rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

09.01.2011 | 04:21

amerikanischer Kollateralschaden

Gabrielle Gifford wusste von den Drohungen gegen sie, die vor den Kongresswahlen massiv zugenommen hatten. Jetzt liegt die Politikerin auf der Intensivstation, mit schweren Kopfverletzungen.

Was zunächst von der Tea Party mit medialem Trommelfeuer begann , forderte jetzt ein erstes Opfer, egal, ob die demokratische Abgeordnete überlebt. Das politische Klima in den USA wird rauher. Drohungen gehörten im Wahlkampgf zur Normalität, Farbbeutelattacken und anderes haben viele Kandidaten erlebt. Jetzt der Mordanschlag auf die gewählte Parlamentarierin, die der Tea Party und den Republikanern als Gegnerin galt. Da hilft es auch nicht, dass der neue Chef des Repräsentantenhauses, der Republikaner Boehner, Bedauern äußert.  In der praktischen Politik ist Boehner ein Blockierer, er will den demokratischen Präsidenten ausbremsen, wo er nur kann.

Nimmt man dazu die Äusserungen des Sohnes der Rosenbergs, welche Anfang der 50-er Jahre als angebliche russische Spione hingerichtet wurden, dass Assange nach dem gleichen Gesetz wie seine Eltern angeklagt werden sollen, so kann einem ein Schauer über den Rücken kriechen.

Twitter soll jetzt Assanges Daten an US-Behörden übermitteln, und nicht nur diese. Selbst eine isländische Abgeordnete soll betroffen sein, über welche die US-Ermittlungsbehörden etwas wissen wollen. Trifft es Facebook und andere social networks ebenso?

Was wir jetzt erleben, ist die harte Realität. Nicht nur für Obama brechen harte Zeiten an, sondern für jeden, dem Meinungs - Freiheit und Menschenrechte, Toleranz und Vielfalt wichtig sind.

Wird dieser Vorfall heute in Arizona zu einem Umdenken, wenigstens zu einem Innehalten, einem Nachdenken führen? Ehrlich gesagt, befürchte ich  -- nein. Zu unversöhnlich stehen die Konservativen allem Liberalen,  aller Aufweichung des american way of life, allem Unamerikanischen gegenüber. Die Schüsse werden als unvermeidlicher Kollateralschaden angesehen werden, der halt passiert. Einer sachlichen politischen Auseinadersetzung dient all dies allerdings nicht.

 

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 09.01.2011 um 07:36
Das Attentat auf Gifford hat noch ein paar weitere Hintergründe. Sie gehört zu den Politikern, die auf Palins Website quasi als "Zielscheibe" ausgewiesen waren - die Seite in der Form ist inzwischen vom Netz genommen worden. Bereits nach der Abstimmung über das Gesundheitsrefomgesetz hatte es massenweise Haßparolen gegeben, ihr Büro war verwüstet worden.
Sie ist die jüngste Frau, die jemals in den Kongress gewählt wurde, noch dazu Jüdin, unterstützt Obama - anscheinend das perfekte Ziel für solche Kampagnen.

Dazu kommt in Arizona auch noch die Anti-Immigrant-Stimmung.
Unter den bei dem Attentat Getöteten war auch der Richter John Roll. Er hatte bereits früher Polizeischutz rund um die Uhr, da er ein Verfahren gegen einen Mann zu verhandeln hatte, der Immigranten bedrohte und schikanierte. Max Blumenthal, der in dem Prozess als Zeuge aussagte, schildert das hier:
maxblumenthal.com/2011/01/my-day-in-the-courtroom-of-judge-john-roll-who-lived-and-died-in-arizonas-climate-of-hate/

