachdenken. Wer einen Ofen hat kann sich körperlich entspannt verlagern, vor der offenen Ofentür rauchen. Den Dingen an einem da unten ihren Lauf gehen lassen. Fast jeder hat Öfen hier. Ich rauche selten alleine, dann meistens vor dem Herd unter der Ablufthaube (norw.: Vifter). Die nordische Ablufthaube saugt die Abluft meines Kulturkreises hardcoremäßig nach außen. Die Haare wehen. Standardmäßig wird ein Vivter von HUSQVARNA verbaut, 2 Motoren; 4 Ansaugstärken; Licht; Leistung (Watt) unbekannt da Stromverbrauch, -preise kein Thema sind. Woanders auf der Welt sind die Ablufthauben das Papier nicht wert aus dem sie gemacht sind. Deutschlands Ablufthauben sind ein Witz. Ich habe einige gesehen die hatten keinen Abzug nach außen. Es wurde einfach nach oben in den Raum verpustet! Auch ein Luftaustausch in der Küche wäre wegen der fehlenden Leistung nicht, oder nur nach Stunden möglich. Pah, Skandalös!
Jetzt komme ich aber zum Punkt: Habe neulich Abend den Wunsch gehabt eine Zigarette zu drehen und danach zu rauchen. In der Reihenfolge, und vor dem Vifter. Ich warf die Kippe nach ein paar Zügen in die Spüle links neben dem Herd. Wollte gerade den Wasserhahn betätigen um den Zigarettenstummel mit Hilfe des Wasserstrahls hinweg zu bürsten, da sah ich etwas merkwürdiges..
Die in die Spüle geworfene Kippe stand. Das heißt, sie fiel auf die Mundstückseite und kippte nicht weiter in Wurfrichtung sondern stand wie ein kleiner erigierter Schwanz aufrecht in der Spüle. Ich hab ein Foto davon gemacht und blieb noch längere Zeit bei der Kippe in meiner Küchenzeile.
Nach langem Getue und dem kurzen 'Ping' gegen Ende, eigentlich immer Mittendrin von allem, ständig wächst eine Erkenntnis meist als Feind der Konformität. Auch als später auf dem Foto das Geheimnis sich lüftete, war das egal. Es ist wohl möglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen, aber es riecht nach Rauch.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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