Aber man beeilte sich in allen Medien festzustellen, dass dies kein terroristischer Akt sei. Schließlich war der Täter ja kein Muslim.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2011 um 12:42
Screenshot der Palin Website:Mein Bild
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2011 um 12:45
Mein Bild
Waldkönigin schrieb am 09.01.2011 um 08:59
Die Entwicklung in den USA bereitet mir Sorgen. Wohin soll das alles noch führen? Dieser Hass, diese Gewalt...
Alles, was den "American Way Of Life" verändern könnte wird bekämpft, wo es nur geht. Warum denken diese Amerikaner nicht mal an die Möglichkeit, dass es eventuell auch noch andere Lösungen als die eigenen althergebrachten (und vielleicht auch überkommenen) geben könnte?
Alien59 schrieb am 09.01.2011 um 10:00
Umdenken scheint schwer zu fallen. Leider aber scheint sich dieser spezielle, McCarthy-ähnliche Virus sehr schnell auszubreiten.
Alien59 schrieb am 09.01.2011 um 10:02
J.Cole mit mehr Infos und einem guten Titel:
www.juancole.com/2011/01/white-terrorism.html
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 10:13
Na, wenn die Teaparty-Leute dann die Ernte einfahren und mittels ihrer reaktionären Verbindungen das Land übernehmen um es dann mit den wirklich patriotischen, aufrichtigen Amerikanern endlich in den Griff zu bekommen erhält auch für uns die Bündnistreue neue Dimensionen.
ebertus schrieb am 09.01.2011 um 11:13
@sachichma schrieb am 09.01.2011 um 10:13

Diese Gefahr scheint mir sehr real, auch im Zeithorizont nicht weit weg. Bissiger Sarkasmus liegt einem vielleicht auf der Zunge, aber der Griff an die eigene Nase sollte Erschrecken machen. Nein, nein..., nicht mal soo weit zurück denken an das Großdeutsche Wesen.

Erst 20002/03 wollte die Oppositionsführerin hierzulande uns einreihen in die "Koalition der Willigen" und gen Irak schicken. GWB (schlimmer gehts scheinbar immer) hatte gerufen und leider, leider waren Populist Schröder und Sponti Fischer d'ran. OK, ob der daraus wohl erwachsene Deal (stattdessen Afghanistan) schlussendlich sinnvoller endet, wird sich noch zeigen; war es vielleicht nur die vermeintliche Wahl zwischen Pest und Cholera.

Man kann nur hoffen, dass die Linke hierzulande sich da nicht einreiht - bei aller, gern auch medial gehypter Kritik. Für den Rest, für die gaanz großen Koalition gilt sowieso der Volksmund:

"Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen"
ebertus schrieb am 09.01.2011 um 11:51
Nachtrag:

Bissiger, bitterer Sarkasmus vielleicht, weil "irgendwo" gelesen, dass die angeschossene Politikerin eine Verfechterin der dortigen Philosophie des freine Waffenbesitzes wäre.

Andererseits, dass es hier nicht so ist, hat Dutschke damals auch nicht vor einer derartigen Tat bewahrt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 13:18
Sie liegen eben ganz richtig was den Trend in den USA betrifft. Es ist schade das diese Informationen nicht hier in Deutschland zu finden sind und so alles immer auf Englisch ist...

thirty-nine of the German-born scientists who entered the United States through Project Paperclip were sworn in as U.S. citizens. Military Intelligence "cleansed" the files of Nazi references. the U.S. pointedly chose fervent Nazi scientists with experience in chemical, biological and radioactive warfare to become the architects of the CIA’s darkest military experiments involving human guinea pigs, mirroring Nazi Germany.
BanaBab schrieb am 09.01.2011 um 10:42
Was offenbar viele noch nicht wahrhaben wollen, wir stehen längst in einem Krieg den die egozentrische US-Machtelite der Welt schon vor 60 Jahren erklärt hat. Die Entwicklung der letzten Jahre offenbart immer deutlicher das Ergebnis einer in USA konsequent durchgeführten Gehirnwäsche, religiös untermalt aber klar machtpolitischen Zielen dienend. Eine ungebildete Masse taumelt im Sog dieser patriotischen Überhöhung des Amerikanischen in den Abgrund der Intoleranz und der absoluten Unfähigkeit ander Denkweisen zu akzeptieren. Erst wenn dieses Amerika besiegt wird kann auf dieser Erde wieder etwas Ruhe einkehren. Aber diese Zeit wird weiterhin blutig bleiben. Dafür sorgen die von dieser Elite geförderten "Young leader" wie Guttenberg, Merkel etc. etc.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 11:10
@BanaBab schrieb am 09.01.2011 um 10:42

Na ja... ich kann mich mit dieser These nicht so richtig anfreunden. Wie willst Du denn "dieses Amerika" besiegen? Welche Mittel wären dafür legitim? Wen genau möchtest Du besiegen? Da sind Leute wie Du und ich... Was verstehst Du unter "besiegtes Amerika", wie soll es aussehen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 13:23
Geht es um "besiegen"? Lesen Sie doch einmal die Schauergeschichten der CIA und deren Verbandelung mit NAZIs, (vielleicht, weil auf dem Voltaire.net, ist es mittlerweile schon auf Deutsch, jedenfalls ist dann in Grunde alles klar. Und was das "besiegen" betrifft: die junge amerikanische Geschichte zeigt das solche Querelen dann zur "inneren Angelegenheit" erklärt werden, Nationalgarde usw.
BanaBab schrieb am 09.01.2011 um 15:10
@Krem-Browning,
ich habe nicht von den "Leuten wie Du und ich" geredet sondern von der Machtelite und ihre Strukturen welche das eigenen Volk aufgrund der jahrzehntelangen Gehirnwäsche gut im Griff hat. Wir können nur mit dem vernuftbegabteren Teil der USA zusammenarbeiten. Nur dieser hat es wie man sieht extrem schwer und das wird nicht besse vorläufig. Leider.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 14:59
Lieber BanaBab, das könnte sich aber einigermaßen schwierig gestalten, nur mit dem vernunftbegabteren Teil der USA zusammenarbeiten? Denn der eine Teil der USA-Bevölkerung treibt die Gehirnwäsche... und der andere Teil lässt es mit sich treiben... wer bleibt es dann schon vernunftbegabt? Und vor allem wieviele? Wie definiert man Vernunftbegabung? Und: Was machen wir mit den Restlichen, die diese Begabung nicht haben? Besiegen? Mit welchen Mitteln? Bleiben wir dabei selbst vernünftig?

LG

L.
ForenBoy schrieb am 09.01.2011 um 13:44
brutal aber simpel: Sarah Palins "Liste" wird "abgearbeitet":

i.imgur.com/eDr2J.png
rolf netzmann schrieb am 09.01.2011 um 14:07
2008 war vieles im Sog des charismatischen Barack Obama, es war eine Aufbruchstimmung. Und heute? Obama selber kämpft um sein politisches überleben, seine Gegner habe sich neu formiert und Sahra Palin findet Leute, welche ihre irren Wünsche nach toten demokratischen Politikern realisieren.... grauenvoll
rolf netzmann schrieb am 09.01.2011 um 14:11
Amerika besiegen, wie und wen? Geht es nicht eher darum, dass wir, weltweit, eine neue Kultur des achtsamen Umgangs miteinander brauchen? Die Weltmacht selber ist innerlich krank, das haben wir gestern wieder demonstriert bekommen, und diese innerlich kranke Weltmacht soll die Welt schützten, das ist paradox.
Vielleicht sollten sich die USA erstmal zurückziehen und selber kurieren, ehe sie mit ihrer Krankheit die Welt weiter infizieren...
ForenBoy schrieb am 09.01.2011 um 14:26
Der Fanatismus der ultra rechten Bürgerschicht ist leider nicht nur merk befreit, sondern auch extrem gefährlich.

Die Entwicklung in den USA ist in Teilen vergleichbar mit Israel, seinen orthodoxen Zionisten und der Ermordung Jitzhak Rabins 1995.

Ein Nationalistisch-Religiöser Mordversuch?
tinyurl.com/ForenBoy
BanaBab schrieb am 09.01.2011 um 15:18
rolf netzmann,
völlig richtig! Das Problem ist nur dieses untergehende Imperium schlägt in freiem Fall um sich und wird noch viele mitreissen. Und durch den tiefsitzenden Hass der Neokonservativen gegen Andersdenkende werden menschenverachtend zunehmend Waffen eingesetzt und wir sind schon mittendrin wie hier jeder weiss.
"Kultur des achtsamen Umgangs " ist langfristig die einzige Alternative. Aber gegen einen waffenstrotzenden, hasserfüllten Gegner sind Worte erst mal machtlos wie wir auch jeden Tag erleben müssen.
rolf netzmann
